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Jüdische Volksstimme · 1913-06-19 · Heft 25 (19.6.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 25 (19.6.1913)
Date
1913-06-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Erscheint jeden Donnerstag XIVj2. Jahrg. Nummer 25 Wiener Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 5.20 ganzjährig.Kronen 10 — Deutschland, ganzjährig.Mark 10.— Rußland, ganzjährig.Rubel 5.— Balkan, Frankreich.Franks 12.— Einzelne Nummer 20 h. —s-EDLD«--. Herausgeber: Max Hickl. mm. Inserate: die Ospaltige Pelitzeile 30 h. Buchhändlerischc Vertretung: Otto Kleinm, Leipzig. Geschäftsstelle. Wien:!., Rotenturmslratze Är. 31. Telephon 3000,VIII- Sprechstunden von 10—12 Uhr Poslsparkujsukonto Rr. 312.812. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoricrt. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. Ä Brünn—Budapest. Wien. 19. Juni 1913. 14. Siwa» 5673. Prag—Lemberg. Ans dem Inhalte: Tr. Ed. Stern, Ung.-Ostra: Zum Niedergänge der Kultusgemeinden Mährens und der mähe.- jüd. Landesmassafond. — Ter 11. Zionisten kongreß. — Zu den mährischen Landtagswahlei׳. A. Wilkowitsch: Nichts mit ihm zu machen. Prager Brief. — Noch ein Wort an die AguLas- Jisroelfreunde in Mähren. — Blumentag. - - Rundschau. — Korrespondenzen. — Eine Christin über die zionistische Propaganda. — Tr. 2. Nagelberg: Das Problem des Hiob und die Ar: seiner Lösung, namentlich mit Rücksicht aus die Reden Gottes. — Literatur. — Das Kollektiv, verbrechen der Polen. — Ritualmordprozeß. Zum Niedergange der Kultusgemeinden Mährens und der mähr.-jüd. Landesmassafond. Von Dr. Eduard Ster n, Uug.-Ostra. Klagen ohne Ende, Ratschläge ohne Ende! Gezeitigt wurden bis nun nicht einmal die Primitivsten Anfänge eines Erfolges! Spur- und eindruckslos sind alle gutgemeinten Worte vorübcrgcgangen! Zur Tat hat sich niemand aufgerafft. Ter versumpfte, morsche Boden gewinnt an Ausdehnung, die kleinen Gemeinden haben sich allmählich mit dem unausweichlichen Zerfalle abgefunden und eine nach der anderen muß der Vergessenheit anheimfallen! Aus dieser durch nichts zu beschönigenden Tatsache ergeben sich die Feuilleton. Nichts mit ihm zu machen... Skizze aus dem russisch-jüdischen Leben. Von Oberkantor Armin Wilkowitsch, Eger. Es war der Versöhnungstag. In der Synagoge des russischen Städtchens R. standen die frommen Beter in ihre Sterbegewänder gehüllt, geschniückt mit silberbetreßten Betmänteln und richteten ihre Bnßgebete mit lautem Weinen zu ihrem alten Gotte Jahve empor; sie schlugen sich an die Brust, kasteiten ihre Leiber, aus daß der Herr ihnen Sündenvergebung gewährte. Vor jedem Andächtigen lag ein Festgebetbuch aufgeschlagen, brannte eine meterlange Kerze. Tunst und Hitze steigerten die Kasteiung um ein Beträchtliches.... Ans den Fußboden wurde Stroh gestreut, damit nicht die Ueberfrommen, welche sich des ganzen langen Tages nicht nicdersetzen, allzu hart stünden. _ Und wie der Porbeter mit glockenheller Stimme sein Gebet: ״Vater und König, wir tzaben vor dir gesündigt!" anstimmt, drängt sich eine Menschenmenge in das ohnehin dichtgesüllte Haus mit ohrenbetäubendem Lärm hinein .... ״Was gibt's?" rufen bestürzt die Beter, ״warum stört