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Jüdische Volksstimme · 1913-08-14 · Heft 33 (14.8.1913) · page 10

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 33 (14.8.1913)
Date
1913-08-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. ״Jüdische Lolksstiunae." Nr. 33. Quelle — hoffe. Sie werden heute Abend eine große Summe dazu beitragen. Ich selbst habe entsprechend meinen geringen Mitteln bereits meinen Beitrag geleistet, wir zahlen 7. Franken 50 für einen Oelbanm. Es wurde immer gesagt, und bis heute aufrechtcrhalten, daß man für 7,50 Franken einen Oelbaum kaufen kann, und nun höre ich Stimmen, die sagen: «Nicht 7,50 Frs., sondern 37 Frs. sind nötig." Ich erwidere :Ist dies wahr? Man antwortet mir lächelnd: Oh! es ist übertrieben. Mcht 37 Frs. Sicher aber auch nicht 7,50 Frs. Am Anfang war es teuer. In Zukunft wird eS nicht mehr so teuer sein. Gegenwärtig können wir sagen, cs ist so etwas zwischen 11 und 12 Frs. Gut! Aber warum sagen Sic das nicht? ES ist mir gesagt worden, daß Olivcnbäumc gepflanzt werden sollen. Aber sie sind nicht gepflanzt worden. Das ist ein zweiter Irrtum. Aber in Gottes Namen sagen Sie es doch! Glauben Sic, daß wir so großen Wert legen auf Olivenbäume oder auf 7,50 Frs.? Bäume wollen wir vor allem. Ob cs tzucalyptusbäuinc sind oder Zedern des Libanon, ist uns gleichgültig. Sagen Sic doch,- es liegt ein Irrtum vor. Wir pflanzen dann keine Olivenbäume. Wir pflanzen andere Bäume, für welche bessere Bedingungen vorhandelt sind und welche besser im Boden gedeihen. Das kostet aber mehr als 7,50 Frs. Soll es 12 Frs. kosten? Recht! Gut! Der Mann, der jetzt zwei Bäume spendet, wird nur einen spenden. Das hat doch nichts zu bedeuten. Aber um Gotteswillen, seien Sie aufrichtig, und fürchten Sic den Tag, wo ein Feind — ich bin kcincr, und ich sehe auch keinen hier um mich, — aber wo ein wirklicher Feind, ein übelgesinnter Mensch, diese Tatsachen benutzt, um euch Mangel an Mut vorzuwerfcn, unangenehme Dinge zu bekennen. Niemand hat das Recht, sich einer solchen Lage auszusetzen. Es wurde auch von einer Universität gesprochen. Eine ausgezeichnete Idee!.... Gewiß, eine Universität ist eine gute Sache, besonders eine jüdische Universität. Es ist unnötig, dies zu beweisen, on prccherait un converti. Natürlich wir Juden brauchen eine. Aber mit welchen Mitteln können wir unseren Wunsch erfüllen? Hätten wir große Philantropen wie sic Amerika hat, die Millionen geben, — neulich hat einer 400 Millionen für eine Universität gegeben — würde ich sagen: ״Das ist ja großartig. Das brauchen wir gerade. Es gibt 3000 junge Juden in der Welt, die das Stecht auf die besten Katheder in der Wclt.haben, und die können nicht lehren, weil sie Juden sind. Studcntcn gar! Mein Gott, wieviel wir haben! (Heiterkeit!) Aber Geld, tvoher sollen wir cs bekommen? Man sagte uns: ״Sic sind in Verlegenheit wegen Geld? Nun gut, die Olivcnbäumc des Herzltvaldcs werden das Geld einbringcn." (Ertteutc Heiterkeit.) Wohl, warten wir ab, bis der Hcrzlwald eine ausreichende Rente abwirst zur Unterhaltung einer Universität. An diesem Tage werde ich mit aller Kraft, die in mir zurückbleibt sagen — ich fürchte aber, der Tag ist nicht sehr nahe — wehe dem, der von diesen zwei Millionen einen anderen Ge brauch macht. Diese zwei Millionen sind heiliges Geld. Sic sollen dazu dienen, eine jüdische Universität in Paläsrina zu erhalten." Aber ich warte aus den Tag, wo uns der Wald die zwei Millionen bringt. Ich habe das Unglück, ein ausgezeichnetes Gedachtnis zu besitzen. Ich erinnere mich, vor 10, 11 Jahren begeisterte junge Männer gesehen zu haben, die die eine Entschuldigung hatten, die Farbe ihres Haares, die die unscrige nicht mehr hat. Sie hatten nicht ein