Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 18 (14.5.1914)
- Date
- 1914-05-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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M. 18?;:fiVtr.vr” Seit.- 11 wie wir wissen, etwas Tatsächliches und somit haben wir auch die bedeutsame Nachricht von einer Schulgründung in Wien als historisch Sicheres anzusehen. Welcher Art war diese Schule? Wülfer nennt sie ein Gymnasium, Alumncum oder Seminarinm. Alle drei Bezeichnungen sind richtig, oder, wenn man will, auch unrichtig. Tie Schulen waren damals noch nicht derart differenziert, als daß ihnen durchaus nur ein bestimmtcr Name anhaften sollte; zumal einer jüdischen Schule, welche doch von dem christlichen Autor nur annähernd mit einem der unter Christen gangbaren Namen bezeichnet werden konnte. Soviel scheint gewiß, daß sie leine gewöhnliche Talmudschulc war, denn für eine solche hätte der in Iudaicis bewanderte Mann den richtigen Namen sofort hcrausgesundcn und cs wäre eine gewöhnliche Talmudschule auch für Wien nicht etwas Besonderes gewesen. Dazumal erfahren wir noch, daß diese Wiener Schule ihren Zöglingen feste Subsistenzmittel bot, eine Art Alumnat oder Internat, das sich mit der Zerfahrenheit der gewöhnlichen Talmudschulen nicht gut reimt. Außerdem sicht man, daß Wülfer gerade die allgeineinen!viffenschaftlichen Bestrebungen der deutschen Juden irgendwie in ein besseres Licht stellen möchte und da muß die von ihm mit Stolz genannte Schule auch etwas weltliches Wissen in ihrem Lehrplan umfaßt haben. Demnach glauben wir am besten bei dem von Wülfer selbst gebrauchten Namen ״Gymnasium" bleiben zu können. Der hochherzige, munifizcnte Gründcr-des alten jüdischcn Gymnasiums ivird leider nicht genannt. Ich glaube in ihm jenen :)!. Iehuda Löb, Nabbiner und praktischen Arzt in Wien, erkennen zu müssen, der um dieselbe Zeit, etiva um 1U00, eine bemerkenswerte Synagoge in Wien gestiftet hatte l.,Aterclh Zekenim zu £. CH.!)0, 4; ü. Löw, Gesammelte Schriftcn4, 301. — Dieser Man», Rabbiner und Arzt zugleich, allem Anscheine nach auch vermögend, lvar allein in der Lage, eine gut fundierte, auch für weltliches Wißen sorgende Schule ins Leben zu rufe». Sein Name verdient in Chrcn genannt zu werden und seine Gründung soll hiemit der Vergessenheit entrissen werden. Die Ireunde der Lokalgeschichte werden der Sache bester nachgehen könneu, als cs dem Schreiber dieser anspruchslosen Notiz gegönnt isr. Prof. Tr. Samuel Kraust. ״Fr. Iüd. Lchrcrst." Erzählungen aus Bibel und Talmud. Von M- Pulvermanu. Rabbi Ehonis schlaf. ״Was machst Du da?" fragte Rabbi Choni einen Greis, der mit spaten und Schaufel beschäftigt war. ״Ich pflanze einen Iohaunisheerbaum", stab dieser zur Antwort. ״Einen Iohanuisbeerbaum?" wiederboltc der Rabbi verwundert. ״Wie töricht ist dieses doch bei Deinem Älter, da cs doch lauster als ein Menschenalter dauert, bis ein solcher Früchte trägt! Weder Du noch Dein Sohn werden sich daran laben können." ״Das ist sreilich wabr", sprach der Alte. ״Allein wenn ich an die Freude zurückdenkc, die ich bei dem Genus; der Früchte des Baumes batte, den mein Großvater pflanzte, so kann ich es mir nicht versasten, meinem Enkelsobne die stleiche Freude zu bereiten." Ter Rabbi lächelte überlesten und setzte seine Wanderuust fort, innerlich über das Törichte der Menschen grollend, die, anstatt für die Gegenwart zu schassen, für so viele Jahre hinaus Vorsorge treffen wollen. In Gedanken versunken erreichte er bald den nahen Wald, das Fiel seines Spazierganges. Die Sonne war bereits dem Untergange nabe: er war aber so müde, das; er ein wenig ausruben wollte. Er schlief bald ein, und als er erwachte, stieg die Sonne wieder hoch empor, um einen neuen Tag zu verkünden. Aergcrlich über seine Trägheit, lenkte