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Jüdische Volksstimme · 1913-11-27 · Heft 47 (27.11.1913) · page 11

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 47 (27.11.1913)
Date
1913-11-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 10. ,^Jüdische Bottsstimme." Nr. 47. romanischer und angelsächsischer Lebensformen durch die Deutschen hinwcist, von den Juden, deren stark ausgeprägte Eigenart er selbst zugibt, völlige Aufgabe ihrer Individualität, die Vermischung mit fremden Wesen, die Assimilation fordert. Mag auch der Standpunkt des Autors aus mehr als einem Grunde unannehmbar sei», immerhin darf man seine Ausführungen als einen aufrichtigen und ehrlichen Versuch der Lösung der Iudenfrage begrüßen. M. v. Barhr: ״Zuchthaus und GHöngnis". Bei Tr. P. Langcnschcidt, Verlag, Berlin W- 57. Preis broschiert 5 Mark. Was will das- Buch? Es ivill die :Rechtsprechung, die Strafvollstreckung und die Gesellschaft daran mahne», daß sic nicht einzeln und abgesondert, sondern nur mit vereinten .Urärtoi! das ideale Ziel der Strafrechtspflege überhaupt und der Strafvollstreckung im besonderen crreid,!! lönnen. Und welches ist dieses ideale Ziel? Das hat der Autor in diesem Buche meisterhaft gezeigt: Ten Rechtsbrecher muß man während der Hast so moralisch heben, daß er »ach verbüßter Strafe die .ürast und den Willen hat, ein einwandfreies Leben zu führen. To selbstverständlich daS klingt, cs ist doch eine der höchsten Errungenschaften der Neuzeit. Denn heute noch begnügt sich die Allgemeinheit damit, daß der Rechtsbrecher abgcurtcilt und eingekerkert wird. Doch die moderne Strömung nimmt an Kraft zu, den Beweis dasür erbringt der Autor an den betreffenden Gesetzbüchern. Aber er begnügt sich i.icht damit. Als Strafanstaltssckrctär weiß er die beiten Ratschläge zu geben, wobei er die Geschichte ebenso genau wie die Zukunft berücksichtigt, ebenso Preußen wie Amerika oder einen anderen Staat, ebenso die Wissenschaft wie die Praxis. Tie Strafe soll dem Individuum angepaßt sein; nur der Geist, der im Gefängnis herrscht, verbürgt den gewünschten Erfolg der Strafe; die Gesellschaft schließljch darf den Abgcstraslen nicht aus ihrer Mitte ausflößen. Im Gegenteil. Sie muß-ihn liebevoll aufnehinen, wenn er pater peeciva gesagt hat, das allein lann dem Rücksallsvcrbrechertuin Vorbeugen. Im systematischen Ausbau iii das Buch einfach hervorragcnd. Acußerst einfach und verständlich ist seine Sprache. Jeder einzelne, sei er nun Jurist, Pädagoge, Seelsorger oder Philautrop, jeder einzelne findet sich in diesem Buche zurecht, jeder rindet darin die gediegensien Urteile, die auf diesem Gebiete überhaupt jemals abgegeben wurden. Ethik, Acilherik und Pragmatik der Seele, hier nicht folgen. Auch wer die Haltbarkeit der philosophischen > Prinzipien des Verfassers anzweifelt, ist ergriffen durch - die Treffsicherheit mancher Bilder und Charakteristiken. iBgl. besonders die glänzenden Ausführungen über den Irrtum des Intellekts, S- 57ff.1 lieber das Judentum urteilt Rathenau — selbst bekanntlich ein Jude — an einigen Stellen, aber fast immer schief. Wie kann man sagen, das Judentum werte den Mul ethisch nicht iS. 201)? War dem Juden nicht Gott ״ein verzehrendes Feuer", ein ..eifervoller Gott", der ״den Menschen ganz" verlangte? Ist diese ganze Hingabe, mehr noch, dies ganze Eintreten für Gott nicht eine Sache des Mutes? Wird nicht nach der Episode vom goldenen Kalb der Ruf gegeben: ״Wer zu Gott steht, stehe zu mir!" und ilun rücksichtslose Durchsetzung des Gotteswortes verlangt. Und die Worte des Propheten Joel! Und Jesus' Worte ״Nicht den Friede״, sondern das Schillert!" Es ist ganz schier, zu sagen, Barmherzigkeit sei dem Semiten universelle Tugend. :Ilathcnau hat sich da leider viel zu sehr von christlichen Quellen lEhamberlain?» orientieren lasse». Man sieht an solche» Beispielen, wie dringend »ot uns jene Aufklärung lut, wie sie Buber in seinen ״Drei Reden über das Judentum" gegeben hat. . Jan Navrätil! ordiniert von 2-3 im Kaunizpaiais vis ä vis dam Landhause : Größere Operationen (sowie schwere Ohrenoperationen) im Sanatorium. Telephon Nr. 1251. (Auch interurban.) Zubni läkaF MUDr. Fr. Spacek, Brno, Ferdinandovä ulice ci'slo 28. I*- Plomby, umöle zuby, sich sprävky a predölävky. Zahnarzt H Brünn, Ferdinandsgasse 32. Walther Rathenau: Zur Mechanik des Geistes. 