Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1913)
- Date
- 1913-06-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XIV|2. Jahrg. Nummer 24 Wiener Erscheint jeden Donnerstag. wschr Uolllsfimt. Bezugspreise:! Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 5.20 j ganzjährig..Kronen 10 — Deutschland, ganzjährig.Mark 10.— j Rußland, ganzjährig ..Rubel 5.— ן Balkan, Frankreich.Franks 12.— Einzelne Nummer 20 h. \ Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die Ospaltige Petitzeile 00 11. Bnchhändlerischc Bertretung: Otto Klemm» Leipzig- Geschäftsstelle. Wien: I-, Roteiiturmstraße Ne. 31. Telephon 3000 VIII. ^Sprechstunden von 10—12 Uhr Posisparkassakonto Nr. 312.312. Unverlangte rcdattionellc Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizusiigen. Brünn—Budapest. Wie«. Prag—Lemberg. Aus dem'Inhalte: L. Grnnhnt: Zum Wochenfest. — B. Nippel: 2iil)11c. — F-. R. Heinschel: Jüdische Verlast-:-- stcsellschaft. — W. Klein: Piaster Brief. — An die Agudas Jisroel-Freunde in Mähren. — Tavid Löwenthal. — Tie jüdische Welt. - Karrespondenzen. — Rundschau. — Misrachi. -- Professor Antscherl, Wien: Tas Wachensest. — lieber die Fortschritte der Pro-Falascha-Bewegung. — Brünner Nachrichten. — Rabbiner B. Winter: Schewnos-Betrachtung. Zum Wochenfest. Tie vergangenen Monate werden zu den bewegtesten Zeiten unseres Jahrhunderts gezählt werden. Sie waren überreich an Spannnngen und dramatischen Augenblicken und bildeten eine einzige große Gefahr. Die Gereiztheit zwischeu den beiden europäischen..Mächtegruppen hatte einen Hohegrad erreicht, welcher eine katastrophale Entladung mit unausdenkbaren Folgen in die Nähe zu rücken schien. Auf den Schlachtfeldern Mazedoniens und Thraziens verbluteten Hundcrttausende hoffnungsvoller Männer und namenloses Unglück brach über viele Millionen Menschen herein, die zwar blntdurchtränkte Landstriche gewonnen, jedoch Bäter, Söhne, Brüder und Gatten verloren haben und denen das bittere Erwachen aus dem Taumel noch bevorsteht. Und wir waren Zeugen großer Wendepunkte in der Geschichte, wir wareu Zeugen, wie inan ein Reich, wie Zivilisation in ihrem Genesung-:׳- und Berjüngungsprozesse überfiel und zerfleischte, wir waren und sind Zeugen, daß man sich nicht schämte, diesen Raubkrieg und Massenmord, diese Entfesseliing Oer niedersten Instinkte ein ־- Vordringen der Kultur zu nennen. Wenn heute der berühmte Heide zu einem Tiploinaten käme um den In begriff dieser .Kultur zu lernen, während er ans einem Fuße stehe, der Diplomat müßte ihm wahrheitsgetreu sagen: ״Ter Jilbegriff unserer .Kultur heißt: ״Wer dem :Nächsten kein e Grube gräbt, fällt selbst i,inein! Alles Andere ist .Kommentar, ist Teckmanrel dieser .Kultur." Und da naht nun das Wochenfest heran, kommt mitten hinein in das nüchterne, nervöse, hastende Getriebe unserer Tage, mahnt uns zu innerer Einkehr und ruft uns wieder die nralten, lapidaren Worte in Erinnerung, jene Gottcsgesetze, unter deren Wucht das den Sinai umgebende Volk erschauerte: ״Tu sollst neben mir reinen Gott haben, selbst dich nicht dem Golde, c-nn Erfolge, dem Gennjse beugen. Alles, was du deine Umwelt anbeten fiel״!, sei dir nur Mittel zum Zwecke eines edlen, gottesfürchtigen