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Jüdische Volksstimme · 1914-03-27 · Heft 12 (27.3.1914) · page 9

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 12 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Vas jüdische Leben in Galizien. Die Nationalisierung der zion. Intelligenz. Von Dr. Chaim Tartakower, Drohobycz. Der Titel erregt gewiß ein wenig Befremden. Als Zionisten nämlich glauben wir, die idealsten Nationaljuden zu sein und trotz dieses unseres Glaubens meine ich, daß leider diese Behauptung zum größten Teile eine conventionelle Lüge.ist. Daß wir von unserem — ich meine der zionistischen Intelligenz — nationalen Gehalt eine so hohe Meinung haben, kann zwei Momenten zugeschrieben werden: 1. Wir übersehen ganz und gar die excepiionelle Lage unseres Volkes als Nation, die als Minorität zwischen fremden Majoritäten lebt, und 2. Wir vergleichen uns allzuvoll den fremden Völkern. Wir tuen dies aber nicht nur zu dem Zwecke, um des tiefen ׳ Abgrundes gewahr zu werden, welcher die anderen natürlich und normallebenden Völker von unserem eigenen Volke, das in jeder Richtung abnormal lebt, trennt, nein wir tun dies' auch in der Beziehung, daß wir uns dem Wahn hingeben, wir seien bereits ein Volk den anderen gleich: haben wir doch auch unsere nationale Bewegung wie andere Völker. Was nun unsere exceptionelle Lage betrifft, genügt es hervorzuheben, daß wir ein in ewiger Kriegswanderung begriffenes Volk sind, das immer durch Feindesland zu wandern gezwungen ist: um nicht unterzugehen, sondern als nationale Gruppe erhalten zu bleiben, bis wir auf eigenem Boden wirklich ein normales Volk wer den, bedarf es unsererseits übernatürlicherKraftanstrengung. Ja, übergroßer Kraftanstrengung hier im Golus, um uns als Volk zu conserviercn und nicht normaler Anspannung der Kräfte, um in Palästina ein alt-neues Volk wieder badenfest zu machen. Und diese zwei, in der Geschichte vielleicht einzeln dastehenden Aufgaben, wollen wir so selbstzufrieden und so leicht, so ohne'Opfer jeglicher-Art lösen! Was nun den Vergleich mit anderen Völkern betrifft, so meine ich, er sei ein Vergleich zweier unverglcchbarer Größen. Jene anderen Völker haben —. selbst wenn sie noch abhängig sind — vor uns alles voraus: sie wohnen auf eigener historisch geweihter Erde und führen sprachlich und kulturell wenigstens ein selbständigcs Leben. Wenn sie das fremde Joch abschütteln wollen, dann müssen und werden sie die Entscheidüng bei den Waffen suchen, sie haben also vornchmlich einen politischen Kampf zu führen, dessen ultima rati ja eben der Krieg ist. Wir müssen jedoch um alle unsere Güter kämpfen: um Land, Sprache, Sitte, ja um das nackte Leben und trotzdem müsien und werden in unabsehbarer Zeit unsere Mittel nur friedlicher Natur sein. Daraus folgt ein folgenschwerer Unterschied: Jene brauchen nur im Falle der erwähnten ultima ratio eine außergewöhnliche An- Spannung der Kräfte, wir jedoch müssen konstant unsere Kräfte intensivieren, um den gestellten Aufgaben bescheidentlich gerecht zu werden. Es ist nun klar, daß die Intelligenz jene Ausrüstung für den Kampf aufweisen muß, die mustergültig für die übrigen Volksgenossen zu sein hat. Ist dies nun bei der zionistischen Jntelligenz der Fall? Kann, heute gerechterweise behauptet werden, daß diese Intelligenz das Volk führt und wenn ja, ist sie zur Führung objektiv berechtigt? Ich meine nun,.daß die heutige zionistische Intelligenz noch weit davon entfernt ist, jüdisch, d. h. national zu sein, sowie daß sie derweilen