Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 48 (4.12.1913)
- Date
- 1913-12-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 48.;■•cjutieii. l'cr 'ÜH׳n De״ Buches von Schwarz veil ein!!, eejiee Reitze in der Verarveitiiiig des stanzen Quellen- 1m,!e! inlo. Besonders lehrreich in der dritte Abschnitt, in iveletem an der Hand der Quellen die Enttvicklungs- Phasen der herineneutischen t'tntinoinie fesistestelll iverden. m stanzen werden von schwarz t)8 Widersprüche erörtert und die Weise ihrer varinonisierunst anstesteven. Man peilst! steivohnlich die Bivelkriiit nicht nver Spinoza hinaus z» verfolsten. vier iv-rden dem Leser stewisser- 1na1;en die ersten »rtiindeu der vivelkritischeu Untersuchniist vorstewiesen. ־*11• •nw siellnel Jofef Levviilin: :,lue dem Tunket. :Kornau. Berlast ״älierfa*", Warschau. Buchhandlunst Zentral, Warschau, :Koivotipti 7. :Kuvel 1,L». :48:5 2.) Tns ״Tuntel", in dem dieser :Koma» spielt, ist das Heuliste Leven der russischen Inden, mit seinen Beriolstunsten. seinen Gewalttaten, seinen Postromen. '.'Ius diesem Tuntel sühn der West der Besreiunst nach Ec׳.z Israel. Ter ulomau sühn den Leser durch alle lR'i'ellick nlssch!chle!1 der russischen Iudentzeit, zeigt ihr ichrectliches Leven ans, die Bergevlichkeit aller stillerveniioiieu, aller ״schladlonim", die gegen die Gewalt auitoininen ivollen und ichliesst mit einer ׳Apvitzese Palüsiinas, des ״Landes unserer Propheten und Priester, unserer .Velden und Weisen. Tonhin zurüazukehreu, es ivieder zu veleven, es zu verjüiisteu und zu erneuern, die Bande des lstolurh zu spreiisten, schände und Schmach von uns avztiinn" dies ist der West, den der Periajser ״aus dem Tuntel" lveisl. Wir hosfen aus den :Koma» noch zurückzukommeu und vestiiüsteu uns vorlauiist mit diesem Hinwe,se. Immanuel staut: stleinere schritte» zur Geschichtsphilvsvphie, Ettzit und Politik. Herausgegetzen. einsteleiiei und mit Personen- und Sachregister versehen von .starl Porländer. Band -17 der philosophischen Bivli0il>el. Leipzig, Felir Meiner. 11*1 .'! Mk. Es iis nun schon ei» halves Iatzrlninderl her, seit in d>! deutschen Philosophie der Ruf: ״Zurück zu .stani!" erschollen ist und sei! damals steht die Philoiopvie Iuiinanint .stanrs uiiveiiritten iui Mittelpunkte aller philosophischen Erörterung. Tennoch kann inan ivohl niau!ageii, das; das Wert .stants schon der Mensch- Veit gehöre: es ist noch lange nicht genügend ins popiiläre Bewuyuei» gedrungen. Ties gilt in Veiondrem Maße von der Eltzik und Moral des grosteu Philosoplieii, dieser Verven, streiigen .Forderung, die in ihrer Niieruiluichteii, ihrem ״Eifer" der Eltzik des Indenuims so nahe sieht, so ivird man denn ailch lientc noch vielen eiii empfehlen müssen, .stunl zu lesen: hiervei in aver nicht mit den grosteu Werken anzusange», sonderii ivie es auch Schiller getan hat, als er .staut zu iindieren vegaiin mit den kleineren Atztzandlungen. sie siild hier von einem der erstell stenner der stanlscheu Philosophie zusammeugeitellt lvordeu. Es sind vor allem die ״Idee zu einer allgeineinen Geschichte in iveltvilrgerlicher Avficht", die Avtzandlnng üver den ״An sang der Meuscheugeschichte", der philosophische Entlvnri ״Zinn eii'igen Frieden", dazu :Kezensionen und!leine -Aufsätze zur angewandten Ethik. Einen vesoude-!eu Genus; getvähr! die Einteitung des .verausgevers, die den Leser niitteil in die zeügeschichtlirden Perhüllnisse verseht, sehr angenehm ist auch das ausführliche Sachregister, das Porländer