Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1913-08-14 · Heft 33 (14.8.1913) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 33 (14.8.1913)
Date
1913-08-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2621806-2621846-2621879--2328-2623422
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 2. »Mttsihk «elkSpNmae." Nr. 33. nehmen ihnen unmöglich ist und so unser gemeinsames Zionsideal realisieren..... Die Religion hat im Zionismus keinen Widersacher. Von dort droht ihr keine Gefahr, sicher das Gegenteil. Vor dem Zionismus braucht sie nicht geschützt zu werden; wohl aber vor gewissen Verteidigern. Sch. Zum 18. August. Einehi st arische Reminiszenz. Von Dr. Felix Kanter, Zwittau. Es dürfte nur wenige geben, die da wissen, daß der 18. August, den die Judenschaft der österreichisch-ungarischen Monarchie seit mehr als sechs Dezennien festlich und freudig begehen, einst eine traurige Bedeutung für das Judentum Oesterreichs hatte, und es ist gewiß ein Hutes Zeichen, daß diese traurige Erinnerung, die sich einst an den 18. August knüpfte, aus dem Gedächtnisse unserer österreichischen Glaubensbrüder dank der Güte und Gnade unseres erhabenen Landesvaters geschwunden ist. Zur Würdigung des 18. August soll das, was sich einst in der Hauptstadt unserer Monarchie ereignete, in möglichster Kürze erzählt werden. Anfangs des 17. Jahrhunderts lebte in Wien ein Jude namens Rabbi Secharia Halewi (Sohn des Rabbi Jifachar), der, wie es sechint, sehr reich, sicherlich aber sehr fromm und äußerst wohltätig und freigebig war. Zu seiner Zeit lebten in Wien viele jüdische Familien, diejenigen nämlich, die die kaiserliche Bewilligung zum Aufenhalte hatten. Die in Wien ansästigen Juden lebten in ärmlichen Verhältnissen; sie besaßen weder eine Synagoge, noch ein Lehrhaus (Bethhamidrasch), noch hatten sie einen Rabbiner. Was sie besaßen, war — ein Friedhof, der bis zum Jahre 1798 noch bestand und auf Befehl Kaiser Josefs aufgelassen wurde. Für die in Wien ansässigen Juden ließ besagter R. Secharia 1655 aus eigenen Mitteln ein schönes Gotteshaus errichten, verbunden mit einem Lehrhaus für 24 Talmudjünger, die ״Tag und Nacht" (mit Ausnahme des Sabbath- Vormittages) dort ״lernen" sollten. Denn auch das Talmudstudium lag damals sehr im argen, und R. Secharja wollte ״diesem Uebel einigermaßen abhelfen", die Kenntnis des Talmuds erhalten und verbreiten. Zur Erhaltung dieses Gotteshauses, des Lehrhauses und der 24 Talmudjünger stiftete der edle R. Secharja fünf angrenzende Häuser, die die Konskriptionsnummern 69, 70, 71, 72 und 73 trugen. Der antibrachen sich zuerst die Stürmenden, dann rief einer nach Feuer und bald aus allen Häusern zusammengeschleppt häufte sich der Swff rings auf, und prasselte in Flammen. Da legte sich außen der Lärm und innen begann eintöniges Beten in fremden Lauten. Wie die Gluten stiegen, so stiegen auch die singenden Gebete im Turme höher und wurden stärker, schwächer dann. Bald glühten die Mauern bis zu den Zinnen auf. Da öffnete sich im Dache eine Lucke und in der roten Helle sah man zwei, die kletterten heraus, ein Jüngling, fast noch Knabe, und ein Mädchen. Ihr Gesichter waren totbleich, die dunklen Augen waren weit geöffnet, sie starrten auf die Maste und in der Stille tönte des Jünglings Stimme: ״Sei ruhig, Schwester. Die fremden Tiere heulen wie der Gott. Bete." Die beiden standen aufrecht und während ihre Augen gen Himmel schauten, und ihre Körper leise vor und rückwärts schwankten, sprachen sie: ״Stark ist mein Gott. Er verläßt mich nicht in der Trübsal. Und waren der Feinde tausendmaltausend, und der Widersacher hunderttausend, was will ich fürchten, wenn er an meiner Seite streitet. Adonoj ist sein Name, sein Name heißet Herrlichkeit.