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Jüdische Volksstimme · 1913-11-27 · Heft 47 (27.11.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 47 (27.11.1913)
Date
1913-11-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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•«יי.. ־ '״■! •* »?» *י״״'־" י * XIV|2. Jahrg. Nummer 47 Ikdischk --Bt BezugSpreife: j Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 6 2!)! , ganzjährig.Kronen 12־— I Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — | ן Rußland, ganzjährig.Rubel 6 — j I Balkan, Frankreich.Franks 14 — I Einzelne Nummer 20 h. | Herausgeber: Max Hickl. Erscheint jede« Donnerstag. l««t. Inserate: die Sspaltige Petitzeile 30 k. Redaktion und Administration: Brünn, Adlergafle Geschäftsstelle, Wien: l., Rotenturmstrahc ^!r. 31. ( Postsharkassakouto Nr. 312.842. j Telephon 3009/VIIi- Sprechstunden von 10—12 Uhr | Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht hono- : riert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen.! Brünn-Budapest. Wien. Prag—Lemder«. Aus dem Inhalte: Tr. S. Mandl. 'Neutitschein: Zur Charakteristik Tr. Abraham Schmiedls s. A. — 2. Müsenthal: Schlemilchen (Schluß.) — Ter Perbandstag der deutschen Juden in Hamburg. — Prager Brief. — Oberkantor A. Wiikowitsch, Eger: Pogrom in Sicht. — Rundschau. — Brunner und Wiener :Nachrichten. — Korrespondenzen. — Briefkasten. . Sitzung des zionistischen A.-C. — Tas Ar- D.eiterproblem in Palästina. — Tie Augenklinik ״Lcmaan Zion". — Literatur. — Tr. Leo Pinsker: Autoemauzipation. -- Inserate. Zur Charakteristik Dr. Abraham Schmiedls s. A. . Bon Tr. TiiEN Mandl, Rabbiner. .״Gy: -war ein Kanzplredner und Rabbiner ''beste,!,!alten Schlages und pin hervorragender Gelehrter.... Ter alten Gelehrtenschule entstammend, ivar er doch stets von modernem 'Geiste getragen." diese Charakteristik des Verblichenen in einem weitverbreiteten Wiener Journal (Reue freie Presse vom 7. November l!>!:!) findet heute gleichsam ihren literarischen Beleg in den religiös-philosophischen, zivil- und Feuilleton. Schlemilchen. Von S. H. M o s e n t h a l. ~ (Schlich.) Seine Finger hatten das Notizbuch gesagt und hervorgezogen, er schlug es auseinander; ein vertrockneter Blütenzweig fiel zu Boden, ein grosses, zusammengefaltetes Kuvert lag darin. Mit raschem Falkenblick halte der Amerikaner es gewahrt, mit raschem Griff erfasst. Emilchen wollte hinzuspringen, aber ihre Füge waren wie nn den Boden gewurzelt. Bärmann stierte über Die Brille hinaus auf die Aufschrift des Kuverts. Mit den großen, unbeholfenen Schriftzügen des alten Markus stand darauf ein einziges Wort: ״Kodizill". Als Bärmann dieses Wort erblickte. War es ihm, als fiele ein Alp von seiner Brust. Mit seinen dürren Fingern griff er zwischen die derben Hände seines Gegners hinein und zog daS Schriftstück aus seinem Umschläge.' ״Lesen Sic!" rief er mit einem Ton, der wie ein Jnbelruf klang. James begann still zu lesen, mit lauter Stimme las Bärmann die folgenden Worte nach: ״Meiner lieben Mündel, Emilie Katz, die mich in den letzten Jahren meines Lebens so treu und uneigennützig gepflegt und mir durch eherechtlichen Werken des Verblichenen, auf die schon hingewiesen wurde, die aber umrahmt wurden von der literarischen Kleinarbeit Tr. schmiedls in Frankels ״M o n a t s s ch r i f t für Geschichte und Wissenschaft des Judentums". in den religionsgeschichtlichen u. kritischen Studien in Smolenskis ״Haschachar", Löws ״Ben Cachanja", Fürsts ״Orient", in der edlen Geistesfrucht seines hohen Alters: ״Tas älteste Buchdrama der Weltliteratur (Hiob): Publikation des Wie- »er Jüdischen Museums. Eine gelungene Re- Produktion seines, von Wissen und Weisheit durchgeistigten Greisenantlitzes brachte die vorletzte Nr. Ihres gesch. Blattes. Es wurde in seineu besten Tagen von vielen Verehrern des Heimgegangenen u. a. dem hervorragenden Mitarbeiter eines Wiener Tagblattes als echter Rembrandscher Studienkopf bezeichnet.. Und wie als Gelehrter so bewahrte er auch als Redner den lebendigen Kontakt mit der Welt.. Tas Geheimnis, womit Tr. Schmiedls Predigten auf die Massen wirkten, war das edle Menschentum, das er auf die Kanzel brachte, und der Zauber seiner Perjöntichkeit auf die Menschen war seine ungeheuchelte Priesterschaft in ihrer Mitte. Goldene Früchte der Weisheit in silbernen Schalen gereifter Erfahrung, umweht von der Poesie des Morgenlandes, in deren Gebieten ec heimisch war, das waren Dr. Schmiedls