Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 8 (26.2.1914)
- Date
- 1914-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2621806-2621897-2621905--2655-2623773- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^MW^MWWWWM *־v «■־ <•; jps. יווי ■וויייויייי■ Erscheint jeden Donnerstag. Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 6°20 ganzjährig.Kronen 12•— Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Rußland, ganzjährig.Rubel 6 — Balkan» Frankreich.Franks 14•— rener Mit der Beilage ״Das jiid. Leben in Galizien". Herausgeber: Max Hickl. Nummer 8. Jahrg. XV3. IIIIMf. AeschäskSstelle. Wien: 1״ Nolenturmstraße Nr. 31. Püslspcirkussukoiito '.1ii312.8-12 .־. Tclepbon 3001i;VUi. Spreckstuiideii von 10—12 Uhr Biichhändlerijchc Verrrerung: Ltko Klemm, Leio.g״. Uuverlailgie redaktionelle Beiträge werden nicht honv- Manuskripten ist Rückporto beizufügen. riert. N- Brünn—Budapest. Wien, Lv. Februar 1914 30. Schcbath 5074 Prag—Lemberg. Jrmeiiarbeit — Palästina. Februar 1014. Gustav .Kohn. Seit Ende Dezember habe ich mich in der ״Jüd. Volkssrimnie" mit den aktuellen Zeit- und Streitfragen des Zionismus anseinandergesetzk. Ich stabe mich bemicht, ans Fehler. die gemacht lvnrden, hinzuweisen. Habe in einer Epoche, in der die gesamte zionistische Weltbewegung einen Mampf gegen den ״deutschen Hilfsverein" führte, sachlich und objektiv viele unserer Probleme, deren theoretische Grundlegung nach wie vor einer Revision bedürfen, angeschnitten. Ich war mir der Tragweite meiner Handlungsweise wohlbewuszt. Ich hätte geschwiegen, wenn meine Forderungen von berufener Seite aus laut geworden wären. So schrieb ich denn selbst ans die Gefahr hin, in meiner sachlichen Mritif von vielen miszverstanden zu werden׳, ja selbst ans die Gefahrhin, das׳, man mir unlautere Absichten nnt>erschieben würde. In einem Momente der von der sogenanuteii Landesarbeit total abstrahierte, wo alle Blicke gen Osten,. gen Jerusalem gerichtet waren, wiest ich ans die Bedeutung der politischen Landesarbeit hin. Nur geleitet von der Absicht nach Klärung: nach Wahrheit! Es wurde nicht widersprochen! Bis znm heutigen Tage, fand sich keine Stimme, die mir entgegnet hätte. Bin ich im Rechte? Bin ich im Unrecht? Sollte das Schweigen als vollständige Uebereinslimmung mit meinen Gedanken aufznfassen sein, dann must meinen Worten die Tat folgen; dann müssen jene Pnnkre unseres Pragranunes durchgesührt werden, die ich heischte. Ist aber dieses Schweigen als ein Totschweigen anzusehen, als vollständige Ignorierung und Reglegiernng, so mögen sich doch die Herren dessen bewnstt sein, das; meine Beiträge in einem Blatte publiziert werden, das; sich sehr, sehr groster Verbreitung erfrenr. Das Blatt wird doch! wöchentlich von einigen tausenden Inden gelesen:; Ter Leser mag dann bei genauer Abwägung alles Für und Wider entscheiden: wer im Rechte I Auch der Leser »ins; sich die Frage vorlegen:.!Warum antwortet man nicht, wenn ״Unrichtig-!! keilen" vorgebracht werden.!! Doch mag man immerhin schweigen, die! -Entwicklung wird lebren, ans wessen Seite das I Recht stand. 1 * * * | ׳ Artikel sowohl im ״Renen Weg" als auch in der ״Welt" beweisen zur Genüge, das; alles, was ich von oder über Palästina sagte, den Tatsachen entspricht: und die Deputation der zionistischen Parteiführer znm galizischen Statthalter und Landmarichall gibt den denrlichsten Beweis für die Wichtigkeit einer jüdisch-nationalen Landesarbeir. Doch zu spät meine Herren! oder fast zu spät. Man erinnerte sich in Galizien ans die Beüentnng der Landtagswahlreform erst in dem Zeitpunkte, als die beiden streitenden Völker sich die Hand znm Bunde reichten. Und noch könnte viel gerettet werden. Roch! in diesem Momente des Abschlusses der polnischrnthenischen Ausgleichsverhandlnngen können jüdische Stimmen gebärt und erhört werden, i Toch mit einer Deputation allein, ist so gut wie nichts getan. Man mns: hinansgehen zu den Massen. Sie sollen sprechen! Sie sollen ihr Recht fordern! Jetzt eine grostzügige Agitation in Galizien und mau wird mit uns rechnen müssen.! Sind wir uns doch darüber klar. Ein zwei Millionenvolk bildet eine Greste in einem Rationalitätenstaate. 2 Millionen Inden stellen einen Machtsaktor dar. Aber wohlgemerkt nur dann, wenn sie ein wohlorganisierter einheitlicher Körper sind. Es iit vielleicht eine Ironie des Znsalles. das; heute in der ganzen Donaumonarchie nur ein einziger Volksiiannn eniticn, der reichstren bis in die letzten Glieder ist: nur ein Volksstamm, auf den sich Staat und Regierung rück haltlos verlassen kann: der, sind die Inden. Die Inden sind das einzige Volk der Habsburger Monarchie, das keine, mie immergear.ete antiösterreichische Irridenten besitzt. Das mögen üch Regierungen und Gesetzesgeber ivobl merken. Wir Inden sind leider nicht jener einheil liche Organismus, der notwendig ist. damli mit ihm gerechnet werde. Auch bei uns Inden gilt die Politik d. Taasseichen ״Fortmurschtelns". Es in unseren Gg. nicht gelungen sagen wir 11v,i> nicht gelungen - jene Einheit wenigstens Ser >ioni,'tischen Partei zu er!1!