Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 13 (2.4.1914)
- Date
- 1914-04-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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np!יי WWSW PWA Nr. 13. XV./3 Jahrg. Beilage zur ,Wiener JüS. Volksstimme' 2. April 1914 Seite 9. Vas jüdische Leben in Kalmen. Interview mit Adolf Stand Samstag, den 28. d., beherbergte Krakau den Führer der galizischen Zionisten. Ich benützte diese Gelegenheit, um die Meinungen des Herrn Stand in manchen aktuellen jüdischen Fragen zu hören. Nachdem wir eingehend die jetzige Lage der galizischen Judcnheit besprachen, begann ich mit der Frage: Wie denken Sie über die nächsten Aufgaben der galizischen Zionisten? «Unsere nächsten Aufgaben müssen doppelter Natur sein: Arbeit für Palästina und Arbeit in Landcsangelcgenheitcn. Galizien arbeitet erst seit kurzer Zeit energisch für Palästina und doch können wir schon jetzt schöne Resultate aus diesem Gebiete aufweiscn. An der Gründung einer galizischen Achusa in Palästina arbeitet jetzt sehr rege Dr. Leon Reich. Außerdem habe ich mit einigen Freunden in Galizien für das hebräische Schulwerk in Palästina in einer kurzen Zeit 12.000 Mark gesammelt und hoffe noch in einigen Wochen Paar tausend Mark aufbringcn zu können. In der Arbeit für Palästina ist Galizien nicht mehr paffiv. Die unlängst begründete Nationalsond-Sammclstellc in Lcmberg hat bis nun wöchentlich circa .8000 Kronen gesammelt, eine Quote, die uns außerordentlich imponiert. Ich habe mich in einem Jnterwiew in Lemberg gcäußert, daß der Nationalsond in Galizien wegen der Opferfreudigkeit der Juden in diesem Jahre 60—70.000 Kronen aufbringen wird. Wir gedenken auch schon in der nächsten Zukunft eine große Agitation für die P. L. D. C. zu entfalten. Für dieses Institut ist die Arbeit von großer Bedeutung, weil wir noch jetzt k^e Agrarbank in Palästina gründen können und de.' .',!rarkredit dort immer notwendiger ist. Wir werden at Zuversichtlich mehrere P. L. D. C.-Aktien absetzcn.' ’ Bei den Sitzungen des galizischen C. K. kommt auch in Aussicht der Ankauf eines größeren Terrains in Palästina für eine künftige galizischc Kolonie. In würdiger Weise werden wir feiern den 10. Todestag unseres unvcrgcßlichen Führers Tr. Theodor Hcrzl. Sonst unterstützen wir jeden palästinensischen Gedanken. Auch andere Palästina-Arbeit wird durch uns geleistet. Tic in Leinberg errichtete Filiale des Bczallel entwickc^ sich allmählich materiell und hat eine Zukunft voPstch; zwar erhöht die Leitung des Bczallel in Jcrusaleil sortwährend die Preise der sich dort befindenden Sack-cn, aber auch das überwindet man. Das Gabclsripendium, welchcs Ende Juli 1913 von 2ö00 Frank bestand, befindet sich seit einigen Monaten in der A. P. C. in Jrusalcm. Die Krcdit-llnions in Lemberg und Tarnopol werden dieses Stipendium ergänzen und schon in diesem Jabrc wird von demselben ein gelungener Schüler des Bezallel genießen. Reichere Leute von Galizien lausen auch Bode» in Palästina. In den nächsten Wochen soll eine Jmmobilicngescllschafs gegründet werden, für welche Tr. Zipper besonders viel leistet. Ter Gründung der hebräischen Universität in Palästina sehe ich mit Zufriedenheit entgegen und werde ich mich aller Kraft cinsctzen um eine größere Summe für die Universität aufzubringen. Ter Bau des hebräischen Gvmnasiums in Jerusalem wird bald beginnen. Ten Boden hiefür gibt uns der Nationalfond. Wir haben in Palästina eine ganze Reihe von Persönlichkeiten ans Galizicn: Salomon Schiller, den Leiter des hebräischen Gymnasiums in Jerusalem, Tr. Jakob Thon, den zweiten Leiter des Palästina-Amtes, Sara Thon, Tick, Tr. Feigenbaum, der in der Straußschen Anstalt die Okulistik leitet und Tr. Glückcr. Pädagogen aus Galizien: Ephraim Lifschütz, Tr. Braver und auch unter den gewöhnlichen Arbeitern, was am meisten zu bcgriißcn ist, Herrn Sußmann und Frl. Mayer. Es begeben sich ferner viele einzelne Personen von Galizien nach Palästina, welche dort größere Kapitalien investieren