einziges weißes Haars. Diese jungen Leute sprachen auch von einer jüdischen Universität. Sie hatten infolg! eines außerordentlichen Glücksfalles, deren die Geschichte des jüdischen Volkes so reich ist, in einem einzigen Zuge 10.000 Franken beisammen. Dann wurden mehrere großartige Reisen unternommen. Diese Reisen dauerten so lange wie die 10.000 Franken. Und als die 10.000 Franken darauf gegangen waren — und sie haben gewisscnhaft den letzten Centimes darauf verwendet —, hörten die Reisen auf, und die Vorträge ebenfalls. Seither haben wir nichts mehr von der jüdischen Universität gehört. Ich schaue mich um, rechts und links, ob wieder neue 10.000 Franken — vielleicht ein wenig mehr — mehr gesammelt werden. Was mich beängstigt, ist, daß ich die gleichen Fehler entdecke bei der neuesten Bcwegung um die jüdische Universität, Reisen, frische Vorträge, bis wieder kein Geld mehr übrig bleibt. Nein, nein, praktisch auf diese Art dürfen wir nicht sein. Laßt uns praktisch sein wie Hcrzl cs war und wie Wolffsohn es war. Wir wollen doch nicht zuviel auf einmal unternehmen. Wir sollten doch nicht Dinge unternehmen, von denen wir wissen, daß wir sic nicht aussühren können. Wir sollten doch nur Dinge unternehmen, die in Wirklichkcit nützlich sind, nützlich zunächst unserem Rufe, dann unserer Sache. Ich sage unserem Rufe. Das ist tatsächlich ein Erbe, auf das wir sehr acht haben müssen. denn was für praktischen Wert hatte bis jetzt unser Werk in Palästina? Tatsächlich hat es die wirtschaftliche Lage von im ganzen 50.000 Juden' verändert. Ich bin ja becheiden genug, einzugestehen, daß dies schon sehr wichtig ist. Jeder dieser 50.000 Juden — ich nehme die Schätzung hoch an —, die jetzt in Palästina leben und mit ihrem Los zufrieden sind, ist für mich ein Gegen-!tand der Verehrung, des Neids, der Bewunderung. Nur 50.000 im ganzen, von 12 Millionen und von sechs-bis sieben Millionen, die in schrecklicher Not sind und sofortige Hilfe bedürfen! DaS ist doch furchtbar wenig! Trotzdem ist der Nutzen groß, Penn wir können doch etwas zeigen. Wir können der Welt sagen, die unseren Enchusiasmus nicht verficht, unsere Hoffnungen nicht versteht, wir können ihr sagen: Sehen Sie, wir leben nicht in den Wolken, wir sind ein Volk, das wirkliche Taten vollzieht. Wir sind nicht Träumer, wir haben ein Programm. Wir haben begonnen, es zu verwirklichen. Gehen Sie nach Palästina und sehen Sie ein Heim, das ein sauberes Aeußeres und ein europäisches Aussehen hat, und fragen Sic: Was ist das für ein Haus? so wird man Ihnen antworten: Es gehört einem Juden, einem Zionisten. Sehen Sie in einem Ort mitten im Schmutz eine sauber gehaltene Straße und fragen Sie erstaunt, wer hat die Straße gemacht, so erhalten Sie die Antwort: Ein Jude, ein Zionjst. Sehen Sie Leute, die, anständig gekleidet sind, die ihren Kopf hoch halten, die fleißig den Boden bebauen, und gehen sie mitten in der Wüste, wo kein Schatten ist, über einen Platz, wo Bäume sind, und Sie fragen: Wer hat diese Bäume gepflanzt, erhalten Sie die Antwort: ״Ein Jude, ein Zionist hat das gemacht." Das macht Eindruck, und der Besucher, der drei-, viermal die gleiche Antwort erhalten hat, verläßt Palästina mst einem Respekt vor unserer Tüchtigkeit und Würde. Das ist immerhin ein praktisches Werk. Es ist zwar ein theoretisches Werk, das in Wirklichkcit nur einer kleinen Anzahl nützt, in Wahrheit aber durch seinen Wert als Muster und Beispiel uns allen reichen und edlen Gcwimr;bringt. Ich komme zum Schluß. Die neue Verwaltung, die die Macht erlangt durch Bekämpfung des politischen Zionismus nennt sich selber politisch. Sie hat wenige positive Erfolge erzielt. Es ist nicht ihr Fehler. Aber ich konstatiere mit Vergnügen, daß diese Körperschaft