Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 49 (11.12.1913)
- Date
- 1913-12-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. ״Jüdische Botksftimmc." ..Rabbi Iedaja wird deshalb vom Volte Bcdraschi genaniit, locil er aus der Stadt Bcdrasch (Bczicrs) in der Provence, univeit von Latas — der Gcburtsstadt meiner Elter», daher man meine Familie Latas nennt — abnammtc." Latas' Rechlsgutachtcn, die sich als auiographiickcs Manuskript in der k. k. Hofbibliothek in Wien bcfinden, sind von böchsicm Interesse für die Beleuchtung seiner Zeit und geben ein vollständiges Bild von dem damaligen Gemcindckcben. Er stand mit den hervorragcndslc» Gemeinden Italiens in Korrespondenz und in den!vichrigsic» religiösen Fragen wnrde an ihn appelliert. Seine Response» beweisen auch, daß er häusig seine» Wohnsitz geändert hatte. So z. B. treffen wir ihn 1550 in Mantua, wo er am Neumonde Schebat einer Frau ein Diplome erteilte, in welchem er ihr gesiaitete, die Schächlersniiktion auszuiibe». In dcmselt>c!1 machte er ihr zur Pflicht, die aus die Schechiden vezughabcnden Vorschriften anfangs ziveimal täglich nach einem Vierteljahr nur einmal des Tages und endlich nach einem Jahre nur einmal wöchentlich und ibr Lebeiilang einmal im Monate zu wiedcrbolen. 1 :)icfp. S. Im 'salue 1557 begegnen lvir ihm in Bologna, von wo aus er sich in einer Ederechtsfrage an das Rnbbinatstollegium in Faset lIefal 1, an dessen Spitze der berühmte, in Fachkreisen hochgeschätzte Vcriasser des ..Bet Joses" — N. Josef Karo — als Präsident stand, geivendet hatte, irliesp. T. 17.! Im Jahre 155>, ball ec sich in Pcsaro aus. wo er gegen jene Nabbine», die gegen eine neue Nuslage des ..Sohar" prorenicncn, Fron! machte, und seinen diesbezüglichen Bescheid, der vielen Auslagen des ״Sohar" vorgcdruckt wurde, erlies;. Im Jahre 1550 finden lvir ihn in Avignon. Am längsten verweilte er in Ferrara, einer ansehnlichen Sladt an einem Arme des Po. Hier domi- .silierte er schon 151>2 und in den Jahren 15!»', bis 151,9 war er daselbst als Lelircr des Sohnes des Isak Abravancl.׳ eines Enkels des berühmten spanischen Gclehrlen Ton Iial Abravaliels, tätig. Trotz seiner Bcgeiiierung für das tabbalislische Werk ״Sohar", das nian in iireng orihodoren Kreisen für ein Produkt des hochverdienten Tanaiten Pi. Simon b. Iachai hielt*.!, lvar er denn doch dem Studium der Philosophie nickt abgeneigt. I» der Einleitung seines .ticrcits erwähnten -iommemars zum ״Bechinat olam" bemerkt er, das; er sich in seiner Jugend mit poetischen, rhetorischen und philoiophischen Studien sleissig beschäftigt Halle. Wie gesagt, diese Nesponsen haben mich sehr in- :eressicri, daher ick mich entschlos;. sie, mit einem Koninienlar und Aiiulerkungen versehen, herauszugeben. Tas Buch, das 18t;0 erschien, wurde von der Kritik äuszern günilig beurteilt und sand auch, besonders in Ungarn, Polen, Nussiand und Deutschland reichen Abiatz. Besonders anerkennend über die Veröffentlichung dieser Nesponsen hatte sich der sei. hochgelehrte Nabbincr Samson Naph. Hirsch in Frankfurt a. M. in einem an den Herausgeber derselben gerichteten, dem Buche vorgedrurlten Briese, geäußert. Denselben schloß er mit den Wonen: —I וימצאו -׳ft. I W><- I* W ויב-ך ה׳ הולד ותזבה *1בדך על המוכמ ונפש מבבדך ד,"ק שמימון בן לאא׳־מ במדו׳ ואהל‘ דתודד בנפשן רפאל דידינו פ״פ אמ. Sechs Jahre später jedoch, ld!