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Jüdische Volksstimme · 1913-07-03 · Heft 27 (3.7.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 27 (3.7.1913)
Date
1913-07-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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m WWWWWWWWWWW X1V|2. Jahrg. Nummer 27 Hüspn* ■9S*^@S»ä!Ä: K 'U Erscheint jeder» Donnerstag. Mslht Für Oestcrreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 8.20 ganzjährig.Kronen 10.— Deutschland, ganzjährig.Mark 10.— Rußland, ganzjährig.Rubel 5.— Balkan, Frankreich.Franks 12.— Einzelne Nummer 20 h. Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die Ospaltige Petitzeile 30 h. Biichhändlerische Vertretung: Otto Sttemm, Leipzig. i^eschästsstelle. Wien:!., Rotenturinstraße Nr. 3l. Telephon 3000/VIII. Zprechslundell von 10—12 Uhr! Posisparkaisakonto :׳ft. 312.312. ■ Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht hono- > rierl. — Manuskripten ist Rückporto beizusügen. N -Ä Brünn—Budapest Mie-n 3• Juli 1913. 5J8> Siwau 5673. Prag—Lemberg. « .31115 dem Inhalte״. Jor Kamps ums Recht. — I. Grünwald: Das Sommervöglein. -- Tic Kiewer Ritualmordasfäre. - Jüdische Verlagsgesellschast. — 31111t 20.!0,111,5. — Misrachi. -- Tic 2abbafi)n!lu' in Ungarn. — Pa 1 äיןti 11a 1ךcidlןchas151׳eiןe. - 2i buo faciunt idem, non cst idem. — Rundschau. — Mirlath?Rosche. — Jüd. Toynbeehalle. Korrespondenzen. - Zum 11. Zionistenkougretz. — Tie Bedeutung der׳ Masten Tavid. 3lus den Staatsakten über die Emanzipation der Inden in Preußen. -- Enstlische?lnsgrabungen in Palästina. ׳ - Tie Jndensrage vor dem Forum der vierten Tuina. ׳ Literatur. Der Kampf ums Recht. Wien, im Juli 101:1. £•* in typisch für unsere Berbältnisse und charakteristisch für Oesterreich überbaupt, daß die Entwickln,!!! in diesem Staate nie in Form einer gesetzmätzigen Evolution vor sich gebt, sondern sich erst durch eine stürmische Revolution gewaltsam Bahn brechen mutz. Das sehen wir auf allen Gebieten, nicht zuletzt in der politischen Gestaltuiist des Reiches, welche die einstmals reiche und widerspenstiste Monarchie nun fast an den?lbgrund des Verderbens geführt Hai. Aus parlamentnrischem, gesetzgeberischem Wege kann bei uns nichts erreicht werden, hier Hilst nur die Zuflucht zur Stratze und der Aufmarsch von schreienden und lärmenden Menschenmassen. Und je toller es hierbei ׳,ugeht, desto eher ist Aussicht aus Verwirklichung der gestellten Forderungen. Tamil hängt es auch zusammen, datz man in Oesterreich die Gewohnheit aiigeuommen hat, seine Forderungen bis ins Unmätzige ,11,י steigern, weil man wohl weitz, datz, wenn mau schon etwas bekommt, nur ein Bruchteil dessen bewilligt wird, ivas verlangt wurde. Ter Kamps ums Recht wird nirgends so heftig und so aussichtslos geführt, wie bei uns. Das haben die jüdischuatioualen Studenten der Wiener Universität wieder am eigenen Leibe cxfahren müssen. Sie stehen gegen eine geschlossene?Majorität bramarbasierender antisemitischer ^:tndeuten, die ihnen das primitivste Menschenrecht, den Anspruch auf die persönliche Ehre, absprechen. auch die Mitzbiilignug des akademischen Senakes. 