Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 18 (14.5.1914)
- Date
- 1914-05-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint jede« Dormerftag. Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen S 20 ganzjährig . . .? . ... . . Kronen 12׳— Deutschland, ganzjährig . . . . . . Mart 12׳— Rußland, ganzjährig ....... Rubel 6׳— Balkan, Frankreich. . Franks 14׳— -S , Nummer 18. Jahrg. XV|3 Herausgeber: Max Hickl. ---a Buchhändlerischc Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Geschäftsstelle, Wien: Rotenturmstratze Nr. 31. Telephon 3008/VlII. Sprechstunden von 10—12 Uhr Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht hono» riert. — Manuskripten ist Rückporto beizusügen. -LI Brünn—Budapest. Wie», }f ®[״j!*^44 Prag—Lemberg. Ji.lNier lebendiger wird das Interesse aller Juden für das Land unserer Väter, für Palästina. Die jüdische Bevölkerung dort hat sich in den letzten Jahren ganz bedeutend vergrößert. Dank der Fürsorge der verschiedeniien Körperschaften wurden in Erez Jisroel Werke ins Leben gerufen, die von einschneidendem Einfluß für die Zukunft unseres alten Heimatlandes werden könneu, gelten sic ja nicht zum geringsten Teile dem i!nt-.rr.cht und der Erziehung unserer Heranwachsenden Jugend. - Von. allen diesen Schöpfungen verdient in erster Reihe die Tachkemonischule in Jaffa die Liebe und Unstützung aller Juden. Der 'Zweck dieser Schule ist ein doppelter: der palästinensisibeu Jugend eine Toratreue, ־ nationale Erziehu,1g in der Sprache unserer Väter zu gewähren, sie auf diese Weise im Sinne des überlieferten Judentums, ausgestattec mit gründlicher Kenntnis unserer Thora zu bodenständigen Bürgern' Palästinas auszubilden und ihnen gleichzeitig, entsprechend der,Devise Thauroh im derech erez, eine profane Bildung zu geben, die sie in den Stand setzt, den Anforderungen der Zeit in jeder Hinsicht gerecht werden zu können. We'-H schönere Zukunft können wir uns für unsere Jugend denke,:, als sie in diesem Sinne heranwachsen zu lchen, und lvelch bessere Gewähr hätten wir. Wohl für die Erhaltung unserer Nachkommen für das Judentum, als wenn sic ans diese' Weise während der ganzen Zeit, da s׳c der Obhut des Lehrers in der Schule anvertraut sind, mit der Liebe zur Thyra und zum heiligen Lande erzogen toerdcn. Eine Untcrrichtsanstalt, die sich eine solche Aufgabe stellt, und in ihrem Lehrmaterial die Gewähr dafür bietet, daß dem Schüler das jüdische Gesetz in Wort und Feuilleton. Der Haupttreffer. Von B. R,i p p e l, Czernowitz. Er war als armer, aber ehrsamer und rechtschaffener Mann im ganzen - Orte bekannt, der Schleifer Feiwel. Ohne daß jemand die eigentliche Ursache dieses Spitznamens ״Schleifer" angeben mochte, hatte sich derselbe bei dem braven Manne behauptet, wie die meisten Spitznamen in kleinen Orten für die Dauer standhalten. Nur mit schwerer Mühe, bei drückendem Mangel, vermochte sich der anne Schleifer mit seiner Familie im kleinen Städtchen durchzuringen. Denn nicht nur für das tägliche Brot hatte er zu sorgen; er war auch Vater von uiwersorgten. erwachsenen Töchtern. Trotzdem er selbst als Mittelsperson bei jedem Geschäfte tätig gewesen, und seine Gattin in ihrem kleinen Kramladen das Tagwerk vollbrachte, hätten Pe es beide demnach nicht zusammenbringen.können, auch nur Eine ihrer Mädchen, die