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Jüdische Volksstimme · 1914-01-08 · Heft 2 (8.1.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 2 (8.1.1914)
Date
1914-01-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XV|3. Jahrg. Nummer 2 Wiener Erscheint jeden Donnerstag. Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig ganzjährig. Deutschland, ganzjährig. Rustland, ganzjährig ...... Balkan. Frankreich. Kronen 6 20 I Kronen 12־— j Rubel 6 — f Franks 14־— | Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die öspaltige Petitzcile 30 h. j Buchhändlerischc Vertretung: Ott» Klemm, Leipzig.! Telephon 30VS/VII!. Sprechstunden von 10—12 Uhr! Geschäftsstelle, Wien: Notenturmstratze Nr. 31. j Pojlsparkassakonto Nr. 312.842. j Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht h» j riert. — Manuskripten ist Ruckporto beizusüge , Brünn-Budapest. Wien.?0.944ד*5&״ Prag—Lemberg. I Inhalt: %x. .-V Bergmann, Prag: Unser Kultur- I kampf.' H- Mosenthal: Naafs Minne. — J A. Davjd: Auljudentum und Zionismus. — , Kartellieru.wgcher Kadiniah mit dem K. Z. B. — I Rundschau. ^.Korr.׳cspondenzen. — Eingesendet. י — B. Mann: Der Rra-^ucr.Golus. — W. Men-! tes: DaS jüdische Erziel>׳ngsshstem in Galizien. — Brief aus Lemberg. — Konferenz der galizischen Zionisten. — Die polnischen Sozialdemo- I fr«ten Preußens gegen den Judcnboykott. -—-ו J Unser Kulturkampf. & r : Von Dr. H. Bergmann, P rag.) I Der entscheidende Schritt ist-,geschehen. Was 8 als Folge unserer Arbeit einmal eintreten mußte, f ist, für uns alle überraschend bald, zur Tatsache I* geworden: Palästina!hat sich vom Goluth emcuizipiert. Die Judenheit des heiligen Landes will nicht mehr als das Objekt gelten für das man ß das Geld sammelt, Institutionen sinrichtet, mehr! oder minder wohltätige Maßnahmen trifft; diese H Judenheit fühlt sich als Subjekt, das einen ei- E genen Willen hat und sich selb st seine Zukunft! bereiten, selbst sein Geschick bestimmen will. Die I Wohltäter sind aufs Trockene gesetzt. Sie wollten Geld geben und die Seele nehmen. Aber man dankt für ihr Geld. Palästina, das Millionen verschlungen hat, das wie ein Faß ohne Boden das Geld der Wohltäter in sich aufnahm und verschwinden ließ, Palästina weigert sich, vom Hilf»- Verein der deutschen Juden Geld zu nehmen. Ein a n d e r cs Palästina ist da; wir selbst wußten eS nicht, daß ein Traum vor unseren Augen zur Wirklichkeit ward. Ter entscheidende Schritt ist getan. Der Kamps hat begonnen. __ Was ist geschehen? Der Hilfsverein der deutchen Juden, der seit Jahren die Gründung eines hebräischen Technikums in Haifa propagirt hat, der zur Mitarbeit an diesem hebräischen Werke Männer wie Achad Haam. Lewin und Tschlenow eingeladen, der Lewin veranlaßt hat, für das hebräische Technikum in Amerika Geld zu sammeln, der Hilfsvereiu, der sich vom jüd. Nationalfond den Boden für ein hebräisches Technikum in Haifa in Pacht geben ließ, dieser selbe Hilfsverein erklärt kurz vor Eröffnung des Technikums: Mit dem Hebräischen ist cs nichts. Wir bewilligen nicht einmal für die Realschule hebräische Unterrichtssprache, geschweige denn für das Technikum. — Und man hätte die Stirne, sich auf praktisch-tpädagogische Gründe zu berufen, zu einer Zeit, wo eben die ersten Abiturienten des Jaffaer hebräischen Gymnasiums an der Berliner Universität inskribiert worden waren. Nun gibt es viele unter uns, die der zionislischeu Leitung Vorwürfe darüber machen, daß sie nicht vorsichtig genug waren, das; sie hätte wissen sollen, eine Mitarbeit mit Assimilanten sei in Palästina unmöglich. Die so sprachen, mögen formell (z. P. mit Rücksicht auf den Vertrag des Nationalsonds mit dem Technikum) im Rechte sein; sachlich sind sie im Unrechte. Denn wenn wir auch wüßten, daß wir inbezug aus unsere letzten Ziele mit keinem Assimilanten zusammengehen können, so ahnte doch vor sechs Jahren niemand, daß die Entwicklung des hebräischen in Palästina so rapid vor sich geben wird, daß nach so kurzer Zeit das Hebräische Forderungen von solcher Ausdehnung stellen wird, das; sie ein Assimilant nicht befriedigen kann. Vor sechs Jahren gab es noch kein hebräisches Gymnasinm, das diesen Namen verdient hätte: heute gibt es zwei. Vor etlichen Jahren, als wir mit dem Hilfsverein zusammeiizngeheil begannen, hätten >vir uns vielleicht mit dem hebräischen Singen, Turnen und Zeichnen begnügt, das uns der