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Jüdische Volksstimme · 1913-07-03 · Heft 27 (3.7.1913) · page 10

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 27 (3.7.1913)
Date
1913-07-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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f Seite 10. ״Jüdische Volksstimme." Nr. 27. staaten cingcrciht werden, so müsse cs sich solche Formen des bürgerlichen Zusammenlebens ancigncn, die von allen;lieftcrt einer mittelalterlichen und wilden Barbarci frei seien. Für die Duma, die schon lange eine solche Rede itiail gcborl hat. waren die Worte Konvwalows mitten ni der fanatischen Iudcnvcrhctzungsagitatwn ein Ereignis ersten rliangcs, das auch die offizielle Telegraphenageniur trog tendenziöser Kürzungen nicht abzuschwächcn vermag. Literatur. Gustav Psannmüller, ״Dir Propheten". Band 4 und ü der Sammlung: Tic Mlaffitce der Religion, herausgegcben von Lic. theol. Gustav Psannmüller. Verlag: Prolesianlischcr «christcnvertricb G. m. b. H., Berlin- Tctiöncbcrg. Preis: drosch, :i Blt., gcb. 3,">0 Mk. Gegenüber den mancherlei Versuchen, unser hijtorisches Wissen um die Religion zu vermehren und zu verliefen, isi es der Zweck der neuen Sammlung ״Die Klassitcr der Religion", zu den Quellen der Religion selbst zurückzusühren. Tenn was Hilst uns alles historische Wissen um die Religion, Ivcn» wir sie nicht selbst in ihrem ursprünglichen Leven kennen lernen? Wahre, ursprüngliche Religion - - die natürlich mit den äußerlicken Beobachtung von Zeremonien und Riten gar nichts zu tun hat — tritt uns vor allein entgegen in dem Fnnenlcven der großen religiösen Persönlichkeiten. So iommcn denn in dieser Sammlung die Herren der Religion selb« zu Worte. Ter vorliegende Band ist den Propheten gewidmet. Tie große» religiösen Persönlichleiten des alle» Fsraei, in einer charakteristischen Austvabl und in getreuer UebirscPung, sollen zu uns sprccken. und in ihren :Reden ihre gewaltige Persönlichkeit ofsenbaren. Tiefe :1 ן aber nur verständlich aus ihrer Zen und ihrer Umgebung. Rach einem kurzen Uebcrblick über die Geschichte und das Wesen des israelitischen Prophetisinus schildern daher ausführliche Einleituugen zu jedem einzelnen Propheten die politischen und religiösen Zustände, unter denen der Prophet auftritt. Tara» schließt sich eine Analyse des betreffenden Propheteuvilches, vei der neben den unbedingt echten Worten auch die zweifelhaften Stücke einer näheren Bctrachlung unterzogen werden. Es folgen sodann die Worte des Propheten in chronologischer oder sachlicher Ordnung mit ckarattcristischcn llcberschriftcu versehen, die den Inhalt der bctrcssendcn :Reden kurz zusammcnsasscn und illunriercn. Alle Einzelheiten, die noch unverständlich sein sollten, »vcrden in besonderen Anmerkungen crläureri. Ein ausführliches Literaturverzeichnis gibt endlich die Schriften an, auf denn die gegebene Tarstellung und Auswahl beruht. Für alle religiös interessierten Kreise unserer Zeit, die in die gcivaltige, aber oft schiver vcr- ,'ländliche Gedanlenwelt der Propheten tiefer eindringen!vollen, insveiondcrc für die Lehrer der ilicligion und Geschichte, aber auch für alle diejenigen, die in dem Propheien