wollen. Um in der galizischen Judcnheit den palästincnsischcn Gedanken immer wach zu halten, gibt das Tagblatt in Lemberg für jeden Samstag die Beilage ״Für Erez-Jisrocl" heraus geleitet durch Tr. Gerschon Zipper und Dr. Leon Reich. Welche sind nun die nächsten Arbeiten der galizischeu Zionisten in Landcsangclegcnheitcn? ״Es wird in Ihrem Blatte eine große Tebatte über diese Arbeit geführt, wo manche sich gegen die Arbeit im Golus aussprcchcn. Wir können und werden diesen doktrinären Standpunkt nicht teile». Für mich ist der Zionismus die Verjüngung des ganzen Judentums in geistiger, ökonomischer, politischer, physischer und moralischer Beziehung. Tic Arbeit in den Landesangelegenheiten ist undankbar, aber wir können uns derselben nicht entziehen. Sie ist von Nöten. Unseren Feinden bringt sie Titel, wir aber müssen sie leisten für eine Reihe unterdrückter Juden. Weil es andere nicht tun, müffen wir uns um das Judentum in jeder Hinsicht bekümmern. Im September werden wir Wahlen zum Landtag haben und werden uns hoffentlich in den Bezirkcn mit jüdischer Majorität bei de» Wahlen beteiligen. Wir werden trachten, daS unser Programm bei diesen Wahlen zur Geltung kommen soll. Wir tocrden uns bestreben, den jüdischen Besitzstand zu wahren, (1-4—15 Juden im Landtag zu haben!. Wir sind die Führer der jüdischen Seele. Ohne uns und gegen uns kann man nicht auftrcten. Was gedenkt die zionistische Organisation in der nächsten Zukunft auf ökonomischem Gebiete für das galizischc Judentum zu machen? ״Was die ökonomischen Fragen betrifft, kann ich Ihnen nur kurz sagen, daß wir jetzt ernst daran geben die jüdische Kaufmannschaft, die in den letzten zwei Iahren infolge der politischen Krise und der Mißernte in Galizien so stark gelitten hat, zu organisieren. Sollten uns da die anderen jüdischen Parteien unterstützen, sind wir sehr gerne bereit in diesen wie auch in anderen Angclcgcnheitcn mit ihnen zusammen zu arbeiten. Unser 'Zweck war ja überhaupt nie der Kampf a» sich selbst im schwachen Lager des Judentums. Endzweck war und ist immer die Hebung des Judentums. Ten Kampf trachten Wir womöglich zn vermeiden, obzwar wir ihn nicht fürchten, denn wir sind von der Wichtigkeit unserer Bestrcbungen ganz und voll überzeugt." Ich dankte unserem Führer für seine sachlichen und liebenswürdigen Antworten und nahm bald daraus von ihm Abschied. Israel Hammer. Gegen verdorbenen Magen, Darmträgheit und Gicht. ״Sternhofer Bitterwass e r‘ Mild, doch zuverläßlich. Sternhof, PostSokolnitz bei Brünn. Herzl-Manifestation in Krakau. Von B e r n I) a r ö H orowi y. Tie zahllosen elektrischen Lämpchen ver breiten im großen, prachtvollen Saale des allen Teaters Helles, angenehmes Licht. Ans der Biihne hängt das Bild des großen Herzl mit blauweißen Bändern verziert. Es stellt ihn im Profil dar. Es scheint, als ob er seine Ohren spitzt, um deutlich zn vernehmen, was da über ihn gesagt werden wird.Und in den Herzen des den Saal überfüllenden festlich gestimmten Pnblikums grassieren wehmutsvolle Erinnernngen an die Zeit, da er lebte, mit seinem Leben anderen Leben einhauchte, Gemüter anfrntelte und das jüdische Herz vor Sehnsucht nach Leben erzittern machte. Ter Saal steht im polnischen Zentrum der Stadt. Tie Tienerschast, alle Aufschriften, die Umgangssprache ist — polnisch, aber im Saal, wo Herzls träumerische Augen in weite, weite Bergangenheits- und Zukunftsfernen zn schauen scheinen, ist die Atmosphäre voll der Tünste jübischer Renaissance und jüdischen Gefühls... Ter jüdische Chor ״Schir", der circa r>0 Mitglieder zählt, und unter der Leitung des Herrn Feirischis schöne Melodien absingt veranschaulicht das Bild jungjüdischer Tisziplin und Schulung. (Die Leistung des Herrn Feiwischis befriedigte alle und man gab allgemein der Be- Wunderung Ausdruck, daß er den Chor so niuster- Haft abgerichtet hat). Wir denken unwillkürlich an den Chor Lewijim in unserer alten Heimat. Und die Sehnsucht ergreift uns, die Weisen unsercr Nationalhymnen in unserem Paterlande