geworden ist,-!wäs^si« hat. sein sollen.. Sie nennt sich praktisch und wir sehen, daß sie nichts zu dem Werk hinzugefügt hat, das begonnen war. Sie hat zweifellos gewisse Dinge geplant, aber diese sind gefährlich, weil wir nicht die Mittel haben, sie auszuführen. Sie verfolgt eine Politik voll Gefahren, die darin besteht, daß sie sagt: Wir wollen mal irgend etwas anfangen, Gott spendet die Mittel. Ich meine, das ist nicht praktisch. Was uns angeht, so sind wir über das eine sicher. Wir bleiben treu beim Ideal Herzls, d. i. für das Wohl des jüdischen Volkes als ganzes zu sorgen. Dieses Ideal kann nicht untergehen. Denn ein Ideal kann nicht bankrott werden, aber unvorsichtige Experimente, die unternommen werden, ohne Rücksicht auf die praktischen Möglichkeiten und die vorhandenen Mittel drohen brankrott zu werden. Laßt uns hoffen, daß unsere Verwaltung, aus locm sie auch bestehen mag, sich stets von diesen Grundsätzen leiten läßt, die nur di^ Befolgung dessen sind, was Herzl gesagt, geschrieben, getan hat. Bleiben wir unserem Ideal treu. Nur durch unser Ideal werden wir schließlich siegen. Literatur. Achab Haam: Am Scheidewege. Erster Band. Aus dem Hebräischen von Israel Friedländer. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. Berlin, Jüdischer.Verlag. 4 Mk. (in Leinwand). Wir hatten kürzlich Gelegenheit, an dieser Stelle auf einen in der Zeitschrift ״Die jüdische Welt" erschiencncn Artikel hinzuwcisen, der sich gegen Achad Haam richtete und meinte, nur in der kleinen hebräischen Welt habe er ein solches Aufsehen machen können, in fremden Sprachen würde er nicht wirken. Nun, der Umstand, daß die deutsche Uebcrsctzung des ersten Bandes von דרכים l,j. nun zum zweiten Male aufgelegt wird und daß der Verlag auch schon die Uebersetzung des zweiten Bandes in Aussicht stellt, bezeugt, daß auch die deutsch lesenden Juden und besonders die Zionisten den Wert der Gedankenwelt Achad Haams richtig einzuschätzcn beginnen. Gewiß, Achad Haam ist nicht als Philosoph groß: chm ist die Philosophie und Soziologie immer nur ein Mittel, seinem Volke für die Zukunft Wege zu weisen. Aber eben weil er da nicht leichtfertig mit Ratschlägen zur Hand ist, sondern seine Ansichten tief begründet, sind uns diese Essays wertvoll, auch dann, wenn die praktischen Konsequenzen seiner Geschichtsphilosophie uns jetzt schon vertraut sind. (Denn das Buch ist vor 20 Jahren geschrieben und hat seither die zionistische Bewegung sehr stark beeinflußt.) Wir möchten von seinen Ideen zur Philosophie der jüdischen Geschichte aus diesem Bande besonders hervorheben: die Erörterung über das Aufkommen.des JndividualismuS im Artikel ״Nicht dies ist der Weg!", die AuSeinandersetzung mit der jüdischen Orthodoxie in der ״Lehre des Herzens"; die Darstellung des Prophetismus in ״Priester und Prophet"; die Darstellung deS jüdischen Miffionsgedankens im selben Artikel; die Kritik der Westjuden in ״Aeußere Freiheit und innere Knechtschaft". Neu hinzugekommen ist in dieser Auflage der Artikel ״Umwertung der Werte, der eine Auseinandersetzung mit Nietzsche und den hebräischen Nietzscheanern enthält. — Der zweite Band, der bald erscheinen soll, wird besonders Achad Haams Aufsätze zur Kritik des Zionismus bringen. Es braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, daß jeder, der heute in jüdischen Dingen mitreden will, Achad Haam genau studiert haben muß. Haschiloach. Das eben erschienene erste Heft des 29. Bandes bringt eine ganze Anzahl vorzüglicher Beiträge. Wir erwähnen ein Essay über Hermann. Cohen von Jakob Klatzkin: einen Aufsatz über Samuel Primo, den Sekretär Sabbatai Zewis, von S. Rubaschow, eine Untersuchung über die Art der Verwendung und Zitierung von Bibelversen im Talmud