Lebens." Tn sollst den Sabbath heiligen und sei der Eristenzkamps noch so erschwert, sei dein Zeitalter noch so ״aufgetlärt", es gibt einen, der Meere spalten und Völker Jahrzehnte lang mit Manna versorgen kann und der wohl auch noch die .Kraft besitzt, dich zu belohnen, dich zu entschädigen." Und während draußen die Menschen sich als ein Ballspiel blinder Machte betrachten, während es draußen von allen Seiten ruft und echot und wiederdröhnt: ״Hilf dir selbst, sonst gibt es keine Hilfe'.", während die allermeisten der Jagd nach dem Glück nur ein paar flüchtige Minuten, ein paar Maskirtränen für die dreitaniendjälirige Religion abgewinnen können, während es keinem ״Gebildeten" mehr ernstlich einsällt, sein Lebensichicksal, sein Tun und Lassen, sein Glück und seine Sorgen in unmittelbare Beziehung zu Gott zu bringen; naht das Wochenfest heran und berichtet uns wieder von dem großen, ewigen Moment, da Gott mit Israel einen unverbrüchlichen, alle Zeilen überdauernden Bund schloß, mahnt uns wieder eindringlich zur Treue an dem Gottesworte, erzählt uns wieder die Vision des Propheten Jecheskel, dem üch am Strome Kewar die Himmel öffneten und der die wundervollen Sphären schauen durfte, die dem menschlichen Auge ewig verschlossen bleiben. Z,war sehen wir, daß sich die Tempel am Sabbath und Festtag für eine Stunde lang fü! len. Wir sehen, daß die jüdische Mildtätigkeit die nichtjüdische noch immer um Himmelweiten überragt. Für das wirkliche Judentum jedoch, das deii ganzen Inden in allen seinen Be ziehungen besitzen will, welches keine Andacht-:׳- stunde, sondern alle vierundzwanzig Stunden des Tages für sich fordert, für dieses Judentum haben die meisten jedes Versläuüiiis eingebüßl. Ta müssen wir wieder die alten Schlagworle hören: Tie.Kultur ersetze die Religion, die Z,ei ten hätten sich geändert, mit den Mauern des Ghettos seien auch die religiösen Anschauungen gefallen. Wohl wird niemand glauben, daß üch ein anonmner Brief allein geschrieben hat, weil sein Schreiber auouhm bleibt. Wohl glaubt Feuilleton. Sühne. Von B. Nippel (Czernowitz.) Ihr Blatt hat sich gewendet. In kurzer Zeit ist sie vom Wohlstände dem Elend überantwortet. Und sie hatte sich durch einen Gifttrank das Leben genommen, das arme Weib! Ihre Leiden, ihre Bedrängnis sind ihr zu Herzen gegangen. Ehedem eine wohlhabende Hausbesitzerin und Inhaberin eines gutgehenden Wirtsgeschästcs. eine hingebungsvolle Gattin und zärtliche Blutter zweier blühender Kinder, war sie nun eine arme, gebrechliche Witwe, selbst von ihren eigenen Kindern verlassen. Denn ihre Tochter ist dem Hanse entwichen und es fehlt von ihr jede Spur und der Sohn befindet sich im Arreste. Und so ist sie nach dem Ableben ihres Mannes in Armut und in Not zurückgeblieben. Ihr Haus ward inzwischen von den Gläubigern verkauft und nächsten Tag hätte sie ihre Wohnung räumen müssen. Sie war daher ohne jedwede Stütze, ohne Halt und wußte nicht mehr, wo sie in der folgenden Nacht ihr müdes Haupt niederlegen sollte. Hie hatte schon ihr Kelch der Bitternis überschäumt, und sie leerte ihn bis zur Neige. Kann denn die schwankende Kraft, der wankelmütige Sinn eines mit dem Schicksale ringenden Menschen, die