Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1913)
- Date
- 1913-05-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 22 »Lübtsche volksstimme." Seite 7. Das Problem des Hiob und die Art seiner Lösung namentlich mit Rücksicht aus die Reden Gottes. Von Dr. S. Nagelberg. Das Buch Hiob behandelt eine der schwierigsieii Rätselfragen, die dem Menschen entgegentreten: Warum kommen über den Frommen Leiden auf Leiden? Tie Erörterung dieser Frage geschieht in der Form eines Gespräches zwischen dem tugendhaften schwergeprüften Hiob und seinen Freunden. Zweierlei an sich religiöse Anschauungen treten sich gegenüber, bis Gott selbst die Frage zum Austrag bringt. Sowohl Hiob als seine Freunde gehen von der Anschauung aus, daß Leiden nur als Strafe der Sünde angesehen werden können. Auf Grund dieses Satzes schließen die Freunde, daß Hiob ein Gottloser sein müsse, da Gott nicht ungerecht handeln könne. Demgegenüber behauptet Hiob, sich keiner ungerechten Handlung bewuht zu sein und schließt daraus, daß Gott willkürlich handle. Hiob kann bei seinen Freunden kein Recht, geschweige Trost erlangen und so nimmt er — das ist die Wendung in seiner inneren Stellung zu Gott — zu dem einzigen Hort unschuldig Leidender, zu Gott seine Zuflucht. Zuletzt erscheint Gott selbst, der dem Streite der Freunde dadurch ein Ende macht, daß er Hiob vor den Freunden rechtfertigt, wenn er ihn auch demütigt. Der Lehrzweck dieser religