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Jüdische Volksstimme · 1914-04-02 · Heft 13 (2.4.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 13 (2.4.1914)
Date
1914-04-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Erscheint jeden Donnerstag. Wiener Nummer 1:; Jahrg. XV:». Nischk Nlilksstimm. Bezugspreis e: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 620׳ ganzjährig.Kronen 12• — Deutschland, ganzjährig.Mark 12׳ — Rußland, ganzjährig ....... Rubel tj׳— Balkan, Frankreich.Franks 14־— N Mit der Betlaze ״DaZ jüd. Lebe» in Galizien". Herausgeber: Max Hickl.! GeschüftSjtclle Wien׳ Rotenturmsiraße Nr. ■11. Poslsparknssakonw 'Jlt. 312.312. Telephon 300!),VIII. Lprechsiunden von 10—12 Uhr Buchhänülerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Unverlangie redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizusügen.! Brünn—Budapest. Wie», Prag—Lemberg. An unsere Leser! Das Interesse für die (Erlernung der hebräischen Sprache gestaltet sich immer leb- Hafter. In den größeren Städten werden zu diesem Zwecke Spczialkurse ins Leben gernfeu. Um nun jedermann die Gelegenheit zu geben die hebräische Sprache zu erlernen, habcn wir uns entschlossen, Hebräische Unterrichtsbriefe in laufender Folge erscheinen zu lassen. Die Redaktion hat für diese Zwecke eine crstklassige Lehrkraft gewonnen und erklärt sich auch bereit die von den Lernenden ausgeführten Aufgaben, gegen Ersatz des Portos korrigieren zu lassen. Der Preis eines Briefes im Abonncnrxnt bcträgr 5,0 Heller, für Richtabonnenien der ״Jüdischen Bolksstimme" 70 Heller. Tubscribentcn wollen den Betrag für dieersten 2 Monate Per 4 K unter genauer Angabe der Adresse zusendcn. Verlag ״Indische Bolksstimme" Brünn. Zur Jugenderziehung. März 1914. Gustav Kohn. Eines unserer brennendsten Probleme׳, die ivichtigslc Frage der gcsainuiten Kultnrmcnschhcit, ebenso dringend für Individuen, Nationen und Menschheit ist die Jugenderziehung. Nus allen Linien tobt der Kampf zur Höherentwicklung der Individualität, der Mensch¬ Feuilleton. Exekution. Von Ignaz N o se n f e l d, Wien. (Fortsetzung.) Da sagt der Erekntor und streichelt den Arm des Weibes. ״Ihr Mann ist das Geld schuldig. Ich kann nur die Sachen aufschreiben, die ihm gehören. Wenn Sie mir sagen, daß die Sachen Ihnen gehören, da gehe ich weg und schreibe hinein, ich Hab nichts gefunden. Verstehen Tie, Frau?" Tie starrt ihn gedankenlos an. Versteht nicht. ״Also," setzt er fort, ״Frau, wein gehören die Sachen ...?" Sie denkt nach. Einige Sekunden. Und je länger das Schweigen dauert, desto peinlicher wird cs ihm. Er kommt ins Wanken. Ta packt ihm der Erekntor und er ringt mit ihm. — Schweißtropfen treten auf seine Stirne, er atmct schnell. Noch läßt er sich nicht unterkriegcn, und sie ringen miteinander der Mensch und der Erekntor. Ta sagt die Frau zaghaft und traurig. ״Tie Sachen gehören ihm." Ta lacht der Erekntor, und reibt sich die Hände und stockt den Menschen hinab. Härte und heit übcrhnnpt. Was modern fühlt und modern denkt in allen Knltnrnationen wendet siet! der Fngenderzieheuig zu. Man überblicke mal die heutige pädagogisckie Literatnr, man blicke hinein in die verschiedensten .Kampfe und Streitfragen der zeitgenössischen Theologien, man verfolge sozialethische, engeneiifche Probleme überall stoßen ivir auf die wichtigste Frage moderner Kultur׳ Menschheit: Erziehung der Fugend zur harmo- Nischen Persönlichkeit, zum ganzen Menschen. Ob Pädagoge oder Theologe״, ob Engcniker oder Hhgicniter; ob Terologe oder Sozialpolitiker die Frage behandeln möge, immer und immer!nieder zieht sieb wie ein roter Faden durch sämtliche Erörterungen und Probleme der :lins nach der Harmonisierung der Persönlichkeit, der Schrei nach der Nnsbildung voller und ganzer Charaktenrc. Französische Sozialphilosophen, englische und amerikanische Engeniker. deutsche Bolkshvgieniker — nicht zu sprechen von den sogenannten germanomani-schen Rasscnwissenschastlern — stehen vor dem traurigen Phänomen des Niederganges aller Kulturnaeionen. Doch wenn nicht all zu schlvarz gemalt werde» soll, so kann man mit gutem Gewissen sagen, daß sich die Knltnrnationen in einem llebergangöskadinm befinden, aus dem die pessimistisch (Gefärbten einem Niedergang, aber auch die optimißischest (Kesärbten keine Höliercntwick lung heute erhoffen. Die Höherentwicklung der Persönlichkeit, vollends die Heranbildung zur harmonisch durchdachten, durchfühlten lebten Endes dnrchgcsührten Fndividnalität in sicherlich keine Forderung der lebten Fahre. Man suchte sie zu allen Feiten. Alan zeichnete Per׳ sonen und ries: sehet her: so muß das Einzelindividnnm sein, soll cS zum PolkSivohl gereichen, Langbein!