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Jüdische Volksstimme · 1914-06-05 · Heft 21 (5.6.1914) · page 10

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 21 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. ״Jüdische Bolksstimme". Nr. 21. Mühe geben. Man liefe aber nicht ab, Ihme taglid), aber ohne Effect, zu besuchen. Wie der Tag der Ercculion angebrochen, hat Er feine Silberne vergultc Schuhe Schnallen herabgetan, und dein Stokknccht verehrt. Ein güldenes Finger Ringle», so Er noch an der Hand hatte, pracsentierte Er dein Corporal, fo die Wacht gehabt, fein Tbec Zeug von Silber aber dein Lieuteuanl, so bei, Ihme wäre; und als die Jnqisitions Eoiiiinission in Pleno versainlet Ware, wurde der Iub vorgeführt. Bch dessen Eintritt in die Stuben thatc Er einen Fußfall, bittete nni Gnab und oeclarierte nochmahlen, daß Ihme zu viel geschähe: Herr von Gcisberg aber gäbe Ihme keine Antwort, sondern läse sogleich den Hochfürstlichen Befehl ab, daß die gnädigst rativicierie Urt'hel an Ihme vollzogen werden soltc. linder währender Ablesung dieses Befehls schrie der Iud beständig. Ich bin noch nicht gebürt, höre man Mich doch auch pp. Alleine man regardierte nicht darauff, und mußte der Secretarins Gabler die Urthel ablesen, wehrend dessen aber repetierte der Iud obige Worte immerhin und machte dadurch ein fiirchliges Geschieh; nach publicierter Urthel hat inan dem Stadt Vögten besoblen, nunmehro dem Scharpff Richter zu Vollziehung des; Urthcls das nötige anzubefehlen, so auch geschehen, nird hat n,an den Malesizanten sogleich hart gebunden, und in ein Nebenzimmer, allwo Er das Hcnkermahl ge- ,.iesen sollen, geführt. Er aß und trank aber lediglich nichts, iind wurde derselbe endlich fortgerührt; den dem Herrenhanß stunde der Luder Darren, c.nsf welchem Er zur Nichtstatt gerührt worden ist. Er wollte aber nicht hinanfs steigen, und inuslen Ilme 1 Schindcs Pnrsch mit Gewalt hinanfs bebe», da man denselben sodann auff! eine erhöhte 1>nd in Form eines Sessels, 1ז01י | Nahm Schenkel und Latten gemachte Maschinen gesezt, m׳d vierfach angebunden, daß Er nicht, die geringste Bewegung mehr machen können.' I.n Forlführen durch die ganze Stadt schrey Er immer. Nach. Raach, Mir geschiehet zu viel. Ich bin unschuldig pp. Alls man Ihne zur Nichtstatt gebracht, wolle Er!roch mehr reden, und fienge an der Bühler und Hallwachs (zwei seiner Kreaturen, württembergische Staatsbeamte, die durch seinen Prozeß am schwersten kompromittrert wurden», zu nennen; aber es Ware schon bestellt, daß, so bald Er anfangen woltc zn reden. solle man die Trommel rühren, daß Niemand nichts mehr verstehen kontc, welches auch in Eontinenti geschehen; tind inmittelst wurde Er vom Karren loßgemacht. und an die Leiter genelt, daselbst srisch gebunden, und zum Pergniigen der vielen 1000 Zuschauer durch vier Heu kcr׳: kncchle hinanfsgcschlepvt; währendem Hinaus'.iehen schrie Er crschröklich laut, in ein un sink fort Adonai. Eloliim. ״nd redete mithin kein tcutschcs wort mehr, biß er vcrdrosselt worden; derselbe wurde in dem Köiich, so 0 Centner schtvehr, und charmant gemacht, auch ai'sss Zierlichste Not angcstrichcn worden, eingehenkt, und da Er tobt war, mit zwchcn Schlösfern wohl verwahrt. Iczt hangt Er in einem roten Kleid mit weisen Zottelsammet gcfictcrt. recht schön da. Es synd Ihme Leute zn Lieb, ans; Leipzia. Erfurt. Schweiz, Straßbnra. Nürnberg; Augsburg, und andern weitcntlcgcneu Orten her gcrevst. Jezt gebet es hinter die andere Arrestanten her, und will die allgcmcine sama schon vor gewis; wissen, daß der Proceß diesen Monath noch beh allen seine Endschasst gewinnen werde. Der Hallwachs dürrste das härtste Urthel bekommen, und solle man Ihm die rechte Hand abbancn, decolliren. und den Eörver anss ein Nad legen, das Haupt aber an Spieß stecken; Mcicn und Bühlern aber würde der Galgen an die Stirne gcbrännet, und Sic des Lande?