ihr den Gottesdienst?" Die Hereinströmenden jedoch stehen niemanden Rede und Antwort Fragen: Wohin führt die Auflösung der Geiiieinden, hat es einen Zweck, diese zu stützen und lebensfähig zu erhalten und gibt es eine Möglichkeit, sie vor dem Untergange zu bewahren? Turch den immer härter sich gestaltenden Kampf um die Erisieuz, durch den Mangel an Schulen infolge der Zunahme der Auslösungen derselben, flüchtet sich ein Teil der Gemeindemitglieder in die größeren Städte, zurückbleibt der notorisch Arme, und der erbgesessene, vermögende Mann, dessen Kinder aber gar nicht daran denken, mit Rücksicht ans den allgemeinen Niedergang in diesem Orte zu bleiben und mit dem Abgänge des Vaters gebt auch die Erwerbsquelle in den meisten Fällen in die Hände Andersgläubiger über. Tie Gemeinde verarmt von Tag zu Tag! Erklärlich wird dadurch die Sorge, wie man die kulturellen Einrichtungen erbalten solle. Wer soll die Mittel ausbringen, um Rabbiner und Kantor zu erhalten? Bald wird man das auch nicht mehr können! Turch das Reichsgesetz vom Jahre 181)0 sind viele Gemeinden ausgelöst und andern einverleibt worden, damit diese gekrästigt werden. Tie jetzt bestellenden, so gekrästigten Gemeinden harren dev Sryickfals der seinerzeit aufgelösten und wäre eine Wiederholung von 1800 fast notwendig; denn ein Rabbiner muß jetzt in zwei bis drei Gemeinden die Funktionen versehen, was gesetzwidrig ist. Daß unter solchen Umständen insbesondere der Religionsunterricht leidet, ist ersichtlich. Ausgleichenv zur Ueberbürdung der Rabbiner wirkt der Kantor, dem sein Amt gar zu leicht gemacht wird. Seine und steuern direkt auf den Rabbi zu: ״Hier, weiser Rabbi," rufen sie, ״ist ein Mann, der es wagte, den Versöhnungstag zu entweihe», in einem nichtjüdischen Gasthause wurde der Frevler, während er einen Schweinsbralen aß, ertappt!" — Und der greise Hirte der Gemeinde rückt erregt seinen Betmantel vom Haupte zurück, richtet seinen scharfen Blick auf den Teliquentai und spricht mit erhobener Stimme, daß die Zuhörer vor Ehrfurcht erbeben: ״Tu Perirrter in Israel! Wie konntest du es wagen, eine Sünde zu begeben, auf die der Herr frühzeitiges Hinsiechen als Strafe ansetzte? ...." Es herrschte Totenstille in der Synagoge, jeder hielt den Atem an. Darauf der Sünder mit tränenerstickter Stimme: ״L, Rabbi, Rabbi, weiser Rabbi! Nicht Uebermut war es von mir, noch Lüsternheit, sondern Gottergebenbeit trieb mich zu diesem Schritte!" ״Redest du vom Wege, oder machst du mich böhnen?" fiel ihm der Seelsorger ins Wort, ״Entweihung des Jomkippur erdreistest du dich mit Gottergebenheit zu-bezeichnen?" ״Und doch," gab der Sünder zurück, ״dürft ihr meinen Worten glauben! Unwohlsein und schlechter Geschäftsgang nehmen mir längst die Freude am Leben und dieweil ich gottfürchtig bin, wagte ich es nicht, in selbstmörderischer Weise Hand an mich zu legen: und so beschloß ich nach langem Kampfe mit mir selber, diese Sünde zu begehen, damit der Herr mich von der Funttionen sind dank dem regen Besuche der Gotteshäuser von der Woche gestrichen und auf den Sabbulh verlegt worden und in absebbarer Zeit wird er nachdem Muster von Böbmen nur an den hoben Feiertagen seines Amtes ivalten. Nagen schon diese