von I. CH. Tawjcw; die Fortsetzung der Beschreibung seiner palästinensischen Reise von Dr. I. Klausner. Ferner belletristische Beiträge von Schimonowitz, Meitus, Agnon Ginzbürg. Ferner Essays und Kritiken von Kabak, Bar Tobia, I. Gutmann. Das Abonnement dieser Zeitschrift (10 Kronen jährlich; Adresse M. M. Uffhschkin, Odessa, Chersonskaja 46) sei jedem Freunde des Hebräischen angelegentlich empfohlen. Wir kommen auf den Inhalt des 28. Bandes demnächst zurück. Das Baby. Von Doris Kiesetvcttec und Hermine Steffahny. G. Braunsche Hofbuchdruckerei, Karlsruhe i. B. In reizender, meines Wissens nach, unerreichter Weise führte uns die Herausgeberin das Aeutzere unserex Kleinen vor, gibt uns wohlerprobte umsichtig-kluge Ratschläge über ein hygienisches Milieu. Eines jener leider sehr seltenen und noch immer nicht recht gewürdigtcn — cs rächt sich oft bitter — volkstümlichen Bücher. Dr. Thor Ekeerantz: Geschichte der Chemie. Kurzgefaßte Darstellung. Aus dem schwedischen Original vom Verfasser bearbeitet. Leipzig, Akademische Verlagsgesellschaft. 1913. 230 Seiten. Es sind erst wenige Jahre her, seit man von unserer Zeit als einer naturwissenschaftlichen gesprochen hatte. Heute ist dies wohl nicht mehr richtig. Man schreibt schon Bücher über ״die Grenzen der naturwiffenschaftlichen Begriffsbildung" (Rickert), neben der Naturwissenchaft verlangt die Geschichte ihr Recht und über beide hinaus streben Ansätze zu einer neuen Metaphysik. So stehen wir nicht mehr im Banne der Natur- Wissenschaften; umso besser ist es uns möglich, Geschichte der Naturwissenschaften zu treiben und zu verstehen. Denn wenn die Naturforscher selbst die Natur, das Ding Objekt ist, so studiert die Geschichte der Natur- Wissenschaften doch, gleich andern Geisteswissenschaften, den Menschen: den Menschen als Forscher, Sucher. Und der Mensch bleibt uns am Ende doch das interessanteste Stück Welt. Dazu kommt, daß gerade die Methoden, welche der aktuelle Betrieb der Naturwissenschaften entwickelt, uns den Geist an der Arbeit zeigen. Nicht umsonst orientiert sich eine so bedeutende Philosophenschule wie die Hermann Cohens ganz und gar an der Geschichte der Naturwissenschaften. So kommt uns denn die vorliegende Geschichte der Chemie sehr willkommen. Sie ist gut lesbar, durch ein angehängtes Sach- und Namenregister leicht verwendbar und geschmückt mit den Bildern hervorragender Chemiker. Die einzelnen Kapitel behandeln: die Chemie im Altertum, die alchimistische Periode, die natrochemische und phlogistische Periode und dann die moderne Chemie seit Lavoisier, besonders auch die Entwicklung der theoretischen Chemie. Rob. Heymann: Ein Liebestraum Napoleon beS Ersten — Gräfin Walewska. (Ernstsche Verlagsbuch- Handlung, Leipzig.) Preis 3 Mk. Unter den Neuerscheinungen anläßlich der lOOjährigen Erinnerung an die Napoleonische Zeit ist Heymanns Buch besonders bemerkenswert. Haben sich andere vornehmlich mit Napoleon als Feldherrn und Staatsmann befaßt, gibt diese Darstellung des Verhältnisses Napoleons zur Gräfin Walewska dem Verfasse! Gelegenheit, uns den großen Korsen als liebenden Mann, als reinen Menschen mit seinen Schwächen und Neigungen mit seinen Ansichten über Ehe, Frau, j Gott und die Welt vorzuführen. Napoleons plötzlich aufflammende Liebe zu der schönen polnischen Patriotin, die zuerst vor ihm zurückschreckt, die er aber allmählich mit allen Fasern ihres Seins an sich kettet, der Kampf der Gräfin und der Kaiserin Josefine um die Liebe Napoleons, die wehmutsvolle Entsagung Josefinens, Napoleons Hochzeit mit Maria Luise, der Höhepunkt und der Niedergang seiner Macht, die Ver- K 'Q Soeben erschienen: ״Hickls Jüdischer Volkskalender"׳ EM-,

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