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Jüdische Volksstimme · 1913-10-30 · Heft 43 (30.10.1913) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 43 (30.10.1913)
Date
1913-10-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. ״Jüdische Bolksstimme". Nr 43. schcn Ueberresic Marl Seidls in seiner Heimat- Üabt Pohrlitz zu Grabe getragen. Es war eine imposante Leichenfeier, die beredtes Zeugnis gab für die Beliebtheit und Wertschätzung, welcher sich dieser gute, brave und ehrenhafte Mau» zeitlebens erfreut hat. Nicht nur die Mitbürger von Pohrlitz und Umgebung gaben ihm in großer Zahl das Geleite, auch von auswärts waren viele gekoiiiiueu, um ihrem J-reunde die letzte Ehre zu erweisen. Ans Wien beteiligten sich Herr Gemeinderat Ferdinand Eder als alter Geschäftsfreund an der Leichenfeier und Herr Robertz Laborsktz als Repräsentant der Firma Josef Laborsktz und Löhne, der langjährigen Morn־ missionärin des Verblichenen; Direktor Hans Fischer mit!mehreren Oekonomiebeamtcu der Znckcrfabriksfirma Robert und Co.. Leelowitz; Direktor «lieber als Vertreter der Graf Herbersreinschen Domäne; Gutsvcwalter Julius Ritter v. Weltflein aus Martinitz. Lederfabrikant Linaibergcr aus Eibcnschitz u. v. a. Mit einem ehrenden, tiefen Eindruck machenden N'achrnfe, welchen Herr Rabbiner Tr. Lewy aus Brünn dem Tahingeschiedenen widmete, schloß die erareifende Traucrfeicr. Ehre dem Angedenken Karl Lcidls! Prag. Tic Chargcntvahlcu des Kartells jüdischnationaler Verbindungen in Prag (Barissia", ״Jor. dania", Pragi hatten folgendes Ergebnis: MUC. Hermann Hönig. Präses, INC. Ernst Kohn, Pizcpräscs, JUE. Hermann Ungar, Schriftführer. Die Mitteilung dieser Ehargenwahlcn an die einzelnen buudcSbrüderlicken Korporationen ivird im Wege des N.-F. abgclöst. Soeben erschienen ------ Professor Leon Kellner ----- Jüdische Weihestunden. Preis mit Porto K 1 20. Jüdischer Buch- und Kunstverlag Brünn. Wien. (Dr. Harry Torczyncr — Univcrsitätsdozcnt.) In jugendlichem Alter von 27 Jahren wurde diesem durch Wissen und ernstes Streben hervorragenden Gesinnnngsgcnoffc» Tr. Harry Torczyncr die Ehre zuteil, zum Dozenten für semitische Sprachen an der Wiener Universität ernannt zu werde». Wir begrüßen de» Auserkorenen mit Toppclfrcudc, denn wir nennen ihn schon lange den unscrigcn, von jener Zeit an, da er im Jüdisch-theologischen Seminar daselbst durch seine geistvollen Vorträge und eifrige Propaganda für den Zionsgcdankcn sich rühmlich hervortat und die Ausmerksamkcit weiterer Kreise auf sich lenkte, jüdischer Prcdigcr sollte er lucrbcii; er zog cs aber vor zwei fahren vor, einer Berufung an das Gymnasium nach Jcrusalem zu folgen, um aus historisch heiliger Stätte Hebaica und Bibel im Uridiom zu lehren und die heilligc Sprache, die er meisterlich beherrscht und schon als Kind im hebräisch konversicrcndcn Ellcrnhausc sich zu eigen machte, in die Herzen der studierende» Engend zu verpflanzen. Schöne Erfolge lohnen seine pädagogische Wirksamkeit am Gymnasium zu Jerusalem, dessen Re- »aissance uns Tr. Torczyncr an der Hand von Lichtbildern in Wie» trefflich und fesselnd vor Augen führte. Tcmnächsi cröfsnel derselbe an der hiesigen Hochschule ein Kollegium für Hebräisch und Aramäisch, ferner ein zweistündiges .Kollegium über den Propheten Tanick, wofür sich bereits reges Interesse kundgibt. Ter Wiener Universität isl zur Akquisition dieser ausgczeichneten, jungen und vielversprechende» Lehrkraft nicht!veuiger zu gratulieren, wie dein letzteren selbst. mcrksamkeit der Negierung auf die Tatsache lenken, daß im Bukarcstcr Vertrage und in ähnlichen Dokumenten der neueren Zeit die Garantien der religiösen und bürgerlichen Gleichberechtigung für die Juden, wie sie im Berliner Vertrage enthalten sind, nicht bestätigt oder wiederholt »׳erden. Tie jüdische Bevölkerung sc! deshalb in hoagler Besorgnis. Internationale Vcrpslichtungcu zum Schutze der Rechte