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Jüdische Volksstimme · 1914-04-22 · Heft 15 (22.4.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 15 (22.4.1914)
Date
1914-04-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nummer 15 Jahrg. XV. Erscheint jeden Mittwoch. il-islhk Nl>lksD«k. Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig ganzjährig. Deutschland, ganzjährig . . . . Rußland, ganzjährig. BaÜan, Frankreich. Kronen 620־ Kronen 12 — Mark 12- Rubel 6׳— Franks 14•— Mit der hebräischen Beilage המצפה Herausgeber: Max Hickl. M ..—— --- Redaktion und Administration: Brünn, Adlergajse S. Inserate: die Ospaltige Petitzeile 30 h. Postsparkassakonto Nr. 50.040. Buchhändlerischc Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoricrt. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. Lst m Wien—Budapest. Brün», y- A« Prag—Lemberg. ZurKrisedesParlamentarismus. Die österreichische Politik ist wieder einmal am Ende ihrer Künste angelangt. Aus dem Wirrsal des Nationalitätenhaders, den das so lange erträumte und ersehnte Volksparlament nicht zu schlichten vermocht hat, bot sich kein anderer Ausweg — oder man wollte wenigstens keinen anderen finden — als den der Aufhebung der Verfassung. Was nun höchstens zeitweilige Perfügung sein sollte, das scheint vielen geradezu der endgültige Zustand von morgen. Ter Parlameutarismus, so ineinen viele, hat nicht gehalten, was er versprochen hat, ja er hat sich in der Obstruktion selbst ausgehoben. Dieses Mißtrauen gegen das Repräsentativsystem wird wahrscheinlich in der nächsten Zeit noch mehr wachsen und unser politisches Leben beeinflussen. Umsomehr Grund haben diejenigen, welche durch ihre politische Denkungsart wie durch ihre Lage innerhalb der Staatengemeinschaft Freunde eines verfassungsmäßigen Lebens sind — und wer wäre dies mehr als die Juden! — alle jene Vorschlage in ernster Erwägung zu ziehen, welche geeignet sind, aus der Krise, in welcher der Parlamcntarismus ja nicht nur bei uns geraten ist, einen Ausweg zu weisen. So halten wir es denn für unsere Pflicht, die Oeffentlichkeit auf einen Gedanken aufmerksam zu machen. den der bekannte jüdische Soziologe David Krigen in einem soeben (bei Eugen Diederichs in Jena) erschienenen Buche ausgesprochen hat. Das Buch nennt sich ״Die Kultur der Demokratie. Von: Geiste des volkstümlichen Humanismus und vom Geiste der Zeit" (Preis 5 M.) und untersucht die philosophischen Grundlagen des Deinokratismus. Da geht denn Krigen davon aus, daß für die Demokratie die Politik nicht einen Kamps um die Macht bedeuten dürfe, sondern nur ein Mittel der Rechtsfindung. Ziel der Politik kann nur /euikketon. Zu Dr. Merkus! Eine sentimentale Komödie von Bakbuk. Frirdmanns ״Bude". Ein nettes Zimmer; hart am Fenster der Schreibtisch, mit Skripten und Büchern überladen. Friedmann geht im Zimmer auf und ab. Seine Kollegen Adler und Singer sitzen am Divan und rauchen. Fricdmann wiederholt halblaut seine Lektion, blickt zeitweise hinüber, geht zum Schreibtisch, macht sich an den Büchern zu schaffen. Schließlich klappt er alles zu. Friedmann: ...Schluß! Finis! Jetzt laßt 'mal Euren Kummer hören. Wo fehlts sratres conscripti? Sprecht und Wenns die Hälfte meines Königreiches kostet — es sei Euer!... Freilich, mit materiellen Gütern allein ist Euch ja nicht geholfen, da muß man tiefer