Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1914-01-29 · Heft 5 (29.1.1914) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 5 (29.1.1914)
Date
1914-01-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2621806-2621897-2621902--2624-2623739
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Nr. 5. ״Jüdische Bilksstimme" Seite 5. Herren an den zehn Fingern abzählen kann. Die breite jüdische Bürgermaffe, in der doch so viele latente Zionskräfte sind, steht der Partei ganz fern gegenüber. Der Zionismus ist ihr derart unbekannt, daß sie unmöglich zu ihm Stellung nehmen kann. Vor dem Kongreffe hat der Wiener Zentralvercin einige Palästinalichtbilder-Vor-! trüge veranstaltet und unsere Juden haben gewiß' mit großem Wohlbehagen das neue Palästina bctrachtet und aus Freude darüber die braven Ko-! lonisten und fleißigen Gyninasiasten den hinge-! reichten Schekel abgekauft. Der Erfolg dieser so- * genannten Propaganda war das Zustandekommen der Westösterreichischen Landsmannschaft. Das Organ der Partei, die ״Jüdische Zeitung" ist ein Blatt des Kampfes und des Krieges. Es bekämpft jeden der nicht den westösterreichischen Taufschein besitzt Es kämpft gegen Antizionisten, Jmpartiale und Zionisten zugleich. Kurz gegen jedem, der nicht mit beiden Füßen fest auf dem Boden des Wiener Programmes steht. Es hat nur eine Aufgabe — die Schlechtigkeit der andern zu beweisen. So schrumpft täglich der Zionismus mehr und mehr zusammen. Die guten Kräfte, ziehen sich entsetzt zurück. Neuen ist der Zutritt durch eine unerhörte Unduldsamkeit versperrt und was heute noch da ist-- — davor schließe ich gewaltsam die Augen zu, denn es könnte mich noch bald zu einem Antizionisten machen. Ejcha hajtha lesona kirjath neemanah. Aron Schwertfinger. Wien. Der ״Misrachi" veranstaltet am Mittwoch, den -l. Februar in Löbls Saallokalitäten, 6. Bez., Königsegg. 7, (Ecke Kaserneng.t einen Diskussionsabend. Beginn 8 Uhr. Gäste ivillkommen. Dr. Rudolf Ratbollckx ®ew. EtWer der l.cdlr-.7ld»«Nuag der Ea8dnltr4nktttan$ta!! vodar: 6cke 7erdlBanas1?a$se und nobannfjgasje nt«« ordiniert tZgiici» von r dir 4UJ>r nacbm. ■־-'•'•.י‘ -«»«preeber m 603. Wiener JUacftricfitcn. ־״£3 Newyorker und Wiener Schächter. - In Newyork herrscht in jüdischen Kreisen! große Aufregung. Durch einen Zufall, kam das Nabbinat darauf, das; Fleischhauer von nicht- | jüdischen Gehilfen Geflügel und Kleinviehs schlachten ließen, obwohl den Fleischern Schächter zur Verfügung stehen. In Wien wieder, wurde das Unikum von einer Schächterfabrik entdeckt, die Kabala- und Neligions-Lehrzeugniffe um sage und schreibe K 10 fabrizieren. Die Zeugnisse sollen von ein oder zwei Vereinsrabbiner jedem singsang Kündigen erteilt werden.' Die .Kandidaten werden dann den Gemeinden als Kantor, Neligionslchrer und Schächter wärmstens empfohlen: Die so Empfohlenen Kandida-. teil können alles, nur keinen Religions-Unterricht erteilen. Selbstverständlich ist auch keiner der geschlachteten Ochsen der Gefahr ausgesetzt, trcfa zu werden. Das Blendemittel für die Her-! reu jüd. Vorsteher ist einzig und allein singsang. Alles andere ist nur dazu da, nin den österrei-! chischen Musterstatut Genügazu leisten. Nachdem; die so verarbeiteten Kandidaten nicht genug schriftkundig sind, befaßt sich ein Stammgast des Kaffee Di.... mit dem Schreiben der Offerte. Natürlich gegen Entgelt. — Ein Protektionsinacher zttr Anbringung dieser Herren soll jährlich aus diese originelle Weise Hunderte von Kronen verdienen. Wer vermag diese Wunde am . kranken Leibe Israels zu heilen? 