des Judentums seien notwendig, besonders angesichts der Unterdrückung der Inden in Rumänien, obwohl anerkannt werden soll, daß in Griechenland, Serbien, Bulgarien und Monteuegro die rechtliche und religiöse Gleichberechtigung bcsteht und die Juden bisher keinen Anlaß zur Klage hatten. Ter jüdische Ausschuß bedauert, die Erklärung des rumänischen Ministerpräsidenten Majorescu nicht annebmc» zu können, daß eine Bedingung über die religiöse Freiheit im Bukarcstcr Vertrage unnötig gewesen sei. Tic englisch-jüdische Vereinigung erhofft, die englische Regierung werde Schritte tun, um den Juden jenen vollen Schutz zu sichern, den ihnen das Londoner Protokoll vom Jahre 1880 und der Berliner Vertrag gewähren. Diskonte-aeseilschaft bei der °׳ Nordösterreichischen Bank <׳ Kr Industrie, Handel und Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haltung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschifte, hauptsächlich auch rar den ע Eskompt offener Buchfordeningen unter den aller günstigsten Bedingungen. Spanien und die Juden. Spanien, das vor einem halben Jahrtausend die Juden so grausanr vertrieben bat, bemuht sich feit einiger Zeit in lebhaftester Weife, die Ltzmpattzien der Judenheit zu erwerben. Die spanische Regierung braucht die Juden von Marokko, mit dort festen Fus; fasten zu können, und sie braucht die Juden Europas, um einen Aufschwung des lahmen Handels und der Industrie Lvaniens zu ermöglichen. Dazu versucht sie nun verschiedene Mittel. Eins davon ist, daß sie Professor Tr. A. L. jhatzuda, den bekannten Berliner Gelehrten, eingeladen hat, an der Madrider Universität die ueugegrüudete Lehrkanzel für hebräische und rabbiniiche Disziplinen zu übernehmen. Dr. fhatzuda soll in Madrid offiziell en״״angen werden und auf Kosten der Regierung eine Ltndienreise in Marokko unternehmen. Ter Bau eines Hafens in Jaffa. Nach einer Meldung der Jerusalemer Zeikung ״Hacheruth" wird die französische Eisenbutzngesellfchast Jaffa—Jerusalem, welche die Konzession für den Bau des Jasfaer Hafens erworben hat. die Pauarbeiten schon am Anfang des nächsten Jahres in Angriff nehmen. Der Hasen wird dreimal so groß sein wie der Beiruier Hafen. Tie Kosten sollen 27»,000.000 Franken betragen. Blumentag des Jüd. Rativualsonds in London. Am letzten Lountag fand in London ein Blumentag zugunsten des Jüdischen National-! fonds statt, dessen Ergebnis alle Erwartungen übertras. Man hatte auf die Beteiligung von etwa hundert jungen Damen gerechnet und nur 12.000 Blumen vorbereitet. Aber am Sonnabend chäologffcher Studien anzukaufen. Der Baroil hofft, mehrere Gräber und Reliquien aus der Zeit des südlichen Reiches ans Licht zu bringen und die Gegenstände in einem Gebäude unterzubringen, das auf dem genannten Gebiet errichtet und zu einem fuol'chen Museum ausgestallet werden soll. Ta die kaiserliche Erlaubnis hierzu bereits eingetroffen ist, soll mit den Forschungsarbeiten demnächst begonnen werden. Uordruckerti י « « Plis$l«ran$talt« « « _FANTA, Postflasst 2. Ter Zionistenkongreh im Kino. Tcm ungemein rührige» Jüdischen Turnverein Favoriten ist cs unter große» Opfer» gelungen, de» Film über de» elften Zionistcnkongreß und das anläßlich desselben stattgcfundcnc Turn- und Sportfest der Jüdischen Turucrschaft, für eine einmalige Aufführuug zu gewinnen. Wie erinnerlich beteiligten sich an diesem Turn- und Sportfeste über 1400 jüdische Turner und Turnerinnen, deren überraschende Leistungen, die fast 20.000 j Menschen zählende Zuschaucrmcngc in Helle Bcgciftcruug versetzten. Viele von denen, die nicht in der Lage waren, das herrliche Bild, das am 7. und 8. September der Vicnna-Sportplatz bot, in natura zu sehen, werden sicherlich diese Gelegenheit, die bewunderungswürdigen Leistungen jüdischer Turner und Turnerinnen wenigsrens im Film kennen zu lernen, nicht ungenützt vorüber gehen lassen. Ter Jüdische Turnverein Favoriten lvird diesen Film, anläßlich