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Jüdische Volksstimme · 1913-06-19 · Heft 25 (19.6.1913) · page 9

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 25 (19.6.1913)
Date
1913-06-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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5?wb Nr. 25. XIV./1I Jahrg. Beilage zur Wiener ,Jiw Volksstimme'. 19. Juni 1913 Leite 9. Das Problem des Hiob unv die Art seiner Lösung namentlich mit Rücksicht aus die Reden Gottes. Von Dr. S. Nagelberg. (2. Fortsetzung.) c) Auch Zophar weiß leine neuen Gedanken, sonder» eine neue Form für die Behauptung ״wer leidet ist unschuldig" zu geben. Er hält dem Hiob die ewig gültige Wahrheit entgegen, daß das Jubeln der Fredlcr nur von kurzer Tauer sei, gerade wenn er sogar bis j auf die höchsten Stufen steigt, fällt er doch einer schmäh- > kte'n dem Menschen verborgen bleiben, Zwar kann der lichcn Vernichtung anheim. Hiob geht jetzt, nachdem er! Mensch durch Straft und .Stunu das tiefste und schwer über seine Stellung zu Gott sicher geworden ist, zur j Erreichbare in der äußeren sinnlichen Welt sich aneig- Frage über das Glück des Frevlers über und will den ״en. aber die höchste Weisheit, die Erkenntnis der letzten Freunden zeigen, wie nichtig und trüglich ihre Zuspra- Ursachen und Geschehnisse ist nirgends in der sichtbaren init keinem schätz der Erde zu erkaufen und bleibt ihm verborgen. Won allein hat sie sich Vorbehalten als der allwissende Schöpfer der Welt, und bestimmte Menschen als seine höchste Weisheit. Gculessnrcht zu üben und das Böse 311 meiden. ..Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn die:- I tont nochmals feierlich seine Unschluld, niemals will er j ihnen Recht geben und niemals von der Behauptung seiner Unschuld lassen. Er gibt zwar zu. daß Gott den Frevler richte, zeigt aber durch die Schilderung des Frevlers, datz er selbst nicht zu den Gottlosen gehöre und der Schlug der Freunde vom Schicksale der Gottlosen aus ihn ein falscher sei; denn der Ruchlose rindet nicht Erhörung bei Gott in der Nor und bat keine Gebetssrcudigkeit zu Gott. Noch ist ihm zwar sein Leiden ein ungelöstes Rätsel, aber der Verzweiflung in er Herr geworden, indem er immer mehr zur Einsicht kommt, datz die tiefste göttliche Weisheit und deren Anordnnnchen an ihn sind. Ungern tut er es, da er dabei gegen sinnlichen Welt zu finden die göttliche Gerechtigkeit reden mutz, aber es bleibt ihm kein anderes Mittel, sich der Angriffe der Freunde zu erwehren." Wie kommt es, datz es Gottlose gibt, die in vollem äußerem Glück leben, sicher und frei von göttlichcn Heimsuchungen in ihrem Hause und gesegnet sind in ihren Besitztümern, von munterer Kinderschar ist der ganze Mensch." umgeben? Wie kommt es, daß es Gottlose gibt, die in Wonne und Glück ihr Leben genießen, einen leichten Tod srcrbcu und sogar im Tod und Grab alle Ehren genießen, wo sie sich um Gott nichts kümmerten, ja sogar ihn von sich abwiesc»? Will man etwa auf das j 1. was er eins! gewesen ist; selig in der Freundschaft c 1 S e l b ir g c s p r ü ch H i 0 bs e. 2!)- Hl. 'Nun wendet sich Hiob von den Freunden ab und ivendet sich im Selbstgespräch an Gon. Er unterwirn seine Lage einer umfassenden Betrachtung: er schildert | erfahren!" sämtliche Bauern eines Torfes einen Brand ruhig mit anseben und nicht den geringsten Versuch inachen. d!e Feuersbruni: 311 löschen, wenn sie nicht vorher unter Einwiriting von Agitatoren eine demenksvrechende Verabredung getroffen habe». Zweitens: Dutzende von Faden, die in den Doriern in der Umgebung von Welnn ivobnen. haben eine Warnung erhalten, datz man iie verbrennen!vürde, tvenn sie die Dörfer imln verlassen