Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 20 (28.5.1914)
- Date
- 1914-05-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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©eite 10. ,Jüdische Bolksstiinme". ncnf.cn, bindenden ^rllbünMages, noch lange jene sonderbare Ärbmosphäre alrorienralischer und attjndischer Pracht, die uns aus den Bildern B-achleis cnlqegenatmet. L e in b c r g. Lorenz Tcherlag. KI08LN8, kacleelnriclitunZen, VVasclibeeken, etc. einiielitet 80116 uncl billigst Firma K. 20fka, Brünn, Jakobsgasse Telephon 810. — Kostenvoranschläge gratis. — Reparaturen schnell und billig. Berichte. Tic neue radilal-deniotrntjsche Partei in Galizien. Vor einiger ׳zeit wurde in Lemberg die scrcnz der neuen radilal-demokratischen Partei in Galizien abgehallen, Es erschiene» mehrere Hundert Delegierte aus allen Teilen des Landes und mit einer sehr warmen Rede eräiiueie der Jniziaior dieser Partei der Abg. Breiter die Konferenz. Er schilderte in schönen eindringlichen Werten die seht in Galizien herrschende 111a־ terielle 1111b luoMliirfic Not!nie der Nationalitätenhas; und die Tencke des Aniisemitisinns, Reaktionismus und aller sdnvarzen Mächte im Lande grassieren und es einsack dem Ruin entgegensühren. Her Abg. Breiter, dieser hegeinerte arische Vorkämpser aller hunianitären, kultnrellen nnd raditalliheralen Ideen, hat sich an die Spitze dieier Organisation gestellt, deren Ziveck und Ausgab sein soll, dem wahren friedlichen nnd nienschensrenndlickien Fortschritt die Bahn von den finiteren unsauberer Elementen zu reinigen nnd ein friedliches Zusammen, leben aller :! das Land bewohnender Nationen in di! Wege zu leiten. Jan alle;)!ebner betonten in ihren Ne fermen die Wichtigkeit dieser Organisation und es ist nur zu wünschen, das; alle wahrhaft freiheitlichen nn das Wohl der Allgemeinheit ans!rehenden Schickten de Bevölternng sich dieser Organisation anschüeßen, damit sie traft ihrer Wucht nnd Macht ihren Einfluß in di! Wagschale Werse» kann, um eine bessere Zukunft unserem armen Lande zu ermöglichen. V. H. Ein neues Bohkott-Blatt in Krakau. Lei! dem 15׳ Mai d. I., erscheint in Mrafau eine neue volnische . deren Programm die lleberpflanznng des faszlich, siusenweise lveirergehend ahgesaßt und verspricht in hebräisch lernenden deutschen Kreise» großen Anklang und Berhreitung-zu finden. — Dasselbe kann von der polnischen Abfassung gesagt werden. Ein solches existierte bis nun überhaupt nicht und wer die galizischc studierende Jugend kennt, der wird begreifen, daß Herr Rath einem großen Mangel abgeholsen hat. indem er ein polnisches Buch zum Selbstunterricht der hebräischen Sprache herausgab. Möge diese leicht faßliche und allgemein zugängliche Methode zur Verbreitung und Pflege unsealten Sprache zwischen unserer polnischsprechenden Jugend dienen. Bernhard Horowitz. Paul Elaudel: Brrkündigung. Ein geistliches Stück vier Ereignissen und einem Vorspiel. Nach der französischen Dichtung deutsch von Jakob Hegner. Hellerauer Verlag, Hellerau bei Dresden. 