nicht nur die Leligiöfen Heroen, sondern auch die gewaltigen Tickuer voll iiiiüberirefflicher :Redeu. Sprachgewalt vereinen, dürste das aus sorgfältigstem Quellensludiuin beruhende und mit echter Liebe und Begeislcrung geschriebene Werl ein zuverlässiger und williommener Führer sein. Kurt Geucke: Tic Tiamantinscl, Eine Erzählung aus der Siidsee. Mil Bildern von Willibald Weingärtuer. -Ü7> Seilen, in Leinen gebt,»gen :4 LRk.!Mainzer Volts- und Jugendbücher, Bd. ckl.i Verlag von Jasef Laiolz. Mainz. Ter vorliegende Band bildet die Fortsevung des im Vorjahre erschienenen Buches Kurt Gcuckes: Ter Sleiger vom Tavid:liichlschachl. — :>insl, jener Steiger, Bergmann von Fugend her. Mitinhaber eilies großen Hamburger Handelshauses, geht für dieses ans eine Insel in der Südsee, die er erivorben, und legt dort ein Bergwert an. Mir ihm finden andere Teutschc aus dem paradiesische» Eiland eine neue Heimat: aber auch den Eingeborenen, die von einem seltenen Adel der Gesinnung sind, bringt Rust Glück und Fortschritt. Sein Knllurwert wird bedroht durch mancherlei Schicksalsschlüge und durch Qrangbrani, einen malahischen Seeräuber, endlich durch ein furchtbares Seebeben. Es ist ein buntes Geschehen. Ter Dichter schildert mir Anschanlichlcit und seltener Kraft jene fremden, seltsamen Länder. Fm Mirtelpuntt ilebt aber die Tätigkeit des deutschen Mannes draußen in der Fremde. Heule, wo unser Volk in die Weite der Welt hinaus mutz und will, sollte man der Fugend solche Bücher in die Hand geben. Wir haben genug von englischen und spanischen Seesah^cru gehört; jetzt wollen wir von deutschen Männern über Sec erzählen. Sammlungen: Pandora, geleitet von Oskar Walzel. Georg Müller (Eugen Rcntsch) in München. Orplid, verlegt bei Axel Juncker in Berlin. In der Pandora-Sammlung erscheinen literarhi,׳orisckc und kultur-psychologische Schriften von allgcmeinem Interesse in lcjchtsaßlicher Sprache, denen sich anregende Zusammenstellungen seltener Memoiren, geiit reicher Briefe und sonstiger Dokumente geistiger En.tricklung anschließcn. Hcrvorzuhcben wären: ״Heine und die Frauen", Ausgcwühlte Bekenntnisse und Beliachiungen des Dichters, zusammcngcfügt von Karl Blc.nck, der bestrebt ist, die Legende von Heines Frivoliiä: und Pietätlosigleit zu zerstören. Ferner: ״Rahcl und ihre Zeit". Briese und Zcugniffe, aus gewählt von Berta Badt in einer Weise, datz man alle Seiten der vielseitigen Ralur der seelisch-großen, kleinen Jüdin überblicken und zugleich ein Bild jener ersten Zeit der Fudcnemanzipation gewinnen kann. Endlich: ״Lessings Religion," Zeugniffc, gcsamniclt von M. Joachimi-Dcgc, ei» Büchlein, das in unfern Tagen des religiösen Zweifclns und Sncheiis als Vademecum für frei Geister dienen kann. Tie Hrpliü-Sammluug entbehrt des einheitlichen Eharalters und bevorzugt rein dichterische Erzeugnisse ans älterer und neuerer Zeit. So finden wir hier neden Rovcllcn von Faeobscn eine herzige Anthologie gediegencr Liebeslieder von den jüngsten deutschen Dichlern: Esoior, Mell, Asan und Brod. Anerkennung vcrdient Mar Brods ps!,chvlogisch vertiefte Erzählung ״Der Bräutigam", ivährend Rhcinsvergs Büchelchen eine rech! harmlose :Reisclcitürc bietet. Tr. M. S. 5 Sternhofi