׳ verwiesen derdcn. Welche?׳ alle?׳ aber erst noch Hellern Beweis; verdienet, und ncwstens sich zeigen muß. Stuttgardt, den st. Fcbruarii 1708. jahrzeirkerzen. Oavdolohkerzen Tempelkerzen zu deziehen durch das Spezialgeschäft Impft Fisi's PW. M. Olqa Jarosch Brünn, Adlergasse 2. Predigten. Wer Predigten verlegen will. Wer Predigten zu kaufen sucht, wende sich an den Jüdischen Buchu. Kunstverlag — Brünn. ■ Äorrejponäenzen. Uug.-Hradisch. Samstag, den 24. d. M., fand in den Sälen der Schicßstättc die erste Ehcvra-Sudc statt, um deren Zustandekommen sich Herr Kultusvorsteher Sicgmund Fürst bcsonders verdient gemacht hatte. Das schöne Fest, das einen wahren jüdischen Charakter trug, und das ein erfreuliches Bild von der Einigkeit der jüdischen Gemeindemitglieder gab, wurde durch die einleitenden Bcgrüßungsworte des Chevra- Obmannes Advokat Tr. Moritz Jellinck eröffnet. Von den weiteren Ansprachen sei besonders der Kaisertoast, den Herr Kultusvorstchcr Fürst sprach, erwähnt. Ter Redner gab der unendlichen Freude über die erfolgte Genesung Sr. Majestät Ausdruck, die von den Juden Österreichs die bange Sorge der lebten Wochen genommen habe und schloß unter lauten Beifallsrufen aller Anwesenden mit dreimaligem ״Hoch". Es sprachen Herr Nabbincr Tr. Zwick, Herr Med.-Tr. Brauner, Professor Leinberger, Professor Lieben. Tas Tiner wurde in mustergültiger Weise vom Restaurant Anna Braun bcigcstellt. Wien - Floridsdorf. (Barmizwahfeicr.) Samstag, den 28. v. M., fand in dem festlich bcleuchteten Tempel die Barmizwah des zwcitältestcn Sohnes unseres Herrn Rabbiners Dr. Nosenmann statt. Es erschienen: Herr Medizinalrat Tr. König, Herr Kultusvorsteher Emanuel Grünwald mit dem ganzen Bethausvorstande, serncr Herr Kais. Rat, erster Sekretär Dr. Lieben. Ter Barmizwah trug sowohl den Abschnitt aus der Thora als auch die Haftarah in echt traditioneller Weise vor und wurde allseitig beglückwünscht. Nach dem Gottesdienste fand in der Wohnung des Herrn Rabbiners die Gratulation statt, wobei Herr- Kultusvorstchcr Emanucl Grüntvald, Herr Kais. Nat Tr. Lieben, Herr Mar Neumann, Obmann der Chevra-Kabische und Herr Gabr. Dukes, Obmannstcllvcrtretcr der Bezirkskommission ihre Gratulationeu übermitteln. Daran schlossen sich Samstag und Sonntag Gratulationen von Vereinen und verschiedenen Persönlichkeiten. Tas Fest war im vollsten Sinne des Wortes ein echt jüdischcs Geincindefest. Praa. Dienstag den 2. Juni fand in Marienbad die Trauung des Herrn Pros. Sal. Huao Lieben, Prag, mit Frl. Sophie Adler, statt. Unsere besten Glückwünsche. Tic Redaktion. Obcrhollabrnnn. Bei der am Ist. Mai l. I. durchgeführten Neuwahl der isr. Knltusgcmeinde Obcrhollabrunn wurden Herr Wilhelm Breier, Holzhändler in Oberhollabrunn, zum Kultusvorsteher und zu dessen Stellvertreter Herr Theodor König, Eiscnhändler in Reb, wiedergewählt. Als Ausschußmitglicdcr wurden gewählt die Herren: Hauser Wilhelm, Oberhollabrunn, Skutczkp Emil, Obcrhollabrnnn, Schidlos Sicgm., Obcrhollabrnnn, Tierarzt Wechsler Hermann, Obcrhollabrunn, Nauzcnhofer Karl, Oberhollabrunn, Kurz Ignaz, Netz und Kurz Markus, Reb. Rzefww, 20. Mai. Am 17. d. M. batten wir eine sowohl durch das schöne Resultat als auch durch den intcrcssanten Verlauf bemerkenswerte Propagandavcrsammlung für die Agudas Jisrocl. Wir batten dabei das Vergnügen, die Herren I. I. Thumim-Przcmvsl, Tr. Munk-Lemberg und M. Schmclkes-Krakau bei uns bcgrützcn zn dürfen. öerr Rabbiner Nathan Lews 1 hielt die Eröffnungsansprache, worauf Herr Schmclkcs über das Programm der Agudas Jisrocl referier!? Sodann hielten die Herren Thumim und Dr. Munk beifällig aufgcnommene Reden. Tank der verdicnstvollen Arbeit des Herrn Rabbiner Lewin und des Berisch Stcinbcrg ist die