Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1913)
- Date
- 1913-08-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XIV|2. Jahrg. Nummer 34 Wiener Erscheint jeden Donnerstag. Nische Uilllspme. Bezugspreise:! Für Oestcrreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 5.20 | — saaidjianb? ganzjährig.Mark 10.- | Herausgeber: Max Hickl. LLV°°-,S'°:::::: :*£5*1£- ן Einzelne Nummer 20 h. Inserate: die Ospaltige Petitzeile 30 h. Buchhändlerischc Vertretung: Ott» Klemm» Leipzig. Geschäftsstelle, Wien: s., Rotenturmstrahe Nr. 3t. Poslsparkassakonto Nr. 312.812. Telephon 3000/VU!. Sprechstunden von 10—12 Uhr Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. Brünn—Budapest. Wien, 'A ®?*"918™ן• Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Ü. ('',niinltitt: Festgrnß;,lfm 11.;]iouiftcnfon־ au'f,. Feuilleton: Tic Ludmirer Maid. — E. '.')icincv: Rumänisches Versprechen. — Jakob j 2 tarn ין. A. — Jüdische Verlagsgesellschaft. — Ans der Geschichte der Iudcn in der Türkei. — Bibelschnle des Vereines Machsike Hadas, Brünn.' - Tie Judenverfolgringen in Rußland. — Zum ° 11. Zionistenkongreß. — Misrachi. — Rundschau. - Korrespondenten. — Probleme des Zionismus. — :K, Leiter: Ans dem Bncheiilande. Tie Ethik der Propheten. — Literatur. Festgruß zum 11. Zionistenkongrcß. Wie», Mitte August. An der Stätte, an welcher Theodor Herzl lebte und wirkte und von wo der moderne Ziouisinus trotz — vielleicht infolge — einer bereits Symptome der Agonie ,׳,eigenden Assiinilation seinen Weg zu dem über die Erdkugel zerstreuten, teils in materieller, teils in geistiger Knechtschaft lebenden Indenvolke nahm: in einer Stadt, deren Judentum vor wenigen Jahrzehnten nur als Frage der Zeit galt und in der heute eine selbstbewußte Heranwachsende Generation sich offen und stol,׳, als j ü d i s ch bekennt und betätigt: in einer Stadt, in welcher die weißbärtigen Alten das Judentum salbungsvoll zum ewigen Schlaf einsegneteu und in der hellte eine heldenhafte akademisch-jüdische Jugend Zukunft und persönliche Sicherheit für ihre jüdische Ehre in die Schanzen schlägt: treten die Telegierten der zionistischen Weltorganisation zusainmen, um die geleistete Arbeit zu überprüfcn und der bevorstehenden den Weg vorzuzeichneu. Himmelweit ist der Unterschied zwischen dies e n Richtlinien, welche ein zionistischer Kongreg sur die nächste Tätigkeitsperiode des geschäftsführenden Komitees aufstellt lind jenen destruktiven ״Richtlinien", mit denen in den letzten Monaten eine — leider — bedeutende Anzahl reichsdeutscher Rabbiner dem Judentum ins Gesicht schlug. Hier auf der einen Seite Leute, die zum großen Teil schon als dem Judentum verloren gelten konnten und deren kaum noch glimmendes jüdisches Fühlen und Gewissen durch den jungjüdischen Weckruf wachgerüttelt wurde: auf der andern Seite Ornatspuppen, deren Lebensaufgabe darin besteht, den Abfall von der Religion, welcher sie eine behagliche Pfründe verdanken, zu sysleinatisieren. die Assiinilation im Rainen des Judentums gutzuheißen und einporgekoniinenen Protzen aus Berlin W. an den Wendepunkten des Lebens in einer wie Erdbeeren mit Schlagobers zu bereiteten Rede daran zu erinnern, daß sie ״noch" Inden seien. Gottlob brauchen wir uns heute vor