bestes aller Bitterwässer. Stille Dramen. Von ,lille» Stücken, die mir einst tiefe Stunden geboten und nun!viedcr etwas mehr als flüchtige Sommcrlcktürc lvaren, sei hier die Rede. Hugo von Hoffmannskhals im Insel-Verlag, Leipzig, erschienenes Versdrama: ״Ter weiße Fächer" strömt eine so sütze Melancholie aus, daß man sich in jene Zeit zurückträumt, wo man unbändig jung und vei allem Glück ■— denn Fugend ist Glück tottranrig war und sich an der Wehmut der Verse des zarten Hofsmannstahl berauschte. Tei Tor und der Tod zeigten ihre Lieder.... Fortunio bat feine Frau verloren und kann den Schmerz nicht verwinden. Er weilt oft an ihrem Grabe. Tort trifft er einmal mit Miranda zusammen, einer Judcnfreundiu, die das Grab ihres Gatten aufsucht. Er bemerkt an ihr etwas Geheimnisvolles, das ihn an seine Frau gemahnt. Er macht ihr zum Vorwurf, daß sic so lange trauert. Sic scheiden voneinander, aber sic werden noch zuiammcntommcu. Eine Schnitzlcrschc Studie? Eine Etinucrung an Rodenbachs Totes Brügge? Eine Originnldichlung? Was liegt daran? Stimmung und Stille tvebt um das feine, kleine Zwischenspiel. Eine aus Schmerz, Entsagung und Hoffnung geborene Poesie ivcht aus den kostbaren Worten, die diese zwei Menschen im Angesicht des Todes wechseln. Ter Tod selbst l,at seine Schrcckniffc cingcbüßt. Er ist vielleicht nichts als eine große Wehmut. Und das Leben nichts als ein Schattenspiel vor dem Tore des Todes. Tenn, waseuch Glück erscheint, indes ihr es lebt, ist nur ein buntes Nichts vom Traum gewebt. Stille herrscht auch in Hermann Sudcrmanns Schauspiel ״Glück in! Winkel", verlegt bei I. G. Cotto, Stuttgart. Eines der sympathischeren Stücke des vielumstrittcncn Dramatikers. Aufgcbaut auf dem dunkeln Hintergründe des Lebens. Tie ivcnigcn Gestalten hebe» sich hell und plastisch ab. Tie Handlung schlicht und schlant. Fn der Technik ist Sudcrmann unbestrittener Meister. Daß er hier auch die psychologische Motivicrung nickt schuldig bleibt, hebt das Stück über den Turchschniit. Anszusctzcn lvärc nur, daß die Männer nicht so gut gezeichnet sind wie die Frauen. Ist der Rektor Wiedcmann nicht ein wenig zu schwach und schlapp? Was lätzt er sich so von Recknitz an der Nase herumführen? Vielleicht weil er zu bescheiden und treuherzig gut ist? Ja, warum sagt er aber dann zu seiner Frau: ״Ich halte dich nicht, geh, wohin du willst"? Uw» ivahrscheinlich klingt es oder mutet wie ein Widerspruch an. daß er seine liebe Frau, die er als ״Opfer" geheiratet, in die finstere Nacht hinausläßt. Hermann Bahrs ״Tschapcrl" bei S. Fischer, Berlin, erschienen, unterscheidet sich von den Jugendstücken dieses vielseitigen Geistes durch eine abgeklärte Lebensauffassung. Ein stiller Humor vergoldet das Spiel mit den drolligen Figuren und satyrischen Pfeilen gegen manche Auswüchse und Mitzstände des Wiener Kunstlcbcns. Die Gestalt Lampls ist wohlgclungen, Tschaperls ein!vciiig verschwommen. Tie Heldin ist aber nicht ein solches Tschapcrl, wie Lampl glaubte. Dafür hat schon Rosctti gesorgt, auch der Ruhm hat sie verdorben — und schließlich war doch der rabiate Lampl unerträglich für die berühmte Frau, die Schneewittchen komponiert oder nicht komponiert. Sie geht dem