sollten. Drittens: Ein Bauer aus Pontneva hat in der Stadt unt.r Tränen erzählt, ivie er das Feuer bat iüsehen ivollen. es aber aus Furch: vor der :!tackle seiner Dotsgenonen nicht getan :,ave. Viertens: Das einzige >lind der Familie, das sich gerettet hat, ein Mädchen, erzälilt, ivie es nackt atis dem >?ause gelaufen sei nnd an viele Bauern iicb mir der Bitte gewandt habe, feinen nackten >törper zu bedecken. Alle Bnuern Hünen urfi aber vvn!bin abgeivandk, und nur der oben genannte Bauer sei es gewesen, der ihre Bitte erfüllt habe. Fünilens: Die totalen polnischen Intellektuellen, die a» der Spitze der Bvukonbetvegnng ileben, bemüveu!ich aufs äntzerile. die gerichtliche £ eiieutlichkeir zu ver - nieiden. D>.un i-e fürchten die Einbülluug. dag der Terror.zu», Progr.nnm des Bovkoits gestört. Die De:!aralio» endet darnm mit den Wvrien: ..?Nögen alle den 1!>abrbai:en Estarakter des Terrors Schicksal der Kinder verweisen, was für göttliche Gerechtigkeit wäre das, die diejenigen die Strafe nicht fühlen läßt, dir sic verdient haben? 'Auch dieses Rätsel, meint Hiob, vermag der Mensch incht zn lösen: auch hier nmtz der aus Gott Vertrauende sich mit dein Glauben bescheiden. datz Gott allein die letzte Ursache wisse. 3. T r i t t e r R e d e z st k l u s. c. 22—2d. Gottes, der Trost der Hilflosen, der Schrecken der Frev lcr, hochgeehrt von Jung und Alt und wie er gedacht, deshalb seine Tage im Wohlsein zu beschlietzeu: 2. was er jetzt ist: verachtet und verhöhnt vom '.iuc-unin de: Menschheit .ein Scheusal inner den Menschen. geiänschl in seinen Hossnungen, iveil Go:l ihn so barr bestraft Hai und ihn ohne Schuld so leiden lützt: ä. legt er!!: a) Tie rätselhaften Tatsachen der göttlichen Wett- - einer langen Reihe feierlicher Beteuerungen die :'iei,!. rcgierung, die Hiob den Freunden entgegenhält, ver-! steil der Grnnd'ätze dar. nach!velchen er bisher gelebt mögen sie nicht zu leugnen und nicht zu erklären. Je-! k>ak nnd erklärt, datz er sich an seinein l^lücksivech'el doch aber hat er sic dadurch noch nicht znm Schweigen: :1י^ icstuldig iveitz. Er viifi >׳wtt an. ihn anzuhören gebracht: im Gegenteil. Eliphas tritt noch viel schroffer i ">>b zwischen ihm nnd seinen Freunden zu entscheide», gegen Hiob aus, indem er nicht blotz Vermiitiingei! gegen j!st sich keiner bösen rat reivntzt und i>! dessen sicher, Hiobs Verfehlen hegt, sondern ihm apodiktische Tatj bas: er als Sieger hervorireien ivird. sachen, wie Sünden der Unbarmherzigkeit, des Geizes! Ta sollte er wirklich ans Gortes Munde die Lo- und Machtmitzbrauches vorwirst. Er ermahnt ihn daher, j sung hören; vorher aber erü hierauf vorbereitet werden sich wieder mit Gott zu befreunden, seine Lehren zu und durch das Auflrcien cmes neuen Freundes. Ties Herzen zu nehmen, umzukchrcn, namentlich aber das bei ihm befindliche fremde Gut von sich zu tun, damit Glück und Friede bei ihm!oieder einkehre und eine sonnige Zukunft ihm erstrahle. Hiob redet zunächst gar nicht mehr mit Eliphas, sondern wendet sich an Gott: vor ihm möchte er, ehe er stirbt, seine Unschuld beweisen. Er ist auch davon überzeugt, datz, wenn Gott sich ihm gegenüber stellen wollte. ist tz-lihn. öchlutz folgt.! Das Kollektivverbrechender Polen ׳Ans Warschau wird vom 13. Juni geschrieben: Das fürchterliche Autodafe von Ponmeva, dem ach! Juden znm Opfer gefallen sind, hat mehr als alle bisberigen Vorgänge die Deriverilichkeit des polnischen ohne ihn mit seiner Allmacht zu erdrücken, er als ein: Bohtaitterrors beleuchtet. Schon zu Beginn dieser nner- Gerechter hervorgchcn würde. Er besinnt sich aber so-! hörten Kampagne, die das soziale und ivirlschaftliche fort, datz sein Wunsch unerreichbar ist und steht darum?Leben