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Jüdische Volksstimme · 1914-04-09 · Heft 14 (9.4.1914) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 14 (9.4.1914)
Date
1914-04-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Rr. 14. ,^Jüdische Bolksstimme" Gelte S. waschechten Teutonen finden Sie gerade so wenig, ich meine solch einen Teutonen, der gerade so gut vor so und so viel Jahrhunderten hatte leben können,?kein. Heute gibt es nichts individuelles. Hat Wohl nie gegeben. Es würfelt sich alles durcheinander. Heute ist Austauschpolitik. Der Stärkere siegt. Und die Juden sind die Schwachen Und deshalb sollten sich die Juden nicht mit aller Gewalt dagegen wehren, sich nicht so benehmen, als wären sie unfreiwillige Gäste hier, nicht immer und überall ihr Specificum, das nicht existiert, betonen, denn so lange sie das tun, werden sie so genommen. Und vorübergehenden Gästen gib! man keine Führerrolle. Und ich sage Ihnen, nicht in der Separation, sondern nur in der Assimilation liegt das Heil der Juden. Da sage ich Ihnen und habe es Beer-Hoffmann gesagt und werde es allen sagen." Er ging erregt auf und ab. In das blasse, glattrasierte Gesicht ist Röte getreten. Tann blieb er vor mir stehen und sagte im ruhigen Tone. ״Sie sind noch sehr jung. Werden es vielleicht nicht ganz verstehen. Ich habe es auch nicht gleich verstanden. Aber das Leben... Warten Sie nur bis es Ihnen seine Forderungen formuliert... Habe ich heute Ihre Illusion getrübt?" Er lächelte leise. ״Aber daran müssen Sie sich gewöhnen und Sie werden sich gewöhnen. Ich habe es auch getan. Zuerst schmerzt es.׳ Weil mit der Illusion die Jugend schwindet, wie mit den Märchen die Kindheit. Aber Kampf stählt. Nur sich selbst soll man nicht verlieren, den Glauben an sich. Alles andere ist Komödie." Er blickte nachdenklich an mir vorüber. Dann sagte er aus der Stimmung heraus: ״Sehen Sie. so stellen sich viele, alle unser Leben hinter den Türen anders, schöner vor. Auch Sie, nicht wahr?" Und er lächelte mitleidsvoll. ״Na, Sic werden sich, überzeugen. In einigen Jahren werden Sie anders denken. So lange es aber geht, bewahren Sie sich den Idealismus. Obwohl in den wenigen Proben, die ich da las man schon wenig davon spürt. Davon ein ander Mal." Er reichte mir die Hand. Ich stotterte etwas von Ruhm, Freude und Ehre, bat um Verzeihung, sah mich noch einmal um in seinem Heiligtum, das ein schmales, laugcs Zimmer war, dessen eine Wand mit Büchern verstellt war und ging dann seltsam bewegt hinaus. Ich sprach ihn dann noch einige Male im Theater, wohin ihn sein Beruf führte und auch oben bei ihm. Und so manche Anregung verdanke ich diesen Stunden. Heute ist er schon tot. Vom Kampf hat er viel gesprochen und ist auch so gestorben. Und über seinem Leichnam werden alle die Schwerter strecken, die sie oft gegen ihn erhoben, gegen seinen Menschen und seincn Kritiker. Hundfcficnj. Bim den Juden in Irland. Anläßlich der großen Homcrulc-Krisc wird cs nicht uninteressant sein. Einiges über die Juden in Irland zu erfahren. In Irland leben jetzt ungefähr 5000 Inden. Während die Juden außerhalb Irlands, z. B. in Amerika, mit den Iren in so intim freundschaftlichen Beziehungen leben, daß diese irisch-jüdische Freundschaft förmlich sprichwörtlich geworden ist und einen amerikanischen Poeten sogar zu einer schwungvollen Lobes- Hymne auf diese Freundschaft angeregt hat, stehen in Irland selbst die eingeborenen Irländer zu den Juden nicht besonders freundlich, sondern in einem recht kühlen Verhältnis. In den irischen Städten haben die Juden durch Fleiß und Redlichkeit sich eine Position zu erringen verstanden, und gerade in Belfast, dem Mittelpunkte der gegenwärtigen kritischen Ereigniffe. wurde vor kurzem ein Jude zum Bürgermeister gewählt. Auf dem Lande und in den kleineren Städten hingegen hat der irische Bauer oder Kleinbürger, der, abgeschloffcn von der Außenwelt, vielleicht niemals über die