Lampl durch, der beirunlcn nach Haus kommt, ihre Büste zertrümmert und weint, weil er das nicht crlvartet hat. Daß ihn sein alter Vater tröstet, ist ein feiner Zug. Das Drama, das unerfreuliche Zustände vorsührt, gewinnt unsere Sympathic durch die paar stillen Gestalten, die sich untS: die lauten und hohlen rührend mischen. Mödling. Dr. M. Scherlag. Antisemitische Ausschreitungen eines galizischeu Mittelschullehrers. In der 7. Klasse der Jaroslaucr Realschule unterrichtet der strafweise nach Jaroslau versetzte Professor Thaddäus Kaniowski polnische Literatur. Tiefer saubere Patron gefällt sich in antisemitischen, pöbelhaften Anrempelungen der jüdischen Schüler. Aus der großen Anzahl seiner antisemitischen Aenßerungen seien folgende Ausspräche hervorgehobens ״Christus ist von den Inden getötet worden, und dieser Mord ist bis zum heutigen Tage nicht gesühnt/' ״Ter Talmud, dieses Schandbuch, diese dumme Sammlung unsinniger Ritualvorschristcn." Bei Acußernngen antisemitischen Charakters hatte es aber nicht sein Bewenven. Kaniowski verfolgte die jüdischen Schüler in unmenschlicher Weise. Diescs Verhalten Ves antisemitischen Jugendbildners veranlaßte einen jüdischen Hochschüler, namens Adolf Lippcr, dem Kaniowski einen Brief zu schreiben .in welchein die Blenderung des pöbelhaften antisemitischen Benehmens gefordert wurde. Aus Grund dieses Briefes, welchen Kaniowski dcitT Schulleiter Dr. Nalski übergab, wurde gegen Lipper eine Untersuchung wegen Erpressung und gefährlicher Drohung eingcleitct. Lipper gab nun zur Erhärtung seiner Vorwürfe einige Schüler als Zeugen an. Tie Eltern dieser Schüler verlangten nun mit Rücksicht darauf, daß ihre Kinder als Zeugen in einer eigentlich gegen Professor Kaniowski gerichteten Untcrsuchung Zeugenschaft abzulcgcn haben, die Amovicrung Kaniowskis ans der Maturitäts- Prüfungskommission. Direktor Dr. Nalski leitete darauf eine Untersuchung gegen diejenigen Schüler ein, deren Eltern die Amovicrung Äaniolvskis verlangt hatten. Alle Schüler, bis auf einen, einen allpolnischen Antisemiten, bestätigten die gegen Kaniowski erhobenen Vorwürfe. Dafür wurden sic von der Schuldirektion strenge bestraft und zwei jüdische Schüler, Saul Turnheim und Gabriel Bratspieß, welche sich in sechs Tageil der Maturitätsprüfung unterziehen sollten, wurden ausgeschlossen. Dieses Vorgehen der Profcssorenkonfercnz rief die hellste Empörung der gesamten Oeffcntlichkeit hervor. Wie ungerecht und parteiisch die Schulleitung auch sonst ist, erhellt aus der Tatsache, daß zweihundert Jaroslaucr Bürger noch vor Wochen ein Memoraiidliin an den Landesschulrat richteten und die Amovicrung Kaniowskis sowie eine Samerung der unhaltbaren Zustände verlangten. Die ganze Affäre ist zum Gegenstand einer parlamcntarischen Interpellation gemacht worden, die vom Abg. Breiter cingebracht wurde. Moravskä agrärni a prümyslovä banka v Brne Filiälky: Praha, Kromßrii, Moravskä Ostrava, Opava, Trebiö, NSm. Brod, Chradim a HoleSov. Akciovy kapitäl K 12,000.000 Zürokuje vklady na knfzky 474—57°, Oddelenf pro zbozf. Vklady p?es K 25,000.000 na dSzns a vkladnf ücty die dohodnutf. QddSlenf pozemkove. ׳ *

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