Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 15 (22.4.1914)
- Date
- 1914-04-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 ,HAdische V»lk«ßi«»e. drchtheiten frenetischen Beifall klatschen. Tie Niejomewskischen genialen Erläuterungen des Talmuds haben in Galizien ein Echo gefunden und ein Teil der polnischen Presse hier reproduziert sie mit sichtlicher Freude über diese Beute. Hiesige polnische Gelehrte des Staatsrechtes oder eines anderen profanen Wissenszweiges nehmen sich die Anmaßungen heraus, den Niemojewskischeu Teorien lautlobende Rezensionen zu geben und sie als durch Sachlichkeit, und tief begründete wissenschaftliche Forschungen gewonnene eraktc Wahrheiten hinzustellen. Die allpolnische Presie schlägt aus diesem Pamphlet riesiges Üapital und es geht so weit, daß diese Wissenschaftlichen Rezensionen manchesmal sogar die Staatsanwaltschaft zum Einschreiten zwingt. Ein solcher Fall war unlängst in?ieu-Sandez wo der betreffende Artikel konfisziert werden mußte. — Seit den Bloch-Rohlingschcn Fehden hatten wir in Oesterreich Ruhe von den Feinden des Talmuds. Tie radikale Niederlage, welche sie damals infolge der glänzenden aufopferungsvollen Pertcidigung des Talmuds durch Herrn Tr. Bloch, erlitten, hat aus eine-Zcitlang ihnen den Mund verstopft. Diese Hydra erhebt setzt wieder das Haupt. Vielleicht finden sich hier berufene einflußreiche Elemente, die ein Mittel ausfindig machen würden, um diesem heiligen edlen Schatz, nicht nur des Judentums, aber auch der gesamtcn Menschheit keine niederträchtigen Lügen im- Putiercn zu lauen, denn unsere Feinde sehen es nicht aus den Talmud, sondern nur auf uns ab. B.S. Literatur. Schalem Asch: Kleine Geschichten a»S der Bibel. Aus dem jiddischen übersetzt und bearbeitet von Tr. Phil. Helene Sokolow. 12z 2«. Berlin, jüdischer Perlag 1111-1. M. 4. Geschenkausgabc in Goldleinen M. (>. Schalom Asch hat schon vor jahren angeregt, eine Bibelübcrsctzung in indischer Sprache hcrauszugcben. Was er diesmal hier gegeben hat, ist keine wörtliche liebersctzung in eine heutige Sprache, aber die Nacherzählung der biblischen Geschichten in einer Weise, die sic heutigen Kindern nahe bringt. Bon Adam und Eva, vom Paradies und der Schlange, von den Erzvätern wird hier so erzählt, das; die biblischen Geschichten zu Kindermä rchcn werden. Asch HW hiebei einiges hinzugefügt, er läßt z. B. die Schlange vor ihrer Bestrafung stolz auf Beinen herumgchcn, er fügt manche Motive aus dem Midrasch und der legendarischen Literatur ein usw. Tic Märchen sind gut übertragcn.Tas Buch ist entzüj ckcnd ausgesrattet. Alte deutsche Holzschnitte und Motive aus alten Hagadohs illustrieren die Märchen und tragen gewiß viel dazu bei, diese Geschichten Kindern lieb zu machen. Ter Pakt mit dem -Himmel. Roman von Emma Haushofer-Mert, Verlag Theodor Gerstenberg, Leipzig 1018. Geh. M. 1 50, Gebunden M. 2.50. Es ist der Roman eines Mädchens, das seit der frühesten jugend im Kloster eingeschlossen war, für kurze Zeit das Kloster verläßt, sich von ihrem Schwager geliebt glaubt, aus Liebe zur Schwester abermals ins Kloster zurückkchrt, aus demselben aber nach dem Tode der Schioester flieht, weil sie den Glauben au das Gebet verloren zu haben glaubt. Sie ging ins Kloster zurück, um für das ehelichc Glück ihrer Schwester und ihres Schwagers zu bctcn, aber Gott hat ihre Schwester zu sich genommen, jm