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Jüdische Volksstimme · 1914-04-30 · Heft 16 (30.4.1914) · page 9

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 16 (30.4.1914)
Date
1914-04-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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30. April 1914 Seite 9 Sk. 16. XV-/3 Jahrg. Beilage zur ,Wiener Jnv. Lolksstimme'. Vas!Mische Leben in üaürien. Der Zahltag. Bernhard Horowitz, Krakau. Die Schatten senkten sich bereits und die Abenddämmerung breitete ihre Fittige aus als Samuel B. sein Geschäft verließ, um ins Freie zu kommen. Er konnte nicht mehr standhalten aus seinem Sessel. Er saß wie aus brennenden Kohlen. Viele Stunden hatte er in seinen Büchern gegrübelt, gewühlt und gesucht. Er wollte aus ihnen doch etwas hcrauspressen, aber alle Konti waren bereits saldiert, nur in kleinen Resten Differenzsummen überwog hie und da sein ״Haben". Wenn es ihm gelingen sollte im Laufe des morgigen TagcS all diese Lappalien einzutrciben, was ausgeschloffen schien, so würde er in den Besitz eines Betrages kommen, der nicht den fünften Teil ausmachen würde von dem, was er morgen braucht. Morgen ist Zahltag des Monats. Und vor seinem Geiste schwebte die knochige Gestalt des Bankbeamten, der Jjie Wechsel präsentiert. Woher das Geld nehmen? Alle Resourscn sind erschöpft. Der Kredit, dieser Wohl- ״Verfluchter Jud!" schäumte ein vorübergehender Bauer, und mit seinem dicken Stock versetzte er dem Schlafenden einige wuchtige Schläge auf den Kopf und ging ruhig seines Weges. Ter getroffene stammelte einige Worte und verfiel in Bewustlosigkeit. . . Eine große Blutlache sammelte sich um ihn herum und ein Hund labte sich daran. . . Gekickte. Die kommenden Gemeindewahlen in Krakau. Die Vorpostengefechte des komnienden Kumpfes über die zu wählenden Gemeinderäte in Krakau sind schon ziemlich heftig ccnd fortwährend werden Versammlungen, hauptsächlich durch die Partei der Unabhängigen Juden veranstaltet. Vorigen Sonntag sprach in einer solchen Versammlung der ״unabhängigen Juden" der täte! streckte die Beine und an seiner Statt hat sich das -ühmlichst bekannte arische Abgeordnete und Volksred- Mißtrauen, dieser schwarze, grauenvolle Drachen, mit?ct Deszinski, der von dieser Partei bis nun und auch den markerschütternden und herzbohrenden Argusaugen, den Wahlen in den Gemeinderat unterstützt tief cingenistet und alle Gemüter zu seinen Vasallen lD‘rk• &cm '§m eigenen Sarkasmus und seinen gemacht. | rhetorischen Fähigkeiten schilderte er die Wirtschaft, der Und" ein Schaudern ergriff ihn. Was beginnen? ^׳er herrschenden Klique und ihr Verhältnis zu den Mehrere Namen seiner guten Bekannten fielen ihm auf י ®tefer radikale ,ercidenker und Stürmer aller einmal ein. Er analysierte rasch im Gedankenflug die traditionellen Positionen und. Heiligtümer war einst der Psyche eines jeden inbezug auf ihren Wohltätigkeitssinn' unbestrittene Liebling der Krakauer Juden, die seinen und es schien ihm plötzlich, als ob sein Ansuchen überall Schlachtrufen gegen den Klerikalismus und Reaktivtaube Ohren finden würde, als ob ihr stetes Lächeln bei' ni§muS mit einem wahren Feuereifer folgten. Als jeseinem Erscheinen, diesmal auf ihren Lippen erstarren' nationale Strömungen auch bei den hiesige» Juden würde, wenn sie seine Bitte vernehmen werden... Er rang nach Luft und in diesem Zustand ging er auf die Straße, um seiner Umgebung nicht seinen Gemütszustand zu entdecken. . . . Er ging außerhalb der Stadt, denn er wollte keinen Bekannten begegnen. Frühling war"s und die Natur- Pracht begann sich in ihrer vollen Majestät zu entfal- Eintritt zu finden begannen, fühlten sie erst, wie groß die Kluft ist, die ihre Anschauungen, Wünsche und Endziele von denen Daszynski in Bezug auf die Judenfragc trennt. Er als sozialdemokratischer Arier wünscht natürlich die völlige Aufhebung des Judentums als einer unzweckmäßigen Last unter andere, gegebenenfalls unter die polnische Nation. Dafür liebäugeln mit ihm ten. Der Tau des Aufblühens lag auf allem. Seit ^ute nur die jüdisch-demokratischen Affimilanten. Aus Jahren war es das erstemal, daß er ins Freie hinaus-! R-sP-» vor der Wahrheit muß jedoch zugegeben werden ging. Denn er wußte niemals mehr als an seine Gläu-; Daszhnskis Aufklärungstätigkeit sehr viel Schlechtes biger, Schuldner, Lieferanten