de.r Ausgabe veigegeven hat. Möchte» die Schriften, die hier vereivigi sind und die uns den Menickeii stanl näher vriugen als seine grosteil Werte, recht viele und eifrige Leser sinden! Tragische Moinentc. Trei Levensvilder von Bertha Puppenheini. Perl, von I. staussmann, Frankfurt a. Bi. Pi ach der Lektüre des ersten dreier Levensvilder ivollle ich unenrlich sein und das Buch, iveiter ungelese», aus der Hand legen. Ausvau und 3til' erschien mir dileltanlisch. Als ich dann doch auch die nächsten zivei szenen gelesen hatte, erkannte ich, dast der immerhin vegavien Autorin vlost die straft fehlt, einen Ttoss, wie ein Pogrom ihn darstelll, dramatisch zu gestalten. Trei rneneralione» schreiten durch dieses Trama. Tie Gros;- eitern fallen als Qpser des russischen Pogroms, die Eitern sind Flüchtlinge. die aus :Kuhland nach dem deutichen Weste» iolnmen und sich schliestlich in Paläiiina ansiedeln, der Satz», die stinder verlassen ivieder die neue Heimstätte, um im Westen ein neues Leven zu veginnen. Pielleicht uuveivustt. hat Bertha Pappenheim ein Bild des russischen jüdischen Volkes gegeven, das nie weist, wohin es eigentlich gehört und wo der Plast ist, an dem es sein Leven ungestört fristen kann. Auch Palästina ist es nicht — so behauptet die Autorin - ivo ivohl der alte Uri seine Heimstätte gefunden Hai, sein sohu aver nickt vervleiven will, weil ihm die ״stultur" des Westens lockt. (Qv es wohl eine stul-!111• ijt?) Tie Verfasserin der Szenenreibe will schein- Var als unparteiisch gelten — sie iii es aver nicht. Sie ist eine moderne Ankizionisti», der Frankfurt a. M. sicherer vortommt, als Palästina, wo ״die Beduinen Hausen". Qv die Autorin schon in Palästina war? Ich tveist es nicht. Vielleicht war sie auch in Rußland nicht, .'iver die Zustände in diesem Lande lassen sich leider pur disianee erraten, in einer Zeit, da von dorther die traurige Nachricht eines neuen Iudeumartyrtums kommt. Es genügt das bisher Gesagte. Wir lvoll.n viost noch hinzusügen, dast Berlba Pappenheim drainatische Begabung nicht avzusprechen ist, nur wird sie. u׳as Stil und Ausvau vetrisst, noch durch Erfahrung lernen 1»1׳!ie1!. jedenfalls ist die Autorin mit dem Weteu ihres Stammes eng verivachsen und das allein ist imiianoe, »ns Achtling für ihre gute Absicht abzuringen. Friedrich Pvrges. Paul Langcnscheidt: ״Taumel". Bei Tr. P. Langenscheidt, Berlin, IN!-!.!Preis -t Mk., ged. ü Mk.) Ein Buch, dessen nette Ausjiattnng und klarer Truck als fast einzige Vorzüge hervorzuheben sind. Nicht ettva, als ob wir verkennten: viel Routine, geistreiche Einsülle, zum Teil sehr treffende Milieuschilderung. .Herr Landeuscheidr ist getvist ein geschickter Literat - aver lein Tichter. Und das möchte er ivohl sein. Der Stellen gibt es wenig in den vierhundert Seite» dieses :Komans, da >vir mitgerissen werden, der kritisierenden Gedanken vergessen und 1t u r lesen. Ta springt denn ei» wärmender Strahl auf uns über. Im Ganzen aber iesen!Dir nur ohne Teilnahme durch ein Schicksal. Der Verfasser hat nichl die straft, uns tiefer zu׳ interessieren: die heiheiien stiisse vermögen nicht, unseren Puls zu veschb.unigeii. Tie Motivierung befriedigt nicht; zudem lvird der 'geschmackvolle Leier durch grobe Effekt.