Mittelpunkt steht also das Mädchen Elisabeth. Diese scheint der Verfasserin die wichtigste Rolle spielen zu muffen. Daher wahrscheinlich die oberflächliche Behändlung aller übrigen Personen. Tic Vorsteherin des Klosters, der Beichtvater, die Nonnen, der Schwager, die Schwester, alles das sind keine wirklichen Gestalten, das sind konstruierte Menschen, die dort auftreten muffe», wo die Verfafferin es braucht. Tie Motive sind ungemein schwach oder direkt unwahrscheinlich. Daher auch das Auftreten des dcis er machina in der Person der Bindcrmcrrie und des Hofmeisters Rode. Schade nur noch, daß Rode Elisabeth nicht heiratet-! Aber da hat sich denn doch die Verfasserin noch im letzten Augenblick besonnen und von der allcsgutmachenden Heirat Abstand genommen. Tas sei ihr mit Dank gutgeschrieben. Aber auch die Hauptperson des Romanes befriedigt nicht, wenn sic auch mit großer Liebe vorgeführt wird. Die Scelenkonfliktc sind hier, doch sie sind in den freien Anschauungen der Verfafferin begründet, aber nicht im Wesen der Sache. Was der Verfasserin vollkommen gelang sind die wirklich schön und naturwahr gegebenen Rciseschilderungen und Stimmungen sowohl im Süden als auch iu Bayern. Schon die erste Szene Lette 11 am Bahnhof in Kufstein ist ein kleines Meisterwerk, ebenso die Reise der jungen Elisabeth nach dem Süden. Ter heilige Strom. Roman von (£, 0. Tornau. Verlag von Theodor Gersrenberg, Leipzig. Geh. 3 M. Geb. 4 M. Ter heilige Strom ist der Golfstrom, den die Verfasferin mit der Mutterliebe vergleicht. Ter Autor führt uns eine Mutter in einer Weise vor, die auf große Menschenkenntnis schließen läßt. Sie hat ihr ganzes Leben den Kindern geopfert und diese werden ihr dennoch mehr und mehr entfremdet. Ter große Schmerz der unversiegbaren Mutterliebe und die Schicksale der cinzclnen Kinder bilden den Inhalt des guten Romanes. — Abgesehen davon, daß uns die Verfasserin bis znm letzten Augenblick in größter Spannung das Unmögliche und doch nur das Befriedigende erwarten läßt, ist die Schilderung eine vorzüglich motivierte und die ganze Entwicklung eine höchst natürliche. Die ganze Handlung durchzieht der heilige Strom, die Mutterliebe. Sowie dieser sich stets glcichbleibcnd Europa seine Wärme zuteil werden läßt, so ist die Liebe der Mutter eine in jeder Lebenslage sich gleichbleibende, selbstlose, wahre und große Liebe zu ihren Kindern. Wir kennen die Verfafferin bereits als eine treffliche Humoristi» (Gäste auf Hberfriebach- und freuen uns aufrichtig, sie auch auf ernstem Gebiete als meisterhafte Erzählerin begrüßen zu können. Ellen Key: Rahcl. Eine biographische Skizze. Zweite Auflage. Mit einem Bildnis Rahel Varnhagens nach einem Stahlstich. Verlag von Edgar Thamm, Halle a. 2. lLafontainestraße 01. Geb. 5 M. Tics Buch ist ein Buch der Verehrung und Liebe. Ellen Key hat keine literar-historischen Studien gebe» wollen, sie beabsichtigte vielmehr, wie sie in der Vorrede sagt, ״ein Bild der größten j-rau zu geben, die das Judentum hervorgebracht hat, für mich zugleich die größte sfrau, die Teutschland seine Tochter nennen kann. Tiefes Vorhaben kann trotz einer Menge Arbeiten über Rahel nicht überflüssig genanul werden: von zehn gebildeten Deutschen, mit denen mau über Rahel spricht, kennen fünf sie gar nicht, vier hatten etwas über sie gehört und nur einer sie wirklich erlebt!" Zu diesem Erlebnis der Persönlichkeit