Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1913-07-24 · Heft 30 (24.7.1913) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 30 (24.7.1913)
Date
1913-07-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2621806-2621846-2621876--2297-2623388
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ras* 8asss Seite 10. ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 30. als Prediger. Sowohl die deutsche Predigt als der Choralgcsang, der in dieser Synagoge eingeführt wurde, erregten damals ungewöhnliche Sensation. Eine braunschweigische Prinzessin beehrte Jakobsohn mit einem selbstgewundcncn Ehrenkranz und einem Gedichte: ״Dich rief, ein unterdrücktes Volk zu heben. Nach langer, schwerer Zeit die Vorsehung׳, Verlassenen brachtest Du neues Leben, Tu zeigtest, was Tugend. Mut unif Arbeit kann, Darum empfange jetzt den Bürgerkranz!" Nicht minder segensreich wirkte für das Judentum Wolf Breidenbach (geb. in Breidenbach bei Kassel 1751, gest. zu Offcnbach 1829). In seiner Jugend besuchte er die talmudische Hochschule zu Frankfurt a. M., wo er sich nicht nur mit dem Studiun! des Talmuds, sondern auch mil dem der profanen Wissenschaften cifrigsl beschäftigte. Und als er später zu einer würdigen und einflußreichen Stellung gelangte, war sein ganzes Streben dalnngcrichtet, die Fürsten Deutschlands für die Aufhebung des Leibzolls zu gewinnen, lieber Bleidenbachs Leben und Streben gibt Formstecher in Offenbach folgende interessante Taten: ״Wolf Breidenbach starb hier (in Offcnbach) in der Nacht des 28. Februar 1829 und wurde nach Aussage seiner minder 78 Jahre alt. Als junger Mann kam er arm nach Frankfurt a. M., wo er geistvoller Bachur, durch Gaben und Freitische unterstützt, sich den rabbinischcn Studien widmete. Doch bildete er sich heimlich auch in profanen Wissenschaften aus und kaufte sich zuweilen für seine ersparten Kreuzer ein deutsches Buch. Als Meister im Schachspiele kaufte er sich einst bei seinein Buchhändler ״Phildors Unterricht im Schachspiele" in Gegenwart eines gerade im Buchladen anwesenden, sehr reichen Barons, welcher nach seiner Entfernung nach ihm beim Buchhändler erkundigte und dem er von letzterem als der beste Schachspieler in Frankfurt gerühmt wurde. Breidenbach wurde zum Baron geladen und wußte durch sein geschicktes Spiel und sein geistreiches Benehmen nach und nach dessen Gunst so sehr zu gewinnen, daß er sich bei demselben vom Spielgenosien zum vertrauteu Freund emporschwang. Mit der edelsten Treue und Gewiffcnhaftigkeit besorgte er dessen Geldgeschäfte und erhielt zuletzt von demselben als Darlehen eine bedeutende Su-nme, um selbständig seine Laufbahn als Geschäftsmann zu betreten. (Fortsetzung folgt.) Literatur Stengel M.: Kol Jehuda, Hebräische Fibel, Wien 1011, Verlag von Jos. Schlesingers Buchhandlung. Mit diesem Werke hat der Verfasser den Lehrern und dem jüdischen Hause einen Dienst erwiesen. Es mangelte bisher in Oesterreich an einer gediegenen hebrätschen Fibel. War die eine auch nach pädagogischen Prinzipien bearbeitet, so fchllc in ihr jüdischer Sprachgcin. In einer anderen waren Mängel pädagogischer Art zu bcansländcn. Und so manche Fibel zeigte weder von Pädagogischem Verständnis, noch vom Erfassen der Eigenart der hebräischen Sprache. Diese Fibel verrät in jeder Zeit den Pädagogen und den Hebräer als Autor. Kein Germanismus verletzt unser hebräisches Sprachgefühl. Man ivcndc rricht ein, das Kind habe aus der Fibel nur die Buchstaben zu erlernen. Es ist