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Jüdische Volksstimme · 1914-06-18 · Heft 23 (18.6.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 23 (18.6.1914)
Date
1914-06-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nummer 23. Jahrg. XV|3 Erscheint jeden Donnerstag. E-s Bezugspreise: j Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 620־ ganzjährig.Kronen 12־— Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Rußland, ganzjährig.Rubel 6־— Balkan, Frankreich.Franks 14־— Mit der Beilage ״DaZ jüd. Leben in Galizien Herausgeber: Max Hickl. mm. m-* Buchhändlcrischc Vertretung: Otto Klemm» Leipzig.! Telephon 30üö/VIli• Sprechstunden von 10—12 Uhr Geschäftsstelle, Wien: Notenturinstratze Nr. 31. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizusügen. L-־־־Ö* Brünn—Budapest. Wien, |»• ||74»|^”י Prag—Lemberg. Vom religiösen Problem des Judentums*). II. 1 hgion gewertet wurde, den schwächsten Anteil * hat; uiiD Daß ferner auch in unsere nationale Bewegung, die vor etwa drei Jahrzehnten ihren Anfang genommen, das religiöse Moment als Unsere nationale Bewegung im Zeichen religiöscn Wicdererwachens. Tie sich zur nationalen Idee des Judentums bekennen nnd als dessen treibende Kraft i das Neligiose erkennen, — die werden es als eine besondere Gunst ansehen, daß die ersten deutlichen Anzeichen religiösen Wiedererwachens im nationalen Lager aufgetaucht silch>. Aber bevor wir uns diesen Anzeichen selbst nähern und jenen beiden charakteristischen Jndididualitäten. die als religiöse anzusprcchen sind: Martin Buber. und Mathias Acher, sei auf zweierlei hingewiesen: daß an der allgemeinen religiöse:: Bewegung dieser Zeit, das Juden tun:, welches weltgeschichtlich als das Volk der Ne- *) Vgl. ״Jüd. Volkstimme" Nr. 21. Hier die Berichtigungen: Fchlerberichtigungen im ersten Aufsatz Nr. 21. Auf. S. 1, erste Spalte, zweiter Absatz soll es heißen: durfte die ״Welt" nicht dürfte die ״Welt". Auf S. 2, Sp. 1, Abs. I, Zeile 7 soll es heißen: ״und sich nicht als letztes Ergebnis" statt ״und sich als nicht letztes". Auf S. 2, Sp. 2, Abs. 2 soll es heißen: ״für uns keinen Abbruch" und nicht ״für uns eine n Abbruch". Feuilleton. Der erste jüdische Soldat in der österreichischen Armee. Von Dr. Fr. Ein Blick in die Vergangenheit genügt, um uns zn überzeugen, daß die Geschichte der Juden fast eine ununterbrochene Erzählung von Leiden und Trübsalcn sei. In den ersten Jahrhunderten wurden diese Leiden ihnen von den Heiden zugefügt, später aber von den sogenannten Bckcnnern der Religion der Liebe. Gassen sagt in seinen! Vortrage ״Die Juden": ״Das erste Jihrhundcrt der üblichen Zeitrechnung sah elfmalhunderttauscnd derselben unter dem Schwerte fallen, ihren Tempel verbrannt, ihre Stadt zerstört, so daß kein Stein auf dem andern blieb und ihre schwachen Reste als Sklaven in alle Gegenden der Stadt hingeführt'. Im zweiten Jahrhundert, unter Kaiser Hadrian, wurden ihrer, da sie trotz des Druckes schnell sich gemehrt und wieder empört hatten, 580.000 umgebracht־, ganz Judäa wird zur Wüste gemacht.. Im dritten ist ihnen bei Todesstrafe verboten, Jerusalem sich zu nähern. Im letztes seinen Einzug hält. Wollte ich nun hier schon dem Sinn und Verstände Mathias Achers nachgehen, so wäre ich vermutlich seiner Zustimmung sicher, wenn ich für die Teilnahmslosigkeit des Judentums ait der allgemeinen religiösen Bewegung des abendländischen Kulturkreises einfach daraus verwiese, das׳ ja hier das Judentum als d a s j ü d i s che Volk gar nicht in Betracht komme, weil es ja gar nicht in Mitbewerb trete; denn das wirkliche jüdische Volk, das Volk des jüdischen Ostens, lebe und bewege sich wie in allem Wesentlichen so auch in! Religiösen abseits und außerhalb jenes Kulturkreises, der trotz der Berührung mit demselben, auf einer eigenen großen und besonderen Weltebene. Wir.aber wollen dennoch fragen: wo bleibt 1m Weiten oder im Osten in die abendländische Kultur einoetreten, ne mit allen Sinnen in sich aufgenonunen, ihre Formen mitbestimmt u. mitgeschaffen, nun aber dem sonstigen Mit- und Vorwärtsschreitcu des jüdischen Geistes eutgegen. nur eben in der religiösenBewegung hinter den anderen zurüclstcmden, vielmehr stille stauden? Vielleicht läßt sich das zum Teil mit jenem radikal jüd:scheu Wesenszug erklären, dank welchem der Jude sein heißes