Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1913)
- Date
- 1913-06-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 26. XIV./H Jahrg Beilage zur Wiener ,Jüd. Volksstimme' 26. Juni 1913 Seite 9. Satt rtrt+Ärtffptt!!1hpt• htP un^ Drennerei. vom Fischer-. Bäcker- und Fleischerlen und um sie, wenn sie geläutert sind, zu herrlichem övll wUUUvlUltU Uvv( ' gemcrf, sowie von der Landwirtschaft sind sic ausgc- Glücke zu führen. Er geht dann zur Betrachtung des CVuben ttt schlossen, und selbst aus dem Gebiet des ihnen allein wunderbaren Waltens Gottes in der Natur über, um O ' jvj j. verbleibenden Handels den mannigfachsten Beschrän- Sem Hiob klar zu machen, wie wenig es sich mir der <^5T£llp6tl. j kungen unterworfen: der Handel mit Naturalien ist Grütze und Erhabenheil GolteS vereinbaren lätzt, ihm ' ihnen im wesentlichen untersagt, und außer dem Geld- Ungerechtigkeit beizulegen. Er schließt mit der Anifor» oerung, die Sterblichen wogen Gott fürchten, die ivei- ״Von Rabbiner Dr. Rosenthal in Köln. ., geschäst in der Hauptsache nur der Vertrieb von Mann- Unter den innern Vorgängen, die in der Entwicksgkturwaren und Luxusgegensräiideii und unter gewissen sei! Herzens sind. lung der Geschichte Preußens die große Zeit von 1818 Umständen deren Fabrikation, gestattet. Dazu kommen 1 1814 vorbereitet und aüc Kräfte der Nation für das schwere Abgaben und Lasten der mannigfachsten Art. gleiche hohe Ziel zusammengeschwcißt haben, nimmt Zchutzgelü und Rekrutengeld, das eine im Fahre 1788 die Emanzipation der preußischen Juden, im Jahre 1812 - 25000 2flIct jährlich ״Höhr, das andere, als Beizum vorläufigen Abschluß gebracht, keine unbedeutende ן trafl ^r Besoldung der ..langen Merls‘־, auf 4800 Taler «Stellung ein. Diese Tatsache erhält eine neue, alle Entjährlich sich belaufend; die Lieferung billigen Silbers wicklungsstufen gleichmäßig erhellende Beleuchtung a״ Münze zu Berlin, eine indirekte Steuer von undurch die jetzt erfolgte Zusammenstellung des gesamten urkundlichen Oucllcnmateriales. Die auf die Emanzipation und ihre Vorgeschichte bezüglichen Akten des Generaldirektoriums, des Justizdcpartemcnts. des Ministeriums des Innern, des königlichen Zivilkabinetts, des Finanz- und des Justizministeriums liegen, zum weitaus größten Teil überhaupt zum ersten Male verösfentlicht, nunmehr in einem großängclegten Werke vor. daß im Aufträge eines Komitees aus Vertretern der größten jüdischen Gemeinden und der führenden jüdischen Verbände Deutschlands herausgegeben worden ist.*) In weitblickender Politik hatte der Große Kurfürst, nachdem er ein durch Kriegsverhecrung ausgesaugtes, wirtschaftlich geschwächtes Land bei seinem Regierungsantritt übernommen hatte, den Entschluß gefaßt, die im Jahre 1578 vertriebenen Juden in der Mark Braudenburg wieder aufzunehmcn. ,.Wir bekennen hiermit öffentlich־', heißt es im Aufnahme-Edikt vom 21. Mai 1071, ״daß Wir aus sonderbaren Ursachen bcvorab zur Beförderung Handels und Wandels bewogen wurden, einige jüdische Familien gnädigst ausu. anzunehmen.