2. Fischer-Verlag, Berlin. Mk. -1.50. Es sind zwei Jahre her, seit Rathenau uns!!! seiner ״Kritik der Zeit" ein wesentliches Buch gescheut! hat. Wesentlich:: denn es erfaßte die Krankheit unserer Zeit in einem ihrer wichtigsten Züge, der Mechanisic- .rung. Rathenau ist ein Mann der Praxis, er steht als Direktor der Allg. Elektrizitätsgesellschaft mitten im Getriebe unserer Zeit und ivar deshalb wohlberechtigt, dieser Zeit ihre» Spiegl vorzuhalten. Ter Spiegel sagte: die Zeit ist öde und unfruchtbar, denn im M.ch.tuis mus ihres Treibens gehl des Mensche!! Bestes zugrunde, die Seele, :!talbenans neues Buch geht über die Be trachtung der Praxis hinüber in das Reich der theoretischen Betrachtung. Das :>! e i ch der Seele und des Geistes soll als das einzig ivirkliche Reich dieser Welt erwiesen werden: ein neuer Idealismus wird uns (Drei Hahnen hof.); Ordiniert vormittags von 9—12, nachmittags von 2—5. F :1: Kinderarzt 10. Dr. Mlrcfl BFiinspanD ehern. Sekundararzt des k. k. Wilhelminen-Kindersritals ln Wien, gew/Vol. Assistent der Prof. Finkelsteinschen Säug• Ijngsklinik u. d. Prof. Neumansche Kindtr-Poliklinik 1. Berlin ordiniert täglich Briinn, Karl-Kandler-Gasse Nr. 8 1/!3—4, an Sonn- und Telephon 3314/VI. SS3r2E2S2Cffl3SC3 Feiertagen 10—11 Uhr. Telephon 3314/VI. Bl: verkündet, dessen metaphysischer Unterbau ungefähr mit der Monadenlehrc Leibnizens übereinkommt. Es gibt im cigcntlichen Sinne kein physisch Wirkliches. Tie Well der Körper ist nur ein Symbol, alles Vergängliche ein Gleichnis für die alleinige Wirklichkeit, die eine Wirklichkeit des Geistes und seiner Blüte, der Seele, ist. :Ilathcnau ist kühn genug, in den Spuren der so oft verlachten Naturphilosophie in der Art SchellingS zu ivandcln; er macht,!venn auch nur aphoristisdi, den Versuch, die Gesetze der körperlichen Natur, als Spiegelungcn geistiger Tatsachen nachzuweisen. Als Grundeigenschast des Geistes nun stellt er hin: ״Geist ist ko mb i n i c r b a r. Bestandteile des Geistes schmelzen im Ich zu einer Einheit zusammen", und wie unser Id, nur ein Bündel von geistigen Elementen niederer Stufe ist, so treten die Individuen in 'Völkern und Staaten zur Bildung neuer, höherer Einheiten zusammen. Ter Staat wäre danad, ebenso ein Individuum, wie Herr X. Gs ergibt sich dann von hier aus eine interessante Möglichkcit der Forschung, indem wir die introspektiv in unserem Individuum, dem einzigen uns so zugänglichen, gefundenen Gesetze auf die Gemeinschaften übertragen und umgekehrt gewissermaßen eine Soziologie des Ich — das ja auch eine Sozietät ist — schaffen. Daß freilich die Auffassung unseres Ich als ״Bündel" in der Art Humes vielleicht unüberstrcigliche Schwierigkeiten bictet, scheint der Autor zu übersehen und vielleicht ist seine Verachtung der Schulphilosophie daran schuld, daß er solche wichtige Probleme übersah. Wir können leider den weiteren Ausführungen des Buches, dem Aufbau der Seelenwelt aus der Gekskeswelt durch die Liebe, der Apothehe ״zum goldenen Adler". B KARL SONTAQ B Bruno, Großer Platz 1 Telephou 920. cmpsiehli: Telephon 920. Salmiakzeltcheu» bestbekannteS Mittel gegen Husten und Heisetkert zu 20, 40 und 60 Heller. 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