311111 aber zeigt es sich, datz!error und lieber zahl den Sieg davoutragen. Tie akademischen Behörden lind umgesalleu, das?Ritztranensvo lum der 0e!1tschualioua!eu Sludenkeuschast hat sich ihnen auf die Seele gelegt und sie beginnen wieder im alten Fahrwasser weiter zu gondeln,!er Rektor hat von der Studeuteuschasr Garautieu dafür gefordert, datz 3111110 au der 'Aula gehalten iverde und hat nach dieser Zusichernilg das Farbenverbot und die Sperrung der 'Aula aufgehoben. Tie deutschuationalen Studenten konnten die Beriicheruug, die Ruhe nicht zu 1 tö reu, leicht geben: denn sie sind von aller 'Anfang :an die 'Angreifer gewesen und mutzteil solgerich- 1ig nur versprechen, die 'Angriffe eiuzuskellen. Tie Jüdischnationalen aber, die seit fast zwei Jahrzehnten in ihrer Ehre getränkt werden und Durch säst zwei Jahrzehnte sind die Jü->nnn obendrein noch der?Ratzregelung entgegen oischnalionaleu diesem unwürdigen ZnstanbcZ sehen, wenn üe sich wehren, mutzten sich ableh dtirch Selbsthilfe entgegengetreten. Ta man ihnen nend verhalten. Es ist nur zu begreiflich, wenn auch hier Hindernisse in den Weg legte, ging dew die Erregung in den 3ieihen der jüdischnationa- Krug über und die verhaltene Wut schuf sich ge-! len Studenten bis zum 'Aetzersleu gestiegen in. waltsam Raum. Tie jüdische Bürgerschaft, bisher Tei sehen nicht nur, datz alles beim 'Alien bleiapathisch und indisserenl, nahm Partei, und ,zu ben soll, sie merken vielmehr, datz man üe zum ihrer Ehre sei es gesagt, sie stellte sich ans diel Besten hielt, datz man ihnen Versprechungen gab, Seite ihre Jugend. die man nie einzuiösen gewillt war und datz man Was taten nun die zuständigen Stellen? bei den ersten Anzeichenvon Gewalt ans Seite 'Anfangs schien es, als ob man in der Beratnngsder Tentschnationalen demütig zusammenknickte, skube des alademischen Senates, das Himmel-: Einer Tepukarion der judischuationalen Stnschreiende Unrecht einsehen würde und?Rittet deuten, die am Samstag bei dem Kanzleidirek suche, der jüdischen Studentenschaft zu ihrem! tor vorsprach und die Beschwerden ihrer Kom Rechte zu verhelfen. Tie Haltung der Deutsch-׳ militonen vorlegte, wurde rundweg erklärt, das: nationalen, von der ganzen Welt verurteilt, fand »tan diese Beschwerden nicht zur Kenntnis neh Feuilleton. Das Sommervöglein Von Jenny. G r ü 11 w a l d. (Lchlutz.) Ein Messinglenchter mit vier?lrmen mutzte für den heiligen Sabbath geputzt werden. Bitzchen Kreide oder Holzasche genügten. Sary putzte so lange, bis ihre Wangen sich rosig färbten und sich im Leuchter das kleine Gesichten spiegelte. Frau Eitel meinte lachend: ״Er ist schon schön, mein Kind, du weitzt noch nicht, wann du zu putzen anfhören sollst...." Frau Eitel hatte rnbig lächelnd einen Handgriff oder sonst eine Belehrnng in Worten ans freundliche Weise gezeigt.?3101! nannte sic überall ״Herzganev" lHerzensdicbj. Ihr?lly — der grotze?!esse Saras, die kleine ״Schmeichelpfote", hatte das 311111 des Schuhpuhens libernoniiiien: auch Kleinholz machte er gerne, obwohl Sary viel Reisig nach Hause brachte. Er sagte, sie müsse das von ihm lernen. Er war auch kein Plaudermnnd, hatte auch viel mehr gelächelt, was oft von Sary falsch gedeutet wurde. Einmal in solch schlechter 3luslegung seiner lächelnden Miene, verbarg sie alle schuhe für den Sabath, die zu putzen waren. Zufällig hatte ihre Freundin, die schöne 'Minna, sie in ihr Gärtchen geführt und dort warteten mehrere .Kinder, die sich wie Heinzelmännchen zwischen den Stauden und Gebüsch und Laube versteckten. Tie beiden Frenndinnen satzen aus einem 'Bänkchen, Minna hatte stets einige gute Zuckerl in Bereitschaft, sie schnalzte laut mit der Zunge und hörte recht ansnicrtsam den kleinen Erzählungen Sarys, welche stets eine kleine Panse machte, wenn ihr Minna ein ״Sützchen" in den??kund drückte. Es war merkwürdig, datz Lary so leicht über das Schnalzen, welches sie sonst bei andern nicht vertragen konnte, hinweg war. 11!״ doch nicht so protzig," hörte man's vom Gebüsch, ״hast schon lange kein Zuckerl im Mundl" Es war ihr kleiner Bruder, dev sein Schwesterchen neidisch beobachtete. Taranfhin er rötete?)ciuna und bald hörte man die Kinder, lispeln und zuletzt trippeln und endlich zeigten sie ihre lachenden Gesichtchen und baten, weiter zuhören zu dürfen, welches ihnen erlaubt wurde. 3״lch," sagte eine?lchtjährige, ״wenn ich io schön sprechen könnte, man glaubt, datz Sary aus dem 'Buche lieg." ׳״Was gäbe ich dafür," sagte Sary, ״wenn ich eure Landessprache geläufig spräche!" ״Tiefe sprechen hier die Bauern", meinte Minna. ״Und der Fiskal oder der Psarrer - und in der Grotzstadt wird nur deutsch gesprochen," meint ihr Bruder. ״Freilich, zumeist deutsch doch Zurr Voltsiprache und alle fremden Sprachen hört man dort, sogar liebräiich.... Fe!nelir Sprachen, desto mehr 'Wisienichait bat mau erworben, sagt mein Vater." erklärte Sary ernii. Tie Kleineren verstanden nichts davon und bald!verliefen sich dieselben. 3lnch die Grösseren eil ton, da mau tid) Freitag besser gekleidet zum?lbendtisch setzte,??ciuna zeigte ihre Zufrieden beit gegen ihre kleine Sary, indem üe ein schön gebundenes buntes Sträntzlein derselben gab. Sie ging unter sreundlichem Grus׳, ins Haus chen, wo weben die Mutter die Sabbatbkerzeu auzüudete. Sary war traurig. Sie emvsand ge! rade Freitag 3lbend die Leere, das Berlasseniein. Zuhauie im groszeu. vielbeleuchteieu st,immer jDic sreuudlichen Gesichichcu, die milden Mulle׳ äugen. Ter Segenspruch und der väterliche Sab batgrutz das ׳״Benschen" von ihm, indem er! segnend die Hände auis Haupt seiner Kinder legte m!d dann der schon gedeckte!!sch wo s.eis noäi sremde 3lrme gesättigt und erbaut wur den.?ieichlich flössen die!canen Sarvs. Sie ging lräumend ihren 'Weg. laut bei dem 'Berge!, das jetzt uüe üe verlassen itand, stellte üch aus die st,elien, schaute in die roügbläulicheu?tbendwöltcheu und sandte der!urmspitze des nächsten Törtchens einen Handtutz aus ״baldig 60kmi8cke Inäu81rial-kank-Filiale Kassen und Bureaus: BRÜNN, Großer Platz Nr. 26. Sämtliche Bank-, Börsen-, Devisen- und Valuten Beschälte. Rypcthekarkrcdite auf Industrie-Unternehmungen, Wechsel-llsknmyte. Geld-inlagen gegen Sparbücher und in laufender Rechnung zur günstigsten Verzinsung. Eigene 4'/״% Bankschuldverschreibungen emittiert auf Orundlage von hypothekarisch sichergcstellten gesetzlichen Grund- Sätzen über die Pupillarität gewährt n Darlehen, verzinsen sich bei gegenwärtigem Kurse mit mehr als 0. Kassen: Talephan Nr. 1248. Direktion: Telephon Nr. 1037. Korrespondenz: Telephon Nr. 1388

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