Gemarkung seines Heimatsortcs hinausgekommen ist, die wunderlichsten Anschauungen über die Juden. Besonders bezeichnend hiefür sind zwei Anekdoten, die David Werner Amrain in seinem Aufsätze ״Century of Jcwish Life in England" erzählt: Ein jüdischer Geschäftsreisender, der einen Kaufmann im südlichen Irland besuchte, wurde von diesem gefragt: Nicht wahr, Sic sind Jude? — Ja, — antwortete der Reisende. ״Ich wußte eS wohl", sagte nun der Jrishman, ״aber was ich jetzt wissen möchte, ist bloß, was für ein Jude Sie sind? Ein katholischer oder ein protestantischer Jude?" Sticht «linder bezeichnend ist die zweite Erzählung, deren Heldin die Lady of Limerick ist, die, als sie siebzig Jahre alt geworden, einen ihr bekannten jüdischen Großkaufmann ersuchte, ihr einen hebräischen Lehrer zu empfehlen. Als der jüdische Kaufmann verwundert fragte, wozu die hohe Dame in so vorgerücktem Alter hebräisch zu lernen wünsche, antwortete diese offenherzig: ״Gerade weil ich mich schon alt fühle und nicht mehr lange zu leben habe, möchte ich noch rasch hebräisch lernen, damit, wenn ich, von dieser Welt abberufen, vor den Richterstuhl meines Schöpfers treten muß, in der Lage sei, mit seiner Allmacht in seiner eigenen Sprache zu sprechen." Erwähnt sei hier bloß noch, daß sowohl an der Dublincr Universität als auch jetzt an der nationalcn Universität von Irland ein Lehrstuhl für die hebräische Sprache und Literatur besteht. Altisrarlitische Volksfeste. Die 2. ordentliche Sitzung dieses Jahres des Vereines für Volkskunde in Wien loar einem Gegenstände gewidmet, der der Tätigkeit des Vereines sonst ziemlich fernliegt: altisraelitischem Volksleben und mosaischem Kult. Prediger und Schuldirigcnt A. Levy sprach über altisraelitischc Volks- und Familienfeste. Im alten Jsrael, das der Vortragende nicht als das Volk des Monotheismus, sondern in seinem stillen, trauten Heim aufsuchcn will, gab es eine ganze Reihe von Festen, für die sich im mosaischen Gesetz kein Anhalt findet. Es sind überkommene alte Volksfeste, auf die auch der Talmud Rücksicht nimmt: in ihnen gilt seine Fastcnrolle, das heißt das Verzeichnis der Tage, an denen weder gefastet noch getrauert werden durfte. Ein solches Fest ist z. B. der 15. Ab, der Vollmondstag des zweiten Sommermonates. Da herrschte in der Umgebung Jerusalems eitel Freude. Alles zog in Festgcwändern — wer keine besaß, dem wurden sie geliehen — in die Weinberge hinaus. Zwischen den Jünglingen und Jungfrauen wechselten die Gesänge. Eine solche Strophe, die von den Mädchen gesungen wurde, lautete: ״Jüngling überlege wohl, ehe du wählst, trügerisch ist die Schönheit." Dieses Freudenfest, das später den Namen Freudenfest dex Jungfrauen erhielt, spielt auch in der Sage von der Tochter Jephtas hinein. Noch weit allgemeiner Tcilnahme erfreute sich das Fest des Waffcrschöpfcns, die Volkstümliche Feier des Herbstes, die am zweiten Tage des Laubhüttcnfestcs begangen wurde. Alle Standesunterschiede waren da aufgehoben. Auch in der Zeremonie des Omerschwingens, mit dem der Priester am ersten Lage des Passahsestcs begann, klingen uralte lieberlicfcrungen mit. Im engen Zusammenhänge damit steht das Darbringcn der Erstlingsfrüchte, jeder Bezirk hatte dafür seine besondere Festzeit. Im fröhlichen Zuge dem ein Ochse mit goldenen Hörnern voranschritt — cs folgten Spiellcute — zog man mit den Erstlingsfrüchtcn zum Heiligtum nach Jerusalem. Die höchsten Würdenträger der Stadt, die Mitglieder der Akademie zogen der Prozession entgegen, um sic willkommen zu heißen. Vom Erntedankfest, das mit sröhlicher Begcistcrung am letzten Werktag des Hüttcnfestes geseiert wurde, vom Purim, dem jüdischen Fasching, bei dem die Puppe des Haman verbrannt wurde, offenbar eine Erinnerung an den alten heidnischen Molochdienst, gibt der Vortragende lebensvolle Schilderungen. Tann wendet er sich zu den Familienfesten. Bei der Geburt eines Mädchens wird eine Pinie, bei der eines Knaben eine