größtenteils zur Führung nicht berechtigt ist. Es muß endlich einmal offen gesagt werden: Es ist gewiß schwer, Jude zu sein, und das Indentum fordert gewiß schwere Opfer jeder Art, aber man muß auch die andere Seite berücksichtigen, wir verdanken dem Judentume unsere Fähigkeiten, die es uns ermöglichen, zu aller Zeit und allerorts uns als Individuen materiell n. geistig zu erhalten, es ist der jüdische Geist, der es uns ermöglichte, selbst in der größten Flut von Not und Verfolgung auf der Oberfläche zu bleiben und uns als Einzelmenschen wie als Volk sich anzuleben. Das jüdische Bewußtsein gibt uns die innere Harmonie, das Gleichgewicht unserer geistigen Kräfte wieder, macht uns zu ganzen Menschen, die- Juden und Menschen widerspruchslos sein können, wir gelangen durch das bewußte Judentum zu jener geistigen Einheit wieder, nach der sich diejenigen Westjuden, die ehrlich die Assiinilation anstreben, so sehr sehnen und trotz aller Opfer nichj erreichen können. dturz, das Judentum ist berechtigt, von uns Opfer zu verlangen und wir müssen sie von uns verlangen können. Wir müssen den Mut aufbringen, consequellte Inden und Zionisten zu sein, oder noch besser, wir müssen zur Verschmelzung beider Inhalte streben, damit sie für uns im Leben identisch werden. (Fortsetzung folgt.) Gegen verdorbenen Magen, Darmträgheit und Gicht. ״Sternhofer Bitterwasser‘• Mild, doch zuverläfillch. Sternhof.PostSokolnitz bei Brünn. Vor Allem trennt schon der Vorname Intelligenz, vyn der jüdischen Masie: der der Intelligenz ist sehr oft europäisch, der der Masse jüdisch, das elftere ist auch dann der Fall, wenn sie in der Matrikel einen jüdischen Namen haben. Die Intelligenz spricht die Landessprache und nur selten jüdisch hebräisch versteht sie zumeist gar nicht. Mit jüdischer Literatur beschäftigt sich die Intelligenz leider gar zu wenig, einfach schon aus Mangel an Kenntnis der Sprachen. Das Heim, das Haus ist zumeist indifserent, d. h. man spürt im Hause der zionistischen Intelligenz verteufelt wenig vom ״Judentum", die einzigen Zeichen sind die paar jüdischer Bilder und die N. F. Büchse wenn sie nur nicht fehlen. Vom Sabbat und den Feiertagen in der Regel keine Spur. Der zionistische Intelligente besucht als Demokrat und Freisinniger natürlich nicht die Synagoge. Die einzigen Tage, an denen er sich dort zeigt, ist Rosch-haschonoh und Jom Kippur. Es gibt jedoch schon so weit ״fortgeschrittene" Zionisten, die auch dies unterlaßen. Es.gibt sogar schon eine große Zahl von Zionisten, die dem Judentum nur dadurch angehöreu, daß sie sich ״Zionisten" nennen und dadurch bereits sich jeder weiteren nationalen Pflicht ent hoben wähnen. Diese Intelligenzler fühlen sich nicht einmal verpflichtet, zionistische Versammlungen zu be- ^suchen oder gar ihr Scherflein in Geld beizutragen. -Wozu führt ein solcher ״Zionismus", der nichts fordert, nichts gibt, der nur in einem Worte besteht? Wir haben in Galizien schon teilweise Ersahrungen in dieser Beziehung. Bei der ersten Probe, bei Wahlen, verlassen viele dieser Herren unsere Reihen, um dann allmählich dieser Schichte zu verfallen, der sie geistig und ״gemütlich" bereits längst angehören, der carriere-suchenden Assimilation. Noch gründlichere Erfahrungen haben wir diesbezüglich in Rußland geniacht, die gestrigen Zionisten haben sich heute getauft, um sich den Eintritt in die Universität zu erkämpfen. Diese Resultate sind leider allzunatürlich. Tort wo eine Idee bloß in Worten ihren Ausdruck findet, können keine besieren Resultate er zielt