>I>, hatte ich zu meinem uessien Bedauern Gelegenheit gefunden, mich zu überzeugen, das; ich durch die Veröffentlichung dieser Nesponsen. dem bekannten Historiographen Dr. Hirsch türätz. der ein Schüler des hier erlvähntcn Nabbincrs Samson lkiaphnel Hirsch lvar, Veranlassung gegeben, dem gelehrten frommen, allgemein geachteten Rabbi Isat de Lotos in ein schiefes Licht zu setzen. Im neunten Bande seiner ,.Geschichte der Juden", S. 388, äußerte ׳ick Grätz über N. Isak de Latas in folgender Weise: Tic MiU'luüa sollte sich auf den Trümmern des Talmud aufbauen. Die angesehenen italienischen Nabbiner, Meir aus Padua, und andere gaben keineswegs ihre Billigung dazu, sic trugen scheu, dasjenige, was eine Geheimlehre bleiben sollte, durch den Druck jedermann zugänglich mache» zu lassen. Der eingefleischte Kahbalitt Mose Baslila, ferner ein Nabbiner aus Mantua, Mose Provencali, und ein herzugclauscner Halbrabviner, Isak ben Imanuel de Latas, der es im Alter nicht Weiler als bis zum Hauslehrer bei Isak Abravancl dem ,־]weiten in Ferrara gcbrackit bat. diese drei unterstützren und förderten die Veröffentlichung des ״Sohar". sMantua 1528—59.1" Muß nicht jeder, der die hier revroduzicric Acußcrung des Grätz liest, ohne je die Ne- ׳ponscn des de Latas gesehen zu haben, glauben, daß :'i. Isak de Laias nichts anderes als ein herumlun- *! Tatsächlich war, loic cs hinlänglich bekannt ist, :ein anderer als Moses b. Schcmtol aus Lion, der in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts geblüht, der eigentliche Schöpfer dieser mystischen Schrift. gerader unlviffcnder Schwärmer gewesen sei? Ist cs aber denkbar, daß hervorragende rabbinischc Autorstäten und angesehene Gemcindelt einen hcrzugelaufcncn Halbrabbincr mit besonderer Hochachtung behandelt haben würden? Was machte wohl den weitsichtigen Hisiorikcr Grätz, der die Nesponsen Isak de Latas gelesen, vielleicht gar — studiert hatte, veranlaßt haben, über den Autor dieser Schaalot Utschebot den Stab zu brechen? Aus dem Inhalte dieser Nesponsen hätte doch Prof. Grätz, der als Schüler des ehemaligen mährischen Laiidesrabbiuers, Samson Rapheal Hirsch*), zwcifellos ein Kenner des Talmuds war, ersehe» müsicn, daß der Autor seiner eminenten Gelehrsamkeit wegen es verdient hätte, der größten Gemeinde als Seelsorger vorzustchcn. Der llmskand jedoch, daß de Lates im Alter es nicht weiter ״als bis zum Hauslehrer" gebracht, scheint den Herrn Prof. G. stutzig gemacht und auf die Idee gebracht zu haben, daß er cs hier bloß mit einem unbedeutenden Menschen, mit einem hcrzugclaufcnen Halbrabbincr zu tun habe. Darf aber ein Geschichtsschreibet׳ sich von Voreingenommenheit und Vorurteile» bestimmen lassen, würdige, verdienstvolle Männer, die ihm eben nicht gut zu Gesicht stehen, in ein schiescs Licht zu setzen. Verdient ein Mann, dem das Glück nie günstig sein lvolkte, und er cs daher trotz seiner Gelehrsamkeit nichr vom Volksschullchrcr bis zum Univcrsilätsprofcssor bringen konnte, deshalb gcringschätzcnd behandcll zu werden? Gehörte N. Abraham Ibn Esra uicklt zu den hervorragendstcn rabb. Autoritäten des Mittelalters? lind dennoch halte er sein Leben lang mir Mangel und Not mannigfacher Art zu kämpfen und zu ringen. R. Iosua Ben Ehanauja — über dessen Mutter Nabbi Iohauai! b. Sakkai sich äußerte: ״Heil der, die ibn geboren" — lebte in sehr drückenden Verhältnissen, mußte trotz seiner großen, allgemein bewunderten Gelehrsamkcit in seinen freien Stunden schwer arbeiten, er lvar nämlich ein Nagclschmicd von Profesiion, um sich kümmerlich ernäbrcn zu können. Als einst N. Gamlicl der :]weite