einer zugunsten seines Turnhallensonds in den Noscnsälen, 10. Bcz., Favoritcnstraße 80. am 80. Lktobcr d. I., halb 0 Ilhr abends, stattfindcnden Kino-Varictcvorslellung vorführen kaffen. Karten zu Ii 1.20, K —.00 und K —.40 sind im Vorverkauf an den Turnabenden am Turnplatz, 10. B-, Laxcnburgcrstraßc 8—10 iArbeitcrhcim), oder auf telephonischc Bestellung bei dem Sbmannc, Herrn S. Insel >4058), zu haben. Ein Neck- und Liebesbrief von Börne. In einem Aufsatz ״Börne und die Frauen׳' teilt Prof. Ludwig Geiger in der ״Frauenrundschau" eine Anzahl bisher ungcdruckter Liebesbriefe von Börne mit, die in ihrer Mischung von Leidenschaft und Spott ein sehr treffendes Bild dieses Charakters geben. Wir setzen einen hübsche» Brief (vom 21. Scptcinbcr 1827) hierher, roorin er sich über die mangelnde Orthographiefesligkeil seiner Freundin lustig macht: ״O Wonne meines Lebens, lvas entdecke ich! Forderung haben Sic mit ׳׳incm ps. geschrieben. Psorderung. Juchhei! Das ist!siii lieber wie zehn c-iulden. Also: 1. Rath, 2. Schahm, ׳l. Judcnback, 4. Psorderung. Ich lvill eine Erzählung draus machen. ״Aus meiner Reise nach Stuttgart brach ein Rath an meinem Wagen, so daß uy mich einen ganzen Tag länger aushaltcu mußte. Darüber kam ich mit meinem Gcldc zu kurz. Ich ging zu mehreren Luden, um eine kleine Summe zu borgen, aber das Judcnback blieb taub. Nur einer bot mir 10 Louisdor Mit 8 Tage, gegen 20 Gulden Interessen an. — ״Elender Jude," sagte ichihm, ״welch eine Psorderung! Habt Ihr Leute denn gar keine Schahm?" Gut erzählt? Sie >chc» doch Spötterin, daß meine Augen gefährlich werden können: Hätte ich ohne Sie Ihren Vehler gcvnnden! . Adieu Tn Rath meines Lebens, die Tn :s in Bewegung setzest; Tu bist schöner als die Schahmröte det-Unschuld: das Judenback kann stolz sei», daß Tu eine Jüdin bist. Du erfüllst alle Pfordcrungcu Wien. Am 2. November findet in Galantba die Drauunq Lr. Ebrw. des Rabbiners Moritz F I e f di, mit Frl. Paula H 0 f b a 11 c r statt. Unsere besten Glückwünsche. Die Redaktion. Jttuidfdwu. Zum Schube der Juden am Valta». Eine bemerkenswerte Aktion der englisch-jüdischen Vereinigung. London. Namens des gesamten jüdischen Ausschusscs richteten David Alexander und Elaude Montesiori, der Präsident der englisch-jüdischen Vereinigung, an Sir Edtvard Grcv ein Schreiben, in dem sie die Aufmeldeten fick) 2710 Damen zur Teilnahme. Um 0 Uhr moraens waren bereits alle Blumen verteilt nnd nnr mit Mütze konnte man noch neue auftreiben. Als keine einzige Blume mehr zu ertzaiten war, wurde der Verkauf beendet; über 27..000 Blumen wurden abgefetzt und 1-10 Pfd. Lterl. (2800 Mk.i ein-״׳nommeu. Das ausaezeichnete Ergebnis des Blumentages bat die Nationalfondsverwaltung veranlaßt, für den folgenden Lonntag den 20. Oktober, einen Blunieiitaa in ganz England zu veranstalten. Ein archäologisches Institut in Palästina. Baron Edmund Rottzfchild ist es gelungen, ein großes Gebiet in Palästina zum Zwecke armeiner Einbildungskraft." Qskar Blumenthal und der Midrasch. Oskar Blumenthal, der geistreiche Spruchdichter, hat ein neues ״Buch der Sprüche" veröffentlicht, in tvelchcm er gesammelt, ״was ihm geraunt hat die hastende Zeit, lvas ihm dem rascheuden Leben entquoll, was ihm geflüstert hat Freude und Groll"; aber auch dem alten Schrifttum der Juden, der ״blühenden Haggada", scheint er manch schönen Gedanken, manch weisen Spruch entlehnt zu habe». Dies scheint er besonders in dem Kapitel ״In morgenländischer Tonart" getan zu haben, in einem Kapitel, in welchem der Dichter durch seine große Sprach- und Rcimkunst besonders brilliert. Wie sehr cs ihm gelungen ist, den alten Wein in neue Spezial-Geschäft in Strumpfu. Wirkwaren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. Strümpfe, Socken, Handschuhe, Sportartikel. gZj Berthold Herrmann Brfinn, Herrengasse Nr. 8—10. m s m s m

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