Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 47 (27.11.1913)
- Date
- 1913-11-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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1 :-?ל?׳ ^ימי^י Nr. 47. XIV./Il Jahrg. Beilage zur ,Wiener Ins. Vvltsstiunne'. 27.Novemb. 1913 Seite 9. Das ArbeitsprobLemiu Palästina. Die Frage, wie man Arbeitern durch Bereitstellung von Haus und Garten eine Existenzbasis sichert, beschästigt in steigendem Matze die besten Kopse und Herzen der vorgeschrittenen Nationen. Ten Philantropen sesselt der schöne Gedanke, mit verhältnismätzig geringelt Mitteln einer armen, arbeitsamen Familie ein bescheidenes, aber glückliches Heim zu schassen. Ten Tozialpolitiker leitet das Bestreben, den Arbeitern durch eine kleine Haus- und Gartcinvirtschast das Ertragen von induslricllcn Krise» zu erleichterit und ihn gleichzeitig zu verhindern, durch tlilterbielung den Lohn seiner ArbcitSkollcgen zu drucken. Ten Grundbesitzer aus dem Lande leitet das Interesse, das Abströmcn der cinheimischen Arbeiter nach den Industriezentren einzndämmen. Ten nationalen Politiker endlich bewegt die Zorge, datz das Land nicht durch Zuzug von sreindnationalen Saisonarbeitern eiitnationalisiert wird. Kein Wunder, datz sich in den letzten Jahren die ernste Presse und Literatur Deutschlands Englands und anderer Länder intensiv mit dem Behausungsproblem aus dem Laude bcsassc». Für die nationale Kolonisation in Palästina kommt zu den eben erwähnten Beiveggründen noch ein ausschlaggcbcnder hinzu: Tic ersehnte Massenkolonisation städtischer Elemente in Palästina und deren Umwandlung in Landarbeiter kann naturgemätz in erster Linie eine Kolonisation von Besitzlosen sein. Ter Jüdische Nationalsonds sucht bekanntlich die Arbciterlolonisationssrage aus verschiedenen Wegen einer Lösung zuzuslibren: durch Erwerb des Bodens als unveräntzerlichcn Nationalbesitz, Schassung und Förderung von Siedlungs- und Pslanzungsgenossenschastcn. Lehrsarmen usw. In den letzteil Jahren hat er sein besonderes Interesse der Arbeiterwohnungssragc zugcivendct. Zunächst errichtete er Einsamilienhäuser aus dem Wolsssohnsonds und Halperinsonds; Ledigen- Heime aus seinen lausenden Einnahmen. Eine besonders grotzzügige Aktion ist jedoch ersorderlich geivorden, seitdem die Verfolgungen im Jemen Tausende von Inden zur Auswanderung nach Palästina zwingen. Tie ׳Aktion ivar von Erfolg begleitet, indem Zionisten und Nichtzicnistcn dem Nationalfonds Hausspenden von je 1000 Franken zusührte», bisher cinschlictzlich der Teilzahlungcn zirka 280.000 Franken. Dieser Erfolg im Zusammenhang init den bishcrigcn Erfahrungen vcranlahte die Nationalfondsver- Ivaltung, sich mit der Errichtung von Arbeiterheimstättcn dauernd zu beschäftigen und die Werbearbeit hierfür in das ständige Tätigkeitsprogramin des Nationalfonds aufzunebmen. Tenn diese Häuser enlsprechcn einem dringenden Bedürfnis sowohl der Eimvanderer aus dem Jemen wie aus den Ländern Csreuropas, die, durch Not und Liebe getrieben, in die alte Heimat zurückkehren, um sie durch Harle Pionierarbeit für das Voll iviederzugeivinnen. In den Ehanukatugen, da wir der Makkabäer gedenken, die mit dem Schwerte in der Hand für die Freiheit des jüdischen Landes und des jüdischen Bauern