erschütterte Geduld eines schwachen Weibes den mächtig tosenden Stürmen ,des verheerenden Unglücks für die Tauer standhalten? Wie ein Hagel mit Uuglücksschlosseu hatte auf sie das Mißgeschick unaufhaltsam einhergesiürmt; Schlag auf Schlag bis ihre Ansdatier, ihr Widerstand erlahmte, ihre Kraft erschöpft und sie taumelnd zusammenbrach. .Vor wenigen Jahren hatte sie mit ihrer iieben Familie dieses Haus bezogen: aber schon in der ersten Woche ihres Besitzes hatte hier das böse Schicksal seine unheilvolle Kette angeknüpst. Sie ahnte es gleich, daß ihr in diesem Hause Ungemach und Widerwärtigkeit beschieden seien, und nur zu bald hatten sich ihre dunklen Ahnnngen in sichtbare Wahrheit umgewandelt. Ein Unfall, bei dem sie einen Beinbruch erlitten, hatte in ihrem Leben den Grundstein unverschiebbar eingefügt, an dem sich die Zufälle reihten. Tamals mußte sie für längere Zeit ins Spital, um ihre Gesundbeit wieder herzustellen. Ihre Familie blieb verlassen. Ter Haushalt wurde verwahrlost. Tenn kein wachsames Auge der fürsorglichen Mutter und getreuen Gattin, keine rüh rendc Hand der umsichtigen Hausfrau bewegte sich hier. Und selbst nach ihrer Heimkehr ist sie vom Verhängnis noch immer nicht verschont geblieben. Nach wenigen Wochen kam ihr Mann ins Gefängnis. Tenn er wurde durch eine un glückliche Fügung zu einer langwierigen Strafe verurteilt. Und doch war er nach der wirtliche» Sachlage unschuldig. Wer die Begebenbeit anhört, kann sich eines mitleidigen .Kopffchüttelus nicht erwehren, allein das Mißgeschick batte ihn unablässig verfolgt. Es kam eines Tages ein Unbekannter in das Wirtsgeschäft. Oer sich zum Essen auftragen ließ. Nach beendeter Mablzeit zablte er seine .׳Rechnung und entfernte sich. Indessen batte die Wirtin beim Abräumen unter einem Zeitungs blatte, das der Fremde gelesen, eine lederne Brieftasche entdeckt, die zablreiche Banknoten und wertvolle Schriftstücke enthielt. Tie nahm diesen Fund in Verwahrung. Aber schon nach einer kurzen Weile kam der Fremde, der inzivi scheu seines Verlustes geivabr wurde, bestürzt ins lNschäft und iorderte unter Darlegung des Sachverhaltes, seine Brieftasche vom Wirte, nach dem denen Frau nicht mehr zugegen war. Tie ser war aber in höchstem Maße entrüitet über die Znmutnng und stellte, unter verschiedenerlei abfälligen und verbölmenden Bemerkungen je den Fund in Abrede. Ter Fremde bolle eine vo lizeiliche Kommission. Es wurde das ganze Baus durchsucht und schließlich wurde zum Entsetzen des Wirtes die Brieftasche an eine», Versteck ge V Böhmische Industrial- Bank-Filiale ״־ Kassen md Bureaus: BRÜNN! Großer Platz Nr. 26. M Sämtliche Bank-, Börsen-, Devisen- und Valuten-Geschäfte. II Eigens 4'/“>% Bankschuldverschreibungen fimrothekarkredite auf Industrie-Unternehmungen, ffiechsel-Eskampte. " . . . fielri-inlflffPn <n»<n»n «tnnrhiirhpr emittiert auf Grundlage von hypothekarisch sichergestellten gesetzlichen Grund- , . , weiaclnlagen gegen bparoucner ,Liren über die Puplllaritäl gewährt n Darlehen, verzinsen sich bei gegen- und in laufender Rechnung zur günstigsten Verzinsung. || »artigem Kurse mit mehr ois «1/r-,°. Kassen: TsUphaa Nr. ISO. Dlrtkttaa: Tilsphan Nr. KOT. Komspoatfui: TtlipkM Nr. tut