Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 12 (27.3.1914)
- Date
- 1914-03-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2621806-2621897-2621909--2718-2623840- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
©ehe 12 ״Jüdische Bottsstimme". SK 12. Denkt daran, zu leben, zu sterben dem Einen.... Gegenüber diesem tief ethischen Gedicht tritt ein älteres desselben Autors ״Lieder aus den Bergen", das in einer recht skeptischen Stimmung geschrieben ist zurück, obzwar cs sormal große Schönheiten enthält. Den Heutigcn Schncor zeigt uns das Gedicht ״Mohn". Mohn, knallrote Farbe, leidenschaftlich flammt die Erde licbcövoll zum Himmel auf-Das ist die Weise, die' Schncor liebt: ״Meines Lebens Saft und meiner Jugcnd Quell sind rot und berauschend wie ihr". Doch nci»! Auch der Mohn kann des Dichters Sein nicht vcrsinnlichen. Denn der Sommer kommt und auch im! Mohn. . Verstummen die feurigen Wünsche und nur die - Köpfe, kahl und hohl! 'Juden mir zu soll bcsd)cidcncr Weisheit.... Tic Genossen sind alt und weise geworden, nur der Diditcr steht einsam da mit seiner unbesonnenen ju-\ gcndlichcu Leidenschaft. Der letzte Band des Haschiloach hat auch der Uterarisdicn Kritik nichr Raum gcivährt als bisher. Das ist sehr erfreulich, denn cs fehlte der hebräischen Literatur bisher an regelmäßigen kritischen Bcrichtcrstattungcu. Ick) glaube, dieser Inhaltsangabe nichts weiter hinzusügcn zu müssen. Und glaube, daß jeder Freund der hebräischen Literatur sich verpflichtet fühlen mutz, den .,Haschiloach" zu lesen und zu abonnieren. (Abonncmcntspreis: halbjährig 8 Kronen.) — Zu beziehe» durch die Administration dieses Blattes. Ein Prssachbuck,. In den Schriften, hcrausgcgcbcn von der Gesellschaft zur Förderung der Wiffenschaft des Judentums, erschien kürzlich ein grundgelehrtes dickes Bud): ״Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung", von Ismar Elbogeu, (Leipzig, Gustav Fock 1013). Von diesem Bud-e soll hier heute nid)t gesprochcn werden, cs sei hier nur erwähnt, um eines Grundgefühls willen, das sich desjenigen bcmäd)tigt, der in dem Budic blättert und hier liebevoll verzeichnet findet, Ivie unser Gottesdienst geworden ist, sid) entwickelt und ausgcstaltct hat und wie sein treuer Spiegel, das Gebetbuch, wud)s und wud)s gleich einem Kristall, der Sdiichte an Schichte neu hcrausbildct. Dieses Grundgcist das: wie unseren Vätern der Gottesdienst ctlvas lcbendiges, organisdics, mit ihnen wadiscndcs war, wie sie immer wieder sich selbst in die alte Geschidstc neu eintrugcn, nidsts als tot übernehmend, alles lebendig ncuschaffcnd, umsdiaffcnd. Ein kleines Buch, das wir jetzt bald aus der Truhe holen werden, zeigt uns diese Erscheinung im kleinen: Die Hagadah! Sie ist aus Stücken vcrsdstcdcncr Zeiten zusammengesetzt und wie sehr erscheint sic uns eben deswegen als ein Stück Lcbei,! Aber gleichwie das Buch Elbogcns mit einer schrillen Dissonanz endet, der Rcformbcwcgung, in der das Gcbctbudi schmäler und sd)1nälcr wird,, so ist aud) die Gesd)id)tc unserer Hagada am Ende eine traurige. Einst batte» sich jüdische Künstler um sie bemüht und die prad)tvollstcn Denkmale jüdisd,cr Bildkraft sind uns in den Hagadoth erhalten geblieben; bis dann die Juden ibr lebendiges Verhältnis zum Pessad) und zur Hagadah