kämpscn, sollten sich alle Juden ihrer Pflicht gegenüber den Makkabäern der Arbeit beivutzt werden! Ter jüdische Arbeiter, der die vcnvahrlosic, unkultivierte Scholle mir Pflug und Hacke zum Nationalbesitztum macht, hat ein Recht darauf, als Erbpächter auf Nationalfondsboden Eigentümer von Haus und Garten zu iverden und so eine Existcnzbasis für seine Familie zu erhalten. Es ist zu erwarten, datz die im vorigen Jahre ersolgreich begonnene Aktion für die Arbeiter- und Feinenitenhäuscr durch eine Vcrbindllng mit dem Ehanukaseii zu einem dauernden Aufschwung dieses bedeutsamen Arbeitsgebietes des Nationalronds irr Palästina beitragen ivird. Die Augenklinik ״Lemaan-Zion". brcichte 4017 neue Patienten. Ter folticiiDe Mouat Juni brachte zwar bloß 1912 neue Patienten, hatte aber bafür 14.7,20 (!) Gesainlbehandlunggen. ״Es sind dies Zahlen, die die anderen Kliniken von Namen um das Dreifache übertreffen.: Die Zahl der größeren Operationen betrug 4:47. In die Augen-Poliklinik ״LeinaanZion" drängen Juden, Ehristen und Mohammedaner aller Länder der Welt. Das Bild der Auezenkrankheilen selbst ist von dem einer enropäischen Nurbulanz sehr verschieden. ״Syphilis und metalnetische Erscheinungen kommen bei eingeborenen Inden so gut wie gar nicht vor." Die beiden .Hauptangenkrankbeiten sind eine im Lommer auftretende, von den Temperaturverhältnissen abhängige Epidem-ie und das Trachoin. Tie epidemische Entzündung kann in Tagen, mitunter in stunden zur Erblindung führen. Vor zirka zwölf Jahren sollen mehr als 106, manche behaupten sogar :'-00 jüdische Kinder an dieser Epidemie erblindet sein. Bis mir wenigen Jahren war das ״British Ophtalmic Hospttal", das der Z-ellachenmission dient, mit seiner dreimal wöchentlichen poliklinischen Beliandlnng, die einzige Nugenheilanstalt Palästinas. Manche Leute mußten ״von Mitternacht an mit Dänglingen bis gegen 8 Uhr morgens vor dem englischen Lpital warten und dann wurde nur einer Nu,zahl von 27,0—-:'.00 Einlaß gewährt und auch nur dreimal wöchentlich." Dies ist nun anders geworden. ״Ich mitte im Vorjahre 1000 7;«[10 in Beobachtung, darunter auch schwerste, tie niir von Aerzten und ׳Apotheken zugewiesen wurden: von diesen erblindeten drei, lväbrend Heuer bei weit größerer Kranken׳,ahl nur außerhalb der Klinik behandelte Patienten mir schlechrem Ausgang zu sehen waren." schnierzuchrn Tone. die sich seiner Leier wiedetboll ein rinnen, nls Aentzernngen seiner Weltanschauung. Tos Problem des Hptimismns und Pessimismus kann eben nach seiner Ilebcrzengnng nicht »in den beiden inbsek tiven Wertmessern des Verirandes n,1d der Erfahrung gelvn iverden, iondrrn fite seine Lebensanirhannng lit der dritte werlerkennende Faktor ansichlaggebend. das Gefühl. ״Ter tKrnndzng ׳eine-:- Philoiovbierens" das ist der Kernsav der ganzen Studie ״iit eine »>'«׳!- tendmachnng des lKesühl-es tt»d Gemütes!״ der Pbilosophie and die Grnndnnschannng dieses Gefühles und Gemütes ein unversiegbarer Hpliinismus. Grnttdlos ist dieser H a in e r l i n g i ch e C in; ■ m I s m n s freilich nur vom Verstände,!uebl aber vom <׳>,»,iie ans betrachtet: Schonbeiisseligken זין d:e liefinnersie Begründting der in Farbenpracht und Tinnenglnl srtnvelgenden Lebenslust des Lebensdulders, dessen Aeilhetik ivie Ethik mit ׳einer :ans ׳i,b leivn getvonnenen Lebe »saiiichaining anis :nuigite vrr knüpft in." Tie gehaltreiche Arbeit, die »ul der Gtiliidlicvle:: ernster Forschung die Vorzüge einer znin Herzen iprechenden Tarilellnng vereinigt, bedeinei. itainenilich ivas einheitliche tKesanilanifaiinng des Hainerlingschen tz!!