״ Die Flammen loderten über die Zinnen, sie schlugen über die zwei Gestalten einen Mantel, und der Turm stürzte in sich zusammen. Aber die Maste unten verlief sich lautlos. semitische Chronist Schudt macht sich über diese! fromme Stiftung lustig, indem,er schreibt: ״Wie er (R. Secharja) von seinem großen Vermögen ein zu reichliches Einkommen dazu gestiftet, in der Meinung, daß diese Verordnung bis ans Ende der Welt dauern sollte, die aber bald aufgehoben und an des Talmuds Stelle das neue Testament gekommen, indem kaiserliche Majestät eine Kirche daraus gemacht haben." Bekannt-!ich führen fromme Stiftungen die Bezeichnung ״Keren Kajemes", das so viel besagt, daß sie für ewige Zeiten bestimmt seien, und dies findet der antisemitische Chronist so lächerlich! Diese erste Synagoge in Wien und sicherlich in ganz Niedex-sterreich, befand sich am ״Werd", jenem Stadteil, der heute Leopoldstadt genannt wird. Dieses Stadtviertel wird übrigens noch heute vielfach Judenviertel genannt. Am ״Werd" konzentrierte sich im 17. Jahrhundert das ganze jüdische Leben der damaligen Wiener Judenschaft. Dort befanden sich das Gotteshaus, die Jeschiwah mit ihren 24 Talmudjüngern und aüch — der Gottesacker. Dem ganzen jüdischen Leben und Treiben am ״Werd" machte bald ein kaiserlicher Befehl ein jähes Ende. Dieser Befehl, datiert vom 30. Juni 1669, lautete, daß alle Juden, wofern sie keinen Grund und Boden besitzen, innerhalb 14 Tagen Wien und ganz Oesterreich zu verlaßen haben. Ein zweiter Befehl vom 14. Februar 1670 lautete, daß alle Juden bei Todesstrafe Wien zu verlassen haben, mit Ausnahme des Judenältesten R. Mordechai Margolies (Schlesinger). Damit nicht genug, wurde noch die von R. Secharia gegründete neue (erste) Synagoge samt Lehr- Haus und den fünf angrenzenden Häusern auf Befehl Kaiser Leopold des Ersten zerstört und am 18. August desselhen Jahres (1670) auf derselben Stelle, wo sich das jüdische Gotteshaus befand, der Grundstein zu einer katholischen Kirche gelegt. Zur Feier der Demolierung des jüdischen Gotteshauses und der Grundsteinlegung der katholischen Kirche (Leopoldkirche) ließ Kaiser Leopold her Erste eine Denkmünze prägen, die auf -er Aversseite das Datum trägt: Anno Domini MDCLXX Die XVIII. Augustii (18. August 1670). Die Inschrift auf der Reversseite lautet: Augustistimus Imperator Leopoldus Austriacus post ejactem Judeorum Perfidium abolito ex his Aedibus Synagogae nomine Speluncam Latronum (!) mundavit in Templum Dei etc. Ritu catholico consecrari fecit MDCLXX." Die jüdische Synagoge wird bezeichnend genug Spelunca Latronum (Räuberhöhle) genannt und die Juden als perfid bezeichnet. Echt mittelalterlich! Kaiser Leopold der Erste hat eigenhändig den Grundstein zu dieser Kirche gelegt und er wie seine Gattin Margarethe von Spanien wohnten am 6. September 1671 der Einweihung dieser Kirche bei, die sich sehr feierlich gestaltete. Die Einweihungsrede hielt der Erzbischof von Neustadt, der, anknüpfend an den Vers 1. B. M., Kap. 21,10: ״Ejice hanc ancilam et filium ejus (vertreibt diese Magd und ihren Sohn) eine Brandrede gegen die aus Wien bereits vertriebenen Juden hielt. Diese Leopoldskirche besteht noch heute und eine Inschrift auf deren Portal schildert ausführlich die Entstehung dieses Gotteshauses an Stelle der Judensynagoge. Am 18. August wurde vor 243 Jahren auf kaiserlichen Befehl das erste jüdische Gottes׳ Haus in Oesterreichs Hauptstadt zerstört. Ewar dies ein Tag der Trauer für alle Juden, die von diesem Zerstörungswerk Kunde erhielten. Und dieser Tag der Trauer sollte für Israel ein Tag der Freude werden. An dem Tage, an welchem Jerusalem zerstört und der heilige Tem pel eingeäschert wurde, an demselben Tage if zugleich der Mestias, der Erlöser und Erretter Israels, geboren — so behaupten unsere Weisen. — Der Tag der höchsten Trauer soll für Israel einst der Tag der höchsten Freude werden. Am 18. August des Jahres 1670 wurde das erste jüdische Gotteshaus in der Hauptstadt unserer Monarchie zerstört und am 18. August erblickte unser geliebter Landesvater vor 83 Jahren das Licht der Welt, dieser erhabene Monarch, dem heute unser Herz in Dankbarkeit und Liebe entgegenjubelt. Gelobt sei der Herr, der die Zeiten ändert! Probleme des Zionismus. 