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Jüdische Volksstimme · 1913-07-10 · Heft 28 (10.7.1913) · page 9

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 28 (10.7.1913)
Date
1913-07-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 28 XlV./ll Jahrg. Beilage zur ,Wiener Jüd. Volksstimme'. 10- Juli 1913 Zeile 9. Wie verhalten sich die mährischen Schulbehörden und die jüdischen Bezirksschulräte den öffentlichen jüdischen Schulen gegenüber? Ehe ich zur eigentlichen Besprechung dieser, Frage komme, will ich einen kurzen Rückblick aus! die Entstehung der ösfentlichen jüdischen Schulen! Wersen. Bis zum Jahre 1782 war es den Juden nicht gestattet, ihre Kinder in össentliche Schulen, die von der Gemeinde, dem Lande oder von:׳ Staate erhalten wurden, zu schicken. Erst Kaiser Joses der Zweite sprengte mit dem Toteranzpatent (1782) diese Fessel mittelalterlicher Barbarci. Wenn sich auch deshalb die bestehenden jüd. Schulen, wie Cheder rc. nicht auflösten, d. h. die Mehrzahl der jüdischen Eltern ihre Kinder wie früher in diese Schulen schickten, so war es gegen früher doch ein gewaltiger Fortschritt, daß die Eltern in bezug auf den Schulbesuch ihrer Kinder zwischen Privatschule und öffentlicher Schule ihre Wahl treffen konnten. Taß die öffentlichen Schulen fast noch immer judenrein blieben, hat darin seine Ursache, daß die Juden diesen Schulen und ihren Lehrern mir Recht mißtrauten und vielleicht auch die verwitternden Ghettomauern erst irach und nach deil bestandenen Gegensatz vcrschwinden ließen. Ungefähr um die Mitte des 19. Jahrhunderts, nach dem für Oesterreich Unglücklichen Jahre 1806, als man zur Erkenntnis kam. daß der preußische Schulmeister Oesterreich besiegt habe, wurde die Volksschule radikal rcformiert. Tie alte, quälende Unterrichtsmethode mußte einer neueren, besseren Platz machen, es wurde der Schulzwang, der nach dem Tode Kaiser Josefs wieder milder gehandhabt wurde, sehr verschärft und die Eltern jener Kinder mit Strafen belegt, wenn sie diese ohne triftigen Grund von der Schule fernhielten. (Reichsvolksjchulgesetz 1869.) Tic bestehenden jüdischen Privatschulen wurden vom Lande übernommen, die jüdischeu Lehrer mußten gesetzliche Bcsähigungszeugnisse haben, falls sie im Amte weiter verbleiben wollten. Diese jüdischen Privatschulen entstanden naturgemäß nur dort, wo Juden in größeren Massen beisammen wohnten, in Mähren also in den Äehillas, die später autonome Gemeinden wurden. Daher 'kommt cs, daß man in keinem Kronlande Oesterreichs verhältnismäßig so viele öffentliche jüdische Schulen findet, wie in Mäh-- reu. Die wiesen noch vielleicht vor 80 Jahren einen starken Schulbesuch auf. Viele derartiger Schulen mußten erweitert werden, sie wurden mchrklassig. (Proßnitz, Boskowitz, Mißlitz, Ung.- Brod usw.) Die schlechter gewordenen Lebens- Verhältnisse einerseits und die Sorge um die Zukunft der Kinder vieler Leute (Studium, Er- Werk) andererseits waren es, welche eine Menge Familien in die Städte trieben. Wurden Schulkinder dieser Landgemeinden, wie es noch heute teilweise der Fall ist, in jüdischem Geiste erzogen, weil an einer solchen Schule mit fast ausschließlich jüdischen Kindern nach 8 48 des Reichsvolksschulgesetzes der Oberlehrer Jude sein muß, wenn die Mehrzahl der Schüler der betreffenden Sckpile jüdisch sind und zumeist die Lehrer solcher Schulen (früher lluterlehrer genannt) Juden waren — so sehen wir heute in der Stadt und in derartigen jüdischen Landschulen mit deutschnationalen Lehrern (Flassak, Lundenbürg usw.) gerade das Gegenteil. Den Gruß ״Heil" müssen auch die jüdischen Kinder mit ״heilen", natürlich nicht die Bedeutung dieses Grußes wissend. Den Deutschen Schulverein, diesen antisemitischen Kampfvereiu, inuß der jüdische Schüler dadurch unterstützen, daß er in der Schule nur die vom Lehrer vorgeschriebenen schwarz-rot-gelben Bleistifte, Stundenpläne usw. verwenden darf. Witze seitens des Lehrers über den ״kleinen Morih" erheitern selbst die meisten jüdischen Knaben und sie müssen