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Jüdische Volksstimme · 1913-06-05 · Heft 23 (5.6.1913) · page 10

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 23 (5.6.1913)
Date
1913-06-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. ,Jüdische Volksstimme." Nr. 2ä. Simon b. Schctach den Schöpfer und Begründer der össentl. hcvr. Elementarschulen, nennen. Erneuert und erweitert wurde diese Verordnung später durch den berühmten, hochverdienten Jpsua b. Gamla, der ungefähr 70 nach der gciv. Zcitr. an allen Orten, wo Juden wohnten, Elementarschulen errichten lief;. Es wird hierüber im Talmud folgendes berichtet: ״Dieses Mannes möge nur zum Guten gedacht werden, er heißt Josua b. Gamla. Die Thora wäre in Israel vergessen worden, wen» er nicht für die Verbreitung ihrer Slcmütiii- Sorge getragen hätte. Dis dahin ivar es üblich, daß jeder Vater seinen Kindern selber den Reitgionsunterricht erteilt hatte, nun aber kam cs oft vor, daß die Waisenkinder ohne Unterricht, ohne Kenntnis der Thora aufwuchscn, daher die Anordnung getroffen wurde, daß i» Jerusalem öffentliche Kindcrschulen ins Leben gerufen wurden. Durch diese lobenswerte, zweckentsprechende Anordnung war aber nur für die Bcwoh- »erJerusalems gesorgt, während aber jene der Landgenicindcn, die nicht ihre blinder nach der Hauptstadt schicken konnten, um dort die Schule zu besuchen, diese große Wohltal entbehren mutzten. Es wurden daher in jedem Bezirke Kinderlchrcr bestellt; da aber auch durch diese Anordnung dem Ucbel noch nicht ganz abgeholfen lvurdc, ordnete der Hohepriester Josua b. Gamla an, daß in jeder Stadt Volksschulen gegründet und gcdicgcnc, kenntnisreiche Jugendbildncr angestcllt werden >B. Batra 21). Einer besonderen Prosperität erfreuten sich die Kindcrschulen gegen Ende des zweiten Staatslebcns, wie auch nach der Zerstörung des ziveiten Tempels. Die hervorragenden Lehrer Israels der damaligen Zeit waren von der Uebcrzcugung durchdrungen, daß das Judentum, nachdem cs seiner nationalen Selbständigkeit verlustig geworden, nur durch die Kenntnis der Thora unverlvüstliche, unzerstörbare Lebenskraft erhalten könnte, daher sic unausgesetzt bemüht waren für die Erzichung und Belehrung der Jugend Tinokos schc bes ravbon Sorge zu tragen n,ld die gcdiegencil Jugendbildner Melamde Tinokos stets in Schutz zu nehmen. Einer der vorzüglichsten, gclvissenhaften und besähigtcn dieser Jugcndbildner, resp. hebr. Elementarlchrcr, war der von den stid. Historikern fast gar nicht beachtete sehr gelehrte Rabbi Samuel b. Schelath in Tura, dessen Leistungen von dem Rektor der berühmten Akademie von Sura, Nab, Aba Aneka, dem er zwciseb los tüchtig vorbereitete Schüler für Akademie geliefert hatte, zu wiederholtcnmalcu ösf. besonders anerkannt und gelvürdigt wurden. Das Leben, Wirken und Schaffen dieses vvcrdicnslvollen Jugendbildncrs, wie überhaupt seine Fähigkeiten, seine glänzende illednergabc und wirkungsvolle, von pädagogischem Geschick zeugende Vortragsweise hat der als gründlicher Kenner des jüd. Schrifttums wie als vorzüglicher Pädagog belanntc Religionklehrcr Herr L. Wiesner in der oben erwähnten wissenschaftlichen Beiläge in vortrefflicher Weise geschildert und nachgcwicsen daß er (Samuel b. Schelath) den Ratschlägen, Winken und Weisungen Nabs stets volles Verständnis entgegenbrachte und bestrebt war,.diese mit aller Exaktheit