werden: Etiketten, auch schöne, können nicht über den wässerigen Inhalt oder gar über die Jnhalilosigkeit hinwegtäuschen. Der geschilderte Zustand trifft leider auch für unsere Studentenorgänisationen und die einzelnen Studenten zu. Welche zionistische Vereine sind blutleerer als die studentischen? Zeiget mir heute in Galizien Studentenorganisationen, die irgendeinen'denen der Frieden mir dem Hilfsverein der deutsche» schöpferischen Gedanken und konsequent lebend(-, Juden zustande kam und kommt dann aus den äugenge Taten aufweisen könnten? ' i blicklichen, sehr günstigen Stand der Universitätsfrage In Ermangelung eines eigenen Inhaltes zu sprechen, wie auch über die behufs Schaffung eines füllen sich die vorhandenen Formen mit fremdem Inhalte, wie weiter gezeigt werden wird. Und bei all dieser Leere, Gedanken- und Tatenarmut, welche Unbescheidenheit! Unsere Studcnten kommen auf jüdische Volks-Versammlungen und rufen mit Emphase: ״Wir wollen das jüdische Volk aufklären, ihm. den richtigen Weg zeigen" und wenn das Volk nicht kommen und nicht hören will, so klagen wir über Undank usw. -! Und die Folgen bleiben auch da nicht aus: Es ist.ein offenes Geheimnis, daß am unzuver Brief aus Lemberg. Dir erste Sitzung des von der letzten Landeskonfcrcnz gewählte» zionistischen Parteirates fand Sonntag, den lö. März im Saale der akad. Verbindung ״Makabea" statt. Es waren die angesehensten Parteimitglieder von hier und auswärts erschienen, tt. zw.: Tr. Zimmermann, Krakau, Tr. Span», Tarnov, Horowih, Mielec, Dr. Rosenseld, Przemtzsl, Tr. Landesberg, Zloczov, Natan Tartakover, Brody, Tr. Waldmann, Tarnopol. Dr. Mayer, Stanislau, Tr. Pachtmann, Tr. Backenroth, Dr. Schmorak, Tr .Korngrü», Trokwbycz. Schönseld, Dr. Hausmann, Tr. Halpcrn, Tir. L ränge, Tr. Schwarz, Fast, Dr. Kitz, Tr. Nosmarin, Lemberg, außerdem sämtliche Mitglieder des Zentral-Komites. Teit Vorsitz führte Präsident '.'Idols Stand, der nach kurzer Begrünung ein erschöpfendes und sehr interessantes Neferat über den Verlaus der letzten Sitzung des zionistischcn '.'lctions-Komites in Berlin erstattete. Er schildert eingehend den Verlauf des Sprachenkampses in Palästina, wie auch die Bedingungen, unter Agrarcredites in Palästina unternommene Tätigkeit. An der Diskussion über diesen Bericht beteiligten sich die Gg. Dr. Hausmann, Tr. Waldmann und Tr. Zimmcrmann. Tr. HauSmann bemängelt, das zu langsame Teinpo in puncto Bodenkauf und Setzhaftmachung jüd. Arbeiter. lieber unsere nächste Paläjtinaarbeit referierte Gg. Dr. Reich. Er berichtigt zunächst über die bisher seinerscits unternommenen Schritte zur Gründung eines Paläjtina-Fnsormationsburcaus in Galizien, bemerkt, daß für das hcbr. Schulwcrk hierzulande 11.000 Mark gesammelt würden, und betont, die Notwendigkeit der lässigsten in puncto zionistischer Arbeit die zio- Schaffung eines Fondes für junge, arbeitstüchtige Panistische Studentenschaft:ist, sie ist auch sehr zulästinaemigrantcn. geknöpft nnd ״berechnet", wenn es gilt dieTasche! Nachdem Tr. Reich noch an die vermögenden Parfür zionistische Zwecke zu öffnen. So kann es aber nicht bleiben! teigcnossen appelliert, sie mögen sich an der galizische» Achusah"-Lrganisation beteiligen, schlügt er folgende Das jüdische Volk hat ein längst ersessenes' zwei Resolutionen vor: und wohlerworbenes Recht, von seiner jungen I 1. Ter Parteirat äußert seine Zufriedenheit über Intelligenz Opfer zu fordern. ' den mit Erfolg durchgesührten Schulkamps, spricht der B

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