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Jüdische Volksstimme · 1913-09-18 · Heft 38 (18.9.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 38 (18.9.1913)
Date
1913-09-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 38. ״Jüdische Bolksstnmne". Seite 5. gleichfalls auf seine Ernennung zum Oberbürgermeister bezog. Der Rabbiner erzählte nämlich, daß, als die Wahl Heltais vorüber war und der jüdische Oberbürgermeister vor Sr. Majestät dem Kaiser erscheinen sollte, um ihm für die Ernennung zu danken und sich als Oberbürgermeister der Haupt- und Residenzstadt Budapest vorzustellen, da verschwand Heltai vorerst auf einige Tage aus der Hauptstadt. Er fuhr in seine Geburtsstadt Szeutes und begab sich dort auf den jüdischen Friedhof, suchte das Grab seiner nebeneinander ruhenden Eltern auf und verrichtete dort ein stilles, andächtiges Dankgebet. Denn Heltai wußte, daß er all seine Erfolge in allererster Linie der Charakterbildung zu danken habe, die ihm seine wegen ihrer Frömmigkeit und ihres guten Herzens in der Heimat hochgeachteten jüdischen Elten: gegeben haben. Diese Erinnerung an das jüdische Elternhalls, die Verehrung der Gräber seiner jüdischen Eltern auf dem jüdischen Friedhofe waren seine Führer und Begleiter auf seiner glänzenden Karriere. Der Fürstbischof und die arme Jüdin. Aus Stanislau wird uns geschrieben: Ein interessanter Vorfall, in dessen Mittelpunkt der Fürstbischof Chomitzin steht, bildet hier das Tagesgespräch. In der Nähe des sürllbiß lichen Palais befindet sich eine Tabaktrafik, deren Pächterin eine jüdische Frau ist. Trotzdem die Trafik der Frau nur ein recht ärmliches Auskommen bildet, fanden sich judcnfeindliche Elemente, die alles aufboten', um die Jüdin ihres kärglichen Erwerbes zu berauben. Tatsächlich hätte die Frau dieser Tage die Trafik verlassen und einein Konkurrenten einräumen sollen. In ihrer großen Not faßte die jüdische Trafikantin den Entschluß, beim Fürstbischof uin Audienz anzusuchen und ihn um seine hohe Intervention zu bitten. Fürstbischof Chomitzyn hörte die Frau wohlwollend an und fand bald heraus, daß es sich hier um eine rein antisemitische Existenzabtreiberei handelt und entschloß sich daher, bei der Finanzdirektion persönlich zugunsten der jüdischen Frau zu intervenieren, wobei er nicht verfehlte, auf die eigentlichen Motive der Kündigung hinzuweisen. Dank dieser Intervention wurde der jüdischen Trafikantin ihr Erwerb erhalten. Lieber sterben als nach Rußland. Wie die Newyorker ״Times" melden, habe ein jüdischer Emigrant aus Minsk (Rußland), der wegen Außerachtlassung irgendeiner Formalität von dem gestrengen Herrn auf Ellis-Jsland zur Deportation verurteilt wurde, auf der Rückreise seinem Leben in selbstmörderischer Weise ein Ende bereitet. Man fand bei dem Selbstmörder eine kurze Aufzeichnung, in welcher er erklärt, daß ehe er nach Rußland zurückgehe, lieber den Tod wähle. Dieser jüdische Emigrant ist. wie die Untersuchung ergab, ein Handwerker gewesen, der nicht vor dem Militärdienst geflohen war, und durchaus keinen Grund hatte, bei seincr Rückkehr in seine Heimat eine Strafe zu befürchten. Er hatte allen gesetzlichen Ansorderungen bei seiner Auswanderung entsprochen und konnte, so lange er nicht eine fremde Staatsbürgerschaft annahm, zu jeder Zeit nach Rußland zurückkchrcu. Und dennoch wählte er lieber den Tod als nach Rußland zurückzukehren. Pietätvolle Auswanderer. Aus Newhork wird geschrieben: Auf dem Schiffe ״George Washington", das dieser Tage von Bremen kommend in Newhork landete, starb während der Uebersahrt ein jüdischer, 82jähriger Auswanderer namens Jsak Singer. Ten Vorschriften gemäß hätte die Leiche des Verstordenen ins Wasser versenkt werden sollen. Als die Mitreisenden jüdischell Auswanderer hiervon erfuhren, veranstalteten sie untereinander sofort eine Sammlung, als deren Ergebnis sie zunächst dem Kapitän 700 Mark zur Deckung der Einbalsamicrung des Leichnams mit der Bitte übergaben, von der