־־ 50 jüdische Familien der Wiener Emigranten fanden in Brandenburg gastliche Aufnahme und weitestgehende Freiheiten und Rechte, besonders in bezug auf ihren Handel. ׳Aber das starre Zünfte- und Gildenwesen konnte sich mit dieser Neuerung und der Art des jüdischen Handels überhaupt durchaus nicht befreunden: mehr und mehr bricht das Bestreben die vermeintliche Schädlichkeit der Juden nach Möglichkeit zu verhindern, sich Bahn. Bereits unter des Großen Kurfürsten Nachfolgcr, Friedrich des Dritten, dem nachmaligen König Friedrich des Ersten, kam cs zu mannigfachen Beschränkungen der Juden, besonders auch ihrer Handelsfreiheit, und zu erheblicher Vermehrung ihrer Lasten; nur in Friedrich Wilhelm dem Ersten wandelte sich ursprüngliche Sympathie späterhin zu der Anschauung, in den Juden ein schädliches liebe! für den Staat zu erblicken — aus dieser Anschauung heraus erging das General- Privilegium und Reglement vom 2!). September 1780. ״wie es wegen der Juden in Sr. Königl. Majestät Lauden zu halten־־, dessen Geist gekennzeichnet ist durch die Bestimmung (in Abs. 10), ״so soll die Zahl der in Unfern hiesigen Ncsidentzicn zu duldenden Juden-Familieu biß auf Einhundert cingeschräncket werden.... und sollen, da sich gegenwärtig in hiesigen Residentzien noch mehr darin befinden, die übrigen darin vorhandenen lvirklichen Schntz-Jnde» aussterben.־־ Den Abschluß dieser Entwicklung bildet das Gcncraljudcnreglemetit vom 17. April 1750, das Haupljudcngesctz Friedrichs des Großen. In ihm erscheinen die den Juden angelegten Fesseln so eng geschnürt, daß ihre Bewegungsfreiheit und Einsaltuugsiuöglichkeit völlig gehemmt sind. Tie Maßnahmen zur Beschränkung ihrer Bevölkerungszahl sind bis aufs äußerste verschärft. Jeder ordentliche Schntzjnde darf nur e i 11 Kind ״ansetzen־־, d. h. heiraten lassen, aus das sei» Schutzprivileg sich forterbt. Die bisherigen Gesetze hatten in dieser Richtung ursprünglich keine Einschränkung, lvciterhin die Zahl von drei, und noch 1780 von zwei ״anzusetzenden־־ Kindern der Schutzjuden vorgesehen —; und diese drakonische, dein Naturgesetz widersprechende Bestimmung ist obendrein durch eine Fülle von Einzelvorschriftcn ergänzt, die ihren Ziveck, ״die Anzahl der Judcnfamilicu und -köpfe zu diminuieren" )Reskript vom 25. März 1758!, noch schneller und nachhaltiger sollen erreichen lassen. (Allerdings verschaffte die Geldknappheit nach dem Siebenjährigen Kriege den Juden gegen Zahlung von 70.000 Talern wieder das Recht aus Ansetzung des zweiten Kindes.) Nicht weniger drückend sind die das Berufsleben der Jlidcn betreffenden Bcstimmuiigeii. Von jedem Staats- und öffentlichen Lehramt, von allen Handwerkern (mit 'Ausnahme derer, ״wovon sich :eine Professionsverwandte und priviligierte Zünfte finden־־), von Brauerei gefähr 24.000 Talern; Gebühren aus allen möglichen Anlässen, von denen, des Kuriosums halber, die bei Feueralarm zu zahlenden 15 Taler erwähnt seien; die Unterhaltung der Templinschen Mützen-, Strumpf- und Tuchfabriken und der Zwangsvertricb von Waren der königlichen Porzellanmanufaktur als Entgelt irgendtvelcher Bencfizien )Kinderansetzung, Hauserwerb usw.i; endlich der beschämende, entwürdigende Leibzoll, der den Juden auf der Reise zwang, sich selbst zu verzollen, wie eine Sache oder ein Stück Vieh. Fügt man noch die politische Verfassung der Jliden hinzu, das Aufpassergeschäft, das sie in ihrem engen Sondcrverband von Skaatstvcgen gegenseitig auSzuüben hatte», ihre soli darische Haftung nicht nur für Abgaben und Steuern, sonder» auch für Diebstähle und Hehlerei, ihren be sondern von der Allgemeinheit sie ausschließende» Gerichtssiand und die demütigende Form des jüdischen Eides, die Beschränkiingen bezüglich ihres Gründerwerbs und Wohnsitzes, ihren Ausschluß von allen öffentlichen Wohlfahrtseinrichtunge» bis zur königlichen Hosapotheke — so hat man ein ungefähres Bild des traurigen Zuflaudes, bei dem nach dem Tode Friedrichs des Großen die jüdische Emanzipationsbewegung einsetzt, ein Bild auch der