einst noch mitanhören zu dürfen... Es waren schöne Zeiten damals. Zweitausend Jahre liegen dazwischen. Wie viel Hoffnungen sind während dieser Zeit in Erfüllung gegangen, wie viel Wünsche wurden lebendige Wirklichkeit, nur unfere Hoffnungen, nur die verzehrenden Sehnfuchtsschreie Jehuda Halewis sind wie in einer Wüste verklungen und seine heißen Tränen in den Sand versickert.. Tie darauffolgende Teklamation des Herrn Hirsch brachte in bewegten, innerlichen Worten schone warme Herzenstöne über den Held des Abends zum Ausdruck. Als er die Worte: ״An der Spitze Er, unser Meister" mit Emphase und Begeisterung hervordonnerte, geriet das Pnbliknm in Wallung und herzlicher Beifall lohnte sein Auftreten. Als Chune Wolssthal. der alte Cellin und meisterhafte jüdische Komponist ׳.!!! Instrument in die Hand nahm und nur die Anfangsklünge vom altelmvürdigen jüdischen Lied des heiligsten Abends des ganzen Iabres erschallen ließ, da war die Stimmung ans dem böchsten Gipfel der Andacht. Es war lautlose Stille im Saale als er seine meisrerbaslen Klönge die bald rasend, wirbelnd, stürmend, bald wieder wimmelnd, leise klagend und selmsüchtig lallend dahinbranfren. nur die Takte der rascher sich bewegenden Herzen der Zuhörer schien man U! hören.... Seine jüdische Seele gnoll in den Ausgüssen!einer Musik hervor und labte alle Mitanwesenden. Es schien als würden die großen Angen Theodor Herzls noch größer und als träten sie ans ihren Höhlen heraus infolge der Lockungen der Wolfstbalichen Musik, lind der Glanz dieser Angen war es, der dem Abend seinen Glorienschein verlieh. Das Publikum jauchzte dem Meister entgegen, es war außer Rand und Band und ein nicht endenwollender Applaus wurde ihm gespendet. War durch Wolssthal das gedankenvolle jüd. Gefühl in seiner Erhabenheit und Zartheit zum Ausdruck gekommen, so verkörperte unser begeislerter Führer Hr. A. Stand das gefühlvolle iüd. Denke». Er war in seinem Element und in besonders schwungvollen, zum Herzen redenden lind die Nerven ergreifenden Ausfübrnngen gab er den Beweis seiner glänzenden rhetorischen Iähigkeiten einerseits und seiner grenzenlosen Liebe und Perberrlichnng für den Held andererseits. Er schilderte ihn als Mensch, Denker. Politiker und Jude. In fesselnder Weise entrollte er sein Lebensbild, seine Cbarakterznge und Bielseitigkeit. Cr sprach vom Herzen, das fülüten alle, die ihn gehört haben. Cs war keine künstlich angefachte Begeisterung, keine ziveckmäßig iabrizierte Lobrede. Innere tiefe lieberzengnng sprudelte ans ihn in Strömen hervor, und dieie Tirönie ichivollen zu Bächen an. daß sie alles mitrißen. Ans diesen Bächen wird einst das große Heilmeer enistehen in dem das kranke lahme Judentum Heilung und Erfrischung suchen wird... Ignatz Mann, das bekannte Krakauer Kind mit der schönen Opernstimme sang einige Arien, die von der Elastizität, Schwungkraft und >A׳. Wundheit seines Organes volles Zeugnis ablegten. Auch das ,Fräulein Lindenbanm gab einige hebräische Gedichte znm Besten, deklamatorisch wieder und die schöne hebräische Eröffnungsrede des Herrn Sternberg sowie die Teklamation des Fräulein Lindenbanm bewiesen, daß die heilige Sprache unserer Väter auch in Krakau Eingang und Pflege zn finden und lebendig zn werden anfängt. Mit einem nochmaligen Portrage des Cliores ״Schir" schloß dieser imposante Abend und mit einem warmen Tank und vollster Anerkennung für die wertvollen Leistungen des ineiigen Vereines ״Jehuda", welcher keine Mittel und keine Mühe sparte, um diesen Abend imponierend und eindrucksvoll zn gestalten, welchen .Ctrakan seit vielen Jahren nicht zn verzeichnen batte. — Nach dem Abend'fand im Hotel Cim ein festlicher Kommers zn Ehren der Gäue mm auf welchem Herr Stand nochmals sehr Hobe warme Töne anschlug und besonders über die zu errichtende hebräische Universität sehr begeistert sprach. Es toasrierten die Herren Sternberg, Tr. Hilrstein. Lnstbade, Einborn, Tr. Zimmermann. Rieger und ganz besonders effektvoll Her Tr. Spindel. MWWWM $ l ■% ו: