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Jüdische Volksstimme · 1914-02-19 · Heft 7 (19.2.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 7 (19.2.1914)
Date
1914-02-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Erscheint jeden Donnerstag. WWW lener XV|3. Jahrg. Nummer 7. K---:-:---3 Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungar», halbjährig . Kronen 620־ ganzjährig.Kronen 12•— Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Rußland, ganzjährig.Rubel 6 — Balkan, Frankreich.Franks 14 — m-a Mit der Beilage DaZ jiid. Leben in Galizien" Herausgeber: Max Hickl. U-----S Geschäftsstelle, Wien: J., Rotenturmstrage Nr. 31. Postsparkassakonto Nr. 312.342. Telephon 3009/VIII- Sprechstunden von 10—12 Uhr; Buchhändlerischc Vertretung: Ott» Klemm» Leipzig. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. ■—---A Brünn-Budapest. Wien, ym* Prag-Lemberg. Infolge technischer Schwierigkeiten konnte die Beilage nicht fertiggestellt werden. Der galizische Landtag und die Juden. Von Tr. David B u k v a in.Krakau. Nach langem Ringen ist der polnisch-ruthenifche Ausgleich zustandegekommen. Im Großen und Ganzen haben die Nuihcnen, die ihrer numcrischen- und Steuerkraft entsprechende Vertretung im galizischen Landtag erhalten. Dieselbe Vertretung wurde ihnen im Landesausschusse rind den Kommissionen zugesichert. Auf diese Weise wurde das grösste galizische Problem gelöst. Und die Juden? Dank der bisherigen judenfeindlichen LandeSpolitik und Tank dem antijüdischen Getriebe Der jüdischen Assimilanten Galiziens wurde die jüdische Nation bei der Lösung des galizischen Problems gänzlich übergangen. Durch Gründüng besonderer Kataster, durch Einführung des proportionalen Wahlsystems wurde den Rutheneu die Wahl eigener Kandidaten gesichert und zwar gegenüber allen möglichen Machwerken der -galizischen Machthaber, die die berühmten galizischen ״Wahlen" leiten. Gleichzeitig wurde das Judenproblem um keinen Schritt seiner Lösung cntgegengebracht, umgekehrt, die Einführung der neuen Wahlordnung wird die Kluft zwischen der jüdischen und der nichtjüdischcn Bevölkerung noch vertiefen. T-er Tradition des polnischen Regimes gemäß wurden bei der neuen Wahlordnung Feuilleton. Raafs Mine. Von S. H. M o s c n t h a l. (Fortsetzung.) Und auch Bertas klarer Seelenspiegel ward allmählich von zitternden Wellen getrübt. Ihr Herz pochte laut der Stunde entgegen, in der Henoch zu kommen pflegte: säumte er, so durchschwirrten ängstliche Gedanken ihren Sinn, ihre Wangen erbleichten, unruhig irrte sie hin und Ix'1': und erschien er, so strömte all" ihr Blut vom Herzen in dieSchläfe, und sie eilte, ihr glü- Höndes Gesicht im Dämmerlichte des väterlichen Zimmers zu verbergen. Dort lauscht sie seinen Worten, ruhig, befriedigt: die Erde hatte keinen Wunsch mehr für sie. Aber wenn er schied, welches Bangen, Ihre Seele, die sonst nur um ihren Vatcr kreiste,ihren Rhytmus, ihr Gleichgewicht verloren! Sie fand nur den Namen noch nicht für diese ״schwebende Pein." Aber noch stürmischer wogten die Empfindüngen in Henochs Herzen. Ter erste Eindruck, den die blendende Amazone aus ihn gemacht hatte, war ein verblüffender gewesen; wie ein Blitz hatte ihn ihre Schönheit getroffen, fast verdie Juden den Polen zugezählt, doch wurden dabei die "Ansprüche der Juden auf eine entsprechende Vertretung gänzlich aus dem Auge gelassen. Nicht blos, daß die Juden in der Zeit, wo die ruth. Nation als eine der polnischen politisch ebenbürtige erklärt wurde, als Nation total totgeschwiegen wurde, sie wurden überdies aller politischer Rechte nach entsprechender Wahrung ihrer gerechtsamen und ihrer wirtschaftlichen Lage fast gänzlich beraubt. Tie neue Wahlordnung sichert den Juden teilweise nur 5 Mandate in der Stadtkurie (Tarnopol, Stanislau, Drohobycz, Tarnow und Brody und drei Mandate in den :5 Handelskammeru — insgesamt also d Mandate. Wenn wir erwägen, das; der neue Landtag um über 25״/״ mehr Abgeordnete aufweist, als der alte Landtag, wo auch 5 Juden gesicherte Mandate hatten, so erweist sich die Vennehrung der Mandate um 3 neue als eben kein Fortschritt gegenüber dem alreu in!,öchster Weise gegenüber den Juden ungerechten politischen System. Tie neue Wahlordnung beruht auf dem altim Kurialsystem, als novum wurde das Prinzip deS allgemeinen Wahlrechtes (5. .Kurie» eingeführt. Beim Systeni der Standes- oder Interessenvertretung wird womöglich auf die Steuerkraft der Wähler Rücksicht genommen, da in derderselben die Schwerkraft der bedrohten oder zu schützenden Interessen nach Außen sich verkörpert. Ties springt in die Augen bei der ersten Kurie, wo einigen tausend Wählern die große