und deren Preiswürdigkcit zu denken. Sein Gehirn war der Teig, auf den eine Unmenge Preise, Warengattungen, Bezugsquellen usw. chiffriert waren. Die Staubluft seines engen Bureaus hatte an seinen Lungen gezehrt und er fühlte cs kaum. Die Maschinen in die er verstrickt war, rollte wie von selbst und er wollte mit. . . . Mehr weniger wußte er, daß seine Ausgaben seine Einnahmen bei weitem übersteigen, überhaupt in den letzten Jahren der allgemeinen Krisis. Aber was tun. Das Geschäft liquidieren? Es mußte das Defizit heraus, es hieße also geschäftslos und ein Schuldner bleiben! Außerdem was würde er dann beginnen? Die allgemeine Geschäftslosigkcit vieler Menschenklassen nur ver grötzern hieß dies. Und er schleppte den Karren weiter, keuchend, schwitzend ohne Plan, ohne Ziel, fast selbstlos. . . . Nun naht das Ende dieses Wahnes, dachte er, auf ein breites Feld übertretend. Am Horizonte sank die Sonne in ihr Schlummerkämmerchen hinunter und mit ihren Gutenachtwünschen vergoldete sie die Bergspitzen und die Baumwipfel und eine rosige Stimmung lag auSgegossen ... Er trapelte und stolperte einige Mal bis er starke Müdigkeit fühlend auf einen Stein sich niederließ. Eine Weile sitzend verfiel er in sanften Schlaf und der süße Engel der Träume beherrschte seine Phantasie. Er fühlte wie die Sonne ihn küßte, umarmte und umschlang und dabei tönten süße Melodien, wunderbare Chöre erschollen, daß die Bäume mit in Freude und Entzückung gerieten und einen Tanz veranstalteten. . . . ■ Die lieben Blümchen, die zarten Rosen, sie besorgten das Büfett und boten die herrlichsten Speisen und Getränke feil. Er, der Mensch, die Krone der Schöpfung, war der Held der Feste, um ihn gruppierte sich alles und als ihm eine zarte weiche Mimose ein Ambrosia-Getränk in einem goldenen Kelche mit bestrickendem Lächeln darbot,dann schmolz sein Herz in Wonne und er sich in Adams Paradies versetzt sah und wünschte, es möchte doch bis in Ewigkeit dauern. . . . Diese Engelsreinheit, diese lautere kristallene Atomosphäre, die frei von den Dünsten irdischer Wühlerei und Fleischlichkeit. . . Er fühlte den Nektar in allen seinen Adern strömen und sein Atem war so ruhig, so gleichmäßig und das Gemüt so lastenfrei, so übermenschlich rein. . . . ferenz zu diesem Behnfc einzuberufen und auf die Tagesordnung die brennende Frage der Bekämpfung der Boykott-Bewegung zu stellen. Nur eine große indische Organisation, heißt es in dein Meinoranduin. sei in der Lage etwas gegen diese drohende Gefahr ausznrichlcn. Durch das Stillsitzen und Ignorieren der immer müchtiger anschwcllcnden Fluten des wirtschaftlichen Boykotts werde die Gefahr nicht nur nicht abgewendet, vielmehr noch mittelbar untcrftützl. -- Bemerkenswert iit es, daß auf diesem Memorandnm solche Namen gezeichnet sind, welche immer als verbissene Affimilanten galten. Ter Selbsterhaltungstrieb rüttelt also die jüdischen Leisetreter und die lichtscheuen Elemente doch gewissermaßen auf. Es ist nur zu wünschen, daß dies fortgesetzt werde, um zu greifbaren Resultaten gelangen zu können. Denn in der Organisation liegt die Macht. Judenfresierische Zeitungen. Die jundcnfresscrischcn Provinzblättche» sprossen wie Himbeeren aus allen Punkte». Fast in allen grö- Heren galizischen Städten wurden in letzter Zeit solche Organe geschaffen, die teils in Wochen-, teils in Monats- oder zweimonatlicher Ausgabe zur Welt kommen und durch ihre giftige Schreibweise Aufsehen erregen. Auch in Przcmysl erscheint ein solches Organ, das ununterbrochen Tränen über die jüdisch-kapitalistische Wacht vergießt, den jüdischen Kahal als die Doinäne jüdischer Macht und jüdischen Einflusses hinslellt lind dagegen die Unterdrücktheit der Polen in Galizien, die unter dem Joche der jüdischen Herrschaft seufzen — schildert. Diese Artikel würgt dieses Blatt mir ״geiskreich" verdrehten Zitaten aus dem Talmud NiemojewSkischer Art. lind.der aus Przemysl zum ReichSrat gewählte jüdische Abgeordnete Dr. Liebermann rührt nicht den Finger um höheren Ortes zu intervenieren, daß dieses Scheusal einer Zeitung zurechtgewirsen und in die gebührlichen Schranken zurückversetzt werde! B. H. Aushungerung der Jude«. ie ״Vereinigung zur Polonisierung der Städte" hat unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Fürst Ratziwill nach langer, lebhafter Debatte folgenden niederträchtigen Beschluß gefaßt: ״l. Tie Versamlnng lenkt die Aufmerksamkeit der ganzen polnischen Nation darauf, daß ihre ehemalige Hauptstadt Krakau binnen kurzem vielleicht aufhörcn wird, ihr geistiges Eigenttim zu sein, den» schon sind zuin großen Teile ihre makeriellen Grundlagen zerstört worden. Speziell befinden sich von der allgemeinen Anzahl der Immobilien der Stadt lKrakau> in polnischen christlichen Händen 1>4 Prozent, hingegen in jüdischen Händen 35 Prozent. 