Rahel Varnhagens will Ellen Key führen, weil ihr selbst Rahel eines geworden iil und weil sie sich von Kleinheit an dem Zauber der Persönlichkeit dieser Iran nicht entziehen konntejn dein vorliegenden Buche hat Key die Rahel meist durch eigene Worte gekennzeichnet, aber freilich viele, oft allzuviele eigene dazugegeben: so daß nian manchmal das Gefühl hat, Rahels Persönlichkeit wäre reiner und echter bcrvorgctreteu. wenn Key nur Worte der Rahel mit ganz wenigen biographischen Bemcrkungcn zusammengestellr hätte, nach Vlrt der hier kürzlich besprochenen :liehlenbücher. jiir die Leser dieser Zeitschrift tvird von den neun Kapiteln, in denen Ken ן ihre Heldin behandelt, l'Herkunft, Persönlichkeit, Liebe, j Religion, Gemeingefühl, Geselligkeit, Goethe, Schöns kcitssinn, Briefe» besonders das erste interessant sein, j >vo Rahels Stellung zu ihrer jüdischen Abkunft gekennzeichnet wird: diese Abkunft, die ihr in ihrer jugend als ein furchtbares Unglück erschien — nicht zuletzt tuegen der völligen Verständnislosigkeit, welche ihre Augehörigen ihr gegenüber an den Tag legten — so daß sie :!in ihrer Abitammung willen in ihrem Leben eine .Verblutung" sah. je älter Rahel wurde, desto mehr wurde sic von einer mystischen Frömmigkeit ergriffen und fand so den Weg zur Bibel, wenn auch nicht zum Judentum zurück. Dr. Emil Bloch ordiniert in der Kur- und Wasserheilanstalt des Brflnner Zentralbades für Nervenkranke, Rheumatismus, Gicht Ischias-, Magen- und Darmleiden. Blutarmul, Fettsucht Herzenleiden u. 8. w. Modernste Heilbehelfe: Heißluft (Blaulicht) Schweb 1-Soole Fango-Radium-kohlemaureu׳ Vierzellenbäder elektr. Massage u. 3. w. Telephon 709. Sehr mäüigs Preis• Chirurg. Operateur Dr. Karl Masakilr .—. Brünn, — Giskraitrasss Nr. 14. ordiniert von 2—4 Uhr nachmittag. Telephon Nr. 3185/Vl. Dr. Julius Stix, Brünn Herrengasse 7 Telephon 3092/IV ordiniert 10—12 und 2—5 Uhr mit sämtlichen modernen elektrischen Apparaten gegen Rheumatismus. Nerven- und innere Krankheiten. Radium gegen Krebs und Hautleiden Honorar mäßig! Augen u. Ohrenarzt Dr. FfitZ GutffBIIIld Sprechstunden an Wochentagen 10—12. 2— '1,5 Uhr an Sonn- und Feiertagen von 9—11 Uhr Vormittag. Telephon Nr. 3280-Vl. Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 6, Mezzanin. ^ag’gaguMgatimgarar^tgäriärjgg N Kinderarzt M l U. Ui. Dr. Ulf 11 Mmm g U ehern. Sekundararzt des k. k. Wilhelminen-Kinderspitals In ןן H Wien, gew. Voi. Assistent der Prof. Pinkelsteinschen Säug• B U jingsklinik u. d. Prof. Neumansche Kindt r-Poliklinik I. Berlin - 5 ordiniert täglich JJ Brünn, Karl-Kandler-Gasse Nr. 8 H '/,3—4, an Sonn- und Feiertagen 10—11 Uhr. Telephon 3314/V1. Telephon 3314/VI. M. U. Dr. F. Kufera Spezia!arzt für Frauenkrankheiten u. Geburtshilfe Brünn, Ferdinandsgasse 22 *gegenüber der Kirche). Ordin. von >/,9 bis 11 Uhr vorm, und von 2 bis 4 Uhr nachm. — An Sonnu. Feiertagen von 9—11 Uhr vorm. Teleph. 3564/IV. — Größere Operationen im Sanatorium. MUDr. Ignaz Saudek Spezialarzt fOr Haut- und Harnleiden sowie .—: Kosmetik - Brünn, Ecke Kandlerg. 2 u- Krapfeng. ordiniert von 9—1 und 2—4 Uhr. An Sonn- und Feiertagen von 9—12 Uhr. . Jan Navrätil ordiniert von 2—3 im Kaunizpalais vis i vis dem Landhauss Größere Operationen (sowie schwere Ohrenoperationen) im Sanatorium. Telephon Nr. 1251. (Auch mterurban.) Spezialarzt u. 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