mitlachen, wenn sie fichs beim Lehrer nicht verderben wollen. Ist es dann ein Wunder, wenn jüdische minder von ■ ihrer Religion nicht viel wissen und nichts wissen wollen und man allwöchentlich so viele ״Austritte aus dem Judentum" liest? Jedes ösfentliche Amt ist allen Staatsangehörigen ohne lln terschied der Konfession und Nation zugänglich — natürlich nur auf dem Papier. In der Wirklichkeit sind uns Juden viele Erwerbszweige so gut wie verschlossen. Da sollte mau glauben, daß sich unsere ״maßgebenden Faktoren" dort für einen Juden einseben würden, wo ein Jude hingehören sollte und müßte. Gerade das Gegenteil. Wir sehen dies am krassesten auf dem Gebiete der Volksschule. Jeder politische Bezirk hat einen k. k. Bezirksschulrat, der die Lehrer so voll wie anstellt. Wohnen in einem Bezirke -">00 jüdische Seelen, so hat im Bezirksschulräte ein Jude itz und Stimme, der die Interessen der jüoischen Bevölkerung zu wahren hat. Ist z. B. an einer öffentlichen jüdischen Schule eine Lehrerstelle zu, besetzen, so sollte das jüdische Mitglied dieser Körperschaft trachten, daß ein Jude angestellt werde, zumal dies im Interesse des Ju-1 dentums liegt. Oder ist an einer solchen jüdische!: Schule eine Lehrerstelle unbesetzt, genügt eu: Wink dieses Vertreters der Juden im Bezirksschulrate, baß diese Stelle baldigst zur eventuellen mehrmaligen Ausschreibung gelange. Daß nur dies im Interesse der jüdischen Bevölkerung liegt, sehen alle vernünftig denkenden Menschen ein, nur nicht gewisse jüdische Vertreter im Bezirksschulrate, welche sich run das allgemeine Wohl und Wehe ihrer jüdischen Wähler blutwenig kümmern und der Ansicht sein müssen - anders wäre cs nicht möglich — daß ״ihre" Juden nur deshalb da seien, um als Vorspauir ihrer persönlichen Machtgelüste benützt zu werden. Aus ihren eigenen Vorteil sind diese gewissen Herren stets bedacht. Sich's wegen eines jiidi'chen Lehrers mit dem Inspektor oder gar mit dem Bezirkshaupimann (Waanachnn hum 111 > verderben? —■ , Lholileh! i Der Schmock fürchtet, daß ihm der Herr! Bezirkshauptmann nicht mehr einen ״warmen'! Händedruck geben würde, oder daß er daun nicht in den Ausschuß des Vereines für Kinderschütz und Jugendfürsorge würde gewählt wer den. Also von solch kleinlichen, egoistischen Mo tivcn lassen sich die Zerpardon Vertreter der Juden in dieser Körperschaft leiten. Die Folge davon ist, daß heute die jüdischen Schulen schon zum großen Teile mit christlichen Lehrern jibm schwemmt sind. Hand in Hand init dem Herrn ״Bezirksschulrat" gehen die Behörden und i:,re Organe, wie Inspektor usw. dabei wird 'eigendermaßen vorgegangen. Man schreibt die er!edigte Lehrerstelle an einer jüdischen Schule nicht aus, der Inspektor beseht sie ad persona!.: nach seinem Belieben. Dies ist zwar sehr einfach, wenn auch ungesetzlich, da erstens der Bezirlsschulrat und nicht der Inspektor provizorisch Lehrer anzustellen hat und zweitens jede e-.'edigte Lek!׳erstelle ehestens zur Ausschreibung gelang, n Vertreter der jüdischen .etonsession im mähr. Landesschulrate darauf zu sehen, daß erledigte jüdische Lehrstellen rechtzeitig ausgeschrieben werden und wenn möglich mit einer jüdischen Lehrkraft zu besehen find. Weilers wären die Konfessionsvertreter im Bezirksschulräte entsprechend aufzuklären und so manchem feine verdämmte Pflicht und Schuldigkeit vor Augen zu halten. Dies zur Aufklärung und im Interesse des mährischen Judentums. Schienet׳. Gedanken über Judentum. Wir sollte» dos ganze z»hr hindurch Botze ui» um der Höge» willen, die wir ou> Versöluioogsloge nnhün»׳!!. * Dos Europo des Millc'lcillerS Hut mit »»serei» Blot eine endlose Geschichte vo» nultur und ,givilisotio» geschriedc». Die Dchrifi verrät olles! * o» l»1»dertl0use»d Bocher» worde» ood werde» die Mensche» irregvfönrt o»d veloge». Der Bibel, einem einzige» Boch, wvhnl die .Nrosi um»׳, slets olles gut zo inocheo, * Unser '.'