ibn, den Nagclschmicd, den er früher einmal im Lehrhause einer freimütigen Äcußerung wegen lies verletzt und gedcmütigt hatte, besuchte, um sich mil ihm zu versöhnen, begrüßte er ihn, den Nagclschmicd, mit den Worten: ״Die geschwärzten Wände deines Hauses zeugen, daß du ein Schmied bist, der bei Kohtenglut arbeitet." Traurig genug," cntgcgm־tc ihm Ben Ehananja, ..daß du dies erst jetzt ersährst. Wehe der Generation, deren Vertreter du bist, denn du hast gar keinen Begriff von den unsäglichen Leiden, Onaten und Widerwärtigkeiten, denen die Weisen preisgegeben find." :!!. Gamlicl erwiderte: ״Ick gestehe ein, daß mein Vorgehen gegen dich ungerechtfertigt lvar: nichtsdestoivcnigcr glaube ich, der Erlvarrung :Kaum geben zu dürfen, daß du mir die dir zugcfügten Beleidigungen verzeihen werdest." R. Iosua schlvicg. ״So lue es", fügte R. Gamlicl hinzu, ״wenigsicus der Ehre meines großen Vaters willen." Diese Worte genügten und :>!. Iosua zeigte sich nicht nur dersöhnlick, sondern begann sogar für ihn Propaganda zu macken, um seine Wiedereinsetzung zum Nosi durchsetzen zu können. Man sieht also, daß selbst der stolze Patriarch N. Gamlicl sick vor dem armen Nagclsckmied, seiner hohen Gelehrsamkeit wegen, gebeugt hatte. Einen Gelehnen, Talmed Ehacham, heißt es im Talmud, soll man nicht, selbst, ivenn er gefehlt hat, sofort vcrurteilen. geschweige denn, lvcnn man an ihm nichts anderes auszusctzcn weiß, als daß er im Alter cs nicht weiter als bis zum Hauslehrer, in einer hochangesehcneii Fainilie gebrockt hat. Eileralur. Herbert A. Hahn: Frühlingsgrwittcr. Bei Georg Müller, München. Liebesgedichte. Eine kleine Anthologie. Bei Arcl Juncker, Berlin. Eine eigenartige markante Begabung tritt auf den Plan in der Person des wahrscheinlich noch jugendkicken Dichters Herbert A. Hahn, dcsicn Gedichtbuch ״Frühlingsgcwitter". nicht übersehen werden darf. Hier ist edler Spracksinn mit echter Empfindung gepaart. Bilder von solcher Prägnanz und Reinheit, wie sie in einigen Gedichten dieses Büchleins auflcuchten, finden sich nur bei ganz großen Dichtern. Es ist ja möglich, daß manches hier nicht Eigenbau ist, aber auch schon die Gabe, sich das Schönste und Gewählte so anzucigncn, daß es wie Ursprüngliches, Persönliches und als unlösbar Ganzes wirkt, ist bencidcnswcrt. Eine Art von Manier oder Kulturübcrschuß *) Sein erstes Werk ״Gnosticismus und Judentum" hat Dr. Hirsch Grätz im Jahre 1840 ..Seiner Ehrlvürdcn dem Herrn Landrabbincr Samson Raphacl Hirsch, dem geistvollen Kämpfer für das geschicktlicke ׳Judentum, dem unvergeßlichen Lehrer, dem väterlichcn Freunde in Liebe und Dankbarkeit zugccignet." Nr.49 ״. verrät sich nur aus den Rokökolicdchcn, wie ״Verlöbnis" und ״Picrrot". Sächelchen, die heute bald einer trifft und jeder neue Dichter dem Publikum dringend schuldig. zu sein wähnt. Ter Verlag Axel Juncker bringt als ziveitcs Bändchcn seiner reizenden Orplidbücher eine originelle Liebcsliedcr-Auswahl aus den Werken von Anton Wildgans, Peter Asam, Max Mell, Max Brod und Franz Theodor Csokor. Die hier vertretenen Dichter sind vorwiegend Oestcrreichcr und — jung. Dennoch oder eben deshalb haben sie in der Liebe etwas zu sagen. Jeder auf seine Art. Sic sagen und singen über ewige Thema freilich nicht immer im Tone unserer Klassiker oder Romantiker, aber man merkt cs auch ihren Liedern an, daß sie meist gleichsam mit dem Herzblut geschrieben lourden. Daß auch die Nerven dabei mit im Spiel waren, ist bei modernen Menschen kein