8 M. — Als Paul Claubei vor etwa drei Jahren französischer Konsul in Prag var, wußten noch die wenigsten, daß einer der größten fickter Frankreichs, ja des heutigen Europa überhaupt, Vertreter der französischen Nepnblik hei unS war. Seit- >er in sein Name bekannt geworden und besonders die Äufführung seiner ״Verkündigung" in Paris (Weihnach- 101121 hat dazu beigeiragen, daß dieser Dichter, dessen k so ganz, ans dem Rahmen der ״Literatur" herausfällt, bekannt und so berühmt wurde, daß viele ihn heute sckion mit Aechvlns nnd Dante in einem Athem nennen. Herbst 1918 soll nun in Hellerau bei Dresden, im großen Fensaal der Hellerauer Bildungsanstalt auch die deutsche llraufführnng stattfinden und es wird dem deutschen Publikum in ihr die Gewalt fühlbar werden, welche noch beute oder heute »׳jeder von einer religiösen Weltanschauung nnd einem aus ihr geborenen Werke auszugehen vermag. Martin Buher, der in dem Anfang September erscheinenden Claudel-Programmhuch einen Aufsatz über Elaudel veröffentlichen wird, sagt von ihm: Mönch zu Afflighem, der sechzehn Pstlchonalytikcr auch darinnen׳ finden mögen, mir erscheint doch darin der Hauptunterschied zu liegen. Die Folklore stellt uns gesunde, kraftstrotzende Männer und viel Erklärungen sieht der unbefangene Leser — und auf die Unbefangenheit kommt es hauptsächlich an — sofort: das ist natürlich. Das ist wahr! Liest man dazu noch Krauß Erklärungen: Anmerkungen, oft Sätze, oft nur einzelne Worte, so fühlt man gleich heraus: Tahinter steht ein Meister, der meistert. Da steht der Regent; der regiert in seiner Wissenschaft! Klipp und klar. Deutlich. Lhne viel Ueberschwang — wie eben ein Mensch, der seit einem Menschenleben mit Volkgeist und Volkgut zu arbeiten hat —. Natürlich in seinem Stil. Keine Schablone. Jeder einzelne Fall ist Fall für sich. Anders die Psychonalyse: über deren Wert hier zu schreiheu, mir nicht zukommt; und es wäre für mich eine Inkonsequenz, trete ich für die ״Anthro" ein, die Pschonalqse zu verdammen. Im Gegenteil auch diese Wissenschüft in hohen Ehren. Jedoch was für Pros. Freud gilt, kann nicht immer für alle seine Adepten gelten. Ich weiß es nicht. Möglich, daß alle seine Schüler auch durch die Schule der ״Anthro" hindurchgegangen sind. Vielleicht. Wie gesagt, ich iveiß es nicht. Jedoch, wenn dem wie ich vermute, nicht der Fall ist, dann mögen sie alle, alle erst aus diesem unerschöpflichem Born schöpfen, der: Natur! heißt. Dann erst werden sich ihre Augen ösftien, dann erst werden sie auf dem Standpunkte stehen, den auch Tr. Reit in seinem Buche zitiert: ״eritis sieut dens seientes' bonum et malum!" Dann erst werden sie entscheiden können zwischen: ״Gut und Böse". Oft im Gegensätze zu dieser Forschungsart Krauß verfährt die Psychonalhsc.Wenig oder fast gar keine Natürlichkeit. Gekünstelt. Gewollt. Nach einer Schablone. Man hat gewisse Formein. In diese Formeln, die wiederum oft zum Prokruftesbctt werden, preßt man alles hinein. Gewiß der Mathematiker, der Phpsiker kann mit gewissen, fixen For- Kloster ein Brand! mc*״ arbeiten. Er schabloniert jede Gleichung: jede Rechnung. Er hat die Schablone richtig erfaßt, so löst sich Jahre schwieg; ab ausbrack, rief er iie Flamme an — und sie hielt i. . Besser als jede Wiedergabe des Inhalts charakterisieren > die Gleichung aus Null. Anders der Seelenforscher. Er diese Worte die riete Wirkung des Werkes. Seine Hand-l rechnet nicht mit Zahlen. Er rechnet mit Menschen, lung ist keine äußerliche. Tie geht in wunderbaren Tie- י•'"’’”־־'׳" cv״w!*.״.״*״,!.״-״s״ PL'liiiiehcn Bontotts gegen die Juden nach Ga-!. Es in wirklich interessant zu wissen, wie lange .׳azillenvolle £ raan die hiesige Luit verpesten י ihm ein längeres Dasein hcichiebcn fein wird, ine solche Zeiiuug gibt es hier schon seit lange. 