!otiooolvermögeo tx'iu'lu in Sen Wer»׳»,!reiche wir g e 1> e!!. * Der znvegrin der ooliooole» Dlrosverkoodois gipfelt 1» de» Lchlor,Morten: ״Die werde» sich zu Dklovcn und 211aunu»׳u verknusen, jedoch kein Nonser wird sein!" Diese Dchmnch onsznkos»׳», blieb unserer 3eir Vorbehalten. Wir müssen es sehe», wie die jiidischeu Millionäre. onnott »,״so feiler zu zndentnm und iendenbeii zu holten, sich unseren Bcrüctnern vergebens aufzndrün.ien suchen und irendig bereit sinb, iör ein .,v." oder einen erden gebnlonsende zu opfern, * »irnndgesev der jüdische» Dloliüik: ׳junohmc der jüdischen Bevölkerung und eibnolnne des jüdischen he Heus siebe» in direkter Proportion. Unser irfuiittum will weniger erhoben und fieltziger gelesen sei», * Nicht die Bibel ist ini honie der Geschichte ent sionden, sondern -er hons -er Genlncltte!vor durch die ,Bibel bedingt, * h. Grünt!»»!:!Up,. io erhält bas Judentum drei kräftige schlage ins Gesicht. Das Kind wird in!! clpjüd:-! scheu! Geiste erzogen, man verschließt de» Juden ׳noch diese wenigen Stellen und drittens wird die Schule dann ans künstliche Weise ״tatqolisch" gemacht. Besuchen hingegen einige christiiwe -ckinder eine solche jüdische Schule, verlangt der Ortsj viaräer ״im Interesse seiner Schäfchen" einen : Legrer katholischer dtonfession. Dieser Bitte! kommt man gerne nach׳, sogar der jüdische -tor. ' sesjionsvertreter setzt sich mit Wärme dafür ein. Anders ist es in den Sädten, wie Brunn nsw; wo in manchen Schulen (Basteigasse, v.röna) die jüdischen Kinder 40—50 Prozent der Schüleranzahi ausmachen. Da wird keine Rücksicht auf die starke jüdische Minderheit geiwmmeu. obzwar § 48 des Reichsvolksschulgesehcs a» h r׳e liiat, daß auch aus die Minorität der Schüler Rücksicht genommen werden soll. In Brünn, der .Stadt mit zirka 10.000 jüdischen Seelen, ist kein einziger jüdischer Lehrer au einer öffentlichen ' Schule angestellt, was wohl am besten den '!1ci.11■ ner ״deutschen Freisinn" charakterisiert. n׳en1׳ auch Dr. Jarolim als .,Paradejude" ans ),»!eh! Rohrers in Altbrün» zum Landtagsabgeordue teil gewählt wurde. Daher komiut es. daß >,Dim:e Kinder an einigen Brünner Schulen unter de 1 Antisemitismus viel zu leiden haben, was aber nicht möglich wäre, wenn sich ein Heck׳.: im »a ׳ psenteiche befinden würde, d. h. wenn man .!!> Brünner Schulen nur einige jüdische Leurer an stellen würde, zumal unsere Zukunft die Kinder!sind und wir an diesen ein nicht gering■.11:'. :-׳• te ׳esse haben. j Es wäre daher Pflicht des Herrn D׳r. Fiala, Geschichte der Juden in Stadt und Land. Salzburg von den frühesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Nach liaiidfchriftlichen und gedruckten Onellen bearbeitet und dargestellt von Dr. Adolf A I l »1 a n!!, Rabbiner in Salz bürg. Mit l! Abbildungen und I Faksimile. (Erster Baud: Bis zur Vertreibung der Juden ans Soäzburg, l!!>8., Berlin, Verlag von Louis Lamm.!91:1. Die i׳»schichte der Inden in Salzburg war bisher eine icrra iucognita. Weder die alten »och die neuen tseschichtsfarscher, die!ich mit der Geschichte der Inden in den einzelnen Ländern beschäftigten, haben die lsefchichle der Juden in Stadt und Land Salzburg die geringste Au» inerksamkeit geschenkt oder auch nur vorüber gehend Erwähnung getan. So erwälmt ׳,. B (')1׳acl3 der Juden in Salzburg mit keinem Worte 21 lief) der bekannie Jose! Hakohen aus Avignon der Verfasser des wichtigste» O.uellenhuches ״Emek babachah", der die Leiden der Juden in den verschiedenen europäischen Ländern erzählt und so auch von den übrigen Alpeiiländern, zum Beispiel Steiermark und Tirol mauches Interessaute berichtet, schweigt über die Salzburger Juden, obgleich ihr Marthrium viel größer ivar. als dasjenige der Juden in Steiermark und den anderen Alpeiiländern. Desgleichen schweigen sich Baumgarteu und Tänzer in ihren Beiträgen zur Geschichte Oer Juden in Steiermark, Tirol und Vorarlberg über die Juden in Salzburg gründlich aus, wiewohl sich so manche Berüb rliugspuiikte zwischen Salzburg »ud den genannten Länder» aus Schritt und Tritt ergeben. Demnächst erscheint: ״Hickls Jüdischer Volkskalender"׳

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