schürfen. Ich wette, der sentimentale Adler weilt wieder einmal in höheren Regionen, was altes Haus? Welches holde Mägdlein hast du jetzt zur Königin deines Herzens ernannt? Na, antworte doch! Singer (pafft unaufhörlich: Kollcga, laß ihn ruhn! Ouicscat in Pace! Ich werd dir schon sagen, wo es happert.... Gestern nachmittag kommt er nach Hause, wirft die Bücher auf den Boden und sich auf einen Stuhl, daß es nur so knackte. Seine sanawrische Würde das Recht sein und nicht die Herrschaft irgend einer Klasse. Nun zeigt unser Gerichtswesen in den letztenJahren mehr und mehr eine Entwickluilg in der Richtung, daß Experten herangezogen werden, daß der Richterstand nicht nach den schon vorhandenen Gesetzen allein entscheidet, sondern mit dein Rechtsspruch neues Recht 511 schaffen sich bewußt ist und eben deswegen Fühlung mit den Vertretern verschiedener Berufe sucht. Wenn nun Politik auch eine Art Rechtsfindung ist, so muß sie von derselben Entwicklungstendenz früher oder später ergriffen werden. Das Parlament muß ganz oder teilweise Fachparlainent werden. Schon heute wird die wirklich fruchtbare Arbeit des Parlamentes in den Kommissionen geleistet, Nun aber sind die Mitglieder dieser Kommission nur zum geringsten Teile Fachmänner, sie sind politische Enzyklopädisten. ״Wie anders würde sich die Arbeit der Komiilissionen gestalten, wenn sie zum großen Teile von Fachparlamenten verrichtet würbe. — Ein zweiter Weg, der zur Ergänzung des Zentralparlamentes durch eine Reihe von Fach- Parlamenten führt, liegt in der Gestaltmtg der leitenden Regierung selbst. Zur Zeit stehen sich ein vielgestaltiges Ministerium einem in fachmännischer Beziehung ziemlich homogenen Purlaniente gegenüber. Soll nun irgend ein Gleichgewicht zwischen diesen beiden Organen geschafsen werden, so müssen wenigstens ebensoviele qualifizierte Parlamente ins Leben gerufen werden, als es Ministerien gibt. Nicht nach Berufen oder Ständen, wie es die Rückschrittler träumen, hat das parlamentarische System seinen weiteren Ausbau zu erfahren. In diesein Falle wird weder der Dilettantismus noch der Regierungspartikularismus, an denen das Staatsleben krankt, aus dem Leben geschafft. Nach den großen Sphären des sozialen Lebens — wie die Ministerien — müßte die Zusammensetzung der dahin. Ganz plebejisch benahm er sich. Erst >var ans ihm nichts hcrauszubringen. Dann lockerte sich die Verstocktheit. Ter Junge hat Heimweh. Morgen sei Chanukah heulte er, voriges Jahr war er zu Hause. Friedmann: Aha, daher weht der Wind... Singer: Ja, sein Alter hätte die Lichter angezündet; seine Mutter, glücklich lächelnd, stand dabei, blickte aus den großen Filius, der mit seinen Geschwistern das Moaus Zur anstimmte, sein Büschen richtete die tränmerischcn Augen.... Na, mal', dir das weiter aus! Rekapituliert: Chanukah, Moaus Zur, ein hübsches Bäschen.... ich glaub', Grund genug, um die Freude aus seinem Herzen zu bcrbannen.... Friedmann: Unsinn, wir.können ja hier dasselbe machen. Ich, der Senior, zünde die Lichter an. Du brüllst in deinem schönsten Ton das Lied und Adler blickt bewundernd auf uns beide. . . . Adler: (auf den Ton eingehend) Ja, wer soll aber Rousinchen sein! . . . Singer: Sei nicht unbescheiden. Wir drei sind doch auch "was, Trcs faciunt collegium. Wir' stellen uns ein nobles Programm zusammen. Alle drei in Schwarz — ja, das heißt, bei mir geht das heut nicht, mein Anzug ijl verreist — also alle, so elegant als möglich gekleidet, besuchen den alten Tr. Markus. Ter macht das noch ganz rituell, auch ein ״Trenderl" gibts; große Gesellschaft, Jugend wird gern gesehen, dort singen, schwatzen wir. Fachparlameiue vvrgeiwmmeu werden. Es verfleht sich,von selbst, baß die Mitglieder derselben nicht nach den gleichen Prinzipien gewählt werden können, wie es bei der Besetzung des Zentral- Parlamentes der Fall ist. Das Wahlrecht kann so nur denen verlieben werden, die in den betreffenden Fächern tätig sind." Dieser geistvolle Vorschlag aus dein tief gründigen Werke Krigens sollte ernstlich erwogen werden. Wir haben ja jetzt Zeit zum Nachdenken. tu!. Zum 10. Todestage Theodor Herzls. 20. Tnmus — 1-t. Juli. .,In diesem Jahre gehl eia Jahrzehnt zu Ende. seit Theodor Herzi von uns gegangen, dem ivir in dein Herzlwalde ein unvergängliches Denkmal zu schaiie» unternommen Huven. Dieser Gedenktag soll unsere Freunde und Vertrauensmänner ganz vesonderS an die •Aufgaben erinnern, die die Bauinspende zu ersülle» hat. Tie aus dieser Spende angelegten Psiuuzuugeu sollen die verwahrlosten Terrassen in de» Berge» Palästinas wieder ausb.ruen Helsen. Sie solle» die Sümpfe und Moore austrocknen, das Mulnuloiib vor dem Vordringen der S.niddüiicn schützen, das notwendige Holz dein Lande wiedergeven, das .Klima günstig veeinflnsten »nc> das schwierigste Provlem, die Hcranvildnng voii Stadter» zu Landtvirtc», einer Lösung liäherbringen uiid. nach dem Worte Herzels, eine große ArveilSgelegenheit für das jüdische Volk schassen!" So schrieve» wir veiin :Rückblick auf das Ergebnis des Jahres l!»I:! in uiiserein Aussatz "Die Baumspeude"!״Well" Nr. 12!. Im Anschluß daran ist uns seitens vieler Vertraniisinäiiner der Vorschlag unterbreitet ivorde», eine» Appell a» die jüdische Oessenllichkeit zu richten, daß jeder Zionist und Verehrer Theodor Herzls am 2V. Thamus mindcstens einen Baum für den Herzlwald spenden möge! der Alte sorg: für Speis' und Trank und ivir vergessen an das graue Einerlei. Friedman״ )geht zum Kaste», mustert die Garderobe,: Mein Stuatsrock hat auch Ferien. Seit einigen Wochen schon die Idee, mit dem .,in Schivnrz tverfen" muß man fallen lassen. ׳Adler, Junge, dli!viril Furore machen. Ein schlanker Jüngling, indellos in den Frack gezwängt, einen leichte» ׳Auslug von Schlvärmerei um die Augen — wirkt famos — Prinz und seine Diener! Adler: Nein, das geht nicht. Mein scknvarzcr :>iock soll Euch nicht drücken. Ich kan» auch anders hin. Mehr familiär, ivißl ihr. ttebrigens eine gme Idee. Der alle Markus ist ein seiner Kerl. Singer: Mein Lieber, das mit der Uueigennüpig feit laß' ich mir nicht einrede». Dein Fräckchen ist halt zu schäbig, dein Bruder hat's vor vielen Jahren zur Matura bekommen, drei Jahre darin getanzt, Honneur-:- gemacht, Prüfungen ertragen, bei dir ist's auch icho» io manches Semesterlei». Ein seiner splender Familiae. der Glanz euerer Familie ziert ihn... Du gutes Bübchen. Also kommt! Friedman» pump' mir Kleingeld. Paar Kadetten. Friedmann: Ich beiitze Zwei Kronen fünfzig. Die Hälfte kriegst du. Adler: Und ich? Friedmann: Auch du mein Sohn? TaS iit scknvierig. Tie Fahrt hin. Fahrt her, Zigarette» usw., das ist zu wenig. Was ist zu tun?

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