Bemühen um die vierten schnitt man ihnen, ehe man sic aus :!ton! vcrbannte, die Lhrcn ab. Im fünften wurden sie aus Aeghpten vertrieben, suchten in Persien Zuflucht, wurden aber die Beute der grausamsten Verfolgungen. Im sechsten empörten sie sich im Uebermaße ihrer Leiden: zum drittenmale wird Palästina zum Schauplatz eines Geinetzcls, wie unter Titus und Hadrian. Aber wer könnte alle die Leiden dieses unverwüstlichen Volkes während der laugen Jahrhunderte des Mittelalters beschreiben? Tag und Nacht war damals ihr Leben schivebend. Tie Papste, die Konzilien, die Bischöfe, die Mönche, . die Könige und die Völker, Alle schienen gleichinähig wider sie ergrimmt. Man würgte sie zu tansenden in Spanien, in Italien, in Deutschland, in England, in allen Provinzen Frankreichs. Walter Scott sagt: In England verband sich die ganze Nation, von den räuberischen Baronen au bis zu dem leichtgläubigen Volke herab, uin sie zu verfolgen. In Bari! räderte man sie im dreizehnten Jahrhundert, iiachdem gegen sie jene Anklage erneuert worden war, dass sie zn ihren Ostern das Blut von Ehristenkiudern vergössen. Wer möchte aber ihre Leiden in Spanien schildern? Vergegenwärtigen jie sich eine Million Juden, durch den Schrecken zur Abschwörung ihres Glaubens gezwungen »und 000.000 andere, ans einmal verbannt und genötigt. moderne avu(tur nicht besser wähnte, dokuinentieren zu kcuiien. als wenn er sämtliche Brücken obbroch zur Vergangenheit. Und mit ihr zur Religion auch. Jo, zu Vieser, jäher lind grüudlicher als zu jedem andern Inhalt jüdischer lieberlieseruug. Konnte es ober geschehen, dos; nahezu für die Toner zweier Generationen der allgemeine Zeitgeist des Abendlandes im Rausch civilisatorischer Erfolge, die eine erakte wissenschaftliche Methode mit jedcui Tage, ja mit jeder Stunde mehrte, die Wissenschaft zur absoluten Herrschuft erhob, und jeglicher Aeußerung religiösen Glaubens widersprach als einem Zeichen religiösen Aberglaubens: konnte dieser Widerspruch gegen alle Religion nnd die völlige Verneinung derselben innerhalb ganzer Völker vor sich geben, in deren Leben doch die religiö'cu S'.rön.niigen gleichsam am Hellen Tage fluteten, gespeist und genährt von tausend lebündigen Quellen hier nirgends unterbrochener Volksüberlieferling: so wird man es begreifen, daß der gleiche Vorgang nur umso nnbedenklicher und nngebeinnner sich in jenem modern gerichretei: Jildeatniii vollziehen mußte, daß gleichviel ob räumlich nabe oder fern dem religiösen Volkskern des Judeninms, geistig sich ihm schon weg״, dessen angeblich unmoderner Formen fremd und cntfrenidet fühlte; wie ihm denn von.! Standpunkte einer lebensieeren Abstraklion nicht bloß sein Glaube, vielmehr aller Glaube als etwas Fremdes und Wesensfremdes erschienen, ist. sich mit Weibern nnd Kindern einzuschissen, ohne irgcud >vc> eine Gegend zu wissen, wo man jie aufneh»»׳» wollte, ausgehungert, ins Meer geworfen, von allen tlseln zurnckgesrosse», in Sklaverei verkauft und oft gemordet, nur um ihres noch einzigen Besitzes, um ihrer Kleider ivillc», die sie aus de»! Leibe hatten. Man höre setbsl, wie einer derselben seine Ankunft ans der afrika.'iischen Küste beschrieb: er sagt: Ich sah erst meine Frau, dann meine beiden Kinder an meiner Seite am Ufer vor Erschöpfung dahinslerben: ich verscharrte sie in den Sand nnd rief aus: Mein Gott! Mein Elend konnte mich versuchen, dein Gesetz zu verleugne», aber ich bin Jude, mache es mit mir, wie Tn willst, ich ivill Dir treu bleiben." gla die Bekenner des Judentums durfte» mit ausrufen: ..Viel Leid ist uns zugctominen, tu!r haben aber Sich doch nicht vergessen." Uiid!veil sie eben de»! Glauden der Väter unter allen Umsländen treu blieben, hal׳cn sie sich auch stets ü b e r a l l, trvtz der Verfolgungen, als Patrioten bewährt, denn nach der Lehre des Judentums ist der Patriotismus nicht mir eine bürgerliche, sondern auch eine religiöse Pflicht. ״Fürchte Gott meinSohn nnd den Nönig geselle dich nicht zu revolutiouären OSditeni, gehe Aufwiegler» und Hetzern ineilenweit ans dein Wege." 13.11. Spr. 21.1 Den Ernlau. ten. die nach der Zeritörnng des erslen Tempels nach dann der Anteil jenes Judentums oder jener Teile des jüdischen Volkes, welche gleichviel ob iem Mischer MsReM". Demnächst erscheint:

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