Versenkung ins Meer abzusehen und zu gestatten, daß Singer in Newhork nach jüdischen: Ritus begraben werde. Ten Rest der Sammlung von 800 Mark übergab inan den: Kapitän mit der Bitte, diese Suinine mit der Verständigung vor: den: Todesfall an die junge, in der alten Heimat zurückgebliebene Witwe gelangen zu lassen. Der Kapitän, gerührt von diesem Akt der Pietät, willfahrte den Wünschen der jüdischen Passagiere und so wurde Isaak Singer nach Einlaufen des Schiffes in Newhork auf eiuein jüdischen Friedhof daselbst zur ewigen Ruhe bestattet. Ueber das Bolksschulwesen in Kroatien und Slavonien im Jahre 1911—12. bringt die letzte Nummer der aintlichen Berichte eine statistische Darstellung, der wir folgende Zahlen entnehmen: Die Volksschule besuchten im Jahre t:>11 bis 1012 insgesamt 218.086 Kinder, oder 8.2-1 Prozent der Gesamtbevölkerung, während es im ganzen Lande insgesamt 800.80!» SchulpfG״׳ gab, das sind 18.23 Prozent der Gesamtbevölkcrung. Die Zahl der jüdischen Kinder, die die Volksschule besuchten, betrug 1788 oder 0.88 Prozent der Schulkinder bezw. etwa 0.8!» Prozent der Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung. Ter Psalm im — Tingeltangel. Auf der offenen Bühne eines Sonnnervarietes in Petersburg wird den Besuchern eine höchst seltsame Nummer geboten. Es ist ein Psalm König Davids, der von einen: russischen Chor in althebräischer Sprache gesungen wird. Dieser Psalm, von Lcwandowski komponiert, ist ein hebräisches Feiertagsgebet und wird in der <-nnagoge gesungen. Das Publikum weiß mit der Nummer, die in gleicher Reihe mit zweifelhaften Couplets, Bärentanz und anderen Genüssen zur Vorführung gelangt, nichts anzufangen. Der Gartenbesitzer will die Nnminer nicht fallen lassen, weil er den Chor für den ganzen Monat engagiert hat, die Polizei greift nicht ein, und so wird der Skandal wohl weitergehen. Dtskonto-uesellscliaft bei der Herdfeterreichischen Bank Nr Industrie, Handel and Landwirtschaft, registrlerte Genossenschaft mit beschränkter Haftung In BrOnn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen - Baakgeschftfte, hauptsächlich aacb für den j Eskompt offener Buchforderangen i unter den •Ilergünstigsten Bedingungen. Neue jüdische Zeitschrift. Ter Lodzer Einwohner Michael Krhszek hat die Konzession zur Herausgabe einer jüdischeu Zeitschrift unter dem Titel ״Erste jüdische Schachzeitung" erhalten. Die Zeitschrift wird zweimal monatlich erscheinen und von Herrn M. Salve redigiert werden. Bon: jüdischen Stamme. Nach einer Notiz von Prof. Tr. Gotthard Deutsch in ״Blochs Wochenschrift" ist der berühmte Bakteriologe Prof. Metschnikoff in Paris jüdischer Abstammung. Er ist ein Enkel des Konvertiten Loeb Newachowitsch. der 1808 zugrinsten der Inden eine Schutzschrift ״Der 'Notschrei meines Volkes" veröffentlicht hat. Eine Millionärin auß dem Armenfriedhof beigesetzt. Auf den: Kissinger isr. Friedhofe wurden dieser Tage die Ueberreste einer eigenartigen und hochherzigen Frau, Frau Marie Könitz aus Odessa, neben ihrer in: Jahre 1888 verstorbenen einzigen Tochter beigesetzt. Wie Distriktsrabbiner Dr. Bambcrger in seiner Gedächtnisrede ausführte, entskamnit die Verstorbene einer hochangesehenen u»:d reichbegüterten Familie in Rußland, lebte aber nach dem Tode ihres Kindes und ihres Gatten so einfach und zurückgezogen, daß mm: sie. als sie bei einen: Anfenrhalt in Toulose durch einen Straßenbahnunfall getötet wurde, auf dem Armensriedhof beerdigte. Erst nach Eröffnung ihres Testaments wurden ihre Vermögensverhältnisse bekannt. Ihr großes Vermögen von über 1'/״ Millionen hatte sie, zum Andenken an ihr früh verstorbenes Kind zu einer Stiftung bestimmt, durch deren Erträge sowohl armen, der Kur bedürftigen Kissinger Israeliten und Nichtisraeliten als auch armen Kurgästen ohne Unterschied des Glaubens der Äurgebrauch ermöglicht werden soll. Ter Verband der Deutschen Juden wird, wie bereits gemeldet, seine 8. Hauptversammlung am 0. November d. I. in Hamburg