Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1913)
- Date
- 1913-07-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 28 ״Jüdische Kolksstimme". Seite 7 Aufruf zur Gründung einer jüdischen Verlagsgesellschaft auf genossenschastlicher Basis. Und es, verwundet durch unsere Vergehen, gedrückt durch unsere Sünden, — dennoch unseres Friedens Einigungsband auf ihm und in seiner Gemeinschaft wird uns . ... _ Heilung werden. Jesaja 53. 5. Juden! Es ist eine ernste, dringende und heilige Sache, in welcher wir uns heute an Euch wenden. Es gilt, unseren enormen Geistesschatz, unsere einzig dastehende jüdische Literatur vor sicherem Untergange zu bewahren. Während jedes Volk sein geistiges Eigentun. hütet und Pflegt, während jede menschliche Organisation die Erzeugnisse ihres psychischen Schaffens allen ihren Mitgliedern zugänglich zu machen strebt, lassen wir unser hehres jüdisches Schrifttum, das viele Tausende von hervorragenden, erlesenen Werken umfaßt, vergilben und zugrunde gehen, lassen wir das Lebenswerk unserer Größten unbarmherzig der Vergessenheit und Verschollenheit anheimfallen. Gehet nur einmal in eine der größeren jüdischen Bibliotheken. und haltet dort Umschau auf diesen Friedhöfen unserer jüdischen Literatur. Ihr werdet dann daS schmerzliche Wunder erleben, zu sehen, wie die im Golus mühsam gesammelten Schätze versinken und in Staub zerfallen, während draußen der Abfall grassierst während unsere Jugend täglich mehr und mehr dem Judentum entfremdet wird — weil sie es nicht kennt. Tiejeu Zuständen zu steuern, haben wir uns die Erhaltung und Verbreitung unseres jüdischen SchriftttumS zur Aufgabe gesetzt. Unserer Heranwachsenden Jugend, welche von einer mächtigen religiösen Bewegung erfaßt ist, die sich mit allen Fibern nach dein verlorenen religiösen Glück zurücksehnt, die den Glauben besitzt, der jedoch die 5lunde fehlt, wir wollen ihr den Rückweg zum alten, ewigen Judentum ermöglichen und ebnen. Wir werden unser Augenmerk aus zwei Ziele konzentrieren; einmal wollen wir unser jüdisches Schrifttum durch systematische Verbreitung gediegener und billiger Volksausgaben dem jüdischen Publikum — soweit es noch für Judentum Jnteresie bekundet — näher bringenwollen wir unsere nationale Literatur aus der Diaspora der Bibliotheken und des Privaten Besitzes sammeln, sichten und einem möglichst weitein Kreise vertraut machen; andererseits soll den jüdischen Autoren zu günstigsten Bedingungen Gelegenheit geboten werden, diese nationale Literatur zu bereichern und zu befruchten. Beide Ziel sind von gleicher Bedeutsamkeit, von gleicher ethisch-jüdischer Höhe und von zu zwingender Rolweudigkeit, als daß derselben das Wort geredet werde.! müßte. Es handelt sich hier keineswegs darum, die Liste der Verlagsgesellschaftcn mu eine zu vermehren oder die unübersehbaren Bücherkataloge zu bereichern, sondern es handelt sich um Seiil^oder Richtsein, um Bestand oder tlnbesiand Eures Judentums. Solange das Ghetto uns umfing, solange seine Maliern auch die Grenzen unserer Gedankenwelt bedeuteten, waren wir vor Entfremdung und Assimi Iutioii geschützt. Heute, da uns ein ganz und gar unreligiöses, unjüdisches Leben umbraust, kann uns nur ein eiserner Wille ein starkes jüdisches Innenleben und Selbstbewußtsein, die Sättigung mit jüdischein Wissen dem Judentunr erhalten. Wenn Ihr nicht wollt, daß die ehrwürdige;!leihe der Ahnen, die vor Gott und im Judentum lebten, gerade bei Euch und durch Euch unterbrochen werde und sich in einer uujüdischen, thorafremden Jugend in das ertreine Gegenteil ihrer Lebensbestimmung nmkehre; wenn ihr nicht wollt, daß in fünfzig Jahren Eure Tempel als Pagoden der ausgestorbenen ״Zrommen" gezeigt werden, daß Eure Gebetbücher, Eure Tefillin und Mesusoth Euren mindern nichts mehr als pietätvolle Andenken bedeuten; wenn Ihr nicht wollt, daß Eure Kinder und Enkel gedankenloS daS zerstören, was unser Volk in zwei Jahrtausenden mit seinem Leben ausgebaut, mit seinem Herzblut, mit seinen Tränen und Seufzern besiegelt und geheiligt hat; dann dürft Ihr nicht länger teilnahmslos nlitansehen, wie unsere Jugend ihrem jüdischen Sein entwurzelt und um ihr Judentum betrogen wird, wie sie heranwächst, ohne von demselben eine Ahnung zu haben, ohne hebräisch lesen zu können. Tann zeigt dieser Jugend, was sie mit ihrer Relioion verliert, was sie mit ihrem Judentum aufgibt und wenn sie eS dennoch verschmäht, werdet Ihr wenigstens Eure Pflicht erfüllt haben. Deshalb appellieren wir an dieses jüdische Pflichtbewußtsein, uns in dem Bestreben, den jüdischen Bevölkerungsschichteil, vor allem der jüdischen Jugend, ein tiefes Erfassen und Eindringen ins Judentum zu ermöglichen, nach Enrenl besten Können zu fördern. Um Großes leisten zu können, brauchen wir Eure finanzielle und geistige Mithilfe, Eure Ermutigung und euer stetes Interesse. Wir fordern jedermann zur Zeichnung von Anteilscheinen ver Jüdische» Vcrlagsgesellschaft auf, die im Betrage von 40 Krone», auSgegeben werden und denen eine sehr günstige Verzinsung mit Bestimmtheit vorausgesagt werden darf. Es ist begreiflich, daß unser Werk, wenn es vor Störungen bewahrt werden soll, auf solider finanzieller Grundlage fundiert sein muß. Also nochmals: wir wollen keine Mildtätigkeit, souderu Eure freudige Mitarbeit, kraftvolle Betätigung Eures jüdischen Pflichtgefühls. A n nt e l d u n g e n und Vorschläge sind an Zeichner dieses zu richten. Für d a S vorbereitend e .K o m i t e e: Max H i ck l, Redakteur, Brünn, Adlergasse Nr. 9. כשוי... - Hötel ״. Restaurant Josef Guth,Wien II Stephani eatruae 14. Telephon 13/02. - Bestrenommierte Küche u. vorzügliche Getränke. Stärkerei * mit Dampfbetrieb und Konzession für Branntweinschani( wegen Zurückziehung vom Geschäft ist für branchekundigen Glaubensgenossen zu sehr günstigen Bedingungen abzugeben. Näheres bei hmlf Frucht, Pirnitz. Hotel Stephanie. Hotel Stephanie. M. Operer כשף Restaurant WIEN, II., Taborstrosse Nr. 12 Neurenovierter Prachtsaal geeignet für Hochzeiten, Dieners usw., Fassungsraum 400 Personen ist von April bis September zu vergeben HausspezialitSt: Täglich warme Pfefferkarpfen und Hechte. Ausschank: Schwechater Lager u. 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