Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1913)
- Date
- 1913-06-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Seite 10. ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 26. Lüge jsl immer und in jedem Falle Feigheit. Nichts aber entehrt uns vor uns selbst mehr, als Mangel an Mut.. Bcmcrkcnslvcrt ist auch, was Fichte über die Maxime der christlichen Sittcnlechrc ״Liebe deine Feinde!" sagt. Der sittliche Mensch als solcher hat ״gar keinen per-- sönlichcn Feind und erkennt keinen an. Es ist ihm überhaupt nichts zmvidcr, er feindet nichts an und sucht nichts zu hjntcrtrciben als das Böse, schlechthin darum, ivcil cs böse ist." Das Buch enthält zum Schluß sehr wertvolle Bemcrtungc» über die sittlichen Pflichten des Gelehrten und des Künstlers. Haschilvach. Die letzte Nummer dieser führenden hebräischen Monatsschrift enthält einige wichtige Beiträge. Wir erwähnen besonders einen Artikel ״Das Wüpcngeschlccht" von Dr. Osias Thon. Der Versaffer wendet sich dagegen, daß das junge Geschlecht in Paläslina zu Haß und Verachtung der Juden des Exils erzogen wird. Der Schwerpunkt unseres nationalen Lebens liege noch immer im Goluth. Dr. S. Bernselb schreibt über Arje Leon de Modena, Josef Klausncr setzt sein Paläftinatagebuch fort, I. Nunscn gibt eine ausführliche Würdigung der kürzlich in der ״Bibliothcka gdola" erschienenen Raschibiographie. Sch. Gemach steuert ein Essai) über den hebräischen Dichter I. Eh. Brenner bei. I. Barsilai schreibt über die Wirtklärung über das heilige Schrifttum, über Literatur1 schaftlichen Verhältnisse in der Kolonie Gcderah. Außer und Geschichte des Judentums durch populäre Schriften diesen Artikeln enthält das Heft eine Reihe bcllctrizukommcn zu lassen, durch geeignete Werke zu verhelfen^ slischcr Arbeiten von Barasch, Sckko, Ben Ami Schaul. Viele derartige Schriften sind tvohl bisher erschienen, Christine Ttzalrr: Baby-Kochbuch. Ein Ratgeber jedoch haben nicht alle die Zustimmung der berechtigten für junge Mütter. Unter Mitwirkung eines Kinder- Kritiker gefunden, darum, weil nicht jeder Verfasser den 1 arztes, Wien, Verlag Franz Teutickc. 108 S. 2 K. richtigen Volkston in der Darstellung des behandelten! Dieses schmucke Büchlein bedarf glücklicherweise Gegenstandes zu finde» vermochte. Unserem Verfasser! weder eines .Kommentars noch einer besonderen Em- .Herrn Rabbiner W. Reich jedoch ist es vollständig gepfehlung. Ter Titel sagt den Jntercffentinnen alles. Illtigen, eine Geschichte von orientalischen Judengemein-! Kinderarzt Dr. Norbert Stooboda (Wien) hat einen den, die dem allgemeinen jüdischen Volke fast unbckainit ן Beitrag über die Ucberfütterung der Kinder und ihre ivarcn, herausgegeben, deren Darstellung, weil frei von | Gefahren als Einleitung geschrieben, jedem gelehrten Aufputz jedem Laien verständlich ist. Juden als Erfinder und Entdecker. Veröffent urch geschickte Verwebung der Geschichte der osmanilichung der Henriette-Becker-Stiftung. Wcltverlag, Berim Plane der göttlichen Schöpfung wohl geordnet nur der Mensch ist zu schwach, ihn zu erkennen. Darum soll der Mensch vertrauen, daß 2ל מד, דעבד רהמנא לשב ע2ד ״Alles, was Gott tut, ist wohlgemn" und wie Hiob nicht vom lPcgc der Gerechtigkeit weichen ישרים דר2׳ ד׳ צדיקים יל2ו 22 ופשעים י2שלו 22 ..Ja, gerade sind die Wege Gottes! Die Frommen Wandein sicher darauf, aber die Abtrünnigen kommen auf ihnen zu Fall." 2 Sternhof I bestes aller Bitterwässer. Literatur. Rabbiner W. Reich, Baden. Berühmte Judengemeinden des Lomanischrn Reiches. Seit läiigerci! Jahren ertönt der Ruf in jüdischen Kreisen, die bestrebt, sind, alle» Klaffen unseres Volkes Belehrung und Auf-1 scheu Regenten mit den jüdischen Gemeinden in Kleinaffen und auf der balkanischcn Halbinsel gewinnt der Leser den besten Eindruck von der