es übrigens selbst auch an Arbeit und Fleiß nicht fehlen ließen, unter die Haube zu bringen. Denn die Mühe war groß und das Verdienst zu winzig. ' . So war denn nach und nach eine bange Betrübnis in das enge Haus eingezogen, welche mit Tat vor die Augen geführt wird, muh die Sympathie aller gewinne». Wcnn man bedenkt, welche verschiedenartige Strömui'gcn sich gerade auf dem Gebiete des Erziehungs- Wesens in Palästina geltend machen, dann bedarf cs keiner besonderen Begründung für die Notwendigkeit des Bestehens der Tachkemoni-Schule. Das seit Jahren bestehende Werk soll nun weiter auSgcbildct werden. Tie Mittelschule wollen wir in ein 6!» nasiu!.: umgestalte», neue, gute Lehrkräfte werden wir anstelle:, und Kurse in handelswissenschastlichen und landwirtschaftlichen Fächern einrichten. Außerdem hoffen wir, für 1'iisere Anstalt baldigst^ ein würdiges, schönes Schulhaus zu errichten. Das Grundstück ist bereits seit einigen Jahren angekaust, und gerade in den letzten Tagen ging uns für den Bau von anonymer Seite eine bedr״.t-:1de Spende zu. Ferner besteht für später die Absichr. auch in anderen Städten und Kolonien Palästinas Schulen in׳ gleichen,Sinne zu errichten. Große Pläne, die naturgemäß große Geldansorderungea an uns stellen. Wir richten deshalb hiermit den dringcnoen Appell an alle Juden, uns in unseren Bestreb,umen tatkräftig zu unterstützen! , Sammelt mit Eifer Spenden und Jahresbeiträge, und sucht überall das Interesse für unser Schulwcrk wcchzurnfen! Es ist ein Werk, das für die Zukunft Palästinas von der allergrößten Bedeutung ist, und dessen Früchte nicht nur die palästinensische Bevölkerung, sondern die gesamte Judenheit genießen wird. Ter geschästsfnhrende Ausschuß Rüben Cohn, Antwerpen; Schriftsteller W. Jawitz, Antwerpen: Maler Hermann Struck, Berlin: Moritz 2. Wolfs, Hamburg: Sally Wolfs, Antwerpen. Das Comitee: Rabbiner Abramowitz, St.-Louis; Rabbiner Aronsoh». Kiew: Referendar A. Barth, Berlin: Emile Bühler. Paris: Rabbiner Copenhagen, Amsterdam; I. Dutas, schweren Druck alle Herzen belastete. Aller Glanz ,ihrer mädchenhaften Schönheit und selbst der Liebreiz ihrer holden AnMut vermochte es nicht, bei den^ungfrauen die dunklen Schatten ihrer Armut unkennbar zu machen. Und nicht selten verriet ein eigentümlicher Gesichtsausdruck, ein herber Zug an ihrem Antlitz, daß sie mit peinigender Sorge und nagender Schwermut manchen heftigen Kampf auszufechten hatten. Bei ihren ärmlichen Verhältnissen hatten die Mädchen trotzdem eine gute Erziehung erlangt. Darauf hatte-es schon ihr sorgsamer Vater abgesehen, der, selbst in mannigfachen Kenntnisten bewandert, seinen Kindern eine ordentliche Erziehung und Bildung zuteil werden ließ. ״Wenn ich auch meinen Töchtern keine ansehnliche Mitgift bieten kann". Pflegte der Schleifer zu sagen, ״so müssen sie doch zumindest einen entsprechenden Ersatz ausweisen. und die Möglichkeit haben, auf eigenen Füßen durch die Welt zu wandeln". Und so war denn auch Eine Schneiderin. Die Andere hatte Modeartikel für Damen angesertigt, und die Dritte erteilte Privatunterricht. Weil ihnen aber das launische Glück nicht sonderlich zulächelte, und sie außer ihren persönlichen, rümlichen Eigenschaften nichts mehr ihr eigen.nannten, mußten sie denn auch die Passenden Brautwerber vermissen. Es