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Jüdische Volksstimme · 1913-09-25 · Heft 39 (25.9.1913) · page 10

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 39 (25.9.1913)
Date
1913-09-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. ״Jüdische Volksstimme." Nr. 39. Menschen Freude bereitet, derselbe an dem Geistigen, das sie» in diesem Tinge befindet, sich erfreut, denn wäre das Geistige nicht, iviirde dieses Ding absolut nick» eiisticren lönnen." ..siede Geschmacks-, Geruchs- und Farbcncinpsindüng gebt nicht von dein Materiellen aus, dieses ist vielmehr das Gesas;, das daS Geistige, das in diesen Si»nesäußernnge!1 qnilll, zu beschränken vermag." '■’!acki dieser;Anschauung sei alles von Gott, denn er sei die OueUe alles Guten und Schönen.;'!lies i!rat!il von!hin gleichsam von einer Substanz aus, und nichts crisiien außer ihm. Raum und Zeit sind daher seine Attribule und die körperliche Well die Maniseslalion seiner geistigen Eigenset,asten. (Fortsetzung folgt.) Literatur Beil, Joses Z'vi zum Traktat Sntka, von Tr. S. Eaelebach, :llabbincr der Israel. Gemeinde zu Lübeck. Berlin 1010, Verlag .,Hausfreund". 550 Seiten. Preis ‘.1 M!., gebunden tO Ml., desselben Werkes zweiter Teil, zum Traktat Rosch-Haschonoh, Berlin 1012, 074 Seiten, Preis 0 Mk., gebunden 7 Mk. In demselben Verlag. Zu bczielicn durch den Jüdischen Buch- und Sluiist- Verlag, Brünn. Wir rucken den Festtagen wieder näher, bald wird das Sckiosar-Horn wieder ertönen und man an den Bau der Laubhütte denken müffen. Taliiiudbcflisscnc lernen dir Traktate Ranscki-Ha-Schonoh und Sukkaus. Ta glauben ivir ihnen einen großen Dienst zu crwcisen, wenn nur an B. I. Z. erinnern, das Nachschlagewerk, dessen erster Teil, auf Sukkaus vor zwei Jahren, und der zweite Band ans Ralisch-Ha-Tchonoh vor wenigen Monaten erschien. Wenn wir diese beiden Bücher nicht nur zu den guten, sondern auch zu den besten, ja allerbesten Neuerscheinungen rechnen, so können wir das getrost sagen, ohne dem Verfasser, der in seiner bekannten großen Bescheidenheit jedes Lob zurückweist, auch nur das geringste Lob damit zu spenden. Denn von ihm selbst enthalten die beiden starken Bände nur wenig. Ihr Inhalt setzt sich vielmehr zusammen aus Stellen in der G'moroh und anderen bekannten Werreu, soweit sie von den alten und neueren Siommcn־ tarcn (Naschi. Taussaus, Bach nsw. usw.) zitiert werden. In dem Band auf Rausch-Ha-Schonoh sind auch Erzerte aus Tikdukc Sausrin hiuzugckommcn. Aber, wird man einwcnden, dann sind ja die beiden Bücher ganz überflüssig. Tie Stellen kann man ja, und tvahrscheinlich nicht ohne Nutzen, selbst nachschlagcn, wenn man sie nicht im stopfe bat. lind die inan weiß, braucht man nicht nachzuschlagen, und also in solchem Hilssbuch auch nicht nachzusebcn. Tas inag iliminen. Wer recht viel Zeit, aus die cs ihm nicht ankoinml, hat, ein Schaß zur Hand und eine» großen Tisch, aus dem er all die nachgeschlagcuen Bände ausslapcln kann, der mag cs so mache», wie inan es bisher ja machen mußte. Wer aber seine Zeit und seine kg rast nicht gern unnütz vergeudet, wenn ein Hiltsmittel vorhanden ist, das ihm die Blühe abnimmt, für den ist Betb Joses Z'vi nncntbchrlich. Es iii unentbehrlich für den großen Lamdon, der, obschon er den ganzen Talmud im Stopfe hat, dennoch oft des genauen Wortlauts einer Stelle wegen zum Nachsehen genötigt tväre, und den nicht so gut beschlagenen Lernbeflissenen wird cs fast bei alle» Zitate» seine guten Tiensie leisten. Wem es darum zu tun ist, nicht so