eine heute allseitig angenommene Theorie, daß dem Kinde, auch wenn sein Sprachcmpfinden gar noch nicht entwickelt ist, nur gute und richtige, also einwandfreie Wortformen und Sprachwendungen beigcbracht werden. Der Verfasser huldigt dem Prinzipc, rasch an das Ziel zu gelangen. Die Ucbung zu einem jeden Buchstaben umfaßt daher nicht mehr als fünf Zeilen. Das Kind erlernt somit spielend in der kürzesten Zeit alle Buchstaben und gelangt rasch zum , Lesen von Sätzen und Gebeten. Die Wahl der Mcrkwörtcr zeigt von Geschick und besonderer Fachkcnntnis. Wörter und Sätze sind dem Gange des Unterrichtes aus biblischer Geschichte, Lithurgic und Sittcnlchrc angcpaßt. Gebetbuch und Pentateuch wurden in dieser Fibel in ganz besonders eigenartiger Weise verwertet. Das Buch kann daher auch in den unteren Stufen der Bibelschulcn sehr gut benützt werden. Eine wertvolle Beigabe ist: ״Des jübischen Kindes Alphabet". Wir fragen uns, gilt diese Beigabe dem Lehrer oder dem Schüler, der beinahe der Fibel entwachsen ist. Jedem Buchstaben ist ein Satz aus der heiligen Schrift gclvidmet, und die Wahl der Sätze ist eine überaus geschickte und glückliche. Es sei nur au: den Buchstaben Waw verwiesen. Dieser Satz bietet die beste Gelegenheit über ״unsere" Nächstenliebe zu sprechen. Alk LeseübungSstückc sind unter anderen die ersten vier Scgcnssprüche des Achtzchngebotes ausgenommen. (Das vierte wohl deshalb, weil man es als Schulgebet verwerten kann.) Der Verfasser unterläßt es, die Bencnnung der zivci ersten Segenssprüche anzusühren, im Gegensätze zu den zwei anderen. Die Vcrlagsfirma hat lvirklich alles aufgeboten, um dieses Büchlein gefällig auszustatten. Druck, Papier und Einband sind tadellos und der Preis ein sehr mäßigcr. Die Vcrlagsfirma hat hiermit sich zu dem Prinzipe bekannt, die hebräischen Drucke dürfen nicht, wie bisher, den anderen Drucken an Deutlichkeit und Korrekthcit usw. nachstchen. Hat dieses. Büchlein einmal auch die Approbation für den öffentlichen Schulgebrauch erlangt, so wird cs dann seinen Weg machen und die baldige Notwendigkeit einer Neuauflage sich ergeben. Dr. G. F r e u d m a n n, Wien. diene Blätter, dritte Folge Nr. 1 und 2, Buberhest, Preis M. 1,50. Verlag der ״Neuen Blätter" Hellcrau bei Dresden. Das vorzüglich ausgcstattcte Buberhest enthält folgende Aufsätze des tiefsinnigen jüdischen Mystikers: Das Reden des Ekstatikers, Bon der Lehre, Das verborgenc Leben, Das Judentum und die Menschheit, Der Sinn der chassidischen Lehre, Kultur und Religiosität, Buddha, Drei Legenden vom Baalschem: 1. Die Himmclwandcrung, 2. Ter Widersacher, 3. Das Rufen. Ein feinfühliger und umfassender Aufsatz des jüdischen Schriftstellers Landauer über Martin Bubcr schließt das überaus geistvolle Heft. Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Schriften zur Politik und Rechtsphilosophie. Hcrausgcgcben v. Georg L a s s o n. Band 144 der ״Philosophischen Bibliothek". Leipzig, Felix Meiner 1913. 513 S. Preis 7 Mark, gebundcn 8 Mark. Wir hatten vor kurzer Zeit, bei der Besprechung eines neuen Werkes über Hegels Pädagogik, Gelegenhei!, aus das wicdercrlvachcndc Studium Hegels in Deutschland hinzuwciscn. Nachdem man über ein halbes Jahrhundert lang dem großen Manne völlig versiändnislos gcgcnübcrgcslanden hatte, ja sich nicht scheute, ihn einen Charlatan und Schwindler zu nenneu, hat man sich jetzt erneut und ernst dem Studium seiner Werke hingegcbcn. Windelband konnte vor cinigen Jahren in einem Vortrag der Heidelberger