Wunder. Bleibcndcn Wert haben vor allem ״Herbst und Ende" von Witdgans, .,Frühlingssturm" von -Mell und ״Die Gewitterivolkc" von Max Brod. Dr. M. Scherlag, Wien, 0., Hauptstraße 104. Rudolf -Herzog ״Die Welt in Gold". Novelle. — Stuttgart, Cottasche Buchhandlung Nachfolger. Preis 2 Mark 50 Pfennig. Ihre 15. Auflage hat diese Novelle schon erreicht und das innerhalb kaum zweier Jahre — das sagt schon sehr vielt Und »venu inan sie liest, begreift man cs gerne, ist sic doch ein kleines Meisterstück des bcliebten Erzählers und ist es doch die sonnige Jugendzeit, ״Die Welt in Gold", die sic verherrlicht. Klaus Kreuzer, der Geheime Rat, Professor Dr., der am besten Wege lvar, zum gelehrten Philister zu lvcrden, besucht sein Söhnchcn, den Couleurstudenten in Marburg, und da packt ihn die Jugenderinncrung mächtig und die Augcil werden ihm wieder blank und froh — er, der alte Couleur lvar nahe daran, zu verbürgern? — nein — das soll ihm nicht mehr passieren — und er nimmt es sich vor, jung im Herzen und frei, so will er fortan bleiben! Frei von der kleinlichen Strehcrei und den hausbackenen Spicßbürgcrsorgcn! Die Sterne des Glücks. Roman von Heinrich Wilhelm Wirbitzky. Verlag Otto Hillinanii, Leipzig. Ein moderner Roman! Mit seinen Schwächen und Vorzügen schildert dieses Buch die Geschichte einer Vernilnftehc, bei der die Annonce in der Tageszeitung de» Vermittler spielt. Die Handlung ist wohl geschickt gcführt und tveiß das Iiitcrcssc des Lesers wachzurufen und rege zu hatten und man wäre geneigt, das Buch zu der .'Nasse der besten zu zählen, wenn nicht die Sprache so unmodern, hölzern, schwerfällig wäre. Ist es die gut angelegte Handlung, die einem das Buch syinpothisch machen könnte, so ist es die sinbeholsene Schilderung, die jeden gutcil Eindruck stört. Königin Nosamunde. Roman von Iszkowski. Kart Fischer Berlin. Das Stück spickt zur Heit des Langobardenkönigs Albion im Lande der Gcpiden, im heutigen Ungarn, hat den Kampf der Langobarden mit den Gcpiden zur Grundlage und malt vor unseren erstaunten Blicken ein Sittengemäldc jener Zeit, lvic es uns loirkungsvoller nickt geboten ivcrdcn kann! Welche Möglichkeiten bietet jene Fei! einem Eharakterzeichncr, jene Zeit, da das junge Ehristentum noch im heftigsten Kampfe lag mit dem Heidentum, das trotzig seinen Platz behauptet. Ganz selbstverständlich erstehen vor unseren Augen die Eharakicrc des Gefühlschriftcu, des getauften Heiden und des trotzigen Gottesleugners. Dazu kommt, den Eindruck zu erhöhen, der meijierhaftc Bau der Verse, deren kraftvoll tönende Sprache oft an Hebbel gemahnt. Ein Werk, das a» jeder Hofbühne mit Ehren bestehen müßte. 1 Gegen verdorbenen Magen, Darmträgheit und Gicht. ״Sternhof er Bitterwasser“ Mild, doch zuverläBllch. Stemhof,Post Sokolnitz bei Brünn. Die Gräber der Könige von Juda elm 2iiix־nDe von Ophel in der Nähe der Marienqnclle <Nin-Ummed-Tercdsch), also südlich von dem dicmaliflcit Tsmpclberg, in der Nähe des Stadtteiles, der die einstige Davidsbürg getragen bat. finden seit etwa drei Monaten bcmerkenswcrre Nusgrabnngen statt, die von Haupkmann Montagne B. Parker, einem Bruder des Earl of Morlcy, und einigen anderen Herren der englischen Gesellschaft unternommen werden. iEn bisher unbekannter Tunnel wurde entdeckt und durchforscht, und zwei tiefe Schächte werden hinabgctricben. Obwohl Stillschweigen über die Ansgrabniigcn bewahrt wird, hat man doch soviel erfahren, datz cs sich uni das Grab Davids und der Könige von Juda und um