Leistung, die sie bis zum Jahre 1812 zu vollbringen hatte. Dabei wurde der Tiefstand ihrer rechtlichen Stellung von den Jliden um so schärfer empfunden, je mehr er im Gegeufatz zum Geist der Zeit und ihrer eigenen kulturellen Verfassung stand. Joseph der Zweite hatte sein Toleranzedikr erlassen, vom Kriegsrat Dohm ivar die Schrift ״lieber die bürgerliche Verbesserung der Juden" erschienen, LesjiugS 'Nathan predigte ans der Bühne Toleranz, und unter ihnen selber waren in ihrer Bedeutung auerkanute Männer, wie Moses Mendelsohn, Saloinon Maimoii. Tr. Markus Herz erstanden. (Schlus; folgt.- *) Tr. Inden dcnband zsmar Freund. Tie Emanzipation der in Preußen. Ein Darsl^llungs- und ein Ilrkun- ). Poppclaucrscher Vertag, Berlin. Das Problem des Hiob und die Artseiner Lösung namentlich mit Rücksicht auf die Reden Gottes. Von Tr. 2. N a g e l b e r g. (Schlnß.i '2. Die L ö s u 11 g. C- 82- 42. 1. El ihn begründet zneri!, warum er bisher geschiviegen!ind setzt den Geist, in dem er reden null, auseinander und fordert wiederholt zur Aufmerksam teil alif. Er tadelt Hiob wegen der Behauptung, daß er unschuldig leide und (Kolk ihn ohne Grund wie eine» Feind verfolge und lehn ihn, daß Leideii als eine Schickung der züchtigenden Liebe zum Zivecke der Be Wahrung vor Sünde» zu betrachten: er richtet iich daun gegen die Behauptung Hiob, daß Gott ibil ungerecht behandle, gibt seiner Empörung über solches srevelbaite Reden Ausdruck und sucht aus dem Wesen und der Weltregierung (Kaltes zu beweisen. daß (Kalt nie 11 n gerecht sein könne, sonder» jedem Meschen nach seiuem Tun vergelte. Um der Geeechtigkeir willen schont 0km selbst nicht die Mächtigste», um de» von ibueu MO; handelten ibr :liecht zu schaffen llud der Bosheit ei» Ende zu machen. Hiob lehnt sich mir Unrecht gegen Gott aus; der Abstand zwischen Gott und Melisch ist so groß, daß es leine Verhandlungen zwischen beiden geben kann. Der Grund, warum der Leidend! so langt׳ unerhört bleibt, liegt darin, daß de» .Klagenden die rechte, vertrauensvolle Gesinnnng gegen Gott abgebl; sie wollen nur, daß ibueu geholfen werde, aber um Gott sich zu kümmern und ihn als den Herrn aller Hilie anzuerkenueii, daran denken sie nicht. Schließlich tadelt Elihu noch das ungeduldige Murre!, Hiobs und fordert ihn ans, geduldig aus Gott zu harren; den» obgleich auch Gott übermächtig ist, so behandelt er dockt nicht den i Menschen verächtlich; nichts und niemand Hane er für zu klein, un, sich darum zu künimeru. Gon in seiner Größe versagt den Frommen das :liecht nicht. Wenn ec sie aber in Leideusbauden fesselt, so ist es nur, um ihr Tbr und Herz zugänglich zu machen-seinen Wor- 2. Die Erscheinung Gottes. Endlich erfüllt Gon Hiobs Wunsch. Er erscheint von der Wetterwolke, aber nicht, wie Hiob gewünicht hatte, um ihn über die Größe seines Leidens Ausschlüsse zu geben, sondern er spricht mit ihm von seinem eigenen großartigen Walten in der Schöpfung. In der großartigen Schilderttiig der Wesen und der Ereignisse in der Natur wird gezeigt, wie im Großen und im Kleinen überall die göttliche Liebe sich offenbart. Er hält dem ohnniächügeit Menschen, der sich vermißt, die Wege Gottes zu kritisieren in einer :)leihe von Fragen die Wunder und Geheimnisse der Natur vor. ihn auffordernd zur Vergleichung menschlicher Weisheit mit göttlicher Liebe, und nachdem er ihn durch alle lliäume des Weltalls, in die Höhen >lnd Tiefen geführt hat, sühn er ihm insbesandere die Tierwelt vor ilnd schildert ihm die vielen Geschöpfe, die des Menschen nicht bedürfen, ivei! der