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Jüdische Volksstimme · 1914-01-15 · Heft 3 (15.1.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 3 (15.1.1914)
Date
1914-01-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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- 5^ShT•7■*?.־*?}*; מומי־*•t: Erscheint jeden Donnerstag. Mienen XV;3. Jahrg. Nummer 3 Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 6 20 ganzjährig.Kronen 12 — Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Ruhland, ganzjährig . ..Rubel 6 — Ballan, Frankreich.Franks 14 — Herausgeber: Max Hickl. Telephon 3000/VIII- Sprechstunden von 10—12 Uhr! Geschäftsstelle, Wien:!., Rotenturmstrabc Nr. 31. j Poslsparkassakonto Nr. 312.842־. Redaktion und Adnrriiitration: Brünn. Ldlergasse S. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. X—-A Brünn—Budapest. Wien, -» Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Gustav Kohn: ״Zur politischen Lasse". — S. H. Mosenthal: ״Raafs Mine". — Jugendtag der ״Agudas Jisroel". — Rundschau. — Korrespondenzen. — Inserate. Wir bitten um sofortige Bezahlung Abonnements-Betrages Zur Politischen Lage. G u st a v Koh n. A n s a 11 cs Jänner 1914. Leit 15 Jahren etwa machen wir jiidischnationate Politik. Zuerst ini ״Jüdischen Volksverein". Als noch bei Lebzeiten Theodor Herzls und dann nach seinem Tode dieser Verein, wenn auch nicht restlos, in die zionistische Bewegung eintrat, wurde die jüdisch-nationale Politik ein integrierender Bestandteil unserer Bewegung oder sollte es zumindest sein. Sie ist es nicht geworden. Schon erschien in der ״Welt" vor etwa f> Wochen eine Artikelserie von Tr. Taniel Pasinanik. die sich mit der politischen Tätigkeit beschästigte, 11x3111 auch Tr. Pasmanik zu Konklusionen gelangte, die ich nicht ziehen kann. Im ״Haoloni", dein hebräisriien Zenkralorgan der russischen Zionisten erscheint bereits der dritte Artikel, der sich nauieutlich mit der Politik der Zionisten in Österreich beschäftigt. Bei uns selbst ist aber über ״allen Wipfeln Ruh". Mau kann ein palästinophiler Parteimann sein, ohne die politische Sonderarbcit als eine zu vernachlässi-' gende Kleinigkeit anzusehen. Ja man mnp, sogar ' als pflichtbewusster Zionist solche Arbeit verlangen und erfüllen, wenn man den Intentionen des. E. R. (i. nicht znwiderhandelt. In seinem aussührlichen Bericht an den 11. Zionistenkongreß in Wien heißt es aus-! drücklich: ״Es muß jedoch prinzipiell betont werden, daß die zionistische Organisation an den 1 jüdischen Tagesfragen nicht vorübergehen kann, wenn sie nicht den Zusammenhang mit dem jüd. * Leben der Gegewart verlieren will...! In dieser Sachlage ist es ganz natürlich, daß die Zionisten sich auch heute schon des jüdischen Volkes überall annchmen und in allen Ländern für eine Verbesserung ihrer Existenzbedingnngen wirken. In Nationalitätenstaaten, in denen die Juden einen erheblichen Teil der Bevölkerung bilden. werden sie naturgemäß zu einer politischen Betätigung geführt werden." Um die Gründe der Stagnation einer jüdisch-nationalen Politik in Oesterreich zu verstehen, müssen wir ein wenig in die Vergangenheit blicken: Ter im Jahre l!">'> in Prag tagende zio nistische Parteitag Oesterreichs schritt an die Streichung des H 2 unseres Organisatio 11 sstatnts Ter 8 besagte: daß ein Zionist sremdnationalen Vereinen nicht angehören dürfe. Ist das nicht selbstverständlich? Muß solcher Sah vollends erst in das Programm einer völkischen Bewegung ausgenommen werden. Wenn man das aber irbon als notwendig erkannte, wie konnte ein Pr ei tag einer nationalen Bewegung solchen > er Sahungen streichen? Tie Frage könnte ansgeworfen werden: warum ich längst vergangene Tatsachen anführe? Aus dem einfachen Grunde, weil nur gerade diese Parteiberatnng von gnßu Bedeutung erscheint. Von jenem Momente datirl die Verworrenheit und Unklarheit in den politischeu Fragen der Juden in Oesterreich. Wol wurde der betreffende 8 ivieder eingeführt, 1001 änderten viele Gg., welche für die Streichung waren, ihn.