׳ losophierens anbelangt, einen iveitvollen Beitrag pa,n vollen Erfassen des beule eigentlich iveing beachteten T übler Philosophen. ״Jung Indo", illnnrierte .Zenichrift für nniere Fugend. I I. Jahrgang, Nr. 22. Prag, den 21. November 101.; -21. Marcheschwan 71-7 > . Inhalt: Henriette r nenheiiner: T!1vlds Sa: kensptel. 'Ben Fekuda: Kavuel 2l. Prof. Er. Na lhan ('-niu: Tie 'tzrager israelitische lKeineinde un!>. Falndnndert. ülosa F.: Las; doch los. .Kind. Nachnm Goldmann: Am Tiberiasiee. Fon Fahnd der Aeltere. -Ein Märchens Moritz A.: Tr. Adolf Schmiedi. Br. Ebrenibal: Eldad der Tanne. M. Sckierlag: S,׳t׳ Einen Trost bildet Oer Umstand, baß mit zunehmender Lanberkeit die Olefahr der Epidemie sich bedeutend verringert. Dies erklärt es, weshalb die reineren und gesinideren L labiles le Die wenigsten Erkrankungen aufweisen. Wieder ein Eirund mehr für die Erbauung gesunder Llabtviertel für die breiten Volksschichten! Der Berichl erwähnt auch die Tätigkeit des internalionalen Eiesnndheitsamtes l Augenarzt Dr. Feigenbaum-Lemberg) miö der.Öadassa-Abordnllng ans Amerika. Aber er weist auch ans dringende Arbeit hin, die noch geleistet werden muß, wenn man endgültig diese fürchterlichste aller Krankheilen gründlich beseitigen will. Tr. Ä. Nuppin hat in seinem Palästiiiareserat auf dem Wiener Kongreß die Wichtigkeit dieser hnmanitären Knlturarbeit betont. Es wäre zu wünschen, daß reckt viele Juden sich für dieses Werk tatkräftig einsetzten. ״Die Welt". balbabend. Uebevietzungsausgave. ütäiiel. Frage und Anlivor:. Preisverleiinng. Nedaktion und Adminiilral 1011: Prag. 2., TtOans gasse Nr. «,2!«. Naoul Nichler: Essnus. Verla« Tvclijc Meiner, Leipzig. Wissenirhasilnbe ׳Arbeiten aber Geiilesheroei! oer schiebener Zeilabschnnle sind auch bann von boclniem Lehriverl, ivenn sie nnr des Slmei-is nnb der Zn-on, mensasjiing halber rein rezeptiv und kritiklos eine lieber sicht schaffen. Wie hoch 1 fr bann aber das Wert eines Mannes zn schätzen, der fellüt an der Sp'be der >e,e1 sier unserer Zen iielu, der berrlmgi und befähigt -n. sozusagen als philosophisches Auge unserer Zen die Lehren der letzten Jahrhunderte zn vrnfen nnb zn oer!verleit, lind gerade im letzteren 1i1 Richter grog. Fl׳:» üt z. B. die Philosophie Spinozas kein Snitei». ons >!, seiner tKeühIossenhe'it nnzngnnglirli bleibt fiir jeden, der nicht gerade alle Besiandteile anfnebinen ivill. Er .veif; Ldanulra-Leuchter ln reichhaltigster Auswähl zu beziehen durch den Jüdischer Buch- und 00 Kunstverlag 00 Brünn, Adlergasse Nr. 9. Literatur. 