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Jüdische Volksstimme · 1913-07-24 · Heft 30 (24.7.1913) · page 7

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 30 (24.7.1913)
Date
1913-07-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. SO ״Jüdische Volksstimme". Seite 7 zwingender. Notwendigkeit, als daß derselben das Wort geredet wer- Ausruf zur Gründung einer jüdischen Verlagsgesellschaft auf genoffenschaftsicher Basis. Und es, verwundet durch unsere Vergehen, gedrückt durch unsere Sünden, — dennoch unseres Friedens Eiuigungsband auf ihm und in seiner Gemeinschaft wird uns Heilung werden. Jesaja 53, 5. Juden! Es ist eine ernste, dringende und heilige Sache, in welcher wir uns heute an Euch wenden. Es gilt, unseren enormen Geistesschah, unsere einzig dastehende jüdische Literatur vor sicheren: Untergange zu bewahren. Während jedes Volk sein geistiges Eigentun, hütet und pflegt, während jede inenschliche Organisation die Erzeugnisse ihres psychischen Schaffens allen ihren Mitgliedern zugänglich zu :uachen strebt, laßen wir unser hehres jüdisches Schrifttum, das viele Tausende von hervorragenden, erlesenen Werken umfaßt, vergilben und zugrunde gehen, laßen wir das Lebenswerk unserer Größten unbarmherzig der Vergessenheit und Verschollenheit auheimfallen. Gehet nur einmal in eine der größeren jüdischen Bibliotheken und haltet dort Umschau auf diesen Friedhöfen unserer jüdischen Literatur. Ihr werdet dann das schmerzliche Wunder erleben, zu sehen, wie die im Golus mühsam aesammelten Schätze versinken und in Staub zerfallen, während draußen der Abfall grassierß während unsere Jugend täglich mehr und mehr den: Iudentum entfremdet wird — weil sie es nicht kennt. T:e>en Zuständen zu steuern, haben wir uns die Erhaltung und Verbreitung unseres jüdischen Schriftttums zur Aufgabe gesetzt. Unserer Heranwachsenden Jugend, welche von einer mächtigen rcligiösen Bewegung erfaßt ist, die sich mit allen Fibern nach den: verlorenen religiösen Glück zurücksehnt, die den Glauben besitzt, der jedoch die stunde fehlt» wir wollen ihr den Rückweg zum alten, ewigen Judentum ermöglichen und ebnen. Wir werden unser Augenmerk aus zwei Ziele konzentrieren; einmal wollen wir unser jüdisches Schrifttum durch systematische Verbreitung gediegener und billiger Volksausgaben den: jüdischen Publikum — soweit es noch für Judentum Interesse bekundet — näher bringenwollen wir unsere nationale Literatur aus der Diaspora der Bibliotheken und des Privaten Besitzes sammeln, sichten und einem möglichst weiten: Kreise vertraut machen; andererseits soll den jüdischen Autoren zu günstigsten Bedingungen Gelegenheit geboten werden, diese nationale Literatur zu bereichern und zu befruchten. Beide Ziel sind von gleicher Bedeutsamkeit, von gleicher ethisch-jüdischer Höhe und von zu de.: müßte. Es handelt sich hier keineswegs darum, die Liste der Verlagsgesellschaften um eine zu vermehren oder die unübersehbaren Bücherkataloge zu bereichern, sondern es handelt sich um Sein oder Nichtsein, um Bestand oder Unbestand Eures Judentums. Solange das Ghetto uns umfing, solange seine Mauern auch die Grenzen unserer Gedankenwelt bedeuteten, waren wir vor Entfremdung und Assimilatiou geschützt. Heute, da uns ein ganz und gar unreligiöses, unjüdisches Leben umbraust, kaiu: unS nur ein eiserner Wille ein starkes jüdisches Innenleben und Selbstbewusstsein, die Sättigung mit jüdischeu: Wißen dem Judentuu: erhalten. Wenn Ihr nicht wollt, daß die ehrwürdige Reihe der Ahnen, die vor Gott und im Judentuu: lebten, gerade bei Euch und durch Euch unterbrochen werde und sich iu einer unjüdischen, thorafremden Jugend in das ertreiue Gegenteil ihrer Lebensbeslimmuug :»::kehre; wenn ihr nicht wollt, daß in fünfzig Jahren Eure Tempel als Pagoden der ausgestorbenen ״Frommen" gezeigt werden, daß Eure Gebetbücher, Eure Tesillin und Mesusoth Euren Kindern nichts mehr als pietätvolle Andenken bedeuten; wenn Ihr nicht wollt, daß Eure Kinder und Enkel gedankenlos das zerstören, was unser Volk in zwei Jahrtausenden »nt seinem Leben ausgebaut, init seinen: Herzblut, init seinen Tränen und Seufzern besiegelt und geheiligt hat; dann dürft Ihr nicht länger teilnahmslos initauseheu, wie unsere Jugend ihren: jüdischen Sein entwurzelt und un: ihr Judentuu: betrogen wird, wie sie heranwächst, ohne von demselben eine Ahnung zu haben, ohne hebräisch lesen zu können. Tann zeigt dieser Jugend, was sie mit ihrer Relioion verliert, was sie mit ibren: Judentun: aufgibt und wenn sie es dennoch verschinäht. werdet Ihr wenigstens Eure Pflicht erfüllt haben. Deshalb appellieren wir an dieses jüdische Pslichtbewußtsein. lliis iu dem Bestreben, den jüdischen Bevölkerungsschichten, vor allen: der jüdischen Jugend, ein tiefes Erfassen und Eindringen ins Judentun: zu ermöglichen, nach Euren: besten Können zu fördern. Ilm Großes leisten zu könneu, brauchen wir Eure siuanzielle und geistige Mithilfe, Eure Ermutigung und euer stetes Interesse. Wir fordern jedermann zur Zeichnung von Anteilscheine» der Jüdischen Verlagsgescllschaft auf, die in: Betrage von 40 Kronen ausgcgcben werden und denen eine sehr günstige Verzinsung init Bestimmtheit vorausgesagt werden darf. Es ist begreiflich, daß unser Werk, wenn es vor Störungen bewahrt werden soll, auf solider finanzieller Grundlage fundiert sein niuß. Also nochmals: wir wollen keine Mildtätigkeit, sondern Eure freudige Mitarbeit, kraftvolle Betätigung Eures jüdischen Pflichtgefühls. A n n: e l d u 1: g e n und V o r s ch l ä g e sind an Zeichner dieses zu richten. Für das vorbereitende Komitee: Max Hickl, Redakteur, Brünn, Adlergaffe Nr. 9. 21VN05TENSK4 BdNKfl riLMLE WIEN >- Wechselstuben in Wien; ... ״ .__ ..... Herrengasse 12. II. Pratsrstraße 24, III. Landstraße Aktienkapital Und ReservenUber K 100 Mlll. Hauptstraße 88, IV. Favoritenstraße 4, V. Margarethenstraße 71, VI. Gumpin dorferstraße 100, VII. ariahilierstraße 84, VIII. Josefstädtestraßer 103, IX. Porzellangasse 9, X. Favoritenstraße 95, XVI. Neulerchenfelderstraße 41. XXI. Am Spitz 15. Kulante Besorgung aller Bank- und Börsenaktionen. EINLdQEN auf Büchel 4 1 0 0 Zentrale in Prag, gegründet im Jahre 1868. Filialen: Brünn, Budweis, Friedek-Mistek, Iglau Karlsbad, Klattau, Königgrätz, Krakau, Lemberg Melnik, Olmütz, Mähr.-Ostrau, Pardubic. 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