auszuführcn. Beritas. Armin Freistnger, Öberkantor der isracl. Äultusgenicinde Pilsen. (Zu seinem 40jährigen Diensijubiläuin.) ' ״Da kam ein Mann, dein fliicht'gcn Volke entstammt. Begeistert von der Muse heil'gent Drang Der schlug die Zionsharfe gottentflanlmt. Daß sie wie unter Davids Fingern klang Utld zog ans Herz mit liebevollem Fleiße Ter Väter heilige und hehre Weise Mit dein Gesetz der künstlerischen Schöne Band er die alten heimatlosen Töne." Mit dicscnt hochpoctischcn Prolog aus der Feder des Dichters der ״Dcborah", S. H. Mo senthal, der anläßlich des 40jährigen Kantorjubiläums Saloinon Sulzers gesprochen wurde möchte ich die Jubelfeier einleiten, die unser Kultusvorstaud seinem verehrten Altmeister Öberkantor Freisingcr, in diesen Tagen als dankbare Huldigung für seine gesanglichen Leistungen im Dienste der Gemeinde, festlich begehen wird. Wie bereits in diesen Blättern gemeldet wurde, sind cs ant 0. Juni d. I. 40 Jaljre, seitdein Öberkantor Freistnger sein Amt in hiesiger Gemeinde angetrcten hat. Der Jubilar wurde am 0. Oktober 1846 in Balassa Gyarmath (Ungarn) geboren und huldigte schon im* zartesten .Knabenalter dein traditionellen Synagogengeange und der Musik. Auch der Vater Freisingcrs schlug die Zions- Harfe so mächtig und so wundervoll, daß der Knabe schon im Elternhause Gelegenheit hatte, 'eine gefühlvolle Sopranstimme, die in einem melodischen מתיקות ihr Gepräge erhielt, künsterisch wciterzubilden. Seine musikalische Ausüldung erhielt er bei den Professoren Kawalczik und Stall in Budapest, und in welch glanzvoller Weise der Jünger die Erwartungen seiner Lchrcr übcrtraf, beweist am deutlichsten der Umtand, daß ernste Verhandlungen mit ihm gepflegt wurden, uni ihn für die königl. Hofoper in Budapest zu gewinnen. Sein strengreligiöser inn bestimmte ihn aber, der Synagoge treu zu bleiben, um seine Gesangesblüten als Kranz der Verherrlichung auf die Stirne des Judenums zu drücken. Er wollte Jude bleiben und als Lcwite zum Preise Gottes siugcn. Nach kurzer Amtstätigkeit in Tcmesvar, Gran, Großwardein und Preßburg folgte er am 0. Juni 1878 dem ehrenvollen Rufe der isracl. Äultusgcineinde in Pilsen, woselbst er auch außerhalb seiner Berufsätigkeit durch Friedfertigkeit, Leutseligkeit und durch seine gewinnenden Umgangsformcn in den weitesten Kreisen sich Achtung und Wertschätzung erworben. Oberkantor F r e i s i n g e r, der cwigjunge, glutvoll Sänger, besitzt ein mächtig aushallendes rgan, das durch seinen melodischen Wohlklang und seine markige Fülle.überwältigt und entzückt. Er versteht cs meisterhaft, den altherge- ׳״rächten Melodien ein musikalisch künstlerisches Gepräge zu verleihen und durch die ideale Ver schnielzung von Wort und Ton, von Tradition und Modernen, in der Rezitation das Herz der Betenden zu crhebeii und zu erschüttern. Sein eines Verständnis der Gebctsprache beseelt und beflügelt seine inarkige Stimme und setzt die vorgetragenen Worte jenes indefinite Licht auf, das sie wie ein zarter Hciligenscheiu umgibt. Die cclc des Gebetes erzittert in jener Zwiesprache tnit dem Unendlichen und mächtig klingt sie aus dem visionären Tintbrc seiner ebenso schönen als kräftigen Stimme wieder. Je höher er seine ־ timmc aufsteigcn läßt, um so reiner und Herrlicher schlägt er den Triller und umso tiefer dringt er in die Seele der Betenden. Doch nicht allein durch seine