Akademie das Wiedcrcrwachcn des Interesses für Hegel signalisieren und seither hat auch die Marburgcr Schule (Hermann Cohen und Paul Natosp) eine Schwenkung zu Hegel hin vollzogen, Hans Ehrenbcrg hat in einem — hier seiner Zeit gewürdigten — Werke versucht, Hegel und Kant aneinander zu messen, von Italien her bat Bencdctto Crocc den Nus erhoben, ״Lebendiges und Totes in Hegels Philosophie" zu scheiden und das Lebendige wieder wirksam zu machen und auch sonst ist eine . ganze Reihe von Hcgelschriften erschienen. (Phalen, Jul. Ebbinghaus, Nohl usw.) Im Rahmen der ״Philosophischen Bibliothek" des Verlages Meiner erscheint nun, hcrausgcgcben von dem bekannten Hegelforscher Pastor Georg Läsion, eine auf 15 Bände berechnete Neuausgabc der Schriften Hegels. Dieser Band enthält fünf inhaltlich zusammenhängende Arbeiten Hegels. ״Die Verfassung Deutschlands" (1802), ״Ver- Handlungen in der Versammlung der Landstände des Königreiches Württemberg im Jahre 1815 und 1818/17, ״Ucbcr die englische Neformbill" (1831), ״Ueber die wissenschaftlichen Behandlungsarten des Naturrcchts" (1802) und ״System der Sittlichkeit". (Die erste und die lctztangcführte Arbeit stehen in den bisherigen Gesamtausgaben Hegels nicht und sind bisher nur jede in einem unvollständigen Sonderdruck hcrausgegeben worden.) ״Das Interesse, das dem vorliegenden Bande innewohnt, betrifft weniger den philosophischen Systematiker in Hegel, als den klarblickenden Politiker und staatsmännischen Denker, den man hier über heute aktuelle Fragen (lvie den Sinn des Parlamentarismus u. dgl.) kann sprechen, hören. Aus diesem Grunde ist zu wünscheu, daß der Band die Aufmerksamkeit auch weiterer Kreise finden möge. Es sollte sich doch lohnen, einmal den Mann kennen zu lernen, den Friedrich Mcinecke neben Ranke und Bismarck einen der drei großen Staatsbcsrcicr Deutschlands genannt hat." Der Herausgeber hat nicht nur einen philosophisch korrekten Text hcrgcstellt, sondern auch eine trefflich einführende Vorrede geschrieben. Buch berühmter Hunde von Dr. Eduard Maria Schranks: Dieses Buch, im Verlage Hans Lustenöder, Frankfurt a. M. erschienen, bildet eine wertvolle Bereicherung der Literaturerzeugniffe auf diesem Gebiete. Es gibt uns nicht nur ein umfassendes Namensverzeichnis der Hunde aller Völker und Länder, es gibt uns auch die Biographien der berühmtesten Hunde der Jetztzeit, der Hunde der berühmtesten griechischen und römischen Dichter und Imperatoren des Altertums. ch Dr. D e s y. Legen verdorbenen Mag«!, Darmträgheit und Gicht. ״Sternhof er Bitterwasser“ Mild, doch zuverläBlich. Sternhof, Post Sokolnitz bei Brünn. Geadelte jüdische Familien in Oesterreich. Der erste Jude, der in Oesterreich geadelt wurde, war Jakob Basevi, der mit dem Prädikat ״von Treuenbcrg" im Jahre 1576 den österreichischen Adel als Münzmeistcr von Prag erhielt. Unter Kaiser Josef wurde dem Armeelieferanten Israel Hönig mit dem Prädikat ״von Hönigsbcrg" der crbländische Adel verliehen. Kaiser Franz der Erste verlieh den Juden auch schon den Freihcrrnstand, die Bankiersfamilien der Arnstein, Pereira, Eskeles, Oppenheim erhielten im Jahre 1805 und 1815 die Baronie, ebenso die Rothschiids 1822. Auch der Bankier Hoffmann wurde 1813 mit dem Prädikat ״von Hofsmannsthal" geadelt. Sämtiiche dieser Familien, mit Ausnahme der Rothschilds und einem Zweige der Hosfmaiinsthals, sind schon seit längerer Zeit katholisch. Kaiser Franz Joses hat zirka zwanzig Juden baionisiert, und zwar die