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Jüdische Volksstimme · 1914-06-18 · Heft 23 (18.6.1914) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 23 (18.6.1914)
Date
1914-06-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. ״Mische »,IMfttam» Rr. 23. telegraphisch um Aufklärung bat, stellte es sich I,eruus, daß dies gewöhnliche Betrüger sind, die diese Weise unsere Idee auszunützcn wißen. Wir erachrcn es als unsere Pflicht, die breite Oeffentlichteit, besonders unsere Gesinnungsgenossen von den Betrü-.ern zu warnen, da sic ihren Wohnort irgendwo in Oslgalizien haben und eine wohlorganisicrte Schnorverbandc bilden, die sich über ganz Galizien verteilt hat. Tas Koin!- sche dabei ist. die eigenartige Äöpcnickiadc, die sie betreiben, in den׳ sic sich die Höhe der gcsammeltcn Betrage walirscheinlich zu ihrer gegenseitigen Kontrolle von den jüd. Kultusgeincinden bestätigen lassen. Wie wir nachträglich in Ersaln'vng. gebracht haben, ist der Nckoininendationsbrief der Etzcrnowihcr Äultusgcmeindc der oben genannten Betrüger auch gefälscht, da ein an d׳e jüd. v nstnsgcmcindc in Ncumarkt gerichte^s Telegrannn berichtet, daß sic gnindsätzlich keine Bettelbriefe ausstellcn׳, wahrscheinlich sind also d!e allen anderen Beglaubigungsschreiben e-uch gesällschi. Esset. Am l<>. und 11. Juni hielt Herr Dr. Hermann Kadisch nu Taale der israelitischen .rtnliusgeiiieinde in Esset Oberstadt Borträge ab, die von den, in überaus großer Anzahl anwejcudcu Publikum mit großem Beifalle' aufgcnommeu wurden. Oer Vortragende befaßte sich mit der Darstellung des Wesens, den Zielen und Aufgaben des Zionismus, mit den Entstchungs- Ursachen des Antisemitismus, mit den drei großcn Weltfrageu: den nationalen, religiösen und sozialen Bestrebungen der Böller im Allgcmeineu und denen der Juden insbesondere. An der Hand historischer Tatsachen und politischer Ereignisse wies der Nedncr überzeugend nach, daß der nationale Ehanvinismus der Nährboden des Aurisemitismus in allen Ländern war, als dessen naturnotwendige gsolge die Entstehung der ungebeuren, alle Weltteile umfassenden zionistischen Bewegung betrachtet werden muß. Nicht eudcnwolleoder Beifall lohnten den Vortragenden für seine Ausführungen» und unter dem Ei 11 drmte derselben, meldete sich eine größere Zahl von den Zuliörcrn zum Beitritte zum zionistischen Vereine ״Theodor Hcrzl" in Essek und zum Anschluise an die zionistische Bewegnng. Auch eine dort vorgenommene Oammlung zngnnftcn des jüdischen Nationalfonds hatte ein schönes finanzielles Nesnltat zu verzeichnen. Um das Zihtandelommen und Arrangement der Vorträge haben sich außer dem Verc'mspräsidentcn Herrn st. N. Tchulhof die Komiteemitglieder Herren: Tr. Hugo Opiher, Präsident der isr. >lnltusgemeinde, Leopold Dinger und Ervin Kraus verdient gemacht. Budapest. Dvunerstag, am 28. Mai, fand die öfseutliche Schnlprüsuug des vom vorbereitenden Komitee der ״H a s sasa 1)" iLandeSverband zur Pflege hcbräsicher Sprache und Literatur) im eigenen Wirklingsfreife crrici,teieu, unter Leitung des :Rcligionslchrcrs -AvseS Wallisberger geuandencn ersten hebräischen Sprachlehrturscs finit. Tie 2l Frcqueiilanlcn — •Sine!