Ortsgruppe gegründet worden und sie verspricht für die Gestaltung des jüdischen Lebens in unserer Stadt eine schöne Zukunft. tiolomca, 17. Mai. Letzten Mittwoch, Lag Boemer, versammelten sich bei Mitglieder der hiesigen Jugend-- gruppe, um gemeinsam dic׳^-״׳--! altehrgebrachtcr Sitte festlich zu begehen. Nach dem üblicher- Lernen, an cdm mehr als 60 Handclsangcstellte teilnahmen, begann die Festmahlzeit. Auch die Ortsgruppe war durch einige Komitcemitglicder vertreten. Herr Rabbinatsaffcssor CH. H. Thumim hielt die Festrede über die Bedeutung des Tages und allllclliertc an die Versammlung, für die Ziele der Aguda unablässig tätig zu sein. Als Vertreter der Jugendgruppc ^,ach Herr H. Nachmann Sonncnrcich, in wirkungsvoller Weise. Tas Fest hintcrlictz einen tiefen Eindruck bei allen Anwesenden. Antwerpen, 2-1. Mai. Donnerstag den 21. M.: lvurdc hier nunmehr auch eine Jugendgruppe der Ag-׳.- das Jisrocl-Lrganisation gegründet. Auf Einladung der Initiatoren war Herr Zahnarzt Ehrmann-Werden crflyicncn und hielt eine überaus freundlich aufgenommene Programmrcdc. Hierauf setzte eine lebhafte DiS-- kussion ein, in der auch oppositionelle Ansichten geltend gemacht wurden. Es gelang jedoch Herrn Ehrmann, die gegnerischen Argumente zurückzuweisen. Wie überall, so fallen auch hier der Jugendgruppc große Aufgaben zu, an deren Lösung sie unverzügl-.H ge>-,,..-en ist. Es wurden bereits einige Lehrkurse eingcricgict, die im Laufe de» Sommers nach verschiedenen . ...ngcn hin eine Erweiterung erfahren werden. Wayrcnd der Versammlung wurde» für 35 Fr. Agudamarken verkauft. Der Massenmord bei Przemysl. Wie die galizifchen Blätter melden, wurde in einer der letzten Nächte in Pinkulice bei Przcmysl ein schändliches Verbrechen verübt. Eine Räuberbande drang nachts in die Wohnung des Militär-Fleischlicfcranten Markus Fuß ein, bei dem sie einen größeren Barbetrag vermutete, da er eben eine Lieferung gemacht bat. In dem einen Zimmer schlief der 48jährige Markus Fuß mit einem Sohn in einem Bett, in einem zweiten Bett schlief die Frau des Fuß mit zwei andereu Kindern. Einer der Banditen erschlug den Markus Fuß im Schlafe mit einer Eisenstange. Ein anderer forderte die Frau auf, das Geld hcrauszugcbcn. Als die Frau in ihrer Todesangst keine Auskunft über den Aufbewahrungsort des Gelbes zu geben vermochte, schlug sie der;Räuber nieder. Tann stürzten sich die Räuber auf die Söhne des Ehepaares und erschlugen den istjäbrigen Aron, den 11jährigen Baruch und ben 8jährigen Isaak. Auch bie zufällig zu Besuch im Hause weilende 1-ijührigc Regina Fränkcl fiel ben Mördern zum Opfer. Tas Tienstmädchen wurde schwer verletzt und ist kurz darauf den Verletzungen erlegen. Zwei minderjährige Kinder hatten sich versteckt gehalten und sind mit dem Leben davongckommen. Tie Banditen raubten 800 K Bargeld und Pretiosen im Werte von etwa 00 K. Ten Nachforschungen der Polizei ist cs gelungen, in der Nähe einer Ziegelei einen der Tat verdächtigen Arbeiter namens Mocko fcstzunchmcn. Tie Polizei vermutet, daß die Täter Soldaten aus der Festungsartillcriekascrne seien, da diesen bekannt war, daß Fuß für Lieferungen zirka 0000 K zu beziehen hatte. Fuß hatte aber das Geld noch nicht erhalten. Die Täter zwei Fcldartillcristcn. Selbststellung eines der Schuldigen. Przemysl, 2. Juni. (Priv.) Ter entsetzliche Massenmord in Pikulize bei Przemysl, woselbst — (wie schon an anderer Stelle ausführlich gemeldet) — der Fleischhauer Markus Fuß nebst seiner Familie einem Raubmorde zum Opfer fiel, hat überraschend schnell seine völlige Aufklärung gefunden. Im Laufe der heutigen Nacht fand sich bei dem Polizeikommissariat in Przemysl der Artillerist des 00. Feldschützenregimentcs Johann Karczmann ein und legte das Geff 44 ♦ Demnächst erscheint:

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