Born, Biedermann, Heine, Erlanger, Mautner, Nienasse, Todesco, Springer, Schnapper, Popper, Königswarter, Morpurgo, Waldbcrg, Kubinzky und andere. Häufiger ivurde der Nitterstand verliehen, da der Besitz des Ordens der Eisernen Krone dritter Klasse bis zum Jahre 1885 gleichzeitig den systcmmäßigen Anspruch auf diesen Titel begründete. So zum Beispiel: Goldschmidt, Boschan, Leon, Pollak v. Rudin, Pollak v. Klarwill, Pollak v. Borkenau, Eiß (Militäradell, Hahn, Singer, Schlesinger, Schweitzer (Militäradel), Bauer, Frankfurter, Stengel, Pfeiffer, Weiß von Wcllenstein, Weiß von Weisach, Weiß von Weissenhall, Sichrovsky, Tauffig, Sonnenthal, Fürth, Kuh, Herz, Herzfeld, Mautner, Sterngraber, Guttmann, Wiener von Welten, Ephrussi, Gomperz, Lippmann, Nassau, Kallir, Schenk, Wechsclmann, Landau usw. usw. Seit dem Jahre 1885 wurde der Ritterstand direkt verliehen an die Brüder Horace und Alfons Landau, Frydmann, Doctor, Kahler usw. usw. Die oben angeführten Freiherren sind auch zumeist Bankiers, nur Kubinzky, Popper, Mautner und Born sind Großindustrielle. Von den Rittern ist ebenfalls ein großer Teil aus dem Bankicrstandc hervorgcgangen. Eiß und Schweitzer sind Offiziere, Sichrovsky, Steingraber waren Staatsbeamte, Boschan, Leon, Pollak v. Rudin, Pfeiffer, Guttmann sind Großindustrielle, Pollak v. Klarwill, Singer, Nassau sind Journalisten. Der gewöhnliche Adel wurde ungefähr siebzig Juden verliehen, darunter: Porges, Loewenstein, Rappa- Port, Mises, Horovitz, Rosenstock v. Rostocki, Pollak v. Parncgg und Pollak v. Parnau, Redlich Redlich v. Vezeg, Schiss v. Suvero, Fischer, Stiatznh, Eißler v. Terramare, Mayer v. Gunthof, May v. Mayenau, Bardach (Militäradel), Leidesdorf (Militäradel), Epstein, Vivante, Richetti, Goldreich v. Bronneck, Zwicklita, Auspitz, Kraßny, Kürschner, Lieben. Kuffner, Jwoald, Mandl v. Mauden, Neumann v. Heilwarth, Chon v. Hartenau, Pick v. Seewart (Linienschiffskapitän), Sachs, Lämel, Frankl- Hochwart, Winternitz, Pfeiffer, Gutfeld, Hollitscher, Peter, Oberländer, Klemperer, Rosenkranz, Landsberger, Fleischl, Doktor und als jüngster Emanuel v. Singer. Unter diesen geadelten Juden sind fast alle Stände vertreten, Aerzte, Advokaten, Offiziere, Industrielle, Journalisten, Gutsbesitzer, Bankdirektorcn, Ingenieure und Kaufleute. Es dürfte im übrigen ziemlich unbekannt sein, daß cs in Oesterreich viel mehr geadelte Juden gibt als in Ungarn, nur daß diese in Wien, Prag, Lemberg, Czernowitz verteilt leben, während sie in Ungarn fast nur in Budapest ansässig sind. Dadurch, daß sich die Nachkommen der vor längerer Zeit geadelten österreichischen Juden taufen ließen, ist auch die Zahl der geadelten Juden im allgemeinen nicht sehr groß. In Ungarn wurde vor dem Jahre 1849 kein Jude in den Adelsstand erhoben, weil zu einer Nobilitierung nach dem alten ungarischen Gesetz der Reichstag seine Zustimmung geben mußte. Nachdem nun bis zu dieser Zeit der Reichstag ausschließlich aus Magnaten und Landcdelleuten, der sogenannten Gentry, bestand, ist es leicht erklärlich, daß ein derartiger Adelsantrag niemals gestellt wurde. Erst nach dem Jahre 1849 bis zum Jahre 1867, wo bekanntlich moch kein ungarischer Reichstag bestanden hat, wurden einige Juden geadelt, als erster der Großindustrielle Goldberger de Buda. Der erste jüdische Baron war Schotzberger von Tornha 1866, was zu einer Interpellation im Reichstag Anlaß gab. Nach dem Jahre 1867 wurde die Nobilitierung als

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.