־ den und Mädchen im Alter von 8—12 Satiren — wieien geradezu ,laiinciierregende Erfolge auf, und war es ein Vergnügen zu febcn und zu hören, wie die Kleineu hevräijch plauderten, sangen, rechneten. Sämtliche :;ögt'nge wurden dann auch mit Prämien von 5—10— 2(1 l\ nebi! Fleißkarlen bedaetit. Tic Kosten dieses Prodelebrinrses trug Komiteepräsident. Grubenbesitzer Tr. dlleiander Lederer. Tic ״Hassasah" bat auch schon eine Sliunng anszinveiscn, lvelcbe ans Namen dcS Tempclvorslehers Arnolo Kolm und fl rau anläßlich der Iiilen Jtihresivende ihres Hochzeitsfesics in Form einer 2>>!1 K 2 boraspende am Sckahnothseslc in der Nomdachsvnagoge gleillifails von Herrn Tr. Lederer errichlei, und vom Sohne des Jubelpaares. Herrn KovaeS, uni MO K. >erner den Niaddinern Tr. Elias Adler und Moses Feldman!! um je M K — gleichfalls Tboraspcnde» -- erhöbt lvurde. Tie rührige Werbearbeit des . Vordercitungstomilees vereint 1» dem gläuzendcu Errolge des ersieu Kurses hat ihre Drückte gezeitigt u״.d soll die Kousliluicluug der ״Hassasah" als Verein im Herds! eriolgen. Tas Präsidium des Komitees führt Üiabb. Tr. Elias Adler. Ter Zahresdeileag beträgt für vrdeutliäie Mitglieder blos 2 K, für nutcrslützeude 5 K. Adeepe des ad honorem Sclrctariats: Budapest, Vl >, Almaisu ler 17.!. zu Händen des Herrn Nathan :üolb. Uordruckerci « « « Plissicraiutalt « « « fawta, Postgasse r. Dr. Rudolf Katbollcky gtm. Letter Oer ° I.ebif*. Jlbttllmft 4er £4BlMkunke114R(tAlt MedRt: kclce Jerdtoandsgasse and Zodaaaeraarrr <-»«« «,»«.-> orlHUerf tHglletz van :2 Nt 4 Ubr itacba.?*fMff<cbef ttr. •0S. 0 Literatur. Steindenkmälern, an denen andere Völker die Größe ihrer Kämpfer werten. Ernst Lrbenhart. Dr. Julius Stix, Brünn Herrengasse 7 Telephon 3092/1V ordiniert 10-12 und 2-5 Uhr mit sämtlichen modernen elektrischen Apparaten gegen Rheumatismus» Nerven- und innere Krankheiten. Radium gegen Krebs und Hautleiden Honorar mäßig I David Hnme: Eine Untersuchung über den men'chlichc» Verstau!). Hcrausgegcben von Naoul Richicr. Bei Felix Meiner, Verlag, Leipzig. Preis ge- Hunden K 1.40. — David Hnme gehört zu den hervorragcndslen Philosophen und seine Werke hatten den größten Einfluß aus die englische Literatur des achtzehnten Jahrhunderts. Als Nachfolger Bacon von Verulams. der als erster die englische Sprache für wissenschafilichc Zwecke anwandtc, hat Hume den Weg Baeons weiter verfolgt. Als Philosoph begründete er den Skcptismus und übte durch seine äußerst scharfsinnige Denkweise einen bedeutenden Einfluß auf fast alle herporragcn.de Denker seines Jahrhunderts aus. Sein Hailpiverdienst war, als erster die Kritik des Kausalitätsbegrisscs geübt zu haben. Nun beruht die Schwicrigkcit des Ilebersetzers darin, sich in den Stil des AutorS hineinzulcben und sich dct Gedankenwelt dcS Philosophcn so anzupaffen, daß ihm die Gedanken als seine eigenen erscheinen und er sic jetzt nun in das richtige Deutsch übertragen muh. Das ist Naoul Richter glänzend gelungen und er hat recht, wenn er in seinem Vorworte sagt: ״Treu ist das gemeinschaftliche Ziel, dem alle gcivisscnhastc llcbersctzcr zustrebcn. Meist aber ist d׳c Treue zum Buchstaben mir mit einer Untreue gegen den Geist, oder die Treue zum Inhalt nur mit einer Untreue gegen die Form zu erkaufen." Richter hat cs jedoch verstanden, ein glänzendes .Kompromiß zu schließen und dieses Werk kann als Muster der Ue- Versetzung eines philosophischen Werkes gelten. Das Buch ist in dem bekannten Verlag für philosophische Werke Felix Meiner erschienen und zeichnet sich durch ausgezeichneten Druck, gutes Papier und geschmackvollen Einband aus. L. Grünhut. 