Zahl von II Mandate zugesprochen wurden. Auch bei der Festsetzung der Zahl der ruthenischeu Mandate wurde auf die ungleich mindere und schwächere Steucrkraft der ruthenischeu Bevölkerung hingewiesen, weshalb die Ruthenen mit den ihnen zugestandenen 20:4״/.. aller Mandate sich zufrieden stellen mußten. wundet. Als er sie in ihrem stillen häuslichen Wirken cim Sorgenstuhl ihres Vaters wiederfand, da verklärte sich ihre Erscheinung, wie ein Marmorbild im Mondlichte sich harmonisch beseelt! Und wie die zarte, durch ein Wunder erhaltene Blüte sich ihm zuneigte, wie ihr Duft ihn berauschte, ihm zur süßen Gewohnheit, zum Bedürfnis des Lebens ward, da erschrack er plötzlich vor dem traumhaften, ihm unerreichbar dünkenden Glück! Durfte er den Blick erheben, die Hand auSstrecken, es zu fassen? War es nicht Pflicht, seinem berückenden Glanze aus dem Wege zu gehen? Er versuchte es — vergebens! An der Schwelle deS Hauses umkehrend. irrte er durch die Straßen, um schließlich doch wieder in ihren Lichtkreis einzuziehen׳, mühsam die Blicke von ihr abwendend und die ganze Seele in ernste Gespräche mit dem Pater versenkend, fühlte er doch, wie Blick und Seele an magischen Banden zu ihr zurückflogen. Oft drängte es ihm, sein ganzes Herz der einzigen Freundin Mine anzuvertrau- 11״, aber gerade ihr gegenüber schloß er sein GeheimniS nur noch fester an sich. So quälten und folterten sich drei edle Seelen, die dasselbe fühlten, dasselbe wollten, und suchten vergeblich nach dem erlösenden Wort! Wird es kein guter Genius auf ihre Lippen legen? O, doch! Es war ein Spätsoinmertag, Sommerfäden flogen durch die Luft, die Tage wurden merklich Von den in Galizien überhaupt geleisteten Steuern und öffentlichen Abgaben wird fast die Hälfte (über ׳'/״10־) von der Stadtbeoölkerung geleistet: in den Städten Galizien bildet die Judenschaft circa -10״/״. Also schon aus dieser Zusammensetzung geht hervor, daß die Juden zumindest 20—25°/0 der überhaupt gezahlten Steuern leisten. Wenn noch weiter in Erwägung gezogen wird, daß in den Städten die Juden die eigentliche steuerzahlende Bevölkerung bilden, denn die nichtjüdische Bevölkerung besteht meistens aus Arbeitern und nur zum Teile aus Beanlten und Handwerkern, also das zweitgrößte Perzent an Steuern auf den jüdischen Kaufmannsstand und freien Beruf (Aerzte, Advokaten, Ingenieure usw.), entfällt, so werden wir sicher nicht fehlgehen, wenn wir behaupten, daß von den in den Städten überhaupt geleisteten Steuern und Abgaben die Juden zumindest 75 Perzent leisten, also von den Juden als Steuerzatilern zumindest :55"/״ aller im Lande geleisteter Steuern eingezogen wird. Ich will in diesem Zusammenhänge die Tatsache übergehen, daß von den Juden überhaupt die größtmöglichste Steuer erpreßt wird und das insbesondere wegen ihrer politische» Gesinnung und - last not least — wegen der oft sudenfeindlichen Gesi nnung der Beamtenschaft. Wenn auch zugegeben werden muß, daß der Stadtbevölkeump die ihr eigentlich zukommende Mandaranzahl nicht zugestanden wurde (im ganzen etwa 57 Mandate), so sollte man doch zumindest den Juden ihrer Steuerkraft gemäß :51׳ Mandate sichern. Wenn man die Zahl ver Bevölkerung als Grundlage der Vertretung behandelt, so gebührt den Inden zumindest 11°/״, also 2:5 Mandate zum Landtag. Ich wiederhole jedoch, daß bei der neuen Wahlordnung durchaus nicht die nukürzer. Mine hatte ihr Theaterbillet, es war die einzige Zerstreuung, die sie sich gönnte. Sie wollte eben de» Weg zum- Schauspielhause einichlagen, als ihr Henoch begegnete. Sie las die Aufregung seines Gemütes aus seinen Blicken. ״Ich wollte zu Ihnen, teure Freundin." ״Kehren wir um", sagte sie, ״die Zeiten sind vorüber, wo mich das Theater fesselte: ich besuche es nur aus Gewohnheit. Kehren wir um und plaudern wir lieber!" ״Nein!" erwiderte Henoch, heftig mit sich kämpfend, ״träumen wir uns lieber in jene Zeiten zurück! Erlauben Sie mir, daß ich Sie begleite, wie ehedem!" Sie gingen schweigend über den großen Platz, auf dem er ihr einst die Sternbilder erklärt, aber unvermerkt lenkte sie vom Schauspiel- Hause ab und bog in die schon einsame Straße ein, deren Häuser auf einer Seite der ״Au" zugewandt sind, während auf der anderen Seite schattige Gebüsche mit traulichen Wegen die Vermittlung zu jenem herrlichen Garten bilden. Es war einsam und still, nur die Vögel zwitscherten drunten im Gehölze ihr Abendlich. Mine ergriff seine Hand. ״Sie sprachen von ehedem", sagte sie. ״Ta- »!als vertrauten Sie mir all' Ihre Gedanken: warum sind Sie jetzt verschlossener gegen Ihre Freundin? Hat Ihr Glück Sie so geizig gemacht?

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