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Jüdische Volksstimme · 1914-06-11 · Heft 22 (11.6.1914) · page 9

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 22 (11.6.1914)
Date
1914-06-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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11. Juni 1914 Seite 9 Nr. 22. XV./3 Jahrg. Beilage zur,Wiener Jüd. Volksstimme'. Vas )üdiscbe Leben in Galizien. Äeürmer Hadmditen Achtung! Peo Brockensammlung des Vereines Machsike hadas, Adlergasse 9. Wer rasch gibt, gibt doppelt! Tie Leitung des Vereines gestattet sich an die jüd. Bevölkerung mit der dringendsten Bitte um Ueberlassung von alten Schuhen, Hüten, Kleidern, Wäsche, Möbelstücke, Bücher, Geschirre, Federn, Flaschen, Papier und Stofsabsällen, Makulaturpapier, alten Listen, Staniol, Posterlagscheinen usw. zu ersuchen, lieber Verlangen werden die Gegenstände vom Nereinsdiener täglich abgeholt. Die P. T. Geschäftsleute werden gebeten das Material zu sammeln. Tägliche Abholung der G e g e n st ä n d e. Ter P. T. Bevölkerung diene zur Kenntnis, daß nur der mit der Legitimation versehene Vereinsdiener traust zur Entgegennahme der Gegenstände berechtigt ist. Eine genaue, detaillierte Bestätigung folgt per Post. Die P. T. Glaubensgenos-1 sen in der Provinz werden auch um Ueberlassung von alten Kleidern gebeten. Jüdischer Handlungsgehilfenverband ״Ortsgruppe Brünn". Sonntag, den 7. d., fand iin Vereiuslokale der ״Mrijam", Gr. Platz 21, die konstituierende General-Versammlung des Jüd. Handlungsgehilfenverbaudes statt. Nach dem ausführlichen Berichte der Proponenten wurden in den Vorstand folgende Herren gewählt: Obmann: I. Reich; Obm.-SteÜvertr.: R. Piowaiyz Kassier: Frl. Jozi Weißenstein׳. Schriftführer: Artur Eisler״, Beisitzer: Oskar Minuich, Richard 'Vcith und Karl Stiaßny. Ter neugewählte Obmann Herr Isidor Reich dankte namens der Gewählten für die auf dieselben gefallene Wahl, gab das Versprechen, im Interesse der Organisation nach Kräften sich zu betätigen. Hieran schloß sich eine Tebatte, an der Vertreter anderer jüdischer Organisationen tcilnahmen. Mit der Aufforderung zur regen Mitarbeit schloß der Vorsitzende die Versammlung. Verlobung. Herr Kantor Leo Ast, Brünn, har sich mit Irl. Elise Grünbaum aus .Holleschau verlobt. Unsere besten Glückwünsche. Tie Red. Legen verdorbenen Liegen, Oarmkrägbeit un׳i Oioh t. Sternhofer Bitterwasser“ Mild, doch zuverläBlich. Sternhof, PostSokolnitz bei Brünn. Westösterr. Kreis der jüdischen Turnerschast. Für das am 21. Juni stattfindende Kreisturnen gibt sich allseits ein lebhaftes Interesse kund. Es ist zu erwarten, daß diese Feier sich zu einer nationalen Teonstration der jüdischbewußten Bevölkerung gestalten wird. Riesenplakate in deutscher und tschechischer Sprache künden die Tagung an. Ein Ehrenkomitee hat sich konstituiert und gehören demselben an die Herren: Tr. Moritz Brunner, Tr. Arthur Feldmann, Dr. Theodor Haas, Tr. Mar Hrdliczka, Sigmund Königsgarten, Kais. Rat Sal. Perl- Hefter, Dr. Karl Pick, Bernhard Rifchawh, Dr. Philipp Schreier, k. k. Finanzrat Tr. Jonas Stein, Samuel Heinrich Troller. Ingenieur Ernst Troller, Emil Ungar, k. k. Staatsbahnrat Ingenieur Heinrich Wechsberg, Tirektor Hubert Wiesner, Gustav S. Wolf. ahrzeitkerzen, Havdolohkerzen Tempelkerzen zu deziehen durch das Spe risIxesehLkt Kreirll kl« Uie. Inn Olga Jarosch Brünn, Adlergasse 2. Äomfptmdenjen. Wien, 27. Mai. Mit Bewilligung der Statt- Halterei und der Direktion des Allgemeinen Krankenhauses wurde