1914 Wochenkalender 5674. pc I Juni Festtage הפטרה M :2 17 D ־C 18 F כח 19 E כי 20 מפרפין החרש׳ שלח לך וישלח s כד 21 יום הארוך — Leg. d. Sommcis יהושע M פח 22 D פט 23 יום כפור קטן, ערב ריח תפוז M ל 24 1 א, דראש חדש• r. r. c. D א 25 2 ב׳ ריח תמוז. Tag r. c. F ** 26 Etablissement für Gruft- und Grabmonumente Gesellschaft mit beschränkter Haftung Brunn9 Krona Nr. 73 und 55. Granit Schleiferei mit maschinellem Betrieb. Telephon Nr. 3277/VI. Am. Schnellreparatur-Anstalt für Schuhe. Tie Gezeichneten. Roman von Aage Madelung, Fischer, Verlag. Berlin. — Die Herausgabe dieses Romans bedeutete eine Sensation. Man sah ihm mit derleiben Spannung entgegen, wie etwa Zolas Jünger jedeS seiner Werke erwartet haben mochten. Und wie von Fola wußte man auch von Madelung, der Mann war kein Büchcrschrcibcr, der ivurzcltc mit starkem 'Empfinden drin im pulsenden Leben und verstand die Kunst, sein Erleben zu vermitteln. — Das ist cs, was diesen Realisten auszcichnct. Und die ״Gezeichneten" sind der eklatanteste Beweis dafür. Man erlebt in diesem Blicke, so stark und uackbaltig, wie kaum in der Wirklickkeit: und lange währt cs, ch' der dumpfe Druck wcickt, der einem die Sckläfcn preßt, und die wehe Beklcmmung, die das Herz scknürt. — Das Elend einer russischen Judcufamilic erzählt er, was sag ich, das Elend desganze n r u s s i s ch c n I u d c n t u m s rollt er vor uns auf und die ekelerregende Gräßlichkeit rusjischcr Bertierthcit. Nicht Mitleid empfindet man mit de» unglücklichen Helden des Romans, sondern Leid, sc!l׳s!cigencs Leid, tiefen, lvehzuckcnden Schmerz. -- Man Kat ja schließlich schon genug gelesen an Erzählnngcn und Romanen von Großen und Kleinen über rusiische Verhältnisse, und glaubte, sich doch schon eine Vorstellung von Elend machen zu können. Und lvcnn man schon nickts gelesen hätte, so batte man doch Bilder gesehen und Ivcun's auch nichts mehr war, als das Bild eines vcrbärmtc» Juden, so erzählte einem doch sein gebeugter Rücken von den letzten blntsirömigcn Schlägen, die ihn geschändet, und der große Blick seiner Augen, wie man seine Seele gegeißelt, Aber doch noch immer nicht das, was dieses Buch erzählt, nicht dieses Namenlose, Grauenhafte . . . Und wenn man das Buch zu Ende gelesen hat, begreift mau erst so recht den Zusammeubang zlvisckeu diesem Werke und seinem Namen, zlvisckeu dem Inhalt »nd der Aufschrift, deren einzige Berechtigung die ist, ihre Unbercchtigtheil nachzniveiie». nachzulvciscn. daß die Gezeichneten nicht die ..Gezeichneten" sind, und auch nicht die, die ״gezeichnet" zu werden verdiente». — Ich lese sie gerne diese Büeher von jüdischem Elend trotz ibre-S Elends oder gerade deshalb? Denn eines isk cs, das sic einem geben tönneu und nickt nur einem, sondern vielen — Kraft, eiferne Kraft, daß man gleich jenem Hirtensohnc aus Betlehem einen Goliath zu fällen sich getraute. — Und ick liebe sie. diese lvahrcu Bücher, denn sic werden uns — wenn wir einst Sieger und frei — sein gleich jenen 8ammel8teUen in Schuhgeschäften: «MM 32—SMliEEipe 2. Es werden sämtliche Schuhe in Reparatur übernommen, auf Wunsch abgeholt und wieder ins Haus zugestellt. Möbelfabrik iis Ff. Mn BRÜNN, Zehentgasse Nr. 5. 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