loyalen Behandlung der Juden unter türkischer Herrschaft im Gegensätze zu den unmenschlichen Verfolgungen, die sie zu jeder Zeit von den Griechen und den benachbarten romanischen lin-Wilmersdorf.!Mit 8 Porträt-Tafeln.) Preis gebungen 8 Marl. Was das Buch ivill, läßt schon sein Titel vermuten: Der viel gehörten Behauptung cntgegentretcn, daß den Juden die genialen Menschen und der Wagemut fehlten. Ein einleitender, von Dr. Nathan Birn- Volke zu erdulden hatten und noch jetzt erdulden müssen. [ bäum geschriebener Aufsatz, der sich durch eine gedan- Alles in allem ist diese Schrift zur rechten Zeit erschicneu und wäre cs wünschenswert, daß sic zum Nutzen der 'Allgemeinheit, insbesondere aber unserer reifen Jugend die weiteste Verbreitung finden soll. I. I. Johann Göttlich Fichte: System der Sittcnlrhrc nach den Prinzipien der Wissenschaftslehre. Neu herausgegeben von Fritz Medirus. Leipzig, Felix Meiner Verlag. 3,50 Mark. 371 S. Kuno Fischer hat von Fichtes Sittcnlchrc gesagt, daß hier der Geist des ganzen Systems sein cigcntlichcS Element und seine Heimat finde! und daß das gesamte System unter dem Gesichtspunkte der Sittenlehre in den hellsten Gesichtskreis tritt. Die Schrift gehört nicht zu den populären des großen Philosophen. Sic erfordert angestrengte Mitarbeit. Dennoch ist ihr Gedanlcngang einfach und durchsichtig. F. geht davon aus. daß dasjenige Handel» ein sittliches genannt zu werden verdient, in welchem das Ich sich seine freie Sclbsttätigkcil zum Gesetze macht. Dieser Begriff der Sittlichkeit wird zunächst aus dem der Vernunft abgeleitet. Dann wird gezeigt, daß die Sittlichkeit in der Welt anwendbar und durchführbar ist. Endlich wird diese Anwendung im einzelnen durchgcführt und so eine spezielle Sitten- und Pflicktenlchrc abgeleitet. Was macht den Gehalt der sittlichen Handlungsweise aus? So wird bicr gefragt und die Antwort, die F. gibt, ist überaus charakteristisch für sein System und seine kenvollc und ruhige Darstellung auszeichnct, spricht sich über diese Aufgabe deutlicher aus: eine Sammlung von über 200 Beispielen, die von Ernst Hcppner besorgt ist, ivird ihr in weitestem Maße gerecht. Wir erhalten in den beiden Abschnitten dieser Sammlung — der erste bringt die Biographien besonders hervorragcnder jüdischer Erfinder, Entdecker und Organisatoren, der zlvcite kürzere biographische Daten zahlreicher weitercr in alphabetischer Anordnung — sehr interessante Aufschlüsse, namentlich auch über den jüdischen Ursprung einiger der wichtigsten moderne» Vcrkehrserfindungcn. Die .Henriette Becker-Stiftung verdient allen Dank für ihre Veröffentlichung, die geeignet ist, ein unentbchrliches Handbuch für alle zu ivcrdc», die sich praktisch und theoretisch mit den einschlägigen Fragen beschäftigen. — Die Ausstattung des Buches, dem auch ach׳ Porträt-Tafeln beigchestct sind, ist vorzüglich. -Hermann Bahr: Theater. S. Fischer, Berlin. <Neuauflage.i Diese Tbcaterwelt ist ein Zerrbild, das an die Umgebung Nanas gemahnt. Sind die Schauspieler wirklich keine ״Menschen?" Ein Journalist, der zufällig zum Thcaterdircktor wird, ein Ehemann der mit der Primadonna die Frau betrügt, wird von der Geliebten betrogen. Er hofft, »ach seiner zweiten Premiere, in der Mascha sich selbst spielt, sic diesem taumelndem Leben zu entziehen und mit ihr glücklich in einer einsamen Hütte Persönlichkeit. Die Pflicht ist der Urgrund und End-'. zu leben. Aber er fällt durch, und sic? ״Geh' ins Bad zweck aller Dinge. ״Erfülle die Pflicht um der Pflicht mit deiner Dichterei!" ruft sic ihm zu. Als Mensch war willen!" Tics ist bei Fichte tu׳«: bei Kant> oberstes er ihr nichts gewesen. Er geht gebrochen nachhause zu Gebot. Dieses pflichtgemäße .Handeln crflicßt aus un- Frau und Kind — und ivcint. Er hat nichts gewonnen scrcr Freiheit, die Unterlassung der Pflicht ist unsere in dieser Lotterie, die man Theater nennt. Das Theater Scknild. Die Willenssaulhcir ist die Wurzel alles Bözieh! jeden Menschen an — ivcil cs für jeden etwas anscn. 