Glanzleistungen auf künstlerischein Gebiete, sondern auch kraft feiner musterhaften religiösen Lebensführung, wie durch feine nie ermattende Pflichttreue im Dienste der Geineindc, ist er eine gekannte und anerkannte Zierde seines Standes und mit gerechtem Stolze nennen seine Bcrufsgenossen ihn als den Jhrigen, von dessen Ruhin und Glanz ein Widerschein auch auf sie fällt. Oberkantor Freisinger hat den Kantorenstand zu Ehren gebracht und auf ihn kann das Wort unserer Weisen angewendet werden. לא המקום מכבד את האדם אלא האדם מכבד אמקומו ״Nicht der Platz ehrt den Mann, sondern der. Mann bringt den Platz zu Ehren." Möge der verehrte Jubilar, der seinen Platz noch heute nach lOjährigcr Amtstätigkeit voll und ganz aussüllt, diesen Platz noch lange zieren und schmücken. Pilsen, in den Scfirahtagen 5673. Dr. Link. *י) Während der ssrausamen Verfolgungen, denen die Pharisäer unter Hirkan und Alexander Janäus prcisgcgcbcn Ivarcn, entstand dem Rabbinismus in der Person dcS Simon b. Schctach sein Rcdcmptor und Be gründcr, der, Ivic der Talmud sagt, durch seine übcrau segensreiche Tätigkeit der Krone des Gesetzes ihren früheren Glanz wieder zu vergleichen verstanden hatte (Kid. 00.) Er soll, wie der Ealmud (Bcr. 48) berichtet, der Bruder der Königin Alexandra Saloma, Gattin des vom Pharisäismus abgcfallcncn Königs Alexander Ja näuS, gewesen sein, daher er auch am königlichen Hofe als einflußreiche Dignität figuriert hatte. sich von dem begangenen Unrecht zu reinigen, damit er ihn wieder in herrlichen Glückstand cinsetze. Hiob weist die Belehrung Zophars über die Größe und Allmacht Gottes zurück, indem er behauptet, er kenne die Allmacht Gottes so gut wie seine Freunde. Zum Beweise dafür schildert er viel beredter als Zophar das Walten, die Macht und die Weisheit Gottes; aber auch die Folgerung, daß sein Schicksal ein verdientes sein müffe, weist Hiob entschieden zurück, lvarnt die Freunde vor einer Gottes unwürdigen Parteilichkeit und bedroht sie dafür mit den Strafen Gottes und dem Schrecken seiner Majestät. Von den Freunden sich ablvendend, lvcndet er sich an Gott und fragt ihn nach den Ursachen seines Leidens. Gott sollte ihm sagen, warum er ihn anfeinde? es sei doch seiner nicht würdig, ein so elendes Wesen aufs äußerste zu verfolge!,!. Schließlich legt er die Kurzlebigkeit und Schwäche der Menschen dar, weshalb der Mensch billigerweisc Gegenstand der göttlichen Nachsicht sein müßte; gerne möchte er die Strenge ertragen, wenn er wüßte, daß cs ein Leben nach dem Tode gebe, in welchem er sich der Freundlichkeit seines Gottes wieder erfreuen dürfte; ivie geduldig wollte er sein Leid tragen, wenn Gott, ihn nur solange, bis sein Zorn vorüber ist, dem Tode anhcimgcbcn, danach aber daraus wicderkehren lagen ivollle. / 2. Zweiter R ede zy k l u s. c. 15—21. Die Freunde, die die Erfolglosigkeit ihrer bisher!- gen Zusprachc cingcschcn haben, müssen eine neue Stellung gegen Hiob cinnehmen, wenn der Streit nicht unausgesochten abgebrochen werden soll. Die Art wie sie ihn behandeln, ist jetzt rücksichtsloser und verletzender; sic setzen durch sein eigenes Reden voraus, daß er einer göttlichen Züchtigung bedürftig war, und malen ihm Schreckcnsbildcr von der Zukunft des Frevlers aus. Hiob aber erhebt sich über die Leidenschaft des Schmerzes; je mehr ihn die Menschen im Stich lassen, um so stärkcr llammert er sich an seinen