Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1914-01-29 · Heft 5 (29.1.1914) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 5 (29.1.1914)
Date
1914-01-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2621806-2621897-2621902--2629-2623744
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 10.. »,Jüdische Bolksstimme." sickernd, sonder;).mit chcm gleichen Feuer, wie er begonnen obwohj'zwiscktz'u Beginn und Schluß der NedeMMuHlen lagen. Bei seinem heutigen Bortrage.har Sölolowsein Talent das Publikum 311 fesseliiViMMe^'gHiKnd bewiesen: Schon in dem Tone"'sei-ner ,Worte hat er. ein ׳kategorisches Etwas, ungesäbr so; ich:verbiete Ihnen die Langweile! Sie׳ haben die strengste Pflicht mir mii 'Aufmerksamkeit׳zu folgen! Berstanden^- Tie eindringliche, plastische Art des Bortragcns ist bei den Beden Svkolows übrigens eine notwendige Folge ihres Inhaltes. Wo kein überslüssiges Beiwerk ist,' wo jeder Gedanke, jede Wendung,--jedes'- Bild ein vielsagendes, uncntbehrlichcs Glied in der ganzen Gedankenkette darstellt, da darf eben der Zuhörer keine Silbe verloren gehen.'Wenn Sdkblow auch die stärksten, gesühIvoUstcn'Töne änschlägt, merkt man hinter ibuen den kritisierenden Verstand, der sie reguliert und' bewacht; bas rüst im Hörer, der die Kreditfähigkeit eines Redners nach dessen Nüchlernbeit und die Ausrichtiakeir des Redners nach dessen Pathos bei»ihr,- ein angenehmes Vertrauen nach. Sokolow erntete auch ungeheueren Beifall. Nachum Sokolow ist vielleicht die am allertiefsten angelegte Persönlichkeit, vielleicht die Individualität, die mit der größten.instinktiven .grast alle die dunkelsten Wege des jüdischen Gesübls zu erhellen weis;. ,Erlist n.icht nur glänzender Journalist! lind pikanter ^tilkünstler und Gelehrter', der eine überaus reiche Skala von Töneu beherrscht, sondern er ist ein Prophet des neuen Iudentmns, welcher aps . vollen Händen Erkenntnis und Anregung spendet und mit jedem Wort ein Fenster in die bisher dunklen ,\U1111־ mern der jüdischen Seele öffnet. Er ist ein Manu aus den das Judentum viel setzt, von dem es viel erhofft und von dem es schon sehr viel erhalten hat. Israel Hammer. K r a k a u, 25. Jänner 1911. ihrer Ausnahme in den Zentralvcrband — hat. die letzteKrise selbst Ordnung gemacht zwischen! den Genossenschaften. Ferner wäre die Aufgabe! der Organisation, ein jüdisches Organ zu schassen1 um das Volk über deren Ziele und Zwecke zu informieren, wodurch das Vertrauen der jüd. Bevölkeruug in die Genossenschaften sich stärken und ihre Spareinlagen erheblich anwachsen würden. Es ist selbstverständlich, das; eine solche Organisation zur Linderung der Notlage und Hebung des jüdisch-galizischcn Handels beitragen wird. Wir können nur diese belangreichen Anrcgungen unterstützen und Den Wunsch beifügen, dag dieses Projelt bestmöglichst in Verwirkstch mg gehen möge. Das Projekt eines Genossenschaftsverbandes in Galizien. Im ״Lembcrgcr Tagblatt" wurde in letzter Zeit eine lsteibe von Artikeln über den Plan der Gründung" eines, zentralen Genossenschatfsverbandes in. Galizien verösscutlicht. Der Urheber tiefes Projektes schildert das Mißtrauen, welches die Juden zu den jüdischeil Kreditgenossenschaften in Galizien haben, indem sie immer der Refrain der Judenfeinde wiederholen, daß alles was jüdisch nicht gut sei, sondern üllcs fremde das Beste in sich enthalte. Daraus entstand eine Geringschätzuug und Herabsetzung der jüdischen Kredit- Institute, so daß fast׳'der größte Teil jüdischer Spargelder in fremden Banken angelegt ist. In. der galizisch-antisemitischeu Presse werden aus! unsere Genossenschaften die größten Anschwär- * Zungen und Verleumdungeil geworfen, weil diese! in denselben eincMacht, eine wirtschaftliche Or-1 ganisation erblickt, die den Juden von irgend! welchem Vorteil sein könnte. Das Gegenteil dieser! Verleumdungen bietet die Tatsache, daß in den letzten schweren Kriicnj obren die jüdischen Ge-! nossenschastcn allen Anforderungen dank der. aufopferungsvollen Tätigkeit der Direktoren und! ihrer Umsicht