verloren und au die Stelle des farbcnprädstigcn Bildes von eins! das diaraktcrlose, seelenlose Küche trat, das unsere Hagadah verunziert. In unseren Tagen soll das langsam wieder besser werden. Wir!vollen zu allen jüdisdicn Dingen w>cdcr ein lebendiges Verhältnis zurüdgcwinnc!!, vor allem soll unsere Jugend wieder Freude von allem Iüdisd-cn haben. Und wenn Heuer am Sederabend so liiandjcr Knabe und manch ein Mädel aus dem Scdcrtisdic als Geschenk der Eltern oder des CnfdC' ein schönes Pcssachbuch vorfinden wird, dann danke» sie. dankcn!vir cs einem ebenso fein-künstlerisch, ivie srolijüdid! cmpfiiidendcn Manne, Hugo Hcrrmann, der soeben im Jüdisdicn Verlage ״Chad Gabja. Das Pessad,bud," hcrausgcgcbcn hat. (223 Seiten/ Einfadic Ausgabe M. 3.—, Gcsdwnkausgabc M. 5.—). Das Buch ist so bunt zusammcugcstcllt, wie die Scdcrschüssel; alles ist da: Stüde aus der Bibel, auf Pessad) bczüglidi; eine Uebersctzung der Hagadah im Auszug mit sdsöncn Vignetten, eine tiefempfundene 'Abhandlung über die Hagadah von Zlocisti, Erzählungen über das Fest aus Talmud und Midrasd). Dazu Pessadierzählungen von S. Ben Zion, I. L. Lcivinski, Mcndclc Mochcr Tsorim, S. I. Agnon, Z. Kasdai, I. L. Pcrcz, CH. N. Bialil, M. Bubcr, L. Kompcrt, Heinrich Heine. Dann wieder mannigfadie Beiträge zur Frage: Wie feiern die Inden aller Länder ihr Pessad)? Wir hören von den Juden im Kaukasus, von den?)cmciiitcn, von den rnssisdien, den vöhmisdien Juden; aber an den Schluß des Budies rückte der Herausgeber feinsinnig eine Sd,ildernng der Chagigah, des frohen Pessad,festes in der Kolonie Nediebotb.... Und das allcrsd)önste an dem lieben Bud,e sind die vielen Hagadahzcichnungen, die Hugo Herrmann mit Hilfe I. H. Wagners aufgcstöbcrt und in sein Bnd) ansgenommen hat. Wir!vollen hoffen, daß jeder Vater seinem Jungen dieses Bud) als Scdcrgeschenk lauft. Weil aber auch die älteren-einander gerne was schenken möchten, sei noch auf ein anderes schönes und billiges Buch des Jüdischen Verlages hingewiesen: Schalem Alcjchem, die verlorene Schlacht. Humoristischc Erzählungen. (M. 2—). lieber Schalem Alejchcm braucht kein Wort des Lobes gesagt zu werden, die Juden beginnen auch hierzulande ihren Mark Twain zu lieben und über ihn zu lachen. Und das ist das Wichtigsic! Die neue Auswahl seiner Erzählungen ist als vierter Band der Sammlung ״Vom alten Stamm" erschienen und gleich den früheren Bänden von M. Acher ans dem Jiddischen übertragen. — Zw beziehen durch die Administration dieses Blattes. Aus der Wiener Justiz. Verlag Bio. Leipzig 1914, Preis K 1.—. Carl Wilh. Stern, Verlagsbuchhandlung, Wien, 1., Franzcnsring 22. — Ein kleines Büchlein (32 Seiten), das lesenswert ist, lesenswert besonders J für den Juristen. Inganz freier Weise schildert der Verfasser Typen aus' der Wiener Justiz und berührt glcid)zcitig Prozesse, die sich in allerletzter Zeit abgespielt haben. Das Büd)lcin ist um so interessanter, als man bei der Lektüre auf bekannte Namen aus der ״Wiener ^Justiz" stößt. Dr. Pollak. Virkvvto üeeettrvkett de! der ׳-׳ Nordösterreichischen Bankr fir Industrie, Handel and Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschrlafcter Haftasg ln BrQnn, Ferdlnandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. empfiehlt sich Tür alle elnscbligigan