Allmächtige für sie sorgt. Die Darstellung der Schüpfnngsiverke (Kone-:- ׳oll Hiob über die große Liebe belehren, welche in der ganzen Natur!virksam ii! und ihm Einblick in die Weckj itlitte alles Seienden und alles Weedenden in der Nalue geivabre». Und wie darf sich der Mensch lN1mal׳,eu, Gottes Werke richten zli!vollen k Alles, ivas der Schöpfer des Weltalls tnr, ii! ivoiilgeian nnd hat seinen ausreichende» Zweck im Raumen des Alls. Wenn (Kolt in seiner Allmacht alle Erscheinnngen in der 'N'atnr io ivnndrrvoll ineinander gefügt Hai, so wird aiub das Schicksal eines jeden 'Menschen seinen Endziveck haben, den nur der Mensch 111 seiner kurzsichtige» Beurieilung nicht versteht. Tie Rede (Kaltes verfehlte auch ihren Zweck uicku; sie hat durch die Schilderung des weisen nnd gnädigen Waltens (Kaltes in der Natur Hiob den 21410.0; nabegelegt, daß auch sein Leiden eine Schickung der gönlichen Liebe sein müsse. Hiob, der so vieles ans dem Herzen hatte, was er (Kan fragen wollte, iveuu er ihm erscheine, jinkl vor (Kölns Allmach: und Liebe in Ebr furch! und iiu Bewußtsein der tuen schlichen rhu macht nieder. ״In, ich bi» gering, was soll ich dir erwidern: ich lege die Hand aus »!einen Mund. Einmal nur habe ich gesprochen, znm zweitcunial tue ich es nicht wieder." Er legt die Hand ans den Mund, bekennt, daß ׳ein Verlangen ein nnziemliches gewe'en nnd bereut es. Toch ergreift (Kot! noch ein zweites Mai m einer, wenn auch Hiob tadelnden, doch gnädig berablaisenden We,׳'e ans dem Sturme heraus das ׳)gort. Tieie;weite :'iede Gottes verfolgt den Ziveck. Hiob zu der Erkeuninis;11 bringen, wie scbw! r er sich veriundigi hat, daß er Go: res (Kerechtigteil in der Wellregieruug m elbrede »eilte wegen des um derselben uiwereiuvarten Glückes?er Frevler, und >vie schlecht ihm. dein obumäcknig!!> (Keiebopre, der Tadel der göttlichen Weliregier::!!,! an nebe. Er in der Ausgabe der Weilregieruug io wen!» geivachsen. daß er nicht ein mal ein einziges Ungetüm der Schöpfung zu bändigen vermag. Wie l0l:cku, die eigene (Kerechrigkeu aui Konen der göuliibei! au׳;n richte», da doch Hiob keine eigene», Mittel hat, ieme eigene eingebildete ok-recknigle» durch die Tai zu eriveisen. Und auch dieie Rede bat ihre» veriokgte» Zweck, erreicht: dies hören wir aus oeu Worten Hiobs: ״Ich weis!, das! D» alles vermagst und das! kein Plan üie Tich uiiaussiilirbar ist. Wer ist'», der da verhüllt »In! schlnsi 011 ne Einsicht? Tarn»! sprach ich es ans in U» veritand, Tinge »n wunderbar für nitrit, die ich nicht begriff.'״ ־Tarnt» widerrufe ich und bereue in Staub und Asche." Ter Schluß des Hiob bilde! »!!in e!!1 T»del Go!,!es geben Hiob, sondern ei» Lot! Hiobs aus dem Munde Gone-:-, ״llnd der Ewige ivrach;» Eliplms: Mein Zorn ist eiilbrunnt gegen dich und gegen deine beiden Freunde, den» ihr habt nicht io aufrichtig uon mir geredet, toi•• mein Knecht Hiob." Hiob bat in Wahrheit geschildert, wie es :!! de: Weil aussieht, daß es dem Frevler gut und dem ׳!<״ rechten schleckt ergebt, aber io wenig die Freunde '10.111 bnbeu. iveuu iie das Leiden des (Kereckuen aui eine Schuld desselben z־<״ückfnhren. io wenig bat H:ob recht, wenn er aus dem Leiden der F-rommen die Ungereckn.a seit (Kotles ableilet. <Kon 0! nicht nur allinächng. ׳!>!>. der» auch allgülig: er schickt dem Fromme!! Leiden, um ihn zu läutern und zu vräsen, ob er au! dem Wege der (Kerechiigkeil bebarrt. Aui dieieu :;weck .׳es Baches weiten die erßen zwei Kapitel bm. Alles!». Demnächst erscheint: ״Hickls Jüdischer Volkskalender"׳