Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1913)
- Date
- 1913-05-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22. Seite 10. ״Jüdische Volksstimme." SLjum des Goldenen Buches. ״Tas Goldene Buch des Nativnalfonds wird immer mehr zu einer Chronik des jüdischen Volkes. Alle tragischen und freudigen Ereignisse, die in irgendeiner Beziehung zur jüdischen Geineinschast flehen, werden zum bleibenden Andenken in diesem Buche niedergelegt, das später dem künftigen Jüdischen Museum im heiligen Lande übergeben werden soll. Vom ersten Baseler .Kongreß über die Gräber von Kischiniew bis Trohobycz, von dem düstern Tage, da Theodor Herzl von uns ging, bis zu den Jahrzeittagen, die jüdische Pietät ihren Lieben widmet, vorbei an den Marksteinen, ivelche die Tagungen der Zionisten in allen Ländern in unserer Geschichte darstcllcn, die freudigen Ereignisse der großen Gemeinschaft und der jüdischen Familie, — all dies findet seinen Ausdruck in den Blättern des Goldenen Buches." To schrieben wir in unserem Bericht zum lebten Kongreß. Wie sehr die Anziehungskraft des Goldenen Buches tingeschwächt fortwirkt, beweist die Tatsache, daß der erste Band mit 5000 Eintragungen in wenigen Neonaten seinen Abschluß findet. Aus diesem Anlasse ist uns von vielen Teilen die Anregung ,zugegangen, die lebte Eintragung des ersten Bandes und die erste des neuen Bandes für einen Wettbewerb ans,zuschreiben. Wir bemerken, das; der zweite Band sich bereits in Vorbereitung befindet und daß in der .xtunstgewerbcschule Bczalel ein prächtiger, künstlerisch ausgestatteter Einband hergestellt rvird. Beide Bände des Goldenen Buches werden voraussichtlich gelegentlich des Wiener Kongresses ausgestellt werden. Ter obigen Anregung entsprechend, eröffnet nunmehr das Hauplbnrean einen Wettbewerb unter folgenden Bedingungen: Teilnahmsberechtigt sind diejenigen Personeu und Körperschaften, die vom 1. Juni d. I. ab bis znm Tage der Auslosung, .־>. September 191b, den Mindestbetrag von 10 Pund Ttcrling _20 .־r> Mark : - 240 K für eine Golden- Blichcintragung gespendet haben und erklären, an der Auslosung teilnehmen zu wollen. Tie Auslosung selbst erfolgt aus dem 11. Kongreß in Wien und ihr Ergebnis wird daselbst öffcnt-!ich verkündet. Diejenigen Teilnehmer an diesem Wettbewerb, welche nicht zu den beiden Ausgclosten gehören, werden auf den e r st cn Seit e n des neuen Goldenen Buckes in der Reihenfolge der Höhe der für jede Eintragung gespenderen stimme eingetragen werden. Wir hoffen, daß die Beteiligung an dem Wettbewerb recht rege sein wird und aus diese Weise der Nationalfonds einen Teil der großen Mittel erhalten wird, deren er heute dringender als je zuvor bedarf. Literatur. LudwinBirschfcld: ״Tic plötziickie Insel", Novellen. Ersäiicncn im z'enicnverlag z» Leipzig. <In Neinleinen 'S MI. 50 Pf.) Tie meisten kennen 11'ülil Ludwig Hirschfeld, den sinnouthischen Plauderer, aus seinen in der ״Neuen Freien Presse" veröffentlichten Beiträgen. Nun ist von ihm wieder ein Buch erschienen. Ein Band Novellen. Steven Erzählungen enthalt dieses Buch, lind alle sind uiuglanzt von einem verständigen Humor und einem Sinnieren über allerhand Tinge», die uns recht nahe gehen. stn der Titclnovclle: ״Tie plötzliche Insel" schilder! der Autor, wie zivei Menschen — er und sic — hei einem Segelbooiausslug ans dem Mondsee, während einer Uebcrschwcunnnng vom Wind verschlagen werden und ans eine ״plötzliche Insel" gelangen, die aus der tveiie» Wasserfläche einsam hervorragt. Tas Wasser ringsum steigt und steigt und kriecht immer näher zu diesen Heiden Menschen, die sich hier aus dieses kleine Inselland geflüchtet Hatzen. Es wird Nacht. Und das Wäger steigt noch iimner. Beide sind jung und von Todesangst durchtzetzet. Und alle Gesetze der Konvenlian, denen sie ansonsten treu ergehen sind, versinlen angesichts der nahenden Todesgefahr. Er spricht zu ihr, wie er cs sonst niemals wagen würde. Und sie erschauer! in stiller Todesangst und schenkt seinen tzerauschenden Worten sststes Gewähren. Doch am nächsten Morgen merken tzcidc voll Bestürzung, das; das Wäger gesanken und das; die Todesgefahr vorützer ist. Und das 1 raum selige seines heiler blinkenden Lebens und seines traurigen Sterbens. Besonders schön beschreibt der Autor, wie diescr Junggeselle, der sein Lcbcnlang der Religion und ähnlichen Tingcn recht ferne stand, in den Stunden des Stertzcns sich seines Iudscins entsinnt und wieder zu beten weiß. wie einstens als Kind: Schcmah jisroel... Bon den anderen Novellen wären noch insbcsonderc zu erwähnen: ״Geschichte ohne Namen" und ״Die .