gründlich zu lernen, mehr kursorisch den Traktat durchzunekmen und nickt! bei allen Zitate» sich aufzuhalten, sondern nur Einzelnes da und dort einzusehcn, der kann in B. I. Z. alles andere überschlagen und nur die ilm interessierenden Stellen Nachlesen. Tie außcrordcntlieb ttare liebe! ׳ich! bietet ibm dazu die beite Möglichkeit. Aber wenn das Nachsckitagen auch nicht eine ungemein zeitraubende Arbeit tväre, tvürdc sich die Ansckiasfung dieses Nackitchlageiverkes dennoch reichlich verlohnen. Ter Talmndkenner weiß, daß wenn man ein Zita! richtig geinuden Hai, man es doch nicht sofort veriieben kann. Blau muß, um das Gesuchte verwenden zu könne», es ans der oft lvcit ausgedclinten Diskussion herausschälen, zu diesem Ztvcckc nicht selten ganze Leiton vorher und nachher durchlerncn und überall die dazu gehörige Erklärung :!laschis erst heraussinden. AU dieser Arbeit lvird man hie! enthöbe». Ter Verfasser bringt nur das zum volle» Versiäudnis Nötige, sehr oft im Anschluue an die dazu gehörige Mischuoh, damit cs klar >vi!d. ivieso-die belrcsscnde Stelle in diesen Traktat bineinlomint. Er läßt das dazwischen liegende, nicht hierher gehörige!veg. es sei denn, daß dieses dazwischenliegende zum Veesiändnis einer anderen Stelle gehört, an der dasselbe Zita, später im Traktat wiederholt wird. Außerdem iii die Naschi stets unmittelbar dazu abgedruckl, so daß man auch hierbei Zeit und Arbeit erspart. Wenn der Versasser also den beiden Büchern als Moito auigedruckl bat.0ימלא“, ולא חבמר oat cr '"wscrn recht, weil cr eigene Weisheit nicht bieten will, jüdischen Leser der ״Bibliothek der Unterhalaber Arbeit für alle Lernenden leistet.!tung Mid des Wissens", Von ״Ueber Land und Deshalb sollten diese beiden Bücher bei keinem Meer", ״Gartenlaube" usw. werden mit Ver- Lernenden fehle», freilich sie sind nicht ganz billig, gür!gnügcii nach einer Zeitschrift greifen, welche eine den gute» Truck, das gute Papier, die Seitenzahl ge- Fülle erstklassiger Geiftesvrodukte iüdil'cher Meiiviß nicht zu teuer. Aber zu teuer für die Lernenden, ■ die ja im Durchschnitt kein Geld übrig haben. Und man kann doch dein Verfasser nicht zumute», daß cr die Bücher unentgeltlich abgebe und alle Kosten allein trage. Verdienen wird cr, selbst loenn sie voll bezahlt werden, nichts dabei, so wenig tvie die meisten Verfasser wissenschasllicher Werke und gar noch die מחברי ספרים Es bietet sich da begüterten Förderern der ,תורך eine schöne Gelegenheit, ärmeren Thorajüngcrn ein Buch zu verehren, das sicher überall freudig begrüßt lvird. Aber iver auch keinen solcher Männer findet, und mit jedem Groschen rechnen muß, der sollte doch die Ausgabe für die Anschassung von ,צם?CI" ת"* “ 1 “ nicht schellen. Tenn Zeit ist bekanntlich auch Geld. Ter Meister. Roman von Hans Freimark. Verlag .Heims, Leipzig. In Zeiinngsartikeln, wissenschaftlichen und un- Ivistenschasrlichen Büchern lvird über den nüchternen Materialismus, über die Armut an poetischem Empfinden in unserer Zeit geklagt. Nun erscheint dieses Buch lind predigt das gerade Gegenteil, mahnt von einseitiger Uebcrschwcnglichkeit ab. Jedem Menschen, auch dem idcallosestcn, ivohnt eine oft unbestimmte Sehnsucht iniu;. ES ist also nicht zu verwundern, wenn in unserer ncrvüsüberrcizten Zeit schlvächlichc Menschen die Vertvirklichung ihrer Träume von der verkehrtesten Seile anpacken, ohne Rücksicht aus Wirklichkeit und Möglichkeit und einen vollständigen Schiffbruch erleidet,. So auch die Gesellschaft von .,Monte-Christo", die teils dem hohen