-:- ״Rembrandt als Erzieher" sollte in»!!ergehend den Deutschen sein und Walt Whitman, der Paneghriker der Harmonie und Totalität, machte Schule, ebenso :vie Grimm liegt auf seinem Antlitz und bosbanes Lachen. Aber sie versiebt das nicht. ״Also", sagt der Erekntor blechern, und sielll sich mit gespreißten Beinen vor sie bin, lim die Gegenstände zu notieren. ״Wie viel .Kinder babcn Sie?" Wie viel sie noch bat? Nur den einen Cbaim. Tie anderen acht sind gestorben, jedes Jabr einer. Lauter gute Jungen. Wie der erste und dann der zweite gestorben ist, da bat sie firi! getröstet mit den anderen, aber daun .. dann ... wie sie so jedes Jabr einen verlor .... dann ..." Sic schüttelt den Kops in schmerzlicher Erinnernng und trocknet die Angen. in denen Trä neu schwilinncn. Tann seufzt sie schwer. ״Und so ist nur Ebaim geblieben von allen und er ... Gott soll ihn erbalten. " Der Erekntor blickt nach dem Fenster, wo der Jüngling sitzt. Eine schmalbrüstige, bngere Gestalt mir schwarzen Locken und schwarzen Angen. Das Gesicht vom Kerzenlicht beschienen, schont kränklicher, fahler ans als gewöbnlich. Auf seinem Schoße rnbt die Geige, seine treue Lebensfrenndin. die ibm seine Sebnsncht zu tragen hilft und das Bündchen Leben. Ibr gestelzt er seine beimlichen Gedanken und sie ver- ׳siebt sie, in sie weint er tränenlos den berben Schmerz der Glücksvergessenen, der ewig Hnn- Earp-.me!׳': .׳i. ':3. Trine. "in-.-:!!!, Foinoi. Bruno Wille. Sie «lle sind über in das Volk nickn gedrungen. Sie 11!!׳: blieben an den engen Mai-:01 ׳ rer Vndm't und "'!■י iellschafleii beschränkt. Der ,lionismns tam nnd man ervoüie von ibm die ,!ücbinng neuer :NensOnn. Man erboüle von ibm di-׳ »mwennng aller bisherigen jüdinlien Werte. Er gat> den Fndenjniigen neue Fdeale das Fdeal , aber er hat ans ihnen norti ivenig!nage, das heiig, neue Faden gemacht. Es in ivohl sclnver. Sehr ickuver hier die!gründe ansznmachen, zu entdecken, die es vernriarlnen, da!: der st.ionismns noch nicht imiiande >var. uns unsere indinbe Fugend 10 lotal!!!.!bildend zu!virken, als man es in der eriien Fei! erhoffte. Es bat!? ja eine ,׳',eiilang den ׳.'luschein. als ob cs besser würde. Man sah wob!!>ie und da ׳.'lnlünse zu einer jüdischen Aenwerdnigi, jedoch so verrinzell. so spärlich, daß auch dies׳ -!venu auch nicht spurlos im S inde verliefen. Und überblicken ivir hriüe die genannie z!o niiiische Tkudeiitenickiasl von der g.ilizischen mag ich nbieheii, von der ungarischen kann iüglicl! nickn geipro׳ eben werde»!0 innß man als olgettiver Bcoback,!:!׳ erklären, daß die gesamte zionistische S1ndenten>ch-!i> viel zu ivünscnen übrig!>!!׳,!. Nnd man mag ja über ״da-.. Buch vom Fudenluni" denken,!vie man will, das eine muß man schon dem ״Prager B,!!׳ Kochl׳.!" l-ocb in Ehren anrechnr». dnß ein::!ne seiner M!!glieder d n Dnrchi'chni!!!veil überragen. Der Berein ,. Tlieodve Herzl" in Wien hat!:!der nickn das g,ballen, >v.:s er versprach: als er als ״iiolzer Erbe des groß: n!Nannes" in die Oeiientlickikeii trat. Doch!nag ick: nieder 1׳i,!>!.׳,!, noch Borivürse inackien, lind cs io!l sicherlich nickn i,'n׳.׳> sehen werden, daß gerade dieser Bercin!ich jeder,:::!!>,!!rebte. seine Mitglieder gut wissenschaftlich zn schulen igernden. Und da füllt ist?!einen leeren Becki.er mit Nektar.... Der Erekntor lieht bin über zn ibm. Da trifft ibn sein Blick. Es ist nickn Haß. es ist unsägliches dunkles Lied, das!stets uuuloi׳! ist, wie der Blick eines wunden, zn Tod getrost senen Tieres Und vor diesen Augen erbebt der Erekntor. Die Hand, die noch den Bleistift über den Papier hielt link! langsam berab. Das waren ja die Angen seines Sobnes, bevor er gestorben ist. stumme £.1101 und schon Todesergebnng. Und er biß die barten .Kiefer übereinander und!ein Kopf senkt!ich auf die Brust. Ei ball ein stilles Gedächtnis seinem toten Sobne. Da beginnt die Violine zn spielen und ivebt .obre Dranermelodien um ilm, nnd büllte ibn ei!׳!in alte Erinnerung und Träume, daß er nnbe wnßt versinkt. Und leise lächelt der Menich. ״Die Sachen, die auch Ibrem?Nanu geliö reu, muß ich trovdem ansscheideii, iveil Sie!ie znm nackten Leben brauchen. Best, Kasten, Tistb. Sessel...." Er siebt sich um nnd macht Nonzen. Sv. Er atmet ans.... ״Und sonst bat ja Ibr Mann nichts?" ^!e Frage ist ibm unwillkürlich enistblüvist. Das war der gewöbnliche Abschluß!einer Täuoteii. Aber hiev gab es ibm einen stinck. Er batte plötzlich Angst. Daß!׳.׳ nur :׳׳׳!!! i!ere!!!fäl>t. Und 5 \ \ I I

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