׳iirchcnschändung". Alle Historien dieses Buches behandcln interessante Themen und erfüllen uns mit kästlichem Mitempfinden. Und wenn wir das Buch zu Ende gelesen haben, denken wir noch lange an diese angcnehnie Lektüre. Mit einem Wort: Es ist ein Buch, das recht viele Auflagen verdient. Lemberg. Lorenz S ch c r I a g. S. Kissclhoff: Das jüdische Volkslied. Berlin, Jübischer Perlag, 22 3. 50 Pf. ״Tie jüdische Gemeinschaft" nennt sich eine Sammiung,!velchc unter der Redaktion von Dr. Ahron Eliastzerg erscheinend, Reden und Aussätze über zeitgenössische Tragen des jüdischen Bolkcs verösscinlicht in der Gestalt kurzer, austlärcndcr Broschüren. Wir haben an dieser Stelle die beiden ersten Hefte bereits angezcigt: Moritz Gold st eins ״Begriff und Programm einer jüdischen Nationalliteratur" und Alexander Schülers ״Rassenadci der Inden". Tie vorliegende dritte Broschüre bchandelt ein Thema, das vor einem Jahrzehnt bei uns noch ganz untzekannt war, heute aber, dank der Agitation von Leo W i n z, dank G o l l a n i u s künstlerischer Tätigkeit usw. auch bei uns mehr bekannt wird: das Poltslied der Citjnden. Aus knappem Raume charakterijiert Ä isselhoff das jüdische Volkslied sowohl nach seiner mnsikalischcn, wie nach seiner inhaltlichen Seile hin. unterrichtet den Leser über seine vcrschicdenen Arten als Hochzeitslicdcr, Wiegenlieder usw. Tas Schristäien wird, gleich den früheren, sehr dazu beitragen können, Inden und Judentum kennen zu lernen. I. L. Pcrez: Volkstümliche Geschichten. Aus dem Jüdischen übersetzt von Mathias Achcr. Jüdischer Perlag, Berlin. kW 3. 2 Mark. Schon vor acht Jahren hat der Jüdische Verlag eine Auswahl ans den Skizzen und Erzählungen von Juda Leibusch Pcrez, dem grössten jüdischen Dichter unserer Generation, veröffentlicht. Damals sollte den Westlern ein Bild von den Schöpfungen dieses Großen gegeben werden, und so enthielt das Buch Erzählungen aus den verschiedensten Gebieten; neben mancher aus- Ilärcndcn Skizze die innige ״Seclcntvandlung einer Melodie" und die ״Kabbalisten". Das Buch, das uns der Verlag diesmal vorlegt, ist aus einer Stimmung hcrausgcwachsen: aus einer tiefen Gottessichcrhcit und aus einem unerschütterlichen Vertrauen. So sehr überträgt sich diese gottinnigc Stimmung des Buches dem Leser, daß all die Wunder, die da berichtet werden, wie selbstverständlich erscheinen. Pcrez erzählt die Legenden in so schlichtem, tiatürlichcm Ton, als erzählte sie uns die Großmutter selbst: von Sore bas Tojwim, der Verfasserin der Tchiuc, die wie eine gute Fee Braut und Bräutigam zusammensührt, vom Verfasser des Eurach Schalim und dem Wasserträger, der den frommen vom unsrommen Gelehrten unterscheidet, vom Rebtze Leib SsoreS, dem tzcrühni. Ehasid, vom ״Spaler Scjdcn", vom Baal Schein, vom Wehrwolf.... Und wir zweifeln keinen Augenblick, daß all das, was er erzählt, lauterste Wahrheit ist.... Pcrez ist der erste Dichter der jüdisäten Literatur gewesen, der zu unserer ״Blauen Blume" zurückgekchrt ist, der die Welt des Ehasiidismus, für die Poesie erschlossen hat. Was Martin B u b c r in seiner kostbaren und reichen Sprache deutsch erzählt hat. das erzählt Pcrez jüdisch in der denkbar schlichtesten Io rin, ivic das Volk selbst erzählt. Wie etwa die Ehassidim selbst erzählen mögen, wenn sic zum Rcbbcn ״sahreu". Dabei merkt mau in aller Schlichtheit den großen Tiätler. Man lese ettva ״Zu Häupten der Sterbenden": Schon viele Jahre hallt zweimal im Tage Leibls ״Schma Iissrael" durch alle sieben Himmel. Wie Silberkügelche», so rollt sein Echo — 0 — oddd zu Füßen des göttlichen Thrones." Ein solches Bild vergißt man niemals wieder. So ist denn nur zu wünschen, daß diese ״Volkstüinlichcn Geschichten" auch wirklich bei uns recht volkstüm-!ich würden und vor allem — daß jedes jüdische Mädchcn, jede Frau sie gelesen, nein, sic erlebt hat! Tas Buch erscheint als drittes in der Sammlung jüdischer Bücher ״Vom allen Stamm". 