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Jüdische Volksstimme · 1913-08-28 · Heft 35 (28.8.1913) · page 11

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 35 (28.8.1913)
Date
1913-08-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 35 ״Jüdische Bottsstimme. Seite 11. aus damit er nicht so jung erscheine, so wurde er קרח מכאן ומכאן kahl auf der einen und auf der andern Seite. Diese bekannte Erzählung des Talmuds ist schon viel benutzt worden, wird noch heute gerne von Prcdigern verwertet, die damit beleuchten wollen, wie arg es unserm Judentum heute ergeht. Die einen wollen es recht alt und die andern recht jung und neu, die einen möchten alles Alte wegreißen und beseitigen und die andern möchten jede Reform und Neuerung wieder fortschaifen. Schließlich bleibt das arme Judentum ganz kahl, wie arg hat es der Rabbiner in unfern Gemeinden. Die einen möchten ihn alt und andern modern, und er bleibt קרח מכאן ומכאן Diese Erzählung findet sich aber auch, was sonderbarer ist, bei dem deutschen Dichter des Mittelalters Hans Sachs in einem Gedicht, das den Titel hat: Schwank: Woher die Männer mit der Glatze ihren Ursprung haben (13. April ISöO-. Es wird dort erzählt: Ein Witwer, 50 Jahre alt, mit schwarzen und grauen Haaren, heiratete am gleichen Tage zwei Frauen, eine alte und eine junge, die viel miteinander zankten und beide sich bei ihm cinschincichcln wollten. Die Alte brachte es nicht weit in seiner Gunst, daher zupfte sie ihm jedes schwarze Härlein aus, ״aus daß auch er würde an Gestalt — Ihr gleich geschaffen, grau und alt — Um seine Gunst dann zu erschleichen, — Da Gleich sich freut mir seines Gleichen." Die Junge merkte das und tat nun das Umgekehrte. ״Und wo sic graue Haare fand — zupft' sie sie aus mit flinker Hand — Und ließ die schwarzen stehn alleine, — Aus daß der Mann recht jung erscheine." So ging das nun eine Weile fort: ״Die Alte ihm die schtvarzen rupfte, — Die Junge ihm die grauen zupfte, — So er von beiden Weibern war — Geraume Zeit bezupfct gar — Bis kahl und glatzig er gemacht." Schließlich bekam er von der jungen Frau einen Sohn und der hatte nun auch kein einziges Haar auf dem!üopf. Daher die Kahltöpfe in der Welt. Hans Sachs gibt als seine Quelle eine Fabel an, die Rimicius aufgeschrieben habe. Eine Episode aus dem Kriege 1888. Herr Schriftsteller Moritz Frühling erzählt in seinem Werke: ״Die Juden in der österreichisch-ungarischen Armee" eine ergreifende Episode aus dem Kriege 1860: Am 15. Juli 1866 zeitlich früh tvälzte sich auf der Straße von Qlniütz gegen Tobitschau ein kleinerer Heereszug. dem in einem größeren Abstande eine bedeutendere Truppcnmasse, das achte Armeekorps folgte. Die öfterreichische Armee trat ihren Rückmarsch von Olmütz an die Donau an und das Infanterieregiment Toskana Nr. 71 marschierte an der Spitze der die Vorhut bildenden Brigade Rotkirch. Durch ein verhängnisvolles Miß- Verständnis oder Mißgeschick hielt die als rechte Flankendeckung bestimmte Brigade eine längere Rast bei Tubau, blieb gegen die inzwischen weiiermarschierende Hauptkolonnc zurück und auf der Höhe von Dub wurde dieselbe von der preußischen Brigade Malotki — die auf einer Entfernung von zirka 5060 Schritten österreichischerseits noch nicht erkannt und unglücklicherweise für die die Flanke schützende Brigade Wöber gehalten wurde — angegriffen. Erst die heranbrausenden Projektile belehrten die Ocsterreicher, daß man es mit dem Feinde zu tun habe. Es kam zum blutigen Gefechte, an dem das am meisten in Mitleidenschaft gezogene Regiment Nr. 71 an Toten und Verwundeten 781 Mann einbüßte; ein schönes Denkmal auf der Stätte des blutigen Kampfes ehrt das Andenken der durch diesen Irrtum Gefallenen. Von den unzähligen Verwundeten wurden beiläufig 40 Mann, deren Leben nur noch Minuten zu dauern hatte, nach Tobitschau gebracht, wo sie kirchlichen Trost und die letzte Oelung erhalten sollten. Unter den Jammernden und?lechzenden fiel dem geistlichen Herrn ein blutjunger Schwerverwundeter auf, der, nur leise wimmernd, ein kleines Säckchen krampfhaft an die Brust drückte. Ter Seelsorger befragte ihn um seinen Wunsch und der sterbende Soldat Wimmerte: ״Ich will jüdisch begraben sein." Die jüdische Gemeinde wurde sofort verständigt und seine eingetroffenen Glaubensgenossen erkennend, streckte der Sterbende ihnen sein Säckchen, das Tephclin und Gebet- Luch enthielt, entgegen. ״Ich heiße Groß... Vater in Neustadt.... jüdisch begraben ..." Noch einmal leuchtctcn seine Slugeit auf und nach kurzer Zeit hauchte der kaum zwanzigjährige Soldat in einem jüdischen Hause seine Seele aus." Legen verdorbenen Magen, Darmträgheit und Gicht. ״Sternhofer Bitterwasser“ Mild, doch zuverläBlich. 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