׳!licht eben angenzogen. Herr Langenscheidl hat uns in nicht gar langer Zeit neun Romane beschert. Tas ist gewist ettvas viel und mag seine Wirkungen haben hinsichtlich Inhalt und Farm. Herrn Langenscheidls vielseitige Tätigkeit scheint ihm nicht einmal Zeit genug übrig zu lassen, seinen Roman vor der Trucklegung einer Turchsicht zu unterziehen. Er hatte dann sicherlich den ״Bajazzo" Leoncavallo gegönnt, statt ihn Pueeini zugute zu schreibe» iS.!281. Ein rühriger Verlag ivird dem Buch vielleicht viele Auflagen, keinessalls aver ein auch nur einigermasten dauerndes Gedenken in der Literatur verschaffen können. Moritz Grzyv. Oexen verdorbenen hlagen, Darm trägheit und Gicht. ״Sternhofer Bitterwasser“ Mild, doch zuverläBlich. Sternhof, Post Sokolnitz bei Brünn. Ein jüdischer Reisender des Mittelalters. Ein junger jüdischer Gelehrter, Qbadja aus Barlonura in Portugal, machte in den Jahren!478 und 147» eine graste Reise nach Italien, Aegypten und der Türkei und berichtete darüber seinem Vater in einem hebräisch geschriebenen Briese. Noch bedeutend mehr lvie Zeppelin heute batte er auf seinem Segler mit widrigen Winden zu kämpfen. Er mnstte aus Wochen a>^ Land und lvar mehrere Mal nahe daran, zu er- ::inlen. lieber Messina, das der Reisende aus einem Abstecher mittels einer französische» Galeere von Palerino aus veit.cvte. enthält der Brief folgende Angaben: •״Messina ist ein Handelsplatz für alle Nationen; von :!len Gegenden kommen Schiffe dahin, da Messina in der Mitte des Phars lieg!, so dast Schisse aus dem Qsten und Weite» da ro.eeigehen. Auch ist sein Hafen einzig in seiner Ar! auf der Welt; die größten Schiffe können hier vis ans User komme». Messina ist nicht so groß wie Palermo und hat auch nicht solche gute Quellen, aber die Stadt ist sehr schön und hat eine starke Festung. Es sind hier an vierhundert jüdische Familien, die ruhig in einer Siraste leben; sie sind reicher als die in Palermo, und fast alle sind Handwerker-, doch gibt es auch einige stauflente unter ihnen. Sie besitzen eine Tynagoge mit einer Vorhalle, die oben offen, aber an den vier Seiten geschlossen ist; in der Mitte der Synagoge ist ein Brunnen mit Quellwasser. Sie haben eine Verivaltung bestehend aus Auserivühlten, die jedes Jahr neu ernannt iverden und sind in dieser wie auch in anderen Einrichtungen den Inden in Palermo ähnlich. Ich habe bei einer Trauung, der ich daselbst beigewohnt habe, folgendes gesehen: Man bat die Braut, nachdem man die sieben Segenssprüche verrichteet hatte, aus ein Pferd gesetzt; sie ritt durch die Stadt. Tie ganze Gemeinde ging vor ihr her zn Fuß, der Bräutigam befand sich in der Mitte der Aelteste», und vor der Braut, die allein zu Pserde tvar, trugen Jünglinge und stinder Fackel» und machten ein lautes Geschreis so dast die ganze Stadt erschallte; man machte die :Kunde in allen Straßen und in allen jüdischen Höfen: Die chriglichen Bewohner sahen es mit Vergnügen, und niemand störte die Festlichkeit." Von Messina fuhr unser Reisender nach Rhodus. ivo er zweiundzwanzig jüdische Familien traf. Sie tvaren alle arm und ernährtc» sich kümmerlich von Gemüsen; sie schlachteten nie, ans Furcht, mit de» dort wohnenden Griechen Unannchmlichteilen zu bekommen. In stairo wurde der Rabbi von dem Fürsten der Juden feierlich einpfangen. In Jerusalem will er noch bedeutende Ueberreste des salomonischen Tempels gesehen haben. Aus einem Interview mit Sir MoseS Montestore im Jahre 1863. .... Tie Antwort, die er mir auf meine Frage erteilte, ob er denn wirklich Hoffnung auf eine dereiustiste nationale Selbständigkeit der Israeliten in! heiligen Lande hege, charakterisiert den Mann aufs treffendste. Mit einem Lächeln, das seine Züge verklärte, antwortete er mir: ״Ich bin