seitens mehrere israelitischer Wohlfahrtsvereine im 7. Hofe des Allgeineinen Krankenhauses eine eigene ,Küche errichtet, in der die Speisen nach rituellem Gebrauch für die Patienten der israelitischen Glaubenskonfession zubereitet werden. Tie Küche, die unter ärztlicher Kontrolle und unter der Kontrolle des Rabbinats steht, ist getrennt vom Krankenanstaltsfonds, und die Kosten werden von den Glaubensvereinen bestritten. Tie Eröffnung wird in der nächsten Feil erfolgen. Wien, 8. Juni. Vor dem Bezirksgerichte in der Joscfstadt fand heute eine Verhandlung über das Waidhofener Programm statt. Bei einer Kontroverse zwischen dem Philosophen Georg Steiner und dem Techniker Wilhelm von Paumgarten war für den 14. März eine Vertretersitzung ausgemacht worden. Bei der Vertretersitzung verweigerten nun die Vertreter Paumgartens sedwede weitere Verhandlung, weil sie erfahren hatten, daß Steiner ein Jude und nach ihrer Ansicht daher nicht ״satisfaktionsfähig" sei. Infolgedessen brachte Steiner die Ebrenbeleidigungsklage ein. Ter Klagevertreter Dr. Bon dp verlas den Inhalt des am 12. April 1880 gefaßten Waidhofener Beschlusses und fragte den Beschuldigten und dessen Vertreter, ob sie vom Standpunkte dieses Prinzipes ausgegangen seien. Tie Beschuldigten verweigerten hierüber jede Auskunft, auch die Antwort dariiber. ob sie einer studentischen Verbindung angehören. Paumgarten erklärte, daß er beim militärischen Ehrenrate zur Rechtfertigung seines Vorgehens auf den Waidhofener Beschluß hingewiesen und erklärt habe, er stehe auf dem Standpunkte, daß von einem Juden weder eine Satisfaktion verla gt nach eine solche gegeben werden könne. Ter llichtcr sprach den Angeklagten frei, indem er hervorhob, daß der Sachverhalt in der Vertretersitzung nach seiner Ansicht nicht Gegenstand einer Ehre.mcstidigung bildet. Proßnitz, 8. Juni 1914. Gestern weilte einige Stunden in unseren Gefiehlden der bereits v׳er Jabre als Leiter des jüd. Handelsgehilfen- Verbandes tätige Kollege Keßler und wurde ih»t zu Ehren mit 11 Uhr vormittags von der hierartigen Ortsgruppe eine Begrüßung im jüdischen Kan■to veranstaltet. Schon vorzeitig hatte sich der Saal gefüllt und der Kreisleiter Kall. Fried wir in der angenehmen Lage den Koll. Keßler vor eine״! stattlichen Auditorium begrüßeir zu können. Ferner sprach Kall. Schreiber im Namen der Ortsgrupse dem Perbandsleiter für sein Erscheinen den besten Tank aus und nachdem Letzterer seiner Freude über das Blühen der Ortsgruppe Ausdruck verliehen hatte, schloß der äußern würdig verlaufene Festakt. Nachmittag fand eine Kreisleitungsfitzung statt die 21/2 Stunden dauerte. Olmütz. Am 2. Juni fand in Olmütz die konstituierende Versammlung der Ortsgruppe Olmütz des Vereines Ocsterreichischer Bund: Blau-Weiß' für jüd. Jugendwandern statt, bei welcher folgender Ausschuß gewählt wurde: 1. Tr. Ludw. Meißner, k. k. Bezirksrichter lObmann). 2. Walter Hirsch (Obmannstellvertrcter). 2. Paul Weinstein lerster Schriftführer). Tr. Fritz Broch (ztveiter Schriftführer). Dem jungen Vereine wird hier in allen jüdischen Kreisen das größte Interesse entgegengebracht, das sich in einer ungemein regen Beteiligung kundgibt. Tie bis jetzt stattgefundenen Ausflüge fanden mit einer durchschnittlichen Beteiligung von 20—40 Personen statt. Olmütz. Ten Bemühungen unseres Gg. Oskar Huber ist es gelungen, eine Ortsgruppe des Jüd. Handlungsgehilfen-Verbandes zu gründen, welche am 6. Juni konstituiert worden ist. Nach Begrüßung durch beu Vorsitzenden erstattete