Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 13 (2.4.1914)
- Date
- 1914-04-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 ״JRdifche «clksfttMMe.' Sette 11. arbeiten, wo über das Weh und Wohl des Judentums I entschieden wird". Das sind die letzten Klänge des zionistischcn Wahlausruses. Nicht mit einer Verkürzung des Zionismus, indem man ihn zu einer Partei degradiert und nicht in der Kultusstube wird unserer Sache gedient! Im jüdischen Haus und in Palästina wird um das Schicksal des Judentums gerungen, dort dürften die Streiter des Zionismus am Platze sein! Die Zionisten haben nebst den Chassidim den Sieg im Kampfe errungen. Drei Zionisten (von 5 kandidiertcn), sitzen in der Kultusstube. Aber glauben sie denn wirklich, daß es ihnen gelingen wird aus der Kultusgemeinde, die zur Festigung des österr. Staates — ähnlich der Kirche — dient und dazu geschaffen wurde, ein Exportbüro von schaffenden Elementen nach Palästina zu machen oder eine Kulturgesellschaft für die hebräische, dem galizischen Boden ganz fremde, Kultur zu schaffen? Auf die Landcspolitik im weiteren Sinne haben so manche Zionisten geschworen, die sic heute, nach einigen Iahren düsterer Erfahrungen, verpönen. Traurige Experimente mußten gemacht werden, um diese Kurzsichtigkeit zu heilen. Vielleicht wird der Kampf, um die Landes- Politik im engeren Sinne, um die Kultusgemeinde, wenigstens diese Früchte tragen, daß ihre Bekenner die Aussichtslosigkeit und den Gegensatz mit den Ewigkeitsbestrcbungen des Zionismus einsehen werden. Sind die Träger der Landespolitik sich ihrer Verantwortung der Geschichte gegenüber bewußt? Gefährdet das nutzlose Vergeuden der Bolkscnergic nicht unsere Bestrebungen? Eavcant consulcs! lizicn sehr wenige jüdische Gelehrte, die einen Weltruf genießen, vorhanden sind, obzwar es Tatsache ist, daß das galizische Judentum sehr viele Geistesheroen hervorgebrachr hat und hervorbringt. Aber die galizische, selbst wisienschaftiiche Athmosphäre, die doch überall intcrnational ist, ist voll von den Dünsten antisemitischer Seuchen und dem Gift nationaler Verhetzungen. Selbst die jüdische Wissenschaft, wenn sie einem semitischen Schädel entspringt, verabscheuen sie. ״Die Wissenschaft ist geschlechtslos" hat ein großer Gelehrte gesagt. Auch judenlos muß sie sein, sagen die Polen. Bernhardt. Ende März 1914. Zwi ben Dawib. 1: Josef Fischer. I Vorige Woche verschied hier der langjährige Kantor im hiesigen Tempel und rühmlichst bekannte Verleger, Herr Josef Fischer, im Alter von 73 Jahren. Tie große Popularität und allgemeine Beliebtheit des Verschiedenen als Kantor besonders aber als Verleger brachten es mit sich, das; der Leichcnzug einer der imposantesten seit vielen Jahren in Krakau war. Tausende von Menschen von allen Schichten des Volkes gingen mit und harrten bis zum letzten Akt des Begräbnitzes in pietätvoller Weise aus. 47 Jahre war Fischer Kantor im hiesigen Tempel. Er war in Chomsk (Rußland) geboren und besuchte als Talmudjünger viele Jeschiwas. Erst nach der Hochzeit begann er sein musikalisches Talent in Teutschland auszubilden und wurde, kaum 20 Jahre alt, in Krakau als Kantor ausgenommen. Diese Stelle machte ihn sehr Populär, da er durch seine musikalischen Leistungen alle Schichten des Volkes begeisterte. Mehr bleibende Verdienste errang sich der Verstorbene durch seine sehr bekannte Druckerei. Sehr viele Zeitschriften, zahllose Werke literarischen wißenschastlichcn, talmudisch-rabbinischen und agidischen Inhaltes druckte er. sehr oft unter dem Kostenprcis, um den betreffenden Verfasiern beizustchen. Man wird ihm daher in der Judenheit sehr lange ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren. 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Ter Senat glaubt die Hauptakkorde in dem verlockenden antisemitischen Konzert in Galizien geben zu müssen. Er bat cs sich zur Ausgabe gemacht, jüdischen Gelcbrjcn, mögen sie uoch so glanzvolle Sterne am Himmel der Wissenschaft bereichern, absolut die Nebabiliticrung zu verweigern. Unlängst wurde eine Stelle auf der hics. Universität vakant. Es bewarb sich um diese Dozentur ein Jude, der eine zeitlang Assistent eines bics. polnischen Prosessors gewesen war. Aus der Senasitzung referierte eben dieser Professor über das Gesuch seines einstigen Assistenten in folgender Weise: ..Wie Jbr über dieses Gesuch entscheiden werdes wird es mir unlieb sein. Nebmt Jbr ihn herein, dann kommt ein Jude in unser Profcssorcn-Kollegium; nehmt Ihr ibn nicht, so verliert unsere Universität eine erstklassige Kraft." — Was Wunder, daß unsere Gelehrten, denen nur ganz Minimales im?lusland winkt, sofort den unverträglichen galizischen Boden verlassen, um sich in der großen Wels nach einer Karriere umzuscbcn. Infolgedessen konstatieren wir den traurigen Fakt, daß in Ga- VERLANGET in allen Hotels, Restaurationen, Kaffee- Häusern, Lesehallen, Selchereien, Raseursalons und Bibliotheken, die ßm m 1M>״ mit der Beilage: ״Das jüdische Leben in Galizien“ Streng beaufsichtigte Selch Warenfabrik MORITZ LAZAR WIEN, XX., Wallensteinstrasse 44. Versandt nach dem Innu. Ausland von K 5*— aufwärts Engros Preise. Haupt-Depot; II Praterstrasse 17. Telephon Nr. 16.<M6. Preiskurante gratis. ״Das jüd. Leben in Galizien" vertritt die gesamte Interessen der galizischen Judenheit. ״Das jüd. Leben in Galizien" erstrebt die materielle Stärkung der jüd. Handels- und Gewerbetreibenden in Galizien. ״Das jüd. Leben in Galizien" soll eine freie Tribüne für alle Fragen des jüd. Lebens in Galizien sein. Hofol Stephanie. Hotel Stephanie M. Operer כשר Restaurant WIEN, 11., Töborstrosse Nr. 12. 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