er seine Schritte heimwärts. Doch seine Füße walltcn nicht mit seiner Eile Schritt halten, und er kam nur langsam vorwärts. Als er wieder die Stelle erreichte, wo der Greis den Baum gepflanzt hatte, siehe — da stand ein vollgewachjener Baum mit vollaerciftcn Früchten, an denen ein kleiner Knabe sich gütlich tat. ״Wepcn Hand hat diesen Baum gepflanzt?" fragte der Rabbi. ״Mein Großvater, gerade einen Tag vor seinem Tode. Ganz verwirrt setzte Rabbi Choni den Weg fort. Träumte er denn mit offenen Augen? Um sich van seinem wachen Zustande zu überzeugen, griff er nach dem Bart, war aber noch mehr erstaunt, daß dieser in einer einzigen Nacht zu eine solchen Länge gewachsen sein sollte. Seine Verwirrung nahm zu, und er schriit zaghaft, gleichsam tastend, in Straßen, die ihm unbekannt schienen, an Menschen vorbei, die ihm gänzlich fremd, waren. Plötzlich blieb er stehen. Das ist doch das Haus, wo er mit seiner Familie wohnt, — wessen Kinder aber sind es. die hier herumlaufen und so heimisch sich gebärden? Er betrat das Haus und erblickte einen jungen Mann, der mit einem Säugling spielte, während die junge Mutter lächelnd daneben stand. Beide waren ihm fremd. Stumm vor Staunen blieb er auf der Schwelle stehen, bis er sich wieder so weit gefaßt hatte, um seine Sprache gebrauchen zu können. ״Verzeiht mir, Ihr lieben Menschen," bat er, ״daß ich in ein fremdes Haus eingedrungeu bin. Ich will zu Chouis Sohn gehen." ״Chonis Sohn" ries der Mann verwundort. ״Meinst Du meinen Vater, der schon seit zehn Jahren tot ist?" ״Chonis Sohn seit zehn Jahren tot?" Der junge Mann sah den Greis erbleichen, darum sprach er teilnehmend: ״Mein Vater ist wohl Tein Freund gewesen?" Ter Rabbi fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und flüsterte leise:;,Ich — ich — bin — Eboni!" ״Meinst Du Rabbi Cboni, über dessen Grabstätte schon volle siebzig Jahre dahingeflossen 1'inb?" ״lieber seine Grabstätte?.Wo ist denn diese?" Der junge Mann sprach traurig: ״Gerade heute sind es siebzig Jahre, daß mein ehrwürdiger Großvater seinen üblichen Spaziergang nach dem nahen Walde unternahm. Sein längeres Ausbleiben fiel anfänglich nicht auf, weil er immer in heiligen Betrachtungen so vertieft war, daß er bei der Heimkehr, sich häufig versäumte. Als aber ein ganzer Tag verstrichen war, wurde iican besorgt und sein Sohn und alle Schüler des Großvaters begaben sich auf die Suche nach ihm. Aber man fand keine Spur von ihm ,sodaß sich allen der Gedanke ausdrängte, daß er ein Raub der wilden Tiere geworden war. Man hat nie wieder etwas von ihm gehört." ״Choni ist aber nicht tot", sprach der Greis. ״Du siehst doch, daß ich lebe." Er wankte und wäre zu Boden gestürzt, wenn der junge Mann ihn nicht ausgesangen hätte. Er legte ihn aufs Bett, überzeugt, daß irgend ein seelisches Leid den ׳Geist des Greises zerrüttet hätte, daß er sich für Choni ausgab: da er aber anscheinend keine Angehörigen besaß, erachtete der Mann es als seine Pflicht, den Greis bei sich zu behalten. So lebte Choni im Hause seines Enkelsohues als ein völlig Fremder, und jetzt mußte er eingestehen, wieviel weiser jener Pflanzer gehandelt hatte, dessen Andenken bei den Seinen sich bis heute segensreich erhielt. Gott erhörte bald seine Bitte um Erlösung von dieser Erdengual, und er wurde nach wenigen Wochen als ein völlig Unbekannter zur ewigen Ruhe bestattet. Arnold stick! 0000,0 Sattler a.Taoezierer Srfinn, Kröna2< Dr. Emil Bloch ord;niert in der Kur- und Wasserheilanstalt des Brünnen Zen!ralbadeS für Nerverkra׳ ke, Rheumatismus.;Gicht Ischias-. Mapen- und Darmleider. Blutarmut. Fettsucht Herzenleiden u. s. w. Modernste H• ilhehelfe: Heißluft (Blaulicht' Schweh 1-S00!e Fanpo-Radium-kohlemaureu• VierzJlenbäder elektr. 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