Umstände allein an dem Marke der Gemeinden, so warte! ihrer vor der Türe eine zweite nicht minder schwere Sorge. Das Schulgebäude siebt leer, das Gemeindebins, das rituelle Bad ebenfalls und der Tempel m meist. Auch an diesen Baulichkeiten gebt die schlimme Z,eit nicht spurlos vorüber. Ter Ver fall beginnt auch da; denn es mangelt an dem Notwendigsten. um sie instand zuballen. Hat es einen Zweck die Kulrusgemeinden zu erbalte»? Gewiß! In erster Linie soll das Be streben bestellen, die politischen israelitischen f'V meinden ein Privilegium Mährens deren Bestand eng verknüpft ist mit den Knltusae meinden vor der Auflösung, zu der es kommen müßte, zu schüben. Tann sollte auch dein Zuzug in die Großgemeinden geneuert werden, wodurch das Elend daselbst bis ins Unerträgliche gesteigern wird. Ter Jude, der die eingeliende Heimat gemeinde verläßt und ohne größere Mittel in die Großstadt zieht, kommt ans dem;liegen in die Traufe. Ein Versuch nach dem andern. i׳ch eine Eristenz zu schaffen, schlägt fehl. Nachdem er, aller Mittel bar, Oie verinögendeu. engeren Heimatsgenossen daselbst wiederholt um Un'er slüvung angegangen, bleibt ihm nur der Weg zur Großgemeinde übrig, wenn er nicht mit seiner Familie Hungers zugriiude gehen soll. Solcher Welt nimmt und ich aller Erdensorgen ledig bin!." Darauf der Rabbi: ״Tiefen Worten soll ich glauben? - Nie und nimmer! Höchstens, daß du ein wahnbetörles Geschöpf bist, dem Gott das Licht der Einsicht entzog! Aber wisse! Tie Grube ist keine Zufluchtsstätte. wel!e, 1vel,e den Frev lern, sie entgehen dem lserechten himmlischen Gerichte nicht! .. Toch der Herr gewährt dem Reuigen Vergebung, darum halte Einkehr, lue Buße und der Herr wird dich tvieder unter die Fittiche seiner HiuiOe anniebmen. Wie wir dir jelzt vergeben und verzeihen, so ioll es auch das himmlische Gericht tun." Und nun befahl der Rabbi den Gerichts diener, in Gegenwart eines Betb-din <Richter kollegium». dem Sünder die üblichen, ueunuud dreißig Bußeschläge zu verabreichen und als dies vollführt!vard, legte der Seelsorger feine Rechte auf des Büßenden Haupt und sprach: ״Ter Platz des Reuigen ist würdiger denn Oer des Frommen! Das irdische, als auch Las himmlische Gericht spricht nun das Urteil: Solachti!" Wo rauf die ganze Gemeinde einsevte: ״Amen!" Ein Jahr verging. Wieder standen die fron! men Beter von R. in der Synagoge, kasteiten ihre Leiber, weinten und schluchzten: ״Vater und König, wir haben vor dir gesündigt!" Und wieder drängt sich eine Menschenmenge mit ohrenbetäubendem Lärm in das Gotteshaus hin i 1 Böhmische Industrial-Bank-Filiale Kassen und Bureaus: BRÜNN, Großer Platz Nr. 26. Sämtliche Bank-, BBrsen-, Devisen- und Valuten-Geschäfte, ßypothefcarfcredite auf Industrie-Unternehmungen, ffiechsel-Eskompte. Geld inlagen gegen Sparbücher und in laufender Rechnung zur günstigsten Verzinsung. Eigene 472% Bankechuldverschrelbungen emittiert auf Grundlage von hypothekarisch sichergestellten gesetzlichen Grund- Sätzen über die Puptllarität gewährt n Dariehen, verzinsen sich bei gegenwärtigem Kurse mll mehr als «W/d. tum: Tslsphon Nr. IMS. UraktlM: Tslaphan Nr. 1037. Kotrespoadem: Taiaphm Nr. IMS

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