Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XV|2. Jahrg. Nummer 1 BezugSpreisr: Für Oefterreich-llngorn, halbjährig . Kronen 6-20 ganzjährig ..Kronen 12 — Deutschland» ganzjährig.Mark 12 — "“־־ftlanb, ganzjährig.Rubel 6 — San, Frankreich.Franks 14 — Mit der hebräische n Beilage המצפה Herausgeber: Max Hickl. Brünn—Budapest. Jänner >!»!4 *vnn, 3 Thxhrt -. 74 Erscheint jeden Donnerstag.' lllllllf. Inserate: die »spaltige Peritzeile 30 k. Buchhändleriicle Vertre'una: Ott» Älrmm, Leiv^ift. ' Telephon 3009/VIli• Spreckitundcn von 10—12 Uhr Geschäftsstelle Wien. 1״ Rotenturinstraste Nr, 3s. Poslsparkassatonto ,.»dt. 312.842. Unverlangre redaktionelle Beiträge werden nicht hon», riert. — Manuskripten ist Nuckporto betzunigen Prast—Lcm'icr v OOGGGGGGSSSSGSSGG Infolge des Setzerstreikes konnte die letzte Nr. unseres Blattes nicht gedruckt werden. Ohne Rücksicht auf den Streik werden wir von jetzt ab regelmäßig erscheinen. Mit der heutigen Nummer beginnt der 15. Jahrgang unseres Blattes. Die P. T. Empfänger werden um gesl. umgehende Erneuerung des Abonnements u. Zusendung des Abonnementsbetrages ersucht. Die Administration. Aus dem Inhalte: Gustav Kohn: ״Zur Lage inr Zionismus". — S. H. Mosenthal: Raafs Mine. — Sprechsaal. — Korrespondenzen. — Brunner Nachrichten. — Prager Brief. — Die Galizianer. — Wiener ' Nachrichten. — Offener Brief an Herrn Samuel Bettelheim. — Israel Auerbach: ״Wakkabi". — Aron Schwertfingcr: ״Chayukah". — Oskar Freudmann-Graz: ״Makkabi". — Kreisturntag der jüd. Turnerschaft. — Literatur. — Vermischtes. — Inserate. Feuilleton. . Raafs Mine. Von S. H. Mosenthal. (Fortsetzung.) Im Herzen des Vaters wühlte ein Schmerz, wie.ihn Job, der Dulder, nicht grausamer empfinden konnte. Doch trug er ihn mit Heldenmut! Ja, mit jedem neuen Schlag dämpfte sich der Aufschrei seiner im Tiefsten getroffenen Seele und wurde nach und nach zum Verstummen in gottergebener Resignation. Angebunden an sein Marterkreuz erwartete er die neuen Pfeile des Todesengels, den tränenlosen Blick ins Unerforschliche versenkt, ohne Vorwurf, ohne Klage. Der kaum Sechzigjährige glich einem gebrochenen Greis׳, die hohe Gestalt gebückt, das wachsbleiche Gesicht von dünnen weißen Haaren eingcrahmt, die halberloschenen Augen von einem grünen Schirm verdeckt, so daß er in seinem von grünen Vorhänge^ verhängten Zimmer, der Außenwelt fast unnahbar, und spann sich in den Fäden seiner Gedanken, wie eine Puppe, ein. Doch in der verschlossenen Chrysalide pulste ein wunderbar schönes Leben fort. Allabendlich lasen die Mädchen abwechselnd dem Vater vor oder spielten im Nebenzimmer Klavier und Harmonium oder sangen ihm Lieder und niehr- Zur Lage im Zionismus. G n st a v K o h n. Ende Dezember 191:1. Wer unsere zionistische Partei in den letzten Monaten vor und nach dem 11. Kongreß genauer mit objektivem Auge betrachtet, der muß zu Schlußfolgerungen gelangen, die minder erfreulich sind. Von persönlichen Dingen, Kritiken will ich im vorhinein ganz und gar abstrahieren, will mit solcher Kritik nichts aber gar nichts zu tun haben. Wenn ich heute doch zur Kritik schreite, so geschieht dies, weil ich der felsenfesten Ueberzeugung bin, daß unsere Partei speziell in Oesterreich sich in einem unerfreulichen Stadium befindet. Woran das liegt? Keineswegs an den Personen, sondern einzig und allein an dem System. So wie nian Sozialist sein kann, für die Idee des Sozialismus jeder Zeit eintreten kann und soll, ohne sich mit den Ideen des Marxismus, wie sie heute durch die Sozialdemokraten propagiert werden, vollständig zu identifizieren; wie auch weiters ein wahrer Liberalismus weit entfernt ist von jeglichem Manchestertum: so kann man Zionist sein, sich jüdisch-national nennen und auch bekennen, ohne alle Fehler nütmachen zu müssen, die begangen werden. Und Fehler werde.! gemacht. Doch niemand kann man solche vorwerfen. Letzten Endes muß sich jeder von uns stimmige Gesänge mit ihren klaren Seraphsstimmen. Nichts blieb ihm fremd, was die Kunst geschaffen, was die Wissenschaft fortschreitend errang. Auch über die sozialen Verhältnisse im großen und