ögliche!1, die :!! er streben ist. Im Gegenteil: keiner der Distriktsiage, fei »er rer Parteitage hat sich auch nur mit diesem Gedanken befastt. ('Hauben Die Herren trotz all' dem besser zu fahren, wenn sie isoliert bleiben? Wähnen etwa die Herren alle, das; inan getrennt marschieren könne, um vereint zu schlagen? Ver gegen wir doch Cubci acht, das; wir des gemeinsanien Armeefübrers entbehren! (Getrennt mar schierende Truppen werden leichter geschlagen, denn ein ganzer Arnieekörper. Wir Inngjnden haben doch nach 2 Fronten ׳,!: kämpfen, liegen einet, inneren und einen änsteren Gegner. Tie inneren Gegner hat die Entwicklung anss Haupt geschlagen. Tie Aisimi lation kann, iver das Indentnm besaln a priori ahlelnten! Es sti mir traurig, ivenn man noch in i.nseren :!teilten mit ihrer Möglichkeit rechnet. Mir dem inneren Gegner sind wir in dein Zeit piinkte fertig, wo unsere Fordernttgen von den übrigen österreichischen Völkern anerkannt werden. Feuikketon. Raass Mine. Von S. H. Mosentha l. iTchlutz.) ״Mus; ich nicht", entgegnete sie lächelnd, ״da Sie keine Mutter haben, die Ihnen sagen kann: sei mutig und getrost! Gott hat euch für einander geschaffen und wird zur rechten Zeit seinen Boten senden, der euch .zusaininensührt! Und nun leben Sie wohl!" schlaf; sie, sich rasch losreistend, um ihre eigene Bewegung zu verbergen, und eilte hinweg, dein Theater zu: doch an der Ecke der Straste blieb sie stehen. Sie spähte, ob Henoch ihr folge. Als sie bemerkte, wie er noch immer tiefbewegt in den Abendhimmel blickte, als erflehte er den von ihr verheistenen Boten, da leuchtete ein rascher Entschlutz aus ihren feuchten grauen Augen und mit fliegenden Schritten eilte sie über den Platz zum Hause Joel Reinachs. Richt scheu und zitternd wie das erste Mal, als sie dort eingetreten, nein, freudig entschlossen begeh te sie Herrn Reinach zu sehen. Berta begrüsttc sie. unruhig und besorgt um den säumigen Freund. Mine beruhigte sie lächelnd: | ״Me werden ihn henke noch sehen", sagte sie und während das schöne Kind des Ersehnten harrte, trat sie in das Ziinnier des Greises, der sie freundlich willkommen liier». ״Was bringen Sie mir Gutes?" fragte er wieder und lud sie znm Sitzen ein. Aber sie stand vor dem Greis, ansgerichtet wie eine Gottga j sandte. ן Tas Beste ans Erden ries sie ans. das! Glück Ihres Kindes! Berta liebt und ist geliebt!"! Reinach erschrack vor dem heftigen Eingriff!iH das Heiligtum seiner Familie und trat einen! Schritt zurück, aber sie fasste seine Hand und hielt! sie in ihren gefalteten Händen. ״O zürnen Sie! mir nicht", rief sie ans, ״ich weist, was ich wage aber es gilt das Glück derer, die uns am teuersten sind! Sehen Sie doch selbst, wie diese beiden liebenden Seelen sich in der Oual der Ungewistheit verzehren! Sehen Sie doch, wie Ihre Tochter in diesem neuen Lebenselement sich blühend cntfal-, tet! Wo könnten Sie sie geborgener wissen, als׳ an dem Herzen dieses edelsten Mannes! An die-! ser Stelle gewährten Sie wir einst, was er nie! zu hoffen wagte: o. gewähren Sie mir heute, das! was er selbst zu begehreit nicht wagen darf! Sprechen Sie selbst das erlösende Wort! Kann! der Grostmütigste der Menschen mir eine Stunde! zeigen, die unsere Geliebten und uns selbst be-! glückt?!" 1 Tränen g!än;>eu in ihren Augen. Tränen rollien über die Wangen des Greifes. Er legte seine Hand wie znm Segen auf ihr Haupt: ״Renne» Sie mich nichl grvstmütig!" slüsier 1e er. ״S ielmbcn mich hesthämk und gedeinütigl" und e rzvg ihr Hanoi an seine Brnil und drückte einen Knst auf ihre Stirn. Wie von einem liini»! lischen Weihekus; berührt, erzinerie Mine, die Schönheil ihrer Seele verklärte ihr bleiches ('ic sicht. Leise Halle iich die Türe geöffnet. Bern! und Henvch betrachteten slannend die (Krnpve. :Hci nach bliifte auf. ״Meine Kinder!" rief er und nreckre beiden die Arme entgegen. Berta flog ani ihn zu und verbarg das erglühende Geiicht am Herzen des Vaters. Henoch stand wie erstarrt vor seinem! Glück. Ter Greis winkte ihn! und ergriff feine Hand und Bertas, aber er besann iich plötzlich .und indem er Mine Hera»zog, sprach er liebevoll lächelnd: ״Rur aus dieser Hand dürfen Sie tie empfangen!" lind als nun Henoch glückeslrnnken den Greis und die Freundin und dann erst die <׳׳>estebte umschlang, da klang kein Wort von Men schenlippen durch die heilige Stille des Dümmersliibchen, aber der Geist der ewigen Liebe ivob durch den irdischen Raum seine himiiilischen Harmonien.