dessen ganz gewis;, es war dies mein beständiger Traum und ich hoffe, er tritt noch dereinst ins Leben, wenn ich nicht mehr darin bin.... Ich verlange nicht, daß sämtliche Israeliten ihre Wohnsitze verlassen sollen, wo sie sich behaglich fühlen, gleichwie es ja Engländer in Ungarn, Teutschland, Amerika und Japan gibt. Aber Palästina soll den Inden gehören und in Jerusalem sei der Sitz eines jüdischen Reiches." Heine und das jüdische Lichterfest. Bor etwa acht Jahr?!.hüten, als die meifreu Frankfurter Juden L;3׳ Ehanukafest noch feierten und außerdem in der Indengassc und den angrenzenden Straßen nahe beieinanderlvohnten, machten die vielen an die Fenster gestellten brennenden Rerzen in diesem Stadtteil einen recht - festlichen Eindruck. Heine, der in der'letzten Rovemberwoche des Jahres 1827 ans der Reise nach München, wo er die Redaktion der Politischen Annalen übernehmen sollte, in Frankfurt weilte, erzählt in seinem Buche über Börne folgendes von den! Anblick der Judengasse bei diesem Feste: ״Als wir (Heine und Börne) denselben Abend wieder durch die Indengasse gingen und das Gespräch über die Insaßen derselben wieder anknüpften, sprudelte die Quelle des Börneschen Geistes um so heiterer, da auch jene Straße, die am Tage einen düsteren Anblick gewährte, jetzt aufs fröhlichste illuminiert war und die Rinder Israel an jenem Abend, wie mir mein Cicerone erklärte, ihr lustiges Lainpanfest feierten. Tiefes ist einst gestiftet worden zum ewigen Andenken an den Sieg, den die Makkabäer über den Reuig von Syrien jo lie'.d'nmiitig erfochten haben/' Glaubt man nicht,!renn inan dies liest, Heine und Börne in lebhafter Unterhaltung durch die illuminierte Iudengasse schreiten zn sehen'/ Und doch ist dem nicht so gewesen, und die Erzählung Heines ist nur ein lustiges Fabelwerk, denn der Tichter, der n i e zur Zeit des jüdischen Lichterfestes in Frankfurt war, konnte also die illuminierte Iudengasse nicht aus eigener Anschauung schildern. Sein erster Besuch in Frankfurt erfolgte zur Meßzeit 1817,. sein letzrer in! Monat Mai des Jahres 18Z1. Zwischen beide fällt sein Aufenthalt in der letzten Rovemb'erwoche des Jahres 1827 und bereits vom 1. Tezember desselben Jahres liegen Briefe Heines ans München vor, das er bis zu seiner italienischen Reise im Sommer 1828 nicht mehr verlassen sollte. Heines Abreise von Frankfurt nach München!st also zweifellos vor dem 1. Tczember erfolgt. Im Jahre 1827 wurde aber das jüdische Makkabäerfest, wie man aus dem noch vorhandenen Ralendern leicht ersehen kann, vom 1-1. bis zum 21. Tezember gefeiert, mithin zu einer Zeit, in der Heine schon das Leben und Treiben in der bayrischen Hauptstadt studierte. Tiefe Tatsache liefert wiederum einen Beweis, wie irreführend es ist, ans Heines Schriften Schlüsse und Beurkundungen für fein Leben zu ziehen, und wie unkritisch alle die Perfahren, die ans jedes Wort des Tichters wie auf Orakel fahiidc». Die Ueberreste der Makkabäer. Tie Rirche in San Pietro in Vincoli zn Rom, eine Schöpfung der Roiferi» Eudoria aus dem Jahre -1-12, in der die Retten des Apostels Petrus aufbewahrt werden, wurde im zwölfte» Jahrhundert durch Michel Angelas berühmte Statue Moses, welche das Grabdenkmal des Papstes Julius des Zweiten schmückt, zu einem Heiligtum der menschlichen Rnltur, zu dem auch der Jude gern pilgert, um das Standbild des großen Lehrers seines Volkes zu bewundern. Und in eben dieser Rirche wurde im Jahre 1871» ein anderes, zwar bescheidenes Baudenknial ge-