11. ״Politischer" oder ״praktischer" Zionismus? Ehemals deutete diese Frage einen programmatischen Gegensatz innerhalb des Zionismus an. Auf dem elften Kongresse wird dieses Problem der Kriegsruf der Opposition sein. Wer aber glaubt, daß es wirklich hüben ״Praktische" und drüben ״Politische" gibt, ist in gründlichem Irrtum befangen. Die Terminologie stimmt nicht. Denn die Anschauungen, die die ״Politischen" bczw. die ״Praktischen" als ihr Credo proklamieren, befinden sich über- Haupt in keinem so unüberbrückbaren theoretischen und prnizipiellcn Gegensatz, daß dadurch der leidenschaftliche und erbitterte Kampf der beiderseits mit dem Aufgebote aller Beredsamkeit schon seit Monaten geführt wird, auch nur zum Teile sich rechtfertigen würde. Ja, bei näherem Zusehen schrumpft sogar der ganze Streit zusammen und stellt sich lediglich als ein kleilicher Kamps dar, bei welchem persönliche Momente, begründete und unbegründete Sympathien und Antipathien die Hauptrolle spielen. Dazu komint noch eine unverständliche, mimosenhafte Empfindlichkcit, die sonst gerade bei Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Parteigrcnzen glücklicherweise nicht die Kegel ist. Die Opposition hat sich die Bezeichnung: ״Politische Zionisten" beigelegt. Somit ist es also angebracht, das Gegenstück von einst wieder hervorzuholen und die jetzige Leitung der zionistischen Organisation, sowie ihre Anhängerschaft als die ״praktischen Zionisten" zu bezeichnen. Wie bereits oben des näheren ausgeführt wurde, ist diese Begriffsbestimmung eigentlich ungenau. Wir wollen sie aber trotzdem beibehalten, um in dem heillosen Chaos, der deshalb entstanden ist, über- Haupt mit irgendwelchen Begriffen operieren zu können. Im Prinzipe sind sich beide einig. Die ״Politischen" also die derzeitigen Oppositionellen, geben die Notwendigkeit der Leistung praktischer Arbeit in Palästina und zwar sogar in viel größerem Maße als bisher, ohne weiteres zu. Sie anerkennen, daß die Leitung auch auf politischem Gebiete gearbeitet habe, bemängeln aber einerseits die Art der geleisteten praktischen Arbeit und sind nicht einverstanden mit der politischen Richtung, die von der Leitung cingeschlagen wurde. Die ״Praktischen", d. h. die derzeitigen Offiziellen verlangen ebenfalls nicht ״nur praktische Arbeit" unter Ausschluß jedweder politischer Tätigkeit. Im Gegenteil! Sie halten beide Arbeitsgebiete. für notwendig und unerläßlich, wenn der Zionismus eine gedeihliche Entwicklung nehmen soll. Wie man also sieht: eine Verschwommenheit und Unklarheit der Begriffe beiderseits. Oder wenn man will: trotz deS lauten Kampfgeschreies eine volle prinzipielle Uebereinstimmung in den beiden Lagern. Entgegenkommen und Opportunismus hüben und drüben. Kleinere Abweichungen und Nuancierungen in der Auffassung und Benennung zählen nicht mit. Die Unzufriedenheit der Opposition beruht demnach nicht auf einer verschiedenen prinzipiellen Auffassung der Aufgaben des Zionismus, sondern findet ihre Begründung nur in der Ausführung dieser Grundsätze. Es ist deshalb geradezu unbegreiflich, weshalb die Opposition gerade diese unglückseligen Schlagworte zur Kennzeichnung ihrer Stellungnahme zur gegenwärtigen Leitung gewählt hat. Der Gegensatz zwischen ״politischem" und ״praktischem" Zionismus ist, wie man sieht, nichts als eine künstlich konstruierte Kartenhausbarikade, hinter welcher sich die Malcontenten verschanzt haben. Es ist noch lange kein Gegensatz zu sehen zwischen politischen und praktischen Zionisten, wenn die gegenioärtige ״praktische" Leitung als Ergebnis ihrer Arbeits- Methode und Arbeitstätigkeit eine Reihe von verfehlten Unternehmungen und Gründungen aufzuweisen hat, ebenso wie die Tatsache, daß die Leitung (wenigstens behauptet dies die Opposition) nicht das nötige VerständniS für die politische Arbeit aufzubringen vermag Bökmi8cke Industrial-Bank-Filiale - —־- : Kassen and Bureaus: BRONN. Großer Platz Nr. 26. > ■ - Statücka Bank-, BSraaa-, Davlsanand Valuta n-Be*eMft■. ßupotheiwrfcredlte auf lndn5trie*Unten1el1mnngen, mechsel-Eskorapte. Geldeinlagen gegen Sparbücher und in laufender Rechnung zur günstigsten Verzinsung. Inm: TekiphMi Br. ItU. Urakttn: T*I1 Eigene 472% Bankschuldverschreibungen emittiert an{ Orundlage von hypothekarisch slchergestellten gesetzlichen Orundsitzen über die PupUlaritit gewährten Darlehen, verzinsen sich bei gegenwlrtlgem Kurse mit mehr als *W/o. r. 1an. Kamapoadaaz: Tataphoa Nr. 1m Tretet der Jüdischen Verlagsgesellschast bei

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.