־ Meinungen so sehr, daß iie aktiv an der politischen Arbeit sich beteiligten 11. sogar Ab- Feuilleton. Raafs Mine. Von S. H. M o s e 111 h a I. (Fortsetzung.) Wir unterschätzen, was uns eigen ist, so lange wir das Fremde nicht kennen. In dem verschlossenen wähnen wir den Schlüssel des großen Weltcnrätsels versteckt, aber je tiefer wir eindriiigcn, desto weiter entrückt uns das Ziel: die kühnsten Sturmschritte der modernen Philosophie, die geistreichsten Hypothesen der Wissenschuft führen zuletzt zu einem Punkte, wo das Wissen endet und der Glaube beginnt. Ter menschliche Geist, weil er menschlich begrenzt ist, faßt eben nur das Begrenzte. Er schält den goldenen Kern des Göttlichen immer wieder aus seiner verwitterten Schale hervor, aber so oft dieser auch der Menschlscit als Gemeingut überliefert wird, immer setzt sich die Schale dichter und dichter wieder um denselben, und die Religionen werden zu Kirchen. Man braucht nur durch gründliche Studien diese verschiedenen Schalen zu durchdringen, um schließlich denselden goldenen Kern zu finden, der, wie in dem ־Allerheiligsten des zweiten Tempels, das 1111־ sichtbare, das Unfaßbare ist, vor dem der kreist sich gläubig beugen muß, ob es nun die erste sich fortzeugende Zelle oder die Reiche der Erde und die Systeme des Weltalls erschuf und ihre ewigen Regeln festsetzte. Weshalb sollte ich die Schale verleugnen, die durch ihren Rost selbst mir ehrwürdiger erscheint als alle anderen? Wer ans dcm Wege des Wissens znm <111111!־x11 gelangt, wird nicht nur gläubiger als der Be schränkte, er wird auch duldsamer sein. Er ivird die Form nicht zu zerstören, nur zu beseele» trachten, und ich habe die Zuversicht, daß mir dies in jeder Gemeinde, auch in der unsrigen gelingen wird. Ich werde fortgeschrittene Geister finden, die mich verstehen, und Zeit und inilde Rücksicht werden allmählich die klebrigen atich zu geläuterter Erkenntnis, zu edleren For men Hinüberführen! ״Ich habe in Hanau meine erste Probepre digt gehalten: sie gefiel der Gemeinde, obwohl sie mir selbst noch unklar lind schülerhaft erschien. Auf dem Wege vom Herzen zu den Lipgen ging mir vieles verloren, was ich zu sammein und festzuhalten noch nicht verstand. Aber ich habe noch ein ganzes Jahr vor mir zu gründlichen Studien und Uebnnge», die mir so viel verschaffen, daß ich des Beistands meines Wohltäters nicht mehr bedarf. Erst will ich fertig sein mit mir selbst, dann sehen Sie mich hoffentlich als Kandidaten für ihre Gemeinde wieder! Jnssen freuen Sie sich des beglückenden Bewußtseins, einen Glücklichen geschaffen zu haben!" Mit Freudeutränen hatte Mine diese Worte gelesen und wieder gelesen. Tas ersehnte Wiedersehen war auf ein Jahr hinausgeschoben, aber sie drang mit keiner Zeile mehr in ihn. sie hielt es ja für einen Beschluß der Vorsehung, daß die Gemeinde aus den Erkorene:, 11x11 ki! müsse. Seit dem Tode des alten Raafs war in der Gemeinde ein mächtiger llmschwnng walir nelnubar geworden. Tie Pietät vor dem grei sei! Meister hone die Jüngeren zurückgetiallen: jet-l fülillen und äußerten ne in seltener Ein stimmigteil den Wunsch nach einer Vereinigung, nach einer Neugestaltung des zersplitterten Gottesdienstes. Jechestel Flesch belegte zwar je den, der von einem Tempelban sprach, mit den! Bannfluch, aber den ianpnichen Eiferer trat eine grausame Nemxiis. Sein einziger Solm ileß sich tansen. um die Tochter eines Pastors in Sladkhagen st! heiraten. Als der Fromme, der jedes Kind verflucht hatte, das ohne Kopf bedecknug über die Straße gelaufen war. den Abfall seines Einzigen vernalnu, siel zum ersten Maie das Wachskügelchen ans seinen rastlosen Fingern. Er wollte um den Verlorenen Schnve scheu tdie siebentägige Trauer!, aber er ianl neben der Holzpritsche weinend zu Boden. Wut und Schmerz hatten ihm das Herz gebrochen: mit einem Fluch über seinen Sohn ans den blei chen Lippen starb er. den Tod des Gerechten! 1־cun traten ungestört die jungen Führer der Gemeinde zusammen. Ein würdiges <01<־ teshaus sollte erbaut, ein erleuchteter Seelsorger berufen werden. In Joel Reinach fanden ne ihren Stützpunkt: von dem grünverhängten Stübchen gingen alle Strahlen des schönen Ge dankens ans. Ter gebrochene Greis, dem jev! von seinen Kindern nur noch das lerne, die schöne Berta, zur Seile stand, betrieb mit jn QR055ER dU5VERKdUf ist es noch nicht aber b's 30»/0 billiger wegen Übersiedlung verkaufe alle Raucher־, Galanterie־ und Lederwaren, Stöcke, Regenschirme, Feuerzeuge, elektrische Taschenlampen, Taschen־ und Rasiermesser etc. FRANZ KUDA, Brünn (Bahnhofplatz, Pavillon).

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