in Rtisiisch-Polen zerrüttet, hatte der bekannte bestürzt da. Nur die Unbegreiflichkeit Gottes ist der! konservative Publizist Straschelvitsch davor gewarnt, datz Grund seines Grauens vor Gott und seiner Verzagtheit, I diese Agitation Pogrome zur Folge haben könne. Und nicht aber die Finsicrnis seines Unglücks an und für?ein anderer hatte damals geschrieben: .,Tie Rede ist sich und nickt die Betrachtung seiner eigenen janimer-! voin Kampf, in Wirklichkeit aber wird eine Hetze ent- Rllualmordprozeß. VI •1-:- M 111 ־u wirb vom 12. Juni geicheieben: Die Beilätigniig der Anktageichriit im Fall Fun übinsti!>!. 11'ie man nachträglich eriäbrt, niclil obne erbebliche blämpie innerhalb des :iiichierkolleginms er. ivigl. Sv Heist,t es mit Beitimnnlieir, das: der Vorsitzende der bere.׳f>e»den <'>er!chtska1n1nersttznng Kamenzvtv nnd d.׳r Bericbleriianer Rvschviv den Antrag gestellt hätten, die Anklage gegen Beilis lallen zu lassen nnd ihn 0׳- iorr aus dem Gefängnis zn befreien. Sie staben die Ansicht vertreten. Vast, es auch keine indieetlen Indizien gäbe, aus denen die Berechtigung zur Erstebuug einer Anklage gegen Beilis abzuleiten iväre. Die andern Richler wiesen hi»rgegeu darauf hin, datz es jetzt eine llnmöglichreil wäre, den 'Mann sreizulasje». nachdem inan ihn iau zwei Jahre hindurch hinter Schloß, nnd :!liege! gevalle» hätte. Möge nnnmehr so!vendeien iie ein - die tnnsligen tileschivorenen den Beilis ireispreckien. Wenn er unschuldig iil. v b»e Prvzetzverbandlnng könne jedoch die ׳Angelegenheit nicht erledigt iverden. Sv unlogisch diese Meinung auch fein mochte, iie trug doch de!: Tieg davon. Damit ist aber auch die gesamte :liitnalmordhetze aufs neue entfesselt ivorden. Die ״echtrussischen" Leine fürchten den Prozetz, wenn er im Lichte der r esfentlichkeii ilnttfinden sollte. Sie wissen es ja nur zu genau, datz weder für die Ritual- Mordbeschuldigung noch für die Verurteilung von Beilis auch mir dir geringste Basis vorhanden ist. Vor der große» Welt wird dann die Anklage sich nicht aufrecht erhatteir lassen, falls nicht von vornherein dafür gesorgt ist, datz die Affäre hinter verschlossenen Türen und voir einem nach bestimmten Grundsätzen zusammengesetzten GerichtSbos erledigt lverdc. Deshalb gehl das Bestreben der kiewer Reaktionäre daraus ans, datz diese :!iechtSfache dem Schtvurgerichte entzogen und einer Ztronskammer übergeben werden soll, wobei die Ausschlietznng der Ocssentlichkeit bei den Verhandlungen für sie e!ne selbstverständliche Voraussetzung ist. I» diesem Sinne agitieren sie jetzt in der Presse und in ihren Zusammenküiifteii, in diesem Sinne haben sie vor allem ihre Petersburger Schutzpatrone zu einer radikalen Aktion vcranlatzr. In der Tai ist auch schon ans Petersburg die Nachricht eingelause», datz der berüchtigte Samyslowski eine Beratung von hervorragcndeii Führern der Rechte» undNationalisten sowie von mehreren Vertretern des JlisliziiiiniiieriumS und anderen hohen Beamten abgehalten, ivelche eine Reihe dementsprechender Beschlüsse gefatzt haben. In dieser Versammlung hat der bekannte Moskalier ׳Antisemit Schmakow über die neue Anklageschrift geklagt, datz sie völlig unzureichend sei, da sie nicht aus die tes nicht fasten könne und zeigt dadurch, wie viel tiefer lichen, wird durch Auszählung einer Reihe von Tat- Hauptschuldigen, die jüdische» Geistlichen, Hinweise. vollen Lage. Hieraus Wender er sich den Freunden zu und sagt ihnen, indem er ihnen dir Rätselhaftigkeit des Waltcns Gottes in der Welt schildert, wie irrig ihre Behauptung ist, datz alles Leiden Strafe der Sünde sei, da doch Frevler alter Art im Glücke seren. Hiob erhebt sich hier von seinem Geschicke aus zu den