't. Adolf Altmann: Robert Hamerlinqs Welt׳ doch das eine oder das andere, die Methode oder den Zlveck oder das psnchoivgische Motiv seiner Arbeit, aki wertvoll hinzuiiellen. Er nimmt Siellnng zn!!1 m iv!e! zn Pasta! niid zu Kant »nd deutet ans ׳Aebntirbkei'rn ihrer Lehren mit moderne» Aiifchaniüigen 11m. Tie Eigenart, »nvollkominrnheit oder llnrichtigkeit inrtn er ans dem Individnni» zn erklären und vervolliiändigr mit reim: r wissenschuttlicher Phantasie die Einheit. Ueberbanpl ift sein Ange immer ans das lKanze gerichtet and Ilitgereinilheiten im grotzen Ban einer Lelire sche! neu ihm selbilvr-tändlich als Folgen der allmählichen Entwicklung. Wenn envas an Profeisor :!lichter;n l׳e Mängeln ist, dann ii! es vielleicht eben feine Gros,zugig feit, die ihn bei der Kritik vieles iiverielien iai׳,l. Fm vorliegenden Buche zeigt uns eine Airvnvio gisch geordnete Saminlnng von 'Ansiätzen und Vvrlra!gen geradezu den Werdegang des Gelehrten und ׳einer 1 Philosophie. Tie Fngendarl'eil ,.,Zur Lüning des Fani! Den Bericht des Augenarztes Tr. A. Ticho, der früher erster Assistent des Prof. Bergmeisrer (Wien) war und jetzt die Augenklinik ״Leinaau- Zion" in Jerusalem leitet, wird man nicht ohne Teilnahme lesen. Er umfaßt bloß zwölf Leiten und ist mit keiner Illustration oder sonst einem auf die Erzielung einer besonderen Wirkung berechneten Mittel -versehen. Lchlicht und kurz erzählt ein Arzt von seinem anderthalbjährigen Wirken, von Erfahrungen und Beobachtungen in einer Lp rache, die in der Hauptsache nur für den Fachmann ganz verständlich ist. Was aber der Laie en passant erfährt, ist geeignet, zum Nachdenken anzuregen und zur hilfreichen Tat anszurufcn. Zunächst einige Zahlen. Pom 1. Juli 1012 bis zum 24. August 101 :> wurden 11.022־ Paiienten behandelt. Der eine Monat Mai 101:1 anfdiauun« ein Optimismus. Hi dorisch-kritische, Ute rarisch-philosophische Studien. Verlag: Marhsche Buch- Handlung!Mar Sivatscheki Salzburg I!N4. 7. und kc7 2. Zu beziehen durch die Admin. dieses Blattes. Tie von gründlichem Studium der Hamerlingscheu Werke, der poetischen sowohl wie namentlich seines philosophischen Hauptwerkes, der ״Atomistik des Willens", zeugende Arbeit gliedert sich in zwei Hauptabschnitte, von denen der erste unter Berücksichtigung der 'Personlichkcit des Tichters den allgemeine» Grundcharaktcr seines Tichtcns und Tenkcns erörtert, der zweite seine Stellungnahme zum Problem des Cptimismns und Pessimismus und seinen Lösilngsversuch, einen grundlosen Lptimismus von der literarischen und genetischen Seite betrachtet. -- Hamerling stellt sich trotz des Fantmers feines Taseins den herrschenden pessimistischen Philosophen seiner Zeit offen gegenüber und mehrt sich auch entschieden gegen die Auffassung der iveltteiter Form, wie er es nennt, als Loiting des eihiüben Problems auf. Seine Antrittsvorlesung ״Blaiie Pas rnls Moralpimlosophie begründet die Widersprüche in dessen Lebte mit der fragmentarischen Ueberlieferung und der geistigen Entwicklung des Philvsvphrn. ״Tie Methode Spinozas". Tie Methode in nnr -.׳m Gleichnis, um das bereits Erkannte zn vermitteln. Ten Hauptteil bilden seine Ausführungen über Nietzsche, dessen Schüler er >var. Er iveitz so viel Notiges zu sagen, datz er von niemand, der nur halbn-rgs :,! Nietzsches Lehre rindringen will, entbehrt iverden kann. Aussätze über Wagner. W o l l in a n ». Maut. Scbiller und Tehniel. sowie sein Anssatz ״Philosophie und Knust", sie alle iind eine Verherrlichung der Phi lvsophie, deren höchstes Ziel Wahrheit und Einheitlich feit ist. H. Triesch: Ordnnngslehre. Ein Svstem des nichtmetaphpfischen Teiles der Philosophie. Mi! beionderer