2. Mit Rücksicht darauf, daß die Erhaltung dieser miteriellen Grundlagen des polnischen Charakters Krakails eine solch große Bedeutung besitzt, nicht minder als die Erhaltung des Grund und Bodens in polnischen Händen im preußischen Okkupationsgebiet, fordert a> die Versammlung die polnische Gesellschaft im allgemeinen, insbesondere aber in Galizien hiermit auf, daß über denjenigen christlichen Polen, welcher sich polnischer Funnobilien in Krakau zu Gunsten fremder Hände leichtsinnigerweise begibt, die öffentliche Meinung geschaffen werde, daß er ein Schädling der nationalen Sache sei und Reaktionäres zerstört und er sich bleibende Ver dienste um den Fortschritt der Menschheit erworben hat. Der neue jüdisch-statistische Verein in Galizien, Vorige Woche wurde in der Lemberger Kultusgemeinde die erste General-Versammlung dieses neuen Vereines abgehalten. Derselben wohnten Mitglieder fast aller jüdischen Parteien bei, welche dasselbe Streben vereinigt, eine Institution zu schaffen, die sich mit dem Sammeln und Bearbeiten einer jüdischen Statistik in Galizien beschäftigen soll. Eröffnet hat die Versammlung der Vize-Präsident der Kultusgemcindc Herr Dr. Diamand, wobei er darauf hinwies, daß unsere Feinde in Galizien sich mit unseren statistischen Verhältnissen mehr beschäftigen als wir selbst. Daher bezweckt dieser neue Verein Licht in diese unklaren Verhältnisse zu bringen. — Sodann referierte Herr Tr. Ringel über die Ziele des Vereines und wies in längerer Rede auf die Wichtigkeit hin, welcher ein solcher hat. Im Vereinsausschuß wird eine Kommission von wissenschaftlich fähigen und nicht minder als der ״Bodeiihändler" im Groß- Mitgliedern geschaffen werden. Die durch Konkursaus- Herzogtum Posen er einen gesellschaftlichen Boykott schreibungen auf neue statistische Arbeiten, durch Schafverdiene; b) die Versamlung wendet sich in einem fen eines Vereinsbureaus, einer Bibliothek, eines Arheißen Aufruf an die Polen-Christen selbst jenseits chivums sowie der Herausgabe einer diesbezüglichen der Grenzlinie sowie auch an die Stadtverwaltung, an Monatsschrift das nötige Material ansammeln und es die finanziellen Institutionen, ivelche Kapitalien zur zum Wohle des galizischen Judentums verwenden wür- Anlage als Hypothekardarlehen auf Jmmobilicn in den. Denn statistisch begründete Arbeit hat immer die Krakau besitzen, daß sie dieses polnische Kapital in Grundlage des Realen und zeigt den geraden Weg, auf erster Reihe als Hypothekardarlehen auf poln. dem gegangen werden muß, um zum Ziele zu kommen, christlichen Realitäten in Krakau plazieren solle», daß sie beim Entschlüsse betreffs des Erwerbes von Jmmo- GkAkN bit ttt bilien in dieser Stadt womöglich auch die nationale Rücksicht in Betracht ziehen sollen, aus wessen Händen sie die betreffende Realität erwerben. 3. Tie Versamm- Wie es scheint beginnt das gal. Judentum sich doch lung drückt die Ueberzeugung aus. daß es die Pflicht zu rühren und gegen die ihm die materielle Vernichtung eines jeden Polen wäre, ausschließlich bei polnischen drohende Boykott-Agitation Stellung zu nehmen. Unchristlichen Unternehmungen Gegeiistände polnischer längst hat eine der größten galizischen Kultusgemeinden Provenienz zu taufen, bei sämtlichen Leistungen gegen an die Lemberger Kultusgemeinde in dieser Frage ein Entlohnung ausschließlich polnische christliche Ouellen zu größeres Memorandum gerichtet, wo sie die Situation benutze», auf jedem Gebiete des Lebens nur Eigene, der Juden in ausführlichen Worten schildert, die ihnen das heißt Polen-Christen, zu stützen und zwar in drohende Gefahr hervorhebt und den dringenden Vorallen Fällen, ausgenommen jenen, in ivelche» es sich schlag macht, eine allgemeine parteilose jüdische Kon- | trotz des besten Willens als unmöglich erioeisen sollte." Galizien.

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