Gott; das Bewußtsein von einem gerechten Gott führt ihn den rechten Weg. Gott, sein Beschützer wird sich erheben und für seine Unschuld zeugen. a) Eliphas straft Hiobs hoffärtige Lästerung; er muß sich lvundcrn, wie ein Mann, der für weise gelten will, so stürmische und zugleich so Nutzlose Reden sprcchcn könne. Ganz besonders muß er ihn zurechtweisen, wegen seiner Leidenschaft und Empörung gegen Gott, die umso grundloser ist, als kein Mensch vor Gott gerecht sein kann. Hat er im ersten Zyklus sich nur in allgemeinen Sätzen über die Allgercchtigkcit Gottes bcwcgt, Hiob selbst daraus den Schluß aus seinen Leiden überlassend, spielt er jetzt schon deutlich auf die Verschulduug HiobS an und rügt sein gotteslästerliches Benehmen. Hiob weist die von Eliphas vorgcbrachtcn Reden, die Trost sein sollen, aber das Gegenteil von Trost bewirleu, als cinec leere, nichtige ab. Ihr selbst kann iveder das Reden noch das Schweigen Linderung der Schmerzen bringen, jedoch kann er sein Leid unmöglich still ertrugen und darum klagt er bitter, daß Gott ihn trotz seiner Unschuld und Frömmigkeit überfiel und zertrümmertc, erbarmungslos ihn zum Zielpunkte seiner tödlichen Zorncswafsen machte und ihn dem Hohne der Feinde preisgab. Aber je mehr er sich von den Menschen verhöhnt und verabscheut sieht, um so mehr wird er sich des Schutzes Gottes bewußt und hält trotz aller Versuchung an Gott treu fest." O Erde, bedecke nicht mein Blut und keine Ruhestatt finde mein Geschrei! Schon jetzt sieh im Himmel ist mein Zeuge und mein Gewährsmann in den Höhen. Meine Spötter sind meine nächsten Freunde, aber zu Gott hin tränt mein Auge." Tic Tröstungen der Freunde und die Aussichten aus Besserung im Falle der Buße erklärt er für unvernünftig und unbrauchbar, indem er auf den baldigen Tod hinwcist. Nur von Gott, nicht aber von den Hoffnungen der Freunde erwartet er eine Befreiung. b) Bildad weist mit Entrüstung die Urteile von sich und seinen Freunden zurück und schildert mit dcutlicher Anspielung auf Hiob den sicheren Fall des Frevlcrs, wie überall Netze, Stricke und Fallen ihm drohe», um ihn zu stürzen und wie überhaupt sein Glück ein plötzliches gewaltsames Ende nehme. Hiob ist lvcgen der Schroffheit der Freunde, die ihn unbedingt zum Sünder stempeln wollen, sehr cmpört und weist alle ihre Reden als Beschimpfung zurück, zumal sic tatsächlich kein Vergehen von ihm wissen. Er beharrt bei der Behauptung, daß Gott ihn nicht der Sünden wegen leiden läßt; ohne Rücksicht aus seine Ilnschuldbctcucrungen und Beschlvcrden hat er ihn mit Leiden aussichtslos eingeengt, ihm die Ehre eines rechtschafsencn Mannes genommen und ihn zum Gegenstand seiner Zorncsanfcindung gemacht. Von neuem bricht er in eine dumpfe Klage aus. Als er, seine Lage überschauend, sieht, daß sein Körper zum Skelett geworden ist, daß die Freunde, Bekannten und Verwandten, ihm Das Problem des Hiob und die Art seiner Lösung namentlich mit Rücksicht auf die Reden Gottes. Von Dr. S. N a g e l b e r g. (1. Fortsetzung.) c) Zophar schildert zuerst die Allmacht und Allwissenhcit Gottes, die der Mensch nicht erreichen kann. Daraus zieht er den Schluß, daß Gott an Hiob Sünden erkannt haben müffe, die er nur milde strafe. Zophar empfiehlt ihm daher, sich zu Gott zu wenden und! entfremdet und untreu geworden, ja sogar das Gesinde

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