Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 22 (11.6.1914)
- Date
- 1914-06-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint jeden Donnerstag. Wiener Nnmmer 22. Zahrg. Mische Ailksjlmm. Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 620־ ganzjährig.Kronen 12־— Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Rußland, ganzjährig.Rubel 6 — Balkan, Frankreich.Franks 14־— Mit Ver Beilage ״Das jüv. Lebe« i« Galizien" Herausgeber: Max Hickl. Buchhändlerische Vertretung: Ott, Kl,««. Leipzig. Telephon 3009yv1IJ. Sprechstunden von 10—12 Uhr Geschäftsstelle, Wien: Rotenturmstrahe Nr. 3t. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. Brünn—Budapest. Wien, j‘■ g»*1“«! Prag—Lemberg. Was ist Zionismus. . .? Anfang Juni 1014. Gustav Kohn. 20 sonderbar es auch auf den ersten Blick erscheinen mag, diese Frage muß gestellt werden. Und es ist furchtbarer Ernst mit dieser Frage. Die Verworrenheit unserer Theorie, die Unklarheit und die Ungeklärtheit der Grnndansichten unserer Bewegung sind derart gewachsen, sind so trostlos, verzweislungsvoll geworden, das; man notgedrungen diese Frage stellen muß. Was >001,1 geschehen wäre, dürste inan fragen. Lehr viel! Fast eine Umwertuilg unserer bisherigen Prinzipien. Ter Zionismus wurde immer deklariert, als die Wiedergeburt des jüdischen Gesamtvolkcs. Als das jüdische Rinaßimenso. Der Zionismns sei das jüdische Volk (gemeint ist das ganze Volk) auf seiner Entwicklung. Der Zionisgius, sagt Herzl, ist die Rückkehr zum Judeninm vor der Rückkehr ins Vaterland. Das Baselcr Programm lautet: ״Der Zionismus erstrebt für d a s j ü d i s ch e V 0 l k die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina, Her Zionismus drückt all überall aus: die Einheit des jüdischen Volkes. Die Verbrüderung aller Juden der Zionismus sei bestrebt, das jüdische Volk zu erhalten und höher zu entwickeln. Ncimentlich wurde allenthalben ans die Erhaltung des jüdischen Volkes Gewicht gelegt. Das A. C. erklärte, daß die völkischpoli- Heuikketon. Aus der Lebenshölle. Von Bernhard Horolvitz. Krakau. Er litt wahre Folterqualen. Das Leben lvar ihm ein Zustauv. der das Dasein zur Hölle machte. Reich lvar er nicht. Sein kleiner Handel brachte ihm ein kärgliches ׳Auskommen. Er war verheiratet und die Ehe segnete Gott mit einer stattlichen Zahl von Kleinen. Dennoch lvar die Ehe nicht gesegnet . . . Seine Frau lvar die Auslese der Lantippe», die Quintessenz luciblichcr Scl,lechtigkeit und Laune. Er war ruhigen Geniiits, welches jedoch innere, ggtzerlich nicht merkbare Zuckungen und -Konvulftonen durchmachte. Im Gegensotzc zu seiner Schweigsamkeit und Jnsichgekehrthcit ,gar sie die Verkörperung des Marktschreierischen ein grcllcndcs Gramophon, dessen Platten sich sortloährcnd ivechseltcn und das Programm an Nnerschöpslichkeit litt . . . Sie hasste das Schipeigen und Stillsein, wie er ei» Feind des Redens war. Sogar des Nachts martertcn ihr Gehirn solche Hallunzinationen und'Schreckgcspcnjter, daß sic in kurzen Abständen so saut und so tische Landesarbeit in Nationalitätenstaaten einer der wichtigsten Bestandteile der zionistischen Arbeit ansmache. Ter Zionismus sei vom nationalen Bekenntnisse nicht zu trennen, dürfe nicht geschieden werden. Herzl erklärt: Im Zionismus sei Religion Privatsache. Jeder könne nach seiner Facon in, Zionismus selig werden, oder durch den Zionismus. Herzl träuinte in feinem ״Judenstaat" vom 8 Ltundentag, von einein Marimallohne der jüdischen Arbeiter in Palästina. Franz Oppenheimer predigt die Liedlnngsgenossenschaft für Palästina, predigt also die ״Freibürgerschaft" für Erez Jisrael. Und-—? Keine von diesen Forderungen steht heut noch zurecht! Unsere Grundfesten sind erschüttert. Lind erschüttert von zionistischen Theoretikern, die leider alle, alle im Banne der verblendeten Golustheorie stehen. Die von dieser perversen Theorie gebannt werden, wenn inan überhaupt solch' abstruser Gehirnverworrenheit, wenn man dieser Ausgeburt einer krankhaften Phantasie den Namen einer Theorie zugestehen sollte. Und doch. Es wird ungefähr ein Jahr her sein, daß die ״Welt" einen Artikel ״Alljudentum und Zionismus" von der Feder des Herrn Tr. Hugo Hernianii brachte, der eine vollkommene Absage des Zionisnins an das Europäertum bedeutete. Das zionistische E. A. E. schien dieser Meikinng