Fluge der Gedanken des Führers nicht zu folgen vermag, teils zu weit geht, so daß die ganze Idee in Personenkult ausartet. Tie haltlosen Verhältnisse scheitern zuguterletzt an der Wirtschaftsfragc. Ta soll nun — es ist bezeichnend für die Stellung des Judentums in der ganzen Geschichte — ein Jude, dessen ideales Streben nicht so losgerissen ist von aller Wirklick'lcil, mit starker Hand und eisernem Willen eingreisen und das Gute dieser Institution retten. Das Buch, von einem anerkannten Autor gcschricbcn, durfte bei seinem reichen, philosophischen Gehalt die Ansmertsamkcit der Lcscrwelt aus sich richten. Karin Micharlis-Stangcland: Graf Sylvains Rache. Verlag Albert Langen, München. Wer tvürde der Verfasserin des ״Gefährlichen Alters" eine so zierlickc Rokokogeschichte zutraucn? Man hört förmlich die Rcisröckc dahcrrauschen und die Kava- Jim־, den Togen an der Seile, in zierlichen Schnabelschuhen cinhergchcn. Nur die freie Ironie, in der sic ihre Akteure am Beginn des kllomancs vorstellt, crinncrt a» ..Jens Himmelreich". Graf Sylvain straft in seiner Wcltersahrenhcit den Ehebruch seiner.Gemahlin, indem cr sic »iii ihrem Liebhaber einsperrt und gelangt so zu dem gelvünschten Resultat: An der Langweile, an dem Fehlen des gewohnten Lebens geht die vermeintlickie Liebe der beiden zugrunde. Wiewohl Graf Sylvain seiner Gemahlin die Wahl zwischen ihm und Vieomre Emile, dem Liebhaber, freistcllt, kehrt sie in seine Arme zurück. Jedenfalls eine eigenartige Lösung des schtvicrigen Problems. Ob sie im Leben zu einem so glücklichen Ansgang führte, wie im Roman, wollen wir dahingestellt sein lassen, die Lösung aber paßt besser in den :tiahnien dieser Geschichte als der Tod des Lieb- Habers oder deS Galten, da dies schöne Idyll keine so getvalisame Lösung verträgt. / 1 Fülle erstklassiger Geistesprodukte jüdischer Meister bietet. Die Leitung dieses jüdischen Almanachs muß in den Händen einer Gruppe verläßlicher und begabter Männer liegen, welche die Auswahl der Beiträge ohne Ansehen der Person trifft und kann vielen aufstrebenden Talentcn eine kräftige Stütze werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß dann einzelne besonders geeignete Arbeiten im Separatdruck erscheinen und dem Buchhandel übergeben werden. Sollte der Verlag — was zu erwarten ist — erstarken, dann beginnt ein anderes Kapitel. A. B. Jüdische Verlagsgesellschast. Sehr geehrter .Herr Redakteur! Dem ״Jüdischen Verlag" werden voraussichtlich am Anfang nur bescheidene Mittel zur Verfügung sieben. Daher ist umso größere Vorsicht bei den Entscheidungen dieses Untcrnchmens geboten. Zunächst möchte ich feststellen, daß cs das Verseblteste wäre, wenn der Verlag sich auf die Herausgabe wissenichaftlichcr Werke, sei es welcher Disziplin immer, beschränken würde. Eben- Jüdischer Handlungsgehilfenverband. Anläßlich des elften Zionistenkongresses hat in Wien eine Tagung der jüdischen Handclsangestellten slatlgcsunden, deren Ziel die Gründung von jüdischen Gewerkschaften für die Angehörigen unserer Klasse aus der ganzen Welt ist. Tie darauf abzielciidcn Bestrebungen sollen ihren Schlußstein in der Schaffung einer Weltorganisation der jüdischen Angestellten finden. Tas Referat ans dieser Tagung, welches von dem Mikgliede der Verbandsleitung des Jüdischen Handlungsgchilfcnverbandcs für Oesterreich Koll. Samuel Strauß erstattet tvurde, wollen toir nachstehend in lapidarcr Stürze wicdergeben. ״Tie soziale Struktur des jüdischen Volkes hat unter dem Enttoicklungsgange des Wirtschaftslebens