halten. Abgesehen von den: üblichen Geschäftsbericht des Vorsitzenden werden Vorträge gehalteu werden von Rabbiner Tr. Goldschmidt t.Königshntte» über ״Die soziale Fürsorge in der jüdischen Religion" und von dem Reichstagsabgeordneten Tr. Ludwig Haas (Karlsruhe) über ״Die Juden im öffentliche!: Leben Deutschlands". Die Deutsch-Israelitische Gemeinde in Hamburg trifft besondere Vorbereitungen zu einen: festlichen Empfang der -100 bis 800 Hauptversainmlungsteiinehmer. Ter jüdische Ruderklub Jwria, Berlin, hat zun: Kongreß einen Vierer entsandt. Die Mannschaft bestand aus den Herren: Rechtsanwalr Eriner, Referent A. Hirschfeld, Retercnt A. Schwabe und cand. ined. Wolf. Ter Pierer Jwria verließ au! 28. August Regensburg und legte die Fahrt in acht Tagen zurück. Isidor Löwenbei». Mittwoch. 8. d.. fand in Wien das Begräbnis sercs Gg. Isidor Löwenbein unter zahlreicher Beteiligung statt. Der Verstorbene stand feit dem Jahre 1800 in der zionistischen Bewegung und nahm auch des öfteren Veranlassung, in unseren! Blatte mitzuarbciten. Löwenbein war ein guter Jude, ein wahrhaft treuer Sohn feines Volkes. Lichtbildervortrag über Palästina. Ein vielhundertköpfiges Publikum batte sich am Mittwoch den 8. d. zu einem Vortrog Tr. Löwes, Berlin, versammelt. Dr. Löwe führte eine Reihe von Lichtbildern vor. die das bisro rische Palästina und die moderne jüdische Koloiiisation des Landes überaus lebendig veranschaulichten. Aorresponäenzen. Brunn. Dienstag den 10. d. fand das Begräbnis des im 81. Lebensjahre verstorbenen Herrn H r d! i c z k a, Vater des Hrn. Postoberkommissärs Dr. Mar Hrdliczka, statt. Brünn. In seiner letzten Sitzung beschloß der Vorstand der Brünner Kultusgemeinde, die Volks- und Bürgerschüler, als Provisorium für einen eventuell zu errichtenden Jugendgottesdienst, an dem Freitagabendgottesdienste teilnehmen zu lassen. Sterbefall. Freitag den 12. September fand das Leichenbegängnis der Frau Steif statt. Tie Verblichene war eine bescheidene, fromme Frau, deren Hingang von allen, die »ie kannten, betrauert wird. Die Leichenfeierlichkeit wnrde nach altjüdischen: Ritus abgehalten. Der Verein Machsike Hadas hat bei dieser Gelegenheit, da es sich um die Gattin eines Vereinsmitgliedes handelte, die Betätigung seiner Grundsätze nicht versäumt. Beim Leichenbegängnisse war eine beträchtliche Anzahl Herren vom Vereine anwesend. Während der sieben Trauertage stellt der Verein täglich früh und abends ein Minjan in der Wohnung der Trauernden zur Verfügung, ohne daß hierdurch der öffentliche Gottesdienst im Vereinsbethause gefrört worden wäre. Es muß rühmend anerkannt werden, daß das Vor gehen des Vereines Machsike Hadas zur Wal,- rung altjüdifcher Sitte und Pietät das Möglichste beiträgt. Bibelschule des Vereines Machsike -Hadas. Tie Einschreibungen für die füiifklassige uneur geltliche Bibelschule finden statt: Mittwoch den 17., Donnerstag den 18. d. von 8 bis halb 7 Uhr abends und Sonntag den 21. d. von 10 12 Uhr vormittags. Nachdem nur eine beschränkte Anzahl von Schülern Aufnahme finden, werden die Interessent!! um rechtzeitige Anmeldung aufge fordert. Beginn des Unterrichtes: Dienstag den 28. d., 8 Uhr nachmittags. Zu dieser Stundefindet gleichzeitig ein Eröffnungsgottesdienst statt. Bethaus des Vereines Machsike Hadas, Adlergasse 12. Im Vereinsbethause sind noch einige Sitze für Männer und Frauen abzugebe». Reflektanten wollen sich diesbezüglich an die Ver eiusleitung wenden. Jüdischer Turnverein Brunn. Am 27. d., 8 Uhr abends, findet im kleinen Saale der Schwechrter Bierballe die ordentliche Geiieral versanimlung mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Bericht über das abgelaufene Vereinsjal,r. 2. Erteilung ds Absolntorinms an den abtretende!! Turnrat. 8. Wahl des neuen Turnrates. I. Freie Anträge. Tie geehrten Vereinsmirglieder werden zum Erscheinen bei dieser Geiieralversanimlung ein geladen und daraus aufmerksam gemacht, daß

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