1 7 •7 "׳< Behufs Anlegung eines Katalvgcs für jübische Jngeudbibliotheken, werden unsere Leser und Mitarbeiter dringend gegeben, uns für die i Jugend empfehlenswerte Bücher sowie den Ver-!lag derselben bckauutzugcbenl Zur Gründung einer jüdischen Verlagsgesellschaft. Wir erhalten folgende Zuschrift: Löbliche Redaktion! Tie Ausführungen des Herrn Dr. S. S. in Nr. 21. Ihres gesch. Wochenblattes über die geplante Gründung einer Jüdischen Verlagsgcsellschaft wird gewiß jeder, der einmal in die Lage kommt, ein Werk zu verlegen, Vollinhalt-!ich unterschreiben. Es ist in der Tat beschämend, daß in der großen österreichisch-ungarischen Manarchie kein einziger nennenswerter jüdischer Verlag besteht und daß österreichisch-ungarische Autoren schließlich auf das Ausland angewiesen sind. Sehr wahr und treffend sind auch die Bemerknngen des Artikelschreibers über das Verhalten der deutschen Verleger gegenüber den jüdischen Schriftstellern. Dies gilt aber keines- Wegs nur von den ausländischen Autoren, sondern auch den deutschen Autoren geht cs im Reiche nicht viel besser. Der leider allzu früh verstorbene Rabbiner in Lissa (Posen), Dr. S. Bäck s. A., Pflegte häufig zu erzählen, welche Schwierigkeiten er zu überwinden hatte, bis es ihm gelang, seine Jüdische Geschichte zu veröffentlichen, d. h. einen Verleger zu finden. Das Manuskript, so erzählte er einmal Schreiber dieses, türmte sich zusehends meterhoch an, die Arbeit, die ihn anfangs freute, gedieh vorzüglich. Aber wo einen Verleger für diese Niesenarbeit hernehinen? Er sah sich endlich genötigt, sein Werk für jedes Angebot hinzugeben, um die Berge von Manuskripten endlich los zu werden. Diese kurze Reminiszenz spricht Bände. Freilich soll damit nicht gesagt sein, daß der zu gründende Jüdische Verlag in Oesterreich ivahllos Vorgehen und jede Arbeit von jedem Autor kritiklos annehmcn soll*). Aufgabe der Jüdischen Verlagsgesellschaft soll vielmehr sein, nur gute u. gediegene Werke herauszugeben, um nur selbst Autoren zu fördern, die einer Förderung durchaus würdig sind. In diesem Falle kann die Gründung der jüdischen Verlagsgesellschaft nur freudig begrüßt und ihr eine glänzcndc Zukunft vorausgesagt werden. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. L. N. B. Berlauget in allen Hotels, Restaurationen, Kaffeehäusern, Lesehallen, Selchereien, Rasieralons, Bibliotheken die ״Jüdische Volksstimme." Für die jüdische Wissenschaft. Der Jüdische Buch- und Kunstverlag in Brünn bringt hiermit zur Kenntnis, daß er in der Lage ist, wissenschaftliches Material aus Talmud und Midrasch, sowie aus der Mittelalterlichen und neuzeitlichen hebräischen Literatur in reichster Fülle für alle Zweige der modernen Wissenschaften zu liefern. Die Zitate sind entweder punktiert oder transkribiert, deutsch übersetzt und sachlich gruppiert. Ebenso ist der Verlag in der Lage, Literaturangabcn und Öuellenverzeichnisse aus den verschiedenen Literaturen und Sprachen in erschöpfendem Maße zu beschaffen. Alles nur in Manuskript erhältlich. Jüdischer Buch- und Kunstverlag Brünn, Adlergasse. *) Anmerkung der Redaktion: Ter geschätzte Herr Einsender befindet sich da in einem argen Irrtum. Von einer wahllosen Annahme jedes eingcsandtcn Manujkriptcs kan» natürlich nicht die Rede sein. An der Spitze der Gesellschaft werden Männer stehen, deren wissenschaftliche und literarische Tätigkeit über jeden Zweifel erhaben ist und die in der ganzen jüdischen Welt sich des besten Rufes erfreuen. Wir werden in einem späteren Zeitpunkte noch darauf zurnckkommcn. jj Sternhof i bestes aller Bitterwässer. znietbewußlsein dieser beiden Menschen schwindet und sie setzen und bedeuten allesganz anders, ״wie man eben ans dem seilen Lande denkr und sieh:". Tic Erzählung ״Beim ledigen Onkel" ist eine leinziselierte Schilderung eines nliernden Innnaesellcn.1