verging die Zeit. Mit pünktlic^r Gleich- Mäßigkeit hatte sich das schwere Tagwerk in der armen Schleiferfamilie wiederholt. Ter Morgen Ncwyort: H. Farbsteiii, Warschau; Dr. L. Franck, Alto- 11a; Chief-Rabbi Tr. Hertz, London: CH. Kahan, Berlin: Rabbiner Kramer, Wien: Emil H. Lipiladr, Hainbürg; M. Manascwitz. Bialijtock: Dr. Rabin, Odessa: Dr. S. Rappaport, Lemberg; Rabbiner Rubinsoh», Rotniza: Fritz Sonderheimer, Frankfurt a. M. Der pädagogische Rat: Dr. Ascher, Ncnchatcl: Geh. Regicrungsrat Professor Tr. Barth, Berlin: Prof. Tr. Berliner, Berlin: Oberrabdi- ״er Dr. Brody, Prag: Dr. Feuchtwang, Wien: Rektor Dr. Hoffman», Berlin: Rabbiner Kuck, Jaffa: Rabbiner Tr. Nobel, Frankfurt a. M.: Kgl. Bibliothekar Dr. H. Pick, Berlin; Rabbiner Reines, Lida: Rabbiner Schwelkcs, Przcmysl. Ter Ehrenrat: I. Austerlitz, Wien: Oberlehrer Tr. Blau. Limburg: I. Bollag-Feuchtivanger, Basel: Rabbiner Prof. Dr. H. P. ChajeS, Triest: I. va» Cleef, Coln: Rabbiner Dr. Salis Daiches, Sunderland: Rabbiner de BrieS, Haar- Um; Rechtsanwalt David, Hamburg: Moses Tuff, Jassy: I. Dülken, Cöln: E. Ettinger, Berlin; Aron Ettlinger, Mannheim; Wilhelm Freyhan, Breslau: Freudiger. Budapest; GalewSky, Berlin: Rabbiner Glücksberg, Odessa: Rabbiner Dr. Grunwald, Wien; Dr ,f5rl Jere mias, Posen; Max Kober, Breslau: Rabbiner Dr. Lew», Charlottenburg: Rabbiner Dr. Liebermann, Berlin; Hugo Mainz, Hamburg: Lberrabbiner Dr. 2. H. Margulies, Florenz: Professor Dr. Alex Marx. Newyork: Kommerzienrat George Marx. Königsberg: Dr. L. Mirkin, Petach-Tilwah: RechtSaMvalt Dr. I. Möller, Altona: Wolf Möller, Altona; Rabbiner Dr. Nacht. Focsani; Dr. Pinkhoff, Amsterdam: Jacob 2. Posen. Frankfurt a. M.; Rabbiner Rabinolvih, Liverpool: Rabbiner Tr. Rosenberg, Ancona: Zahnarzt H. Rothschild, Lübeck: Professor Tr. Schcchter, Newyork; Dr. Joses Seliger, Lemberg: Professor Tr. A. Snlzbach, Frankfurt a. M.: Rabbiner Tr. Unna, Mannheim. führte sie zur mühseligen Arbeit, und der Abend vereinte sie wieder zu Hause. Sonst Hallen sie keine Ruhe, noch Rast. Nur der Samstag, der einzige, geheiligte Tag der Woche, hielt!ie im Hanse zusammen. An diesem Tage, am Sabbath, hatten sich die Familienangehörigen Ruhe und Erholung gegönnt, hatten die Vorfälle und Begebenheiten der Woche einer Erörterung unterzogen, Meinungen wurden gerauscht. Erwägungen geäußert und Beratungen geführt. ״Weiß der liebe Gott", sprach die Mutter an einem Samstag zu ihrem Gatten, während die Töchter außerhalb des Hauses weilten. ״Bei Leuten kommen Mädchen in Gesellschaft, machen Bekanntschaft mit jungen Leuten; man verliebt sich, und Niemand fragt nach Heiratsgut. Und bei mir ist ein Fluch des Himmels! Ta wachsen die Mädels Einem über den Kopf und Du hältst sie von jeder Gesellschaft fern. Und sie werden doch täglich älter! So willst Tu erwachjene Mädchen, ohne Heller versorgen?!" Diese Worte hatten dem Schleifer tief ins Herz geschnitten, allein er antwortete nicht. Er saß da, wie in Träumen versunken, erwägend, und wühlte mit den Fingern fortwährend in seinem Bart. Allerlei Gedanken schoßen ihm dabei durch den Kopf, bald aufleuchtend, bald wieder erlöschend. Endlich erwachte er, wie aus einer Betäubung und erwiderte seiner Gattin: ״Daß ich die Kinder von Gesellschaften zurückhalte, das kann nur ihre Ehre schonen und ihre Achtung