Baakgeschfifte, hauptsichlich nach fir den > Eskompt offener Buchfordenm|«n unter den allergfinstigsten Bedingungen. Das Gottesgericht. ״Das Gottesgericht". (GottS Mischpct.) (Drama in 4 Akten von Leopold Jungwirth, Musik von Josef Grob. Aufgcführt zum ersten Male am 21. d. M., in der jüd. Bühne.) — Haben wir also auch in der sogenannten ״Jüdischen Bühne" eine- Premiere erlebt. Ein junger begabter Schauspieler dieser Bühne schreibt ein Stück und setzt cs endlich durd), datz man für zwei-, drei Abende ״Chiukc-Pinkc", Borg mir dein Weib" oder andere ״Sd)lagcr" vom Rcpcrtoir absagt und dieses Drama aufführt. Der Inhalt dieses Dramas läßt sich kurz skizzieren: Jcrmie Silberstcin, ein gewesener Eskompteur übergibt seine ganzen Gesd)äftc seinem einzigen Schwicgcrsohnc Simon Abcrhand, der cs durch seine Spekulationcn soweit treibt, daß er gezwungen ist, um sich noch eine kurze Zeit halten zu können, Wechsel zu fälschen. Wenn der Vorhang aufgeht, ist Simon Abcrhand schon Wcchsclsälsd,cr und die Zahlungen rücken täglich näher heran. Siinon ist ganz verzweifelt, er sicht keinen Auslvcg um wenigstens seine Familie vor dem Zusammendruck) zu sd)ützcn. Seine Schwiegereltern und seine Frau, die über die Zerstreutheit und die Nervosität des Sohnes, bczw. ManncS ganz im Unklaren sind, können nur verzweifelt ihre Hände ringen. An einem Tage, der seinem Zusammenbruche nahe ist, kommt ein armer Jude des Städtchens, Israel Kleinhändler, der ״sein ganzes Leben sich nicht satt gegessen hat" und sechs tausend Gulden erspart hat und trägt dem Siinon an, sein Ersparnis ihm aufzubewahrcn, da er morgen nach Ercz Israel fährt und sobald er von dort seine Adresse angeben wird, soll er ihm das Geld zurückschickcn. Simon gibt ihm eine Empfangsbestätigung, die Israel aber in der Sd)nclligkeit cinzustcckcn vergißt. Simon Abcrhand vernid)tet diese Bestätigung im Bewußtsein, daß kein Zeuge bei dieser Szene war und man dieses Geld ableugnen kann. — Mit diesem Gelbe beschließt Simon die Flucht zu ergreifen und läßt seine Frau und Kind zurück. — Nach zwanzig Jahren sehen wir ihm im zweiten Akte zurückkchrcn zur tiefsten Stufe der Bettelei ist er gesunken. Israel Kleinhändler ist inzwischen von Ercz Israel zurück und Simons Weib, um einem eventuell/)! Skandal zu vermeiden, nimmt den Kleinhändler als Verwalter ihres Hauses, des Einzigen was ihr zurückgeblieben ist vom ganzen Vermögen. — Nach seiner Rückkehr verlangt Israel von Simon die Rückerstattung des ihm zur Aufbewahrung gegebenen Geldes, doch Simon beleidigt ihm noch, daß er bei ihm erpressen will. Es hilft kein Weinen des alten Israel, kein Zureden des Dajcn, Simon bleibt bei der Behauptung, er habe nie etwas von Israel geliehen und dem alten Israel bleibt nichts anderes übrig, als den Simon in der Schul schivörcn zu lassen. — Ein Krakauer Kind, wie cs der Autor ist, hat er vielleicht mit eigenen Augen eine solche schreckliche Szene Ivie eine ״Schwue" mitangesehcn und diese Szene ist so natürlich, so packend, daß wir ganz zu Tränen gerührt werden. Wenn Israel den Simon schwören hört, bekömmt er.vom Schmerz gebrochen einen Schlagansall und stürtzt tot nieder. Damals erst bekennt Simon, daß er falsch geschworen hat und vor Verzweiflung überfällt ihn ein Wahnsinn und er beginnt zu toben. — Das