standgehaltcn haben. Dies ist bis unlängst von der jüdischen Ocffentlichkeit nickst! gewürdigt und entsprechend verwertet worden.' Erst in letzter Zeit begann cs sich in der jüdischen! Welt zu regen indem man sich für die jüdischen! Institute zu interessieren anfängt.. Als die ein- ' zige Hilfe projektiert der Verfasser ״Kasperast-: ons" die Gründung einer starken Zcutralbant und einer festen Organisation. Mit eigenen Mit-; 11111־ und Kräften sollen sie diese ins Leben rufen ' und an die Spitze solche Leiter stellen, welche frei j von Egoismus und Parteilichkeit nur ihr Wohl anstreben und ihnen tatkräftigste Unterstützung angedeihcn lassen" würden. Die zu schassende Zentralbank würde gewiß ein großes Ansehen i.enicßcu und könnte, auf diese Weise sich solche' Kreditguellcn verschaffen, welche einzelnen flei־ ne reu Institutionen unmöglich sind. Außerdem ' würden der Organisation nur gesunde und krästigc Genossenschaften augchörcn, weil — abgesehen von der gründlichen Revision, welche in jeder Genossenschaft gemacht werden müßte, vor In der Lesehalle. (Ein Krakauer Bild.) Stille, feierliche Stimmung. Draußen heult der Wind und schleudert Schneeflocken hin und her. In der Halle ist es warm. Das Gaslicht ömr aus den Ampeln mit einem Surren und leichten Kreischen. Die Leser sind in die verschicdenen Zeitungen vertieft. Der große Weltmcchanismns, dieser ungeheuere, geräuschvolle, in starken Krümmungen und blitzschnellen Notationen funktionierende Apparat des modernen Lebens ist in tote Lettern gegocn, sozusagen aus dem Realismus in die Gedaukenwelt übergangen. Nachdem der Weltapparat täglich seine Arbeit verrichtet, stenographiert er sie in die verschiedenen Reaktionen hinein und dieses stenographische Prookoll liegt eben vor uns in allen Sprachen menschlicher Zunge. Unsere Phantasie muß sich erst diese alle Geschehnisse, die großen, wie die kleinen ins geistige Leben und in die Sphäre unserer Vorstellung wachrufcn. Beim Lesen einer kombinierten Mordtat, regt diese unsere sinnliche Teilnahme, unser Mitgefühl, wenn diese eine körperliche und sie regt unsere Bewunderung oder Verwunderung höchstens unser Bedauern, wenn sie politischer Natur ist. Das Auf- und Absteigen, das Triumphieren, oder das Verschwinden, cs findet seine Febczw. Grabschrift in den Annalen der Zeitungen. Jeder, der für eine längcre oder kürzere Zeit aus der Mittelmäßigkeit des Alltagsleben cmporragt, findet die Würdigung seiner Ideen und Absichten in diesen Spalten. Eine Panorama gewaltiger Dimensionen entsteht vor unserem Geiste, wenn wir die Zeiiung in die Hand nehmen. Sie ist das Produkt des menschlichen Aufwandes an Energie und Tatkraft, wie er an jedem Tage in Erscheinung tritt und die Näder des Weltmechanismus in Notation bringt. Einer der ständigen Besucher der Lesehalle ist ein Geschöpf von sehr blutarmen Aussehen und armer Bekleidung. Er greift an jedem Abend bei Eröffnung der Halle nach einem Blatte und legt es vor sich hin. Ter Beobachter bemerkt sofort, das; dieser ״Leser" in das Blatt nicht schaut, vielmehr, daß dessen Inhalt ihn wenig animiert. Wie um den Leser zu spielen, schaut er von Zeit zu Zeit aus die Zeitung. In seinem Gehirn rotiercn jedoch Gedanken anderer Art. Er spürt eine Leere im Magen, eine Kälte im Blut, die er nur nachempfindct, weil er von zu Hause kommt, von dem Herde seiner Plagen und Oualcn. Es graut ihn bei dem Gedanken au die Notwendigkeit seiner immer nähcrrückendcn Heimkehr. Der nächtliche Aufenthalt in dieser Halle bildet den einzigen Lichtpunkt seines Tages. Ringsherum sinster.... Aussichtslosigkeit.... jeder Morgen ein Grauen, ein neues und schrecklicheres Entkehren und neue Oualcn .... Wenn die Schatten sich zu mehren beginnen und der Tag ins Meer er Ewigkeit hinunterrollt, denkt er bereits an die Lesehalle. Tort ist er seinem Elend entrückt, dort entscheidet er Wärme und Licht. Dort hört er nicht das herzbrechende Verlangen seiner zahleichen Kinder nach Brot und Erfrischung. Es scheint, als ob er seine unmenschlichen Leiden, dem vor ihm liegenden Blatte anvertraucn, als ob er diesen Kulturträger zu seinem Leidensvertrauten machen wollte ... Man fragt ihn. ob er das Blatt noch bcnötigc, und er verlangt nur ein anderes, um jenes gleich hcrzugebcn. Der Inhalt ist ihm egal, nur die schwarzen Druckzeichen sprechen zu ihm über eine andere Welt, über eine Welt, wo Wonne und Freude am Leben herrscht und der Morgen neue Hoffnungen, neue Wünsche erfüllt.... Man hört Nr. 5. ein Jammergeschrei.... Viele Leser springen auf. Im Vorzimmer verzweifelte Rufe eines Frauenzimmers. Es ist die Frau unseres nichtlesenden Lesers. Der Mann darin erkennt ihre- Stimme nicht. Er ist in die Zeitung vertieft! Auf Befragen nach ihrem Verlangen antwortet sie in abgerissenen Worten, sic suche den Mann, soeben hätte man sie aus der Wohnung geräumt. Sie hätte den Mietzins nicht bezahlt... Er sitzt versteinert ynd gedankenleer und die Gemütsusbrüche seiner Frau haben ihn unbewußt in eine Art Bcwußtlosigkcitszustand verseht. Sie tritt herein. Als er ihrem Blicke begegnete, erstarrte in ihr der Rest seiner Lebcnswärme und mit einem lautlosen Seufzer fiel er ohnmächtig zu Boden. Bernhard Horowitz. Berichte. Krakau. Samstag, den 17. Jänner 191-1 vcranstaltete die Gruppe des Skautings des hies. jüdischen Turnvereines einen Abend, welcher einen animierten Verlauf nahm. Tie Festrede hielt daselbst Tr. Max Leser. Besonderes Interesse erregte das Gespräch dreier Frls. (Stautingsgespräch im Walde) und die gymnastischen Uebungen einer jungen Skautingsschar mit hebräischen Kommando unter Leitung des Herrn Kahane. Sonntag, den 18. Jänner fand im Saale des Vereines ״Przedswit-Haschachar" ein von der ״Jehuda" veranstalteter Abend zu Ehren der Palästinensischcn Schomrim (Wächter) statt. Nach einer kurzen gelungenen Begrüßung des Herrn Holpern und der Musikproduktion des Frls. Finker wicdergab in jüdischer Sprache ״Das letzte Wort" von Bialik, Herr Joelon. Sodann spielte mit vollendeter Meisterschaft Herr Schüßler seine Violin-Piec. Tie Festrede hielt Hr. Dr. Ignatz Schwarzbart, welcher in prägnanter und erschöpfcnder Weise in einem schön klingenden Polnisch die Bedeutung der Schomrim in Palästina für die jüdische Zukunft klarlegte. Stürmischer Applaus folgte seinen trefflichen Ausführungen. Die zahlreich Versammelten entzückte mit seiner Herrlichen Tenorstimme der Sänger Herr Bogomolny. Auch der kleine Lazar rezitierte schön und mit Verständnis manche Gedichte von Bialik. Das Publikum verlebte an diesem Abend einige überaus angenehme Stunden Krakau. Samstag, den 24. d. wurde hier im Saale des ״Tcatr Nowosci" Dr. Theodor Herzls ׳gödie: ״Das neue Ghetto" mit glänzendem Erfolge ausgeführt. Die meisten Darsteller wurden ihrer Aufgabe in entsprechender Weise geinsbesondere Herr Lieber (Wasserstein) verlieh durch sein natürliches und ausgezeichnetes Spiel dem Stück Glanz und Leben. Auch die Rollen des Nheinberg, Tr. Friedheimcr und Baron Schramm boten gute Leistungen. Das zahlreich erschienene Publikum spenvete reichlichen Beifall. Krakau. Sonntag, den 20. hat der Vortrag -on Nachum Sokolow im Saale des Vereines ״Przedswit Haschachar" bei einer ungeheueren Beteiligung des Publikums stattgefunden. Einen Auszug dieses glänzenden Vortrages bringen wir dieser Nummer. —- Montag, Sen 26. fand im Cafe ״City" zu Ehren Tokolows ein Bankett statt, veranstaltet von der Isis, jüdisch-akademi. chcn Jugend. Unter anderen sprachen: Maler Hermann Struck, der zufällig in Krakau weilte Arthur Markowitsch. Es toastierten: Dr. Hilfein, Tr. Zimmermann, Dr. Feldblum, Nachum Sokolow, Hermann Struck, Tr. Leser, Lichtig. Redakteur Lazar und Walkowski. Die P. T. Empfänger uuserer Zcituug, dir mit der Bezahlung des AbounciiientsbetrageS im Rückstände sind, werden um gesl. unigkhendr Bezahlung ersucht, da wir in anderem Falle die Rückstände mittels Postauftragcs behebe» müsst ten. Die Admin. BESQBBBBBBBBBBBBBEt Meisls Gastu. Kaffeewirtschaft JßülSitlES Hais" - Sehenswürdigkeit Brünns. - HBflflflflflflflflflBBBflfl

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.