zahlreichen, ihm unbegreiflichen Menschengcschickco. Frevler, Diebe, Ehebrecher treiben ihr Unwesen, ohne datz ihnen Einhalt geschieht: arme, schutzlose Menschen führen durch die Schuld der Mächtigen ein qualvolles Leben und Gott schreitet dagegen nicht ein. b) Bildad, unfähig aus den Inhalt der Rede Hiobs einzugchen, wiederholt den schon von Eliphas vorgebrachten Gedanken, und zwar über den unendlichen 'Abstand zwischen Gott und Mensch, vermöge dessen der Mensch sich nimmermehr vor Gott als gerecht darjtellen dürfe. Ist. ja doch nicht einmal der Glanz von Mond und Sternen rein vor ihm, wieviel weniger der Mensch? Mit Ironie loeist Hiob dies zurück; er weiß bester die Erhabenheit Gottes zu preisen: Nicht nur die Himmlischen allein, wie Bildad sagte, sondern sogar die Sckatten in der untersten Tiefe erzittern vor ihm. Er saßt sacht. Man spricht vom Boykott und ruft den Terror hervor. Pom Terror ist aber nur ein Schritt bis znm Pogrom, und nach dem Pogrom kommen,!oie wir aus trauriger -Erfahrung iviffcn, Raub- und Bandrtenwirtschuft." 'Allein diese Stimmen waren vereinzelte. Aast die gesamte polnische Presse, vani reaktionären Twa Grosze bis,zur angeblich fortschrittlichen Prawda» redete eine andere Sprache, predigte unausgesetzt den Boykott aus allen Gebieten. Die Versicherungen, daß das polnische Volk zu den brutalen Akten der ״echtrustischen" Pogrome nicht greisen, sondern mit zivilisierten Mitteln die Juden vertwängen werde, erinnerten, nur zu oft an die Möglichkeit von Erzesten und lehrte die Masten, daß die Juden im Grunde Pogrome verdient staben. Nun hieß es zwar dabei: ״Wir wollen keine Pogrome!" Die Menge jedoch verstand solche Worte ganz anders. Für sie schwand gar bald die Distanz vom Wort zur Tat. Blutige Zwischenfälle und gefährliche Roheiten gab es eigentlich oft genug während der mehrmonatigen Boykottperiode, und gar manche tragische Begebenheiten haben sich in Warschau und in anderen polnischen Städauch die außerordentlichen Machtertoeisungen Gottes ten zugetragen, die alle Phraseure vom friedlichen Wirtam Himmel und auf der Erde ins Auge, wie er durch schaftlichen Boykott Lügen strafte». Bis zu welchen sein Dräuen die Säulen des Himmels erschüttert und das Scheußlichkeiten es indes die Boykottagitalion bringen tobende Meer beschwichtigt. Schließlich kommt er wieder kann» hat erst Pontneva gezeigt. In einer Deklaration, daraus zurück, datz der Mensch die Herrschergröße Gotwelche die Juden des nahegelegenen Welun veröfsent lim iuctu i» der polnischen GeieUicban selb׳! eine R.'atno» gegen den Boykott stervorzurnien. verschweigen je.:.: die polnischen Biänei das ganze Voelviiinini-s. Denn an!׳!:׳ n׳i1:e rat hm lieb der Bolstan eine ioicste '.!siede׳:-!>-.,:e bcigebrackn, :nie dnrcb das >t0lleitivverbrechen von Pontneva, das en: :׳!us'lutz der .nolkeklivprovagaiida der poniiilben Preise iil. sein Gemüt von der Herrlichkeit Gottes durchdrungen sachen der fast unwiderlegliche Beweis erbracht, daß das ist, als das seiner Freunde. Verbrecher von Pontneva ein unverfälschter Boykonakt Ta die Freunde nichts weiter erwidern, so richtet gewesen ist. Hiob ein Schlußwort an sic, in welchem er das Ergebnis! Folgende Tatsachen beweisen cs: des Streites für seine Person zusammensaßt. Er be-' Dieser Mangel wäre nur durch die eifrige Agitation gegen die :llitiialmordbeschtildigung zn erkläre». Darum gäbe es nur einen 'Ausweg aus der gegenwärtigen Situaiion, nämlich die Anstrebung einer ergänzenden lln- Erstens: Es ist eine Absurdität, anzuiiehmen, daß! tersuchuny, mit der der einzige kompetente Mann, der Demnächst erscheint: ״Hickls Jüdischer Volkskalender"׳

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