'Aus der Trägheit folgt Feigheit und Falschheit, dcrcs bedeutet — an sich selbst scheint cs nichts zu sein. Aus dem weiteren Fortgänge der Untersuchung Jeder Mensch prägt ihm seinen eigenen Sinn ein und beben wir insbesondere Fichtes Ausführungen über die cs wird sür ihn, was er verlangt — dem, der nichts ver- Wahrbaftigicit hervor. Das Sittengcsctz verbietet die langt sondern nur erfahren möchte, tvie cs wirklich ist, Lüge in jedem Sinn, also auch die Notlüge. Bei der gibt es gar nichts. Was ist cs eigentlich? Ein Geschäft unter dem Gesetze von Nachfrage und Angebot: wer die Mode wittert und die Ware liefert, die den Geschmack der Menge trifft, gedeiht. Aber daneben sieht man die reinsten Künstler, unirdische Naturen. und man glaubt in einem Haine von Poeten.... zu sein. Doch tvird ihre fromme Weise durch den Tumult wüster Begierden gestört und nun sieht das Theater wieder wie ein Pranger aller bösen Triebe aus, dann kommt einem das bißchen Schauspielerei wie eine MaSke verruchter Gelüste vor. So weiß man am Ende nicht, ob die Schauspieler Spekulanten,. Schwärmer oder Satanisten find. Sie spielen eigentlich im Leben und leben nur, wenn siespielen. Dr. M. Scherlag. Der Krieg. Froh tönt im Hof der Kinder Ruf: ״Der Vater kommt, der Vater kommt! Beendet ist der böse Krieg, Uns gab der gute Gott den Sieg, Dem Lande, >vas ihm nützt und frommt. ״Nicht wird die Mutter weinen mehr, Ihr Herz war schwer die ganze Zeit. Liegt doch vcrlaffen jedes Haus, Denn alles zog zum Kampf hinaus. Denn so des Landes Not gebeut. ״Nun kehrt die Freude wieder ein, Ter Schivcster Hans kommt auch zurück. Bald führt er sic zum Traualtar, Wir folgen ihr als frohe Schar Und freuen uns mit ihrem Glück. ״Wie tvird der Bruder sich auch freuen, Findt er uns alle frisch, gesund; Er isl noch jung, kaum sechzehn Jahr Und folgte frei der Kriegerschar. Zu kämpfen kühn im Völkerbund." Nicht lange währts, da zogen ein Zum Tor des Ortes Schar auf Schar, Laut jauchzt die Menge in die Lust, Ein großer Chor begeistert ruft: ״Nun ist zu End die Kriegsgefahr!" Und rasch aus «llcn Enden strömt Zum Tor die große Meng herbei; Man hört der Freudenrufc diel. Doch kurz nur währt das frohe Spiel, Zum Himmel dringt ein Wchgeschrei. ״O. teurer Mann! ein Krüppel du. Ein Jammerbild für alle Zeit, Dahin, dahin ist jedes Glück, Kein Stückchen Brot blieb uns zurück. Das Haus ein Platz für Gram und Leid!" ״O, Mutter schau, mein Hans ist tot. Das schtverc Blei traf seine Brust, Das junge Kind ist auch nicht mehr. Ins Herz drang ihm die Kugel schtoer. Der Krieg uns raubte jede Lust. So tönt das Weh aus aller Mund, Die Klage geht von Ort zu Ort: Nur einer steht und klaget nicht. Dein Volle winket er und spricht: L, Menschen höret Gottes Wort: ״Der Menschen Weh von je entstand Nur durch die Zwietracht in der Welt: Tas Schlimmste aber ist dabei. Daß jeder glaubt sich sündenfrei Und nur den andern schuldig hält. ״Wenn einst, so. ein Prophcte sprach. Die ganze Welt der Geist umspannt, Ter Geist der wahren Bruderlicb, Beseelt vom klaren, reinen Trieb Und Gott als einzig tvird erkannt, ״Dann hört der Kriegesjammer auf. Ein Band umschlingt die Völker all, Sic schleife» keine Waffen mehr. Die Eintracht dient als Schutz und Wehr. Die Menschenliebe als stärkster Wall. Moravskä agrärm a prümyslovä banka v Brne Filiälky: Praha, Krom&ri2, Moravskä Ostrava, Opava, TrebiC, NSm. Brod, Chrudim a HoleSov. Akciovy kapitäl K 12,000.000 Vklady pres K 25,000.000 Zürokuje vklady na knfzky 474—57°, Oddelenf pro zbozf. ^WU na bäznd a vkladnf ucty die dohodnutf. Oddelenf pozemkove. -MD *