1׳ nicht viel Aufhebens macht. B. H. , so tief, daß uns das Wunder, das j sich im dritten Ereignis vollzieh!die Wiederbelebung eines toten Kindes, nickt wunderbarer vorkommt als alles andere Geschehene, aus dem es cmporwächst. Tie Sprache des Werkes gehört mit zu seinen größten Schönbeiten, sie ist ganz ans der Rhtstmik des Atmens heraus-- gewachsen. Der Uebersetzcr, Jakob Hegner, hat mit vieler Liebe und feiner Empfindung diese Sprache deutsch nachgebildet, und der Leser der deutschen Uebersetznng ahnt, ivelche große Wirklingen auch die Hellerauer Uraufführuug haben wird, der, lvie die Zeitungen melden, Paul Elaudel selbst beiwohnen wird.!(rankkeilen Ser Nerven, ües Magens, vsrnies etc. werüen mit Erfolg D= Hutban$ Sanatorium in Dseftnowltr irurieit. — Prospekte gratis. Literatur. Tr. Theodor :Heit/ Artur Schnitzler als Pstzcholog. Mi: Einbandzeichnung von Heinrich Jost. Geh. -I Mk., gebunden 5׳ Mt-, in Ganzleder 7.5,9 Mk. «I. E. E. Bruns Verlag, Minden in Westfalen« 992 Seiten. Die Traumdeulung, ichablonenmäßig: ioniirinert, entbehrt oft jedes realen Hintergrundes trotz psnchoanaliitifcher Forschung. Tenn wozu die Erklärung verfucken: ivenu man letzten Endes vor dem großen £ iieht: ״Das Unbewußte"; obei vor der noch größeren Splstnr: ״Die Infantilität." S! großartig, ans den ersten Blick, so verblüffend es auch!ssehen mag, einem ins realere Leben blickendem eies durchdringeitdem Auge kann diese Art Erklärung chi genügen. Es ist leider hier ni«cht der geeignete Sri, mich mi! der oft gewollten nnd gesuchten Exegese des weiteren anseinanderzlisetzen. Die ״Allmacht des Gebeule»״" mag ja bei Neurotikern zu einer Zwangsvorflellung nUuen; — Und wer ist vor den Psz-chonalhtitern stcker, nick! als Neurotiker hingestelll zu werden? Man ntnß geivis; Nerven teste Taue haben, um nicht z. B. nach der Lektüre Dr. Hahancs ״Ter defekte Mensch" ttiedergeschmcilerk z» werden — ob solche ״Allmacht des Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul- und Pedanten»" aber tariächkich solche Gewalt über die Men- Selbstunterricht mit Wörterverzeichnis und Schlüssel. ,׳a׳en gewinnt,!an» meines Erachtens erst nach vieljäh- Erste pratlische Methode zur Erlernung der hebräischen s,!t׳Iiler Erfahrung die Psiickonallste behaupten. — mache in Wort nnd Schrift. Einführung in die Litern- Pergleickn man Fr. S. Kraus tiefschürfende Anthropo- Teil. phvteia", die -trotz sich verblendeter Jujtitzverbotc den :!. Selbe Methode in polnischer Sprache verfaßt. - ״Weg ins Freie" bahnen wird und mutz, mit der pf s ii! jedem, der über die Renaissanee-Bewegiing der naüiiifchen Forschung der jungen Wiener Gelehrten, so 1,!aßen informirt Hofft!rotz gewisser Beziehungen zwischen dem Haupte staunt, das; die Erlernung der hebräischen Sprache ha׳ Wiener Psiichonalilüer Pros. S.!eiend und dem allen Teilen und Ecken der Diaspora täglich neue bedeuieudiieu österreichischen Serologcn Tr. Fi umfasst, die de»!varmen 'Willen hegen, unsere Kraus;, ein tiefer Abgrund zwischen ihnen. Wenigstens Sprache in den Bereich ihrer Kenntnisse zu erscheint es mir so, der ich die'Forschungen beider mit als Umgangssprache sich anzueigne». persönlich uninteressiertem Blicke verfolge, ich bilde Selb» in Deutschland, dem eigentlichen Herd der Assidaher ein: desto unbefangener zu sein. Wied das Interesse für die hebe. Sprache im- . In der ״Anthro" — es geht ganz gut an, diese beiden Hier lebhaftee. Es ii! daher mit Freuden zu begrüßen,! Forschungen