seiner Wirtsvölkcr eine völlige Umgestaltung erfahren. Früher ein Volk, das fast ausschließlich aus selbständig Erlverbcnden bestand, sei cs nun in freien Bernsen, sei cs als Kaufleute und im Handel, setzt sich das Judentum heute, speziell in den Ländern des Westens hauptsächlich aus unselbständig Erloerbenden zusammen. Diese großen Schichten des Judentums leiden nun unter einer doppelten Not, der als Juden und der als Angehörige einer ausgebeuteten Klasie. Alle Formen der Judennot spüren diese an ihrem Körper, verschärft durch einen schweren Boykott, der ihnen von Christen und leider auch von Juden praktiziert, das Leben zur Hölle macht. Die jüdischen Angestellten stellen daher einen ungeheuren Prozentsatz unserer Wandernde» dar. Hier soll die jüdische Gewerkschaft cingrcisen, die in allen Ländern einmal fest begründet, ein mächtiger Faktor zur Bekämpfung des Boykotts und zur Regelung der Emigration zu loerde» berufen ist. Tie jüdische Gewerkschaft ist aber auch das einzigc Kampfmittel, das toir haben, um die Angehörigen gerade unseres Standes dem nationalen Judcntume zu gclvinncn und zu erhalten. Sic wird bei richtiger Leitung für uns zum Instrumente der jüdischen Erzichung der Massen unserer Standesgenossen, zu unsercm ersten und wichtigsten Kullurfaktor werden. Dem jüdischen Volke in seiner Gesamtheit crwächst durch unsere Arbeit der ungeheure Vorteil, daß ihm aus einer bis nun verlorenen Klasie gesunde, Wirtschaftlich und körperlich gesunde Mitstreiter erwachsen. Ten vorerwähnten Zielen dient die jüdische Ge- Werkschaft, der beizulrcten wir euch auffordcrn. Die Versammlung beschloß: 1. Zum Zwecke der Propaganda ein Sekretariat bestehend aus den Slollegcn Benno Deutsch und Samuel Strauß in Wien cinzusctzcn. 2. Alle Interessenten auszufordern, sich dein Indischcn Handlungsgchilfenvcrband bis zur Gründung neuer Organisationen in ihren Wohnorten anzuschließcn. 0. Die gewonnenen Mitarbeiter zu verhalten, neue Bcrtraucnsmäniicr zu gewinnen und in ihren Wohnorten aus die Errichtung Von lokalen Vereinen, die alle nach einem einheitlichen Statut zu gründen sind, hinzuarbeitcn. 4. Die im Auslande gewonnenen neuen Mitglicder haben schon heute als vollwertige Mitglieder des Indischen Handlungsgehilfcnverbandcs das Recht auf so nnfruchibar wäre es, die vorhandene dkraft Slellcnloscnnntcrstützung. die Zusendung des Ver- und die Milte! auf ein enzyklopädisches Werk^andsorganes, Rechtsschutz, sowie aller anderen Begnnzu verwenden. Mit Rücksicht auf den großen Lesest'üungcn. eifer des jüdischen Publikums und in Würdi-' ». Die Statuten für die Weltorganisation stnd gnng der Tatsache, daß das Gros unserer Glanauszuarbciten und einer Konferenz, die anläßlich des bensgenosscn nicht bemittelt ist, empfehle ich als zwölften Zio1,i,kcnkongrc,scs statlzufinden hat. vorzuerstes Unternehmen die Herausgabe einer billi-j legen. . gen Wochenschrift, welche eine Fülle unterhal- Nach ei״cr kurzen Debatte wurden d,c,c Vor,chlagc senden und belehrenden Materials in gedicgeangenommen und mit einem Appel an die Anwesenden ner Form und Anssiattnng bringen soll. Selbst-. sofort und ernst an die Arbeit zu gehen, lchlo,; der Vorverständlich wird diese Zeitschrift sich Hauptsitzende die Tagung.!sächlich mit Materien' beschäftigen, welche für! Sämtliche Zuschriften sind zu richten an Samuel de!, jüdischen Leserkreis Interesse haben. Tie Strauß. Wie», 17.. Palfsyga״e 18. Soeben erschienen: ״Hickls Jüd. Volkskalen-er" 4

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