diesem!Phantom, das mit Orgel und Tamenchor seine 1 innere Hohlheit und Bedeutungslosigkeit über-! tönen will, nicht mehr zu fürchten. Wir sind!glücklich, den Sieg des Wieder- und JiiiinerjudentunrS über dieses Rochjudentum erlebt zu Ter elfte Zionistenkongreß tritt unter we-! nig günstigen Ausvizien zusammen. Tenn es gibt kaum einen Streifen Erde, auf welchem Jndenschaft und deren Judentum in erfreulichen, ja normalen Zuständen sich befänden. Ten jii;; dischen Osten sehen wir unter den schwersten sozialen, religiösen und ethischen Erschütterungen leiden. Tie Zustände in :Rußland, Galizien!und Rumänien bildeil für die gesamte Ostjudenj schair eine einzige große Gefahr. Bleibt die Heutige Situation stationär oder verschlimmert sie!sich noch, so verfällt die Jugend uilrettbar einer j sittlich-religiösen Anarchie und das Elend wird unabsehbar. Beuern sich hingegen die | nisse, dann wiederholt sich die ganze Tragikomö ' die des jüdischen Westens: dem emanzipierten!Juden wird das Judentum unbequem, zuletzt zu einer bloßeil Idee, deren Verblassen und Perschwinden nicht lange ausbleibt. Unter den Füßen der Ostjuden brennt also einversengender Boden: vor ihnen breitet sich ein ebenso gefäbrlicher als schöner Strom, die Emanziption. Kann der Zionismus die Macht aufbringen. die acht Millionen östlicher Juden auf sicherer Brücke tvohlbehalten über diesen reißenden Strom zu führend Wird er die Macht haben, diesen so leicht Verblendbaren über die drei, vier Emanzipationsjahrzehnte hinwegzuhelfen, ohne daß, wie in Mittel- und Westeuropa, acht Zehntel de»! trügerischen (Glanze unterliegen lind dem Indentnin verloren gehen? Tie Zukunft, die alle Rätsel löst, wird auch diese Fragen beantworten. Riemand jedoch leugnet es mehr, daß sich der jüdische Osten — weit mehr als der christliche - - in einem hochgradigen Krisenzustande befindet, der stündlich entscheidnngsreif werden kann! Anders sind im Westen die Tinge geartet. Auch hier und gerade hier findet der Zionismus ein immenses Arbeitsfeld. Hier gilt es, die Tunden der Väter gut zu machen und zu retten, was noch zu retten ist: hier müssen die Hunderttau sende Schwachen und Entfremdeten dem Indentnnie systematisch wiedergewonnen und 11m sie ein Band geschlossen werden, welches eine unerschütterliche Einigkeit verbürgt und das dem Anstürmen der immer mehr von religiösen und nationalen Idealen sich abwendenden abendländischeu Kultur standhalken kann. Rlin ist noch die durch den Balkankrieg geschaffene politisch-wirtschaftliche Lage in Be tracht zu ziehen. Tie Türkei, ans Europa fast vollständig verdrängt, ist genötigt, ihren Schwerpliiikt nach Asien zu verlegen: ein Umstand von größter Tragweite für die jüdische Kolonisation Palästinas und der Rebenländer. Außerdem hat Tentschland schon seit Jahren ein Allge auf Syrien geworfen lBagdadbahn! > und Englands Einfluß im südlichen Mesopotamien und in Arabien wächst von Tag zu Tag. All das sind für die Zukunft - und vielleicht schon für die nahe Feuilleton. Die Ludmirer Maid. Von S. A. H o r o d n z k y. (Aus dem Russischen übertragen von P. G o l d r i n g.) Zur Kategorie der heiligen Frauen, die re im Ehassidismus eine Rolle gespielt haben, gehört die rätselhafte Persönlichkeit, die im zweiten Viertel des 1!