kleinen ließ er sich fortwährend unterrichten; er kannte die ganze Gemeinde; allwissend und allgütig zugleich, ließ er auch seinem reichen Schoß unsichtbar über alle Dürftigen und Bedrängten seine Wohltaten ausströmen. Das war der Mann, über den Jecheske! Flesch das göttliche Strafgericht ergehen ließ, weil er ihn für den Ersten hielt, der der Gemeinde einen erleuchteten Seelsorger gönnen Mine blickte zu diesem einzigen Helfer für ihren Schützling empor wie zu dem Allerheiligften, das man von ferne verehre, doch niemals betreten darf. Sie hatte ihn nie gesehen, sie malte sich sein Bild mit banger Scheu; aber es dauerte nicht wnge, daß sie ihn sehen und kennen lernen Frau Süß hatte nämlich wieder einmal mit dem Dienstmädchen gegeifert, daß die Treppe nicht gehörig gescheuert sei, und ihr gewaltsam den Besen aus der Hand gerissen. Mit diesem würdigen Attribut hatte sie selbst zu hantieren begonnen, war über den Besenstiel gestolpert und über die steinerne Wendeltreppe klappernd hinabgestürzt. Auf ihren Schrei eilten die Hausbewohner zusammen, der alte Raaf ließ seine Folianten im Stich. an die eigene Brust schlagen und rufen: mea Unsere Tistriktstage, Parteikonferenzen, Kongresse stehen lange nicht mehr auf jener geistigen Höhe, wie vor Jahren. Vor allem ist jede Spur von Großzügigkeit verschlvunden, die allein einer Bewegung Schwung und Gewalt verleiht. Wer die Berichte z. B. über die letzte westösterreichische Parteikonferenz in Prag liest, muß sich vollends an den Kopf greifen und muß gestellen, daß solcher Art Parteiberatungen uns nicht zur Ehre gereichen. Alles ist bei uns schlecht vorbereitet. Nicht auf das Technische kommt es an. wohl aber auf das Meritorische. Schon das E. A. E. hat im heurigen Jahre ein Novum geschciffen, indem es seinen Bericht, wenn auch sehr spät, an den Kongreß den einzelnen Delegierten früher zukommen ließ. In einer Partei müssen vor den Konferenzen die in Betracht kommenden Fragen und Themen rechtzeitig publiziert und in der Presse diskutiert werden. Das geschielst bei uns nicht! Die Wahlen vollends vom Distriktstag angefangen bis hinauf zum Kongreß sind ein förmlicher Hohn auf demokratisches Empfinden und Fühlen. Die Verhandlungen erheben sich über Organisationsfragen nicht empor. Organisations und Personalfragen nehmen den größten Teil der Zeit in Anspruch. Von einer gründlichen, durchgreifenden theoretischen und systematischen Beratung ist nichts zu spüren. ״Süßleb," rief er mit tragikomischem Doppelsinit, ״fall' nur nicht in Zwei (entzwei)!" Aber sie blieb ihm zum ersten Male die Antwort schuldig; das Schweigen des Todes hatte ihre Zunge gefesselt. Mine war. mit der Guitarre um der Schulter, herbeigestürzt und ohnmächtig zusauunengebrocheit. Die Seminaristen trugen zwei erstarrte Körper in die Wohnung zurück. Aus Rücksicht für den verehrten Greis hatte die ganze Gemeinde sich zum Leichenbegängnis der Rebze»! eingefunden. Jecheske! bejammert׳ in zerrissenen Kleidern die Schwester, die er nie ausstehen foimte; der geduldige alte Raaf betrauerte still und aufrichtig die ihm zur Gewohnheit gewordene qualvolle Lebcnsgefährrin. Die endlosen Trauerbesucho ließ er Mine empfangen, obwohl sie nervöse Kopfschmerzen hatte und die Stirn mit einem Tuche uinbunden trug; bis aus einen! Ain Tage nach dem Begräbnisse näiiilich ließ sich Joel Reinach in einer Sänfte hinauftrageii, um den würdigen Lehrer der Gemeillde inenachem owei zu sein (zu kondolieren». Es war ein Ereignis sür die ganze Stadt. Mine zitterte, als Joel Reinach sie zu sehen begehrte, und iiahm dcis Tuch von der Stirn, als er ins Zimmer trat, wo sie aus einer nieder!! Schwelle Schiwe saß ldie siebentägige Trauer». Aber als er zu ihr trat und die bleiche, magere Hand a! ' ihre Stirn legte, da fühlte sie nicht nur wie von magnetischer Kraft ihre Kopfschmerzen gebanut. QR055ER AUSVERKAUF Ist es noch nicht aber b s 30% billiger wegen Übersiedlung verkaufe alle Ratrher-, Galanterie- und Lederwaren, Stöcke, Regenschirme, Feuerzeuge, elektrische Taschenlampen, Taschen- und Rasiermesser etc. FR4NZ KÜDA, Brünn ( ‘ahnhofplatz, Pavil on)