der Obmann der Verbandsleitung Koll. Keßler sein Referat, worauf der Obmann der Kreisleitung Proßn'tz Koll. Fried, und der Obmann der Ortsgruppe Proßnitz, Koll. Schreiber, auf Cie Wichligkeir des Zusammenschlusses der jüdischen Angestellte:! hinwies. Bisher sind bereits über -10 Mitglieder x'iaetrelen und es ist Aussicht vorbanden, daß ei:!, große Anzahl in Kürze gleichfalls ihren Bestritt anmelden werden. Tie Wahlen ergaben folge,!des Resultat: Obmann: Ad. Fink, Obmann-Stellvertr.: Oskar Huber. Kaisier: Ernst Spitzer, Kassier-Stellverrrerer: Frl. Irene Tn: ,uv.11, Schriftführer Benno Fleischer, SchriflführerSiellvertreter: Artur März, :>ievisionskoinire: Frl. Borger. Herr Wilhel'n Pick :nid Josef Bellak Eger. Sonntag,'den 7. 0. fand im engsten Familienkreise des Herrn Kultusvorstehers Ed. Löwn die Vermählung seiner rochier Hilde, mit Herrn Emil Fisch! aus Aussig stau. Von einer prunkvollen Hochzeit wurde infolge der Erkrankung der Gattin des Herrn Kultusvorftebers Abstand genommen. Dem Brautpaare, als auch dessen Eltern kamen ans diesem Anlässe Hunderte von Glückwünschen und ivertvollen!beschenken aus nah und fern zu. Paris, 2. Juni. Aus den Lagesbläuern ist es bekannt, daß die französische Armee in den letzten Lage die marokkanische Stadl Tatza besetzt hat. Aus diesem Anlasse erinnert die ״Univers.Jsraelite" in Paris daran, daß Latza noch vor einigen Jahren ein blühendes stark bevölkerres Judeuviertel hatte, und daß noch beule die Ueberreite dieser Mellatz wie das Glieito in Marokko genannt wird, vorhanden ünd. Tie letzte Plünderung fand im Jahre 11)0:1 statt, zu welcher Feit die Soldaten des Sultans eines Nachts in die Stadt eindrangen, die Mellah plünderten und die niimenschlichen Scheußlichkei!cn an Frauen und ,Kindern verübten. La-!»als verließen die Juden fluchtartig die Stadt, und kehrten bis zum heutigen Lage nicht oalnn zurück. Sie verteilten sich, indem der eine Lei! nach Mellilatz, der andere nach Tebdon und wieder andere nach Ondjda zogen. Tie Mellah von Latza ist heute nichts mehr als ein großer Rust nenhanren, den Niemand zu bewohnen!ragt. Tie Mohammedaner fürchten diesen Stadtteil '.u bewohnen, weil sie glauben, daß ne von den!Rüstern der Erschlagenen heimgesuchl würden. Predigten. Wer Predigten verlegen will, Wer Predigten zu kaufen sucht, wende sich an den jüdischen Buchu. Kunstverlag —- Brünn. ---------- ütundfehau. Gegen die Bonkvtt Agitation in Galizien. Tas Wort ״Bonkott" das bis vor kurzer Feit in Galizien sei:, Schattendasein in den wenig gelesenen nicht beachteten Spalten von kleineu voiiliiche.i Feitungen dahinfrislere wurde jetzt zum beflügelten Kaiitpfwort vieler großer polnischer Zeitungen u. von Tag zu Tag schwillt die Gruppe derjenigen Individuen der polnischen Gesellschaft, die dieses Losungswort mit teuflischer Gier und Zerstörungswut in Galizien ausposannieren und fast greifbar dick ist bereits die vergittere Athmosphärc in welcher wir hier atmei. und sie verdichtet sich von Zeit zu Zeit, das politische, gesellschaftliche und moralische Leben in ihrem Sumpf hinein.zerrend. Tie Zielobjekte dieser Kampagne. der Sündenbock, das Juden- Häuslein in Galizien fühlt seinen ohnehin Wankenden Stand ins Uferlose stürzen, es verliert seinen Halt. Bas die Gesetzgebung, die doch immer humane und kulturweltliberale Ziele im Auge hat. mit ihren ״sozialen Reformen" zu Gunsten der Landbevölkerung und zum Unglück und Wehe dcr Juden, sich meine die Sonntags-

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