Predigten; philosophische Kleinodien, fei» ziseliert in einer voit-'tümlichen Sprache des Herzens; ein spru ilH'c Anhänglichkeit ersetzt hat, was ich von meineu Blutsverwandten Hab' entbehren müssen, vermache ich dreißigtausend Gulden rheinisch, in barem Geld, als Ersatz für das Frankfurter Los, von dem ich ihr den Gewinnst Hab' zugedacht gehabt. Wenn sie den Betrag nicht sogleich nach meinem Ableben will aus dem Geschäft ziehen, so soll sie ihn von meinem Todestage an »ach dem landesüblichen Zinsfuß verinteressiert kriegen. Außerdem soll mein Erbe, wer er immer sei, ihr Wohnung, eine Trepp' hoch am Graben in meinem Hause, nebst Holz und Licht und dergleichen Sachen alle mehr, belassen bis an ihr seliges Lebensende. Jesajas Markus, Vormund der Waise Emilie Katz." Darunter stand das Datum und die Legalisierung durch den kurfürstlichen Notar, Tr. Karl Nebeithan. Nach dem ״Nebelthau" entstand eine Pause. Bärmann betrachtete Emilchen wie ein Rätsel, diese hatte den Blick gesenkt, als schäme sie sich der Entdeckung. James faltete das Papier zusammen. Er warf einen Blick auf das!«»begreifliche Mädchen, das ein Vermögen besaß ohile es geltend zu machen. Sie erschien ihm in diesem Augenblicke gar nicht so übel. Den kleinen Bärmann schlug er als Universalerbe, nicht hoch an. er lvarf sich in die Brust und spielte mit seiner schweren goldenen Uhrkette. ״Warum haben Sie das nicht gleich gesagt. delnder Onell von Bilderpracht, blumenreich, dabei frei von Bombast und Theatralik. jedes Wort wirklich ein Perle, sanft leuchtend, ohne Redeschwall, abgeklärte Lebeusseuienzeu. entferut von Phrasendrescherei. Hierin blieb der Verklärte sich treu von seiner ersten Predig! i» Gewitsch 1841! (nebenbei eine homiletische Rarilät, der Frühlingsbote des hochdeutschen Kan zelwortes im vorniärzlichen Mähren-, seinen ״Saiisinniin" (Prag 185!)), bis zum Abend sei wer rednerischen Wirksamkeit. Und wie mußte sein ewig junges Herz ob der :Regenerierung seiner über alles geliebten Jugend Israels jubeln! War es doch diese, der er -eine Belrachtungen ״Sansinnim" wivniete, damit sie Eingang finden in die jugendlichen Gemüter und den heiligen Funken, den Gott in das Herz unserer Kinder gelegt, zur Hellen Flamme Da Begeisterung für alles, was groß und edel ist in Israel mit anfachen helfen" (Vorwort zu Sansinnim 1859«. Seit Damals find Jahrzehnte vorübergerauscht. Inzwischen ist nnjeres Wissens nichts Selbständiges von seiner Kanzelberedtsamkeit, sondern einzelnes nur sporadisch erschienen. Und so bildet denn die folgende Probe (gehalten am Sabbath Rasch Chodesch Jjar 5><>«>-l 19. April 1904), die ich am folg. Sonntag 17. fchriftl. feskzu halten Gelegenheit hatte, einen Beitrag zur Che. rakterist'k Tr. Schmiedls als Prediger. Sie sei gewidmet Der Familie des Entschlafenen im en Kusine?" sprach er lächelnd und seine breiten Zähne zeigend, ״ich hätte ״Tie hätten mich dann nicht des Tiebstahls beschuldigt!" fiel Emilchen ein. die, noch tiefer verletzt, sein Lächeln verstand. ״Das ist ein mistake," erwiderte James, ״an dem Sie selbst schuld sind. Wir praktischen Amerikaner verstehen solche Vorgänge nicht, und in faet, ich begreife nicht, doch das geht mich nichts an. Tas Schriftstück ist all right und was das Haus weniger wert ist. ist eine einfache Rech nung. Uebrigens," fuhr er fort, indem er die Weste Pinaufschob und mit dem Daumen in einen LeDerglirt griff, den er umgeschnallt trug, ״übrigeils brauche» Sie mit mir kein Mitleid zu haben. Die lumpige Summe, die er Ihnen vernlacht hat, ist ״o matter für mich. Ich brauche Die ganze Erbschaft nicht, in iact. und wenn ich sie zu holen gekommen bin, so war es nur, um dem Alten, der mir sein Herz und seinen Bentel im Leben verschloß, noch im Grabe einen strike zu machen." Emilchen hob die Augen zum Himmel em por. Sie wollte den Beleidigten mit einem Worte rächen, aber ihre zitternden Lippen brachten es nicht hervor. Bärmann überhob sie indessen. ״Fräulein Katz," sagte er, ״bedanken Sie sich bei dem Herrn. Jetzt können Sie mit Be rnhigung Ihre Erbschaft antrelen. Sie waren seine Tochter, und dieser Herr hat Sie um Ihr verdientes Eigentum verkürzt." QR055ER dQ5VERKdUF ist es noch nicht aber bis 30% billiger wegen Übersiedlung verkaufe alte Raucher-, Galanterie- und Lederwaren, Stöcke, Regenschirme, Feuerzeuge, elektrische Taschenlampen, Taschen- und Rasiermesser etc. FRANZ KUOA, Brünn (Bahnhofplatz, Pavillon).

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