Zeder gepflanzt. Tie Hochzeit ist das höchste Familienfest. Ten Neuvermählten zu Ehren werden Tänze veranstaltet, an denen ausschließlich Männer teilnehmen. Allerlei Belustigungen werden für die Braut ersonnen. An der siebentägigen Hochzeitsfeier nahm die ganze Gemeinde teil. Ter Bräutigam, der erst durch die Ehe vollberechtigter Genosse der Gemeinde wurde, erfreute sich besonderer Ehrungen. Er wurde als Salomo, sein Turban als Krone bezeichnet. Tas Studium des Gesetzcs konnte unterbrochen werden, wenn der Hochzeitszug nahte. Nur bei der Hochzeit waren Trinkgelage gestattet. — Tirektorialassistent Tr. R. Brunner legte darauf verschiedene jüdische Kultgegenstände vor, u. a. bemalte Wimpel, mit denen die Gcsetzesrollcn lThorat zusammengebalten werden. Gebctricmen, G׳ betmänt.'I, silberne Büchsen für Weibrauch, deren sich der iüdiscb Hausherr bei der F״ier des Sabbatausganges bedient Ferner zeigte Tr. Brunner eine silberne Brautkcttc. die . -ls Hochzeitsschmuck an arme jüdische Bräute verliehen wurde. Verbreitet die ״Jüdische Bolksstimme!" Pilgerfahrt nach Moskau. 1. 1870. ״Lieber die rusiische Knute als die deutsche Freiheit." Hawlicz Borkowsky. .Nach dem Grabe des Propheten Wallen fromme Muselmänner: Nach der heil'gen Stadt der Czaren Pilgern Czcchen und Slovencn. Moskau ward nun ihr Medina; Und sie suchen dort Erhebung, Mut und Trost für bilt're Kränkung Und Verkennung in der Heimat: .,Ach in un'srcin Vaterlande. Trüben im verfallenen Oestreich, Rissen fremde Eindringlinge, Deutsche gar, an sich die Herrschaft, Und im frechen Ucbermnte Uns, die Bodenstüiid'gcn, knechtend. Wollen sic nicht unsres Geistes Oberhoheit anerkennen, ^izka's großem, edlem Volke Selbst den alten Rnhni nicht gönnen Und den hohen Wcltberuf nicht. Als das größte Volk zu gelten. Ihren Geifer spritzen Jene Auf den Glanz der Wenzelskrone Und verlachen gar das Brüllen Uns res doppelschwänz'gen Löwe»! Nichts gilt Rieger, nichts Palacky Tiefen ungelccktcn Tcutschen, Deren viclgerühmte Größen Vor den unsrigen verschwinde» — Stcriieschnuppe» vor der Sonne... Nun so soll's die Welt erfahren, Taß der mächt'ge Stamm der Slavcn Eins sich fühlt als Volk von Brüdern, Mit dem hohen Ziel vor Augen: Einst die Geißel und das Scepter lieber jedes Reich zu schwingen. Und in die culturverkomm'nc, Ucbcrfcinerungscntncrvte Sieche Menschheit unsre frischen. Unverfälschten edlen Säfte Ucberströmcn bald zu lassen. Um sie zu regenerieren!.... Eine via triomphalis Sei die Pilgerfahrt »ach Moskau, Ein Triumph des langgeplantcn Slavische» Einhcitsgedankens! Slava's Kinder jind wir Alle: Czcchen, Serben und Ukrainer Und Ruthencn, Rußniaken Und Moravcn und Croaten, Und Tlavoncn und Slovake» Und Huzzulen und Kassuben Und der Lette lute der Russe Sprechen alle eine Sprache! Wir versteh'!! uns gegenseitig; Wenn ivir je nun auch zuweilen. Um verständlich uns zu machen. Etwas deutsch Wohl oder lieber Noch französisch da parlieren. Kennen auch den Dolmetsch fragen, Ten der gnadenreiche Rubel Nebst den schweren Reisekosten Uns vorsorglich schon bestellte... Wartet nur daheim Tyrannen! Euch zur Züchtigung, hört, bringen Wir von Moskau Iwans Hammer. Den ״der Schreckliche" geschwungen. Peters Testament und Krückstock Und den Kantschu der Kosaken: Auch vom Kreml die Ricscnglocke, Unfern Ruhm laut zu verkünden.... Seid auf eurer Hut! tvir zahlen Bald euch Heini das Unterfangen, Herrschen über uns zu wollen. Und das größere Verbrechen, Uns mit Freiheit zu beschenken. Mit modernen Staatsidecn. Gleichheit, Fortschritt, Menschenrechte — Die Erfindungen des Teufels, Wie sie manche Priester nennen — Wagt ihr uns zu bieten? Notfrack, Czamara und Poznak Knute 5km Verein, gilt uns als wahre fc׳*te Dreizahl, beilverbrcitend. Patrimonialgcrichte Sei״n ZukunftSslabiens Rechte, j Robbot, Zehnt, Ins primae noctis, , Unpres Reiches Privilegien. > Herren gab eS blos und Knechte!

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