>. Jahrhunderts aufgetreten und in den Volkssagen unter dem :Kamen ״Tie Ludmirer Maid" verewigt ist. Sie ist geboren im Städtchen Ludmir oder Ladomir (Wladimir-Wolhynienim Jahre 181ü. Ihr eigentlicher :Käme war Ehana Rochel. Sie war die einzige Tochter ihres Vaters Monesch Werbermacher, eines vermögenden und gelehrten Mannes. Auch ihre Mutter war mit der scelenerlösenden Frauenliteratur vertraut. Tas Mädchen hatte schon seit früher Jugend durch ihre Schönheit und außergewöhnlich intellektuellen Gaben die Aufmerksamkeit aus sich gelenkt. Schon als Kind erlernte sie die Bibel im Original und war der hebräischen Sprache kundig, dann eignete sie sich vieles von den talmudischen!Legenden, vom Midrasch und den Gesetzbüchern an. Tas Mädchen betete dreimal am Tage und!betete mit solcher Inbrunst, daß sie alle Umgejbenden in Erstaunen setzte. Tie Bewohner des Ortes meinten, die Tochter des R. Monesch sei würdig, ein Zaddik zu werden. | Tie ungewöhnliche Intelligenz des Mädchens einerseits und die Wohlhabenheit des Vaters anderseits haben Ehanna Rochel, sobald sie nur dem Kindesalter entwachsen war, zum Gegen stände der besonderen Aufinerksamkeit der Heiratsvermittler gemacht. Glänzende Partien sind ihr aus verschiedenen Städten angetragen worden, doch der alte Monesch hat sie alle znrückgewiesen. Kurz darauf verlobte sich Ehana Rochel mit einem jungen Mann aus ihrem Städtchen. Tiefes Ereignis hat in ihrem geistigen Leben eine Umwälzung hervorgerufen. Ta sie ihren Bräutigam schon von der Kindheit kannte, verliebte sie sich bald in ihn mit der ganzen Glut ihrer feurigen Seele, es lockte sie, ihn zu sehen, allein zu sprechen und ihr Inneres ihm zu offenbaren, jedoch nach der Sitte der damaligen Zeit war es den Brautleuten strengstens untersagt, bis zur Hochzeit sich zu sehen. Vor Gram und Sehnsucht nach dem Geliebten erkrankte das Mädchen. Toch niemand bekümmerte sich um sie. Der Vater war von seinen Geschäften in Anspruch genommen, und die Mutter starb gerade um jene Zeit. Tann fing das Mädchen an. von aller Welt sich zurückzuziehen. Ganze Tage hindurch schloß es sich in seinem Ziininerchen ein und verließ nur das Hans, um das Grab der Mutter aufzusuchen und seinen Kummer auszuweinen. ' Eines Tages -- erzählt die Sage als Ehana-Rochel auf dem Grabe ihrer Mutter saß. geriet sie in einen Traum zustand. Als sie dann erwachte, war es bereits Abend geworden lind rings um sie herum war auf dem Friedhöfe kein > Menschenwesen zu erblicken. Tem Mädchen ist in!diesem Reiche der Toten imheimlich zumute ge!worden. Von einem furchtbare» Schrecken ersaßt, stürzte sie davon und rannte durch den alten Friedhof über die Gräber der Heiligeil nach Hause. Unterwegs strauchelte sie und siel auf eines dieser Gräber. Sie stieß einen Schrei l,ervor und verfiel in Ohnmacht. Ter Wächter de-.׳ alten Friedhofs, den Schrei vernehmend, eilte auf sie zu, und nachdem sie zur Besinnung ge kontinen war, führte er sie heiin. Im Verlaufe einiger Wochen nach diesem Unfall schwebte das Mädchen in Todesgefahr: kein Wort vermochte es hervorzubringen. Tie Aerzte hatten schon alle Hoffnung auf die Genesung der Kranken aufge-!geben. Eines TageS aber ließ sie plötzlich den gwwn ovirfntmtm Äüd VolkskalenSer".