zu vergleichen — tritt uns gesunde, daß der Verfasser des obigen Buches Herr Rath sich die tiirliche Erotik entgegen. Frisch und klar hervorsprudelnd Mühe nahm auch in deutscher Sprache eine Methode zur aus der Natur silberhellem Born. Soviel Aehnlichkeiten leichten Erlernung der bebr. Sprache aus auiodidaklij Weiber dar, die sich ihrer ״Liehe" nickt schäme»; sich schein Wege zu verfassen. Das Buck ist praktisch, leickt j nicht scheuen, sie zu betätigen. Ebne viel Exegese, ohne edes Exemplar ein Novum. Jedes Einzelindividuum ein anderer Mensch. Es mögen noch so viele Menschen, oh Männer, ob Weiber, dasselbe erreichen wollen, erreicht haben; sich in gleichen Situationen, befinden; gleiche Aufgaben gestellt sein; cs mögen noch so viele lieben, geliebt werden; durch die Liebe beglückt, durch Liebe verunglückt werden: und doch: der ganze Komplex aller ihrer Gefühlsregungen. Wallungen, Triebe mag als Summation: gleich ähnlich erscheinen. Könnte man diese Summation in ihre Summanden einzeln zerlegen: diesen Komplex in alle seine Einzelclemente auflöscn, so stellen sich dem Seelenkenner, so biele Menschen, so viele subjektive aber tatsächlich verschiedene Einzelcrscheinnngcn dar. Es erscheint mir. der ich mich nur aus meinen ״gemeinen" Menschenverstand verlassen kann, so. Es erscheint mir aus Grund eines nur oberflächlichen folkloriitischem Studium so. Wird die Psychonalvse alle kleinlichen Vorurteile ahlegend durch pshchische Autopsi nnd durch tiefgründlickes ״Anthro"-Studium erst an die Behandlung des Seelenlebens der Kranken und auch Normalen heranschreiten, dann wird vieles natürlich »erben, was heute vielleicht anormal erscheint; Es wird!icht die gesuchte, die gewollte, gekünstelte oder crzwunreue Erklärung zutage treten, wie cs heute oft erscheint. Tr. Theodor Reik hat einen Versuch gemacht. Schnitzlcrs Gestalten und Erscheinungen unter die Lupe des pshchonaltztifchen Erforschcns zu stellen. Man wird ihn vielen Kreisen verurteilen, verdammen. Alles, was sich um schablonenhafte Literarhistorik schart, wird ihn als einen Ketzer verbrennen wollen; wird ihm das Reckt absprechen wollen, von solchem psnchonalitischen Standpunkte aus, Literatenpshchologie zu betreiben. Die Schulliterarhistorik, die Sckmlpsychologie, ja sogar die Schulpsbchiatrie lvird ihm das Recht ahsprechen mitzureden, wo nur ergraute Männer sprechen sollen. Schon heute wird in vielen Besprechungen das Buck verworfen, in anderen Reik als Pfadfinder gefeiert. Man wird Fehler finden. Man wird Vorzüge suchen wollen. Mir selbst erscheint in dem Bucke denn doch ein wenig Vieles zu gekünstelt, gewollt, erzwungen. Reik meint selbst an einer Stelle: man möge nicht cinzcinc Gedanken aus dem Gesamtkomplex herausreißen, um ihn besser an den Leih rücken zu können: Ich loill in der Beziehung gerecht werden. Wird Rcik in die Folklore tiefer eindringen; wird er sich das Anthropbytcia-Studium angclegen sein lagen, dann wird er selbst vielleicht zu-andcrcn Schlußsolqcrungcn gelangen, als er es in seinem Buche getan hat. Gustav Kohn. Tre griechische Tänzerin von Arthur Schnitzler. Papphani 1 M. in Sinnen 1,25 M. (Fischers Bibliothek zeitgcltössischerRomancs S. Fischer, Berlin. — In einer billigen Ausgabe, die sich durch schönen, augenschoncndcn Druck und geschmackvolle Ausführung auszeichnet, sind fünf Novellen Schnitzlers, welche seinen gesammelten ,Werken entnommen sind, in einer neuen Auslage vcr-