ist der Inhalt dieses uuf der jüdischen Bühne originellen Dramas, das aber leider nicht so aufgeführt wurde, wie es verdient hat. Die Schauspieler, sichtbar neidisch, daß sich unter denen einer sinket, der etwas zu schreiben imstande ist, spielten untcr aller Kritik. Mit Ausnahme des Auwrs selbst, der die Nolle des Simon gab und des Herrn Reitzmann, der den Israel spielte, wurde alles so gespielt^ daß das Drama durchfallen soll. Frau Weintraub, scheint der Ansicht zu sein, daß sie schon eine aneüannte ״Weltgröße" ist und deshalb die Rolle wie eS scheint, nicht einmal angeschaut hat. Sie gab ihre Rolle ohne irgend welches Verständnis, trotzdem sie auS dieser Rolle Vieles schaffen konnte. Herr Podzamcze als Schwiegervater hat seine kleine Nolle im ersten Akte ebenfalls verpatzt. Die ganze Regie war schlecht und zeigt deutlich, daß die Schauspieler für ein ernstes Drama nicht gewachsen sind. Die Szenerie spottet jeder Beschreibung. Hr. Siegler mutz entweder ein Ignorant sein oder er ignoricrt das ganze Publikum. Um einige Kronen konnte das Stück halbwegs gut arrangiert werden und die Szenerie, namentlich der letzte Akt hätte nicht ausgesehen wie ein ״Purim-Spiel". — Nach zwanzig Jahren ist dieselbe Malerei im Zimmer verblieben, sogar dieselben Zimmergegenstände usw. ־— Ueber das Stück selbst läßt sich auch noch so manches sagen, so z. B. datz der Zeitraum von 20 Jahren doch ein zu ausgedehnter ist und nach b—0 Jahren doch schon dieselbe Szene stattfinden konnte, weiters, datz eine ״Schwue" nicht von heute auf morgen stattfindet, da es laut dem jüdischen Ritus unzulässig ist, ferner daß doch diese Funktion nicht ein Dajcn, sondern ein Rav ausübt. — Nun, bleibt mir noch über die Musik etwas zu sprechen übrig. Herr Grob ist allzu bekannt, um erst sagen zu müssen, datz seire Musik, eine Verkörperung des jüdischen Schmerzes wer. Allen leidenden Figuren dieses Dramas hat er die eitsprechende Melodie zugepatzt und das wirkte auf urser jüdisches Gemüt, wie längst bekannte, selbstempfunkene Weisen. Namentlich die Chorszene im Tempel» bei der ״Schwue", war so erschütternd, datz man nolens voiens, Tränen unterdrücken mutzte. Leider lag die Musk in den Händen eines einzigen Pianospielcrs, der uns nicht alles widcrgeben wollte und konnte, was Herr Grob geschrieben hat, aber diese einzelnen Strophen dies: Winzigcn Akkorde; die.wir hörten, waren genug uu das ganze wehmütige musikalische Schaffen des Herrr.Grob kennen zu lernen. S. H. Jüdische Volksbank für Mahre» «»d Schlesien, R. G. w. b. H. Krapsengaffe IS BkÜM, Krapfengaffe 19 Personalkredtte Wechseleskompt Verkauf-w-Losen Spar-«״d Kontokorrenteinlagen gegen bestmöglichste Verzinsung m* Heimsparbüchsen ״VN werden de« Einleger« kostenlos überlasse«. Behufs Anlegung jüdischer Bibliotheken empfehlen wir folgende Bücher A. Abrahamsohn: Jsr. Verse und Knittelverse II 2.80 Adiad haam: Aeutzere Freiheit, Innere Knechtschaft. K —.70 — — Am Scheidewege K 6.20 -Ein Denker u. Kämpfer jüd. Renaissance 11 1.30 Acher Mathias: ״Jüdische Moderne" K 1.30 Ackermann, Dr.: Geschichte der Juden in Brandenbürg K 4.80 Adler E. N.: Von Ghetto zu Ghetto. Mit Jllust. K 4.20 Adolf Ad.: Geschichte der Juden in Salzburg K 7.20 Alexander Karl: Die hygienische Bedeutung der Beschneidung K —.60