Hilfsverein heute gnädig bewilligt; hat doch selbst Achad Haam einmal schwere Bedenken gegen die hebräische Unterrichtssprackp: ausgesprochen. Aber heute liegen ja doch eben die Dinge anders; das hebräische ist, nicht zumindest durch das Jaffaer Gymnasium und seinen kulturellen Einfluß auf Tel Awiw, zur herrschende Sprache des jüdischen Lebens in Pa läskina geworden. Wir haben uns zu schnell entwickelt. Der Hilfsverein ist stehen geblieben. So mußte es einmal;um Bruche kommen. Aber wenn so unser.Kamps mit dem hilss FeuÄeton. Naass Mine. Von S. H. M o s e n t h a l. (Fortsetzung.) Aus dem Hause des Raafs war mit Hcnoch aller Glanz geschwunden. Die Seminaristen kamen und gingen nach wie vor. Mine bestrich ihr Brot statt mit ranzigem Schmalz mit srischer Butter: , sie stopfte ihnen auch die Rocktaschen mit Nüssen voll und sammelte Kleider und Wäsche für sie, aber es war nicht mehr wie ,vordem; sie ließ sich von der Köchin aus dem Aheater abholen, betrachtete den großen Bär mit »Äiem Seufzer und den Orion mit einer Träne ׳im Auge, wenn sie einsam im Dämmerstündchen , ׳rr Guitarre sang: ״An Alexis send' ich dich," so sie statt des Alexis einen anderen Namen .'"'k sandte im Geiste die Rosenbotin nach Würzbu . Hebe?׳ cm 2ahr war so vergangen. Der Todcscngel ha^te aufs neue an Joel Reinachs Pforte geklopft nachdem er das blühende Opfer!)eimgefnh'rt hatte, klopfte er auch an das stille Stübchen des alten Raafs. Eines Morgcns, als Mine den Haffee zum Bett ihres Vaters trug, lag der Greis Wie schlafend da, Ffreudlich lächelnd, die Hände über sein altes Sidurl (Gebetbuch) gefaltet. Der Schlaf hatt ihn um vermerkt in die Arme seines Bruders gleiten lassen. Man trug ihn hinaus und begrub ihn neben Frau Süß; dort ruhen sie zum ersten Male ungestört und friedlich beisammen. Henoch wollte aus Die erste Nachricht hin zu der Freundin eilen, dem teuren Meister die letzte Ehre zu erweisen; aber Mine hatte ihn beschworen, seine Studien nicht zu unterbrechen. ״Ich weiß," schrieb sie ihm, ״auch ohne Ihre Gegenwart, daß Sie in dieser schmerzlichen Stunde bei uns sind. Wir wollen uns nicht in Tränen Wiedersehen!" War es Zartgefühl, war es Eitelkeit, was ihr diese Worte! diktierte? Arme, gute Mine! Tu gabst Dir selbst keine Rechenschaft darüber! Man muß es zur Ehre der Gemeinde sagen, daß sie sich bei diesem Anlasse dankbar gegen ihren alten Seelsorger bewies. Nicht nur, daß groß und klein trauernd seiner Bahre folgte, und daß ein siebentägiges Trauergebet in allen Betstuben für ihn angeordnet war: auch der Tochter dachte die Gemeinde und setzte ihr eine Pension von vierhundert Reichstalern ans, ״damit sie versorgt sei bis zu ihrer Verheiratung, oder, wenn sie ledig bleibe, bis an ihr Lebensende." — Schonungsvoll und zart, wie immer, teilte hr ihr Oheim Jecheskel Flesch diesen Gemeindebeschlnß mit. ״Ich Hofs', Minkelleb," sagte er. ״du wirs! der Kille nicht lang zur Last falten. Demi meine Stimm' kriegt keiner, der bei uns nach deinem Pater, olewescholem (der Friede sei mit ihm». Raas werden will, wenn er dich nicht mit in den Kaus nimmt. Worum nir?" Bei diesen liebevollen Worten ihres einst gen Verwandten gab es ihr einen Stich dnrä)s Herz. Tie schmieg, diesem Manne gegenüber konnte sie sich doch nicht verständlich machen. Der Gemeinde dankte ne schristlich für den Jahr gehalt und sorgte im Stillen, wie sie damit Hans: halten könnte. Ta wurde ihr am anderen Tage ein sorgfältig versiegeltes Päckchen überbracht. Sie öffnete es und fand in einem seltsam be druckten Bogen, wie sie nie einen gesehen, ihre Spitzen. Ein Blättchen enthielt in seinen Schrift zügen folgende Worte: ״Erlauben Sie mir, liebes, verehrtes Frau lein. Ihnen Ihr Depot dankend wieder;mm* zu stellen. Ich wünsche, das; Tie mit die!... Spitzen dereinst Ihr Hochzeitskleid garnieren. Joel Reinach." Ter seltsam bedruckte Bogen war eine öfter reichische Metallique-Obligation von snnsiausend Gulden. Ihr Hochzeitskleid! Bei diese,» Worte ver gaß sie das doppelt reiche Geschenk; sie wieder holte das Wort und Tränen rollten über die QROS5EK flOSVERKflOr ist es noch nicht aber bis;30% billiger wegen Übersiedlung verkaufe alle Raucher-, Galanterie- und Lederwa. , Stöcke, Regenschirme, Feuerzeuge, elektrische Taschenlampen, Taschen- und Rasie.- messer etc. FRANZ KUDA, Brünn (Bahnhofplatz, Pavillon).

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