zu huldigen, wenn anders, warum publizierte das offizielle Zentralorgan diesen Beitrag ohne redaktionelle Anmerkung? Man kann doch nicht jämmerlich aufschrie, datz es ihn immer fast aus dem Bette warf und trotzdem es nächtlich sich viele Male tviedcrhotte, störte es ihm die Ruhe und leichcnblatz erlvachte er mit halboffenen Augen um sich schauend, um bald wieder in einen kurzen Schlaf, der ihm nach des Tages schtvcrcr Arbeit so nötig war, 311 verfallen. Als sie in der Früh die Augen öffnete, spürte cs das ganze Hausgesindel. Sie schlug, ritz, kratzte die Kinder und mit einem Schlvulst von pfeilscharfen Redensarten »nd Ausdrücken ging sie auf ihn los, als er hie und da ein Kind, das nichis verursacht hatte und eine Zielscheibe den wutartigen Ausbrüchen seiner Mutter tvar, in Schutz zu nehmen. Die Kinder sagen ein jedes in einer anderen Ecke und trauten sich nicht, der Mutter ins Gesicht zu schauen. Sie fürchteten die Augen aufzuheden, um nicht dem Blicke ihrer Mutter zu begegnen. Denn manchmal konnte eines eine schöne Portion Schläge einheimsen, wenn eS sich erdrcistetc in der Zeit des bösen Zustandes seiner Mutter ihr in die Auge» zu schauen, lind ihr Zustand lvar fast immer böse. Ihr Geinnt glich einem unaufhörlich brodelnden Kessel, dessen Inhalt immer am Siedepunkt steh». Und wie ein siedcndcr Kessel seinen Dunst ausspeien muh, um nicht zu zerspringen, so mutzte sich eruptiv ihre Ausbrüche heruntcrleiern, um nicht erstickt zu werden und in Trumannehmen. dos; Dr. A. Eoralnik aus Rout im Namen des E. A. E. dagegen Ltellung genominen hatte. Sonst schwieg doch alles! Nun gut. Man gebt im .Kampfe gegen die Assimilation so weit, daß man sich sogar vom Europäertum lossagte. Ein Jahr später erklärt jedoch Herr Adolf B o h m, sicherlich einer unserer besten Theoretiker, in der ״jüdischen Zeitung" vom 2!». Mai t!>14 wörtlich: ״Im übrigen wird nach der z i 0 n i st i s ch e n Vorstellung die Lösung der Jndenfrage n i e heißen: Zionisnins oder Assimilaiio», sondern Zionismus u n d Assimilation, d. h. ein Teil der Judenheit, wahrscheinlich der g r ö ß t e w i r d sich a s s i m i l i e r e n. der andere wird ein neues jüdisches Zentrum aufbanen". Zehn Jahre sind seit Herzls Tod verflossen. Wir stehen heute im 18. Jahre der zionistischen Bewegung. Allenthalben, zu jeder Zeit, an allen Orten von Lchriftstellern, Rednern, Denkern wurde stets proklamiert: Assimilation sei unmöglich. Es wurden Gründe, Motive pshchologi sche, soziologische, ethische, rassliche und Gott weiß was für andere noch angeführt und lwute sind wir nach 18 Jahren dorthin angelangt, wo unsere Altvordern im Jahre 1848 und in der Blüte der liberalen Aera standen, nämlich: das jüdische Volk wird sich assimilieren, es wird verschwinden. Wozu die .Kämpfe gegen Assimila»- ten. gegen Assiniilation, wenn wir auf dem Standpunkt stehen: Scheer joschub!? Soll der Zionismus die Aufgabe haben, nur den kleinstcn Bruchteil des Judentums in Palästina znni mer zu gehe» . . . Diese Zornesäutzerungen waren ihr Lebensordcn, sic überbat sich immer mehr in ihrem Wüten, bis es eines Tages den Höhepunkt erreichte. ■. Tie hatte eine Nacht des konvulsivischen Schreiens und Iammerns hinter sich, die alle früheren überbot. Sie stand rasend aus und verbreitete Schrecken in ihrem Heini. Die Kinder krochen, vor Angst und Schreck am ganzen Körperchen zitternd, in ihre Tchlnpswinkel und fürchteten ein Auge auszntun, um dem ivütenden Dämon niicht zu begegne». Heute suchte sie jedoch die unglücklichen Geschöpfe in ihren Verstecken auf und prügelte eines »ach dem andern durch und das letzte knebelte sic mit den Füssen, datz cs hrrzzerreitzend lvar. Da konnte er nicht mehr standhalten. Sein verhaltener Zorn so vieler Jahre, die anfgespeicherten Energien seiner menschlichen Empsindungcn und Gefühle, denen bis nun seine Furcht vor diesem schrecklichen Weibe eine» Damm gesetzt hatte, all' diese seelischen Kräfte überrumpelten sein ruhiges Gemüt und er geriet in eineu Zustand der Zügellosigkeit. Hhne Besinnung nahm er einen neben ihm stehenden Stuhl und mit einer tollosate» Wucht sauste er ans den Kops der johlenden Frair nieder . . . Ein herzbohrendcs Geschrei, nachher rasch aufeinanderfolgende Verlvünschungcn und Schellwarte, sodann ei» Todesröcheln und dann Stille - ״Hilkls Mm Wischer MÄcknder".