1 Prager Brief. Sehr geehrter Herr Diedakteur! Mittwoch, den 21. Jänner, ging man zum Festabend des Vereines jüdischer Hochschüler ״Bar Kochba". Ich sage: ״mau" ging. Denn alle, die irgendwie in Beziehung z-׳!n jüdischen Leben! zu stehen vermeinen, waren anwesend. Und da! deren Zahl nunmehr glücklicherweise eine rechts beträchtliche ist, gab es einen übervollen Saal.ן Die hochgespannten Erwartungen der Publikums wurden allerdings nicht m dem Maße erfüllt, als es die Namen Salten und Schildkraut zu verbürgen schienen. Ter Abenid war der jüdischen Moderne gewidmet. Felix Salten sprach ein Feu-! lleton: er hatte aber einen Vortrag halten sollen.! Er ließ nicht verkennen, daß er viel Routine besitze und dem anspruchsloseren Teil der Besucher' recht naheliegenden Witz entgegenzukommen verstehe. Was er sagte, war nicht für die Unsterblichfeit gesagt. — Rudolf Schildkraut, gewiß der berusene Interpret moderner jüdischer Dichtung, las mit höchster Künstlerschaft, die zu analysieren ich mich nicht erkühne, Verse von Brod, die Diote- Jtzig-Szene aus dem ״Graf von Charolais" von Beer-Hofmann, die 'Novelle ״Der kranke Knabe" von Perez, das ״Lied vom Eheder" von Frug. Auch ein Stück aus dem ״Judenstaat". Daß die Vorlesung zum Erlebnis wurde, nleint der Nefereut der ״Bohemia" in seiner Besprechung: das Wort ist diesmal fürwahr nicht mißbraucht. Am ׳nächsten Abend sprach das Mitglied des AktioNs-Komites, Herr Tr. Adolf Friedemann (Wiesbaden), im Nahmen des vom Volksverein ״Zion" veranstalteten Vortragszyklus über ״Die Zukunft des Zionismus". Er hat den Diuf eines prononcierten politischen Zionisten: Grund genug für viele der hiesigen Zionisten, die Veranstaltuug zu ״schneiden". Indessen erwies es sich, daß wenigstens für Dr. Friedemann die Synthese zwischen den! sogenannten ״politischen" und ״praktischen" Zionismus vollzogen sei. Es war ein tüchtiger Vortrag. Wenn auch die zeugende Glut der Begeisterung nicht da war, wie sie etwa 2cfjc11taria Lewin so meisterhaft zu entfachen weiß, so ging doch von seiner geklärten Ueberzeugnng ein milder, wärmender Strahl aus, der erquiekte. Als eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Zukunst bezeichnete er sehr mit Recht neben der tatkräftigsten Förderung des E. A. C. iin Schulkampf die großzügige Ausgestaltung der Banken, rnsbesmrders der P. L. D. C. Denn bei den ungeklärten politischen Verhältnissen, die iinluerhin das Eingreifen einer europäischen Macht hinsichtlich Syriens und Palästinas möglich erscheinen lassen, werde es sich in den nächsten zehn Jahren entscheiden, ob wir auch quantitativ einen Machtfaktor im Lande darstellen würden. A>n Sonntag, den 25>. wurde in der Prager Vorstadt Lieben eine Sektion des Volksvereines begründet: dem Vernehmen nach sollen auch in anderen Vorstädten Gruppen gebildet werden. Grz. Klavier-Etabli88ement Carl Buchta Brünn Großer Platz Nr.: 20 Größtes und r■ ichhalügstes Lager von Klavieren, Pianlnes und Harmoniums des In- und Auslandes sowohl zum Verkaufe als auch leihweise zu den kulantesten BedUgnngen. Beeideter Sachverständiger. Krünner Jlruftrttfticn Aus der Brünner Kultusgemeinde. Sonntag, den 25. d., fand eine Sitzung des Vorstandes der Brünner Kultusgemeinde statt. Nach Begrüßung der Anwesenden dttrch oen Präsidenten' Herrn Leop. Bauer, verlas der Schriftführer Sekretär- Adjunkt Dr. Maß, das Protokoll der letzten Sitzung. Aus demselben ist zu entnehmen, daß Herr Gustav Tandler sich bereit erklärte, der Gemeiude eine große neue Orgel zu spenden, wenn die entsprechenden Vorarbeiten von der Geineinde in Angriff genommen werden. Der Schriftführer ließ bei Abfassung des Protokolles seiner Phantasie freien Lauf, indem er zu Protokoll brachte, die anwesenden Vorsrandsmitglieder hätten zum Zeichen der Anerkennung und des Tankes, sich von ihren Sitzen erhoben. Wir haben der Sitzung beigewohnt und erklären, diese zu Protokoll genommene Behauptung für unrichtig. Es wundert uns. daß bei Verifizierung des Protokolles die Herren Vorstandsmitglieder diese Unrichtigkeit nicht beanständeten. Bei diesem Punkte ist die Bemerkung wohl am Platze, daß die Kultnsgemeinde ganz andere Sorgen hat, als sich um die dumme Frage der Orgel zu kümntern. Wer wird die enormen Spesen der Unterbringung des Umbaues usw. tragen? Vielleicht die Kultusgemeinde? Besonderes Interesse dürfte die sogenannte Friedhoffrage der jüdischen Bevölkerung abringen? Nach den Angaben des Präsidenten der Ebewra Kadischa. des Herrn Sigmund Schwarz, bietet der jetzige Friedhof für ca. 15 Jahre Belegraum. Der Vorstand ist also gezwungen, Grund u. Boden zu erwerben. Seit 2 Jahren beschäftigt sich die Ehewra und die Finanzsektion.mit dieser Frage. Während dieser Zeit hat Herr Dr. Koze ltiha den ganzen in Frage kommenden Komplex angekauft und verlangt heute für den Onadrat klafter 18 K. Vor Jahren hätte man den O.nadratklafter, nicht übertrieben, um 2, :'>—l K erwerben können. Dr. Kozeluha dürfte auch kaum mehr, als 5—0 K gezahlt haben. Unsere Herren im Vorstände haben genau io, wie seinerzeit!nit dem Ankauf des Gemeindehauses, gezögert und diese Saumseligkeit rächt sich gar gewaltig. Trotzdem die Heren nicht wußten, wie und ob die Er- Weiterung des Friedhofes durchgeführt werden wird, wurden in den lebten Jahren ca. 100.000 bis 120.000 K in den Friedhof investiert. Das Vorstandsmitglied Herr Adolf Herdan gab seiner Meinung Ausdruck, daß diese Frage nur im Ein Verständnisse mit dem verstärkten Vorstande ge löst werden darf. Wir schließen uns dieser Auschnuung vollinhaltlich an. Bei dieser Gelegen-!!eit glauben wir doch wiederum daran erinnern zu niüssen, daß die ganze Institution der Ehewra Kadischa einer Reorganisation bedarf. Die Eheiv ra Kadischa unserer K'ultiisgemeiiide, ist ein Staat iin Staate. Auf der einen Seite, wird immer hervorgehoben, die Ehewra Kadischa sei als Sektion d-r Kultnsgemeinde zu betrachten, auf der anderen Seite wird ins Treffen geführt, die Ehewra Kadischa ist in jeder Beziehung auto nom und unabhängig. - Im heurigen Jalire werden Kultusgemeinde-Wahlen stattfiiiden. und wird es Aufgabe der Bevölkerung sein, ernstlich zu allen Fragen in unserer Gemeinde Stellung zu nehmen. Ein Interesse der Bevölkerung au den Institutionen unserer Gemeinde ist am Platze. Separatknrs zur Erlernung des hebr. Betens. Ter Verein ״Machsike Hadaß", Brünn. Adlergasse 12, beabsichtigt ab 15. Februar einen Separatknrs für Schüler und Schülerinnen zur Erlernung des hebräisch Beteus innerhalb eines Zeitraumes von 2- Monaten zu eröffnen. Ter Monatsbeitrag beträgt K :! und wollen Interessenteir ihre diesbezügliche Anmeldung schriftlich der Vereinsleitung zugehen lassen. S Mährische Agrar- , und Industrie-Bank in Brünn " Filialen: Prag, Kremsier, Mährisch Ostrau,Troppau, Trebitsch, Deutsch-Brod, Chrudim, Holleschau Aktienkapital K 12,000.000 Einlagen über K 27,000.000 Verzinst die Einlagsbüchet mit 43/v— 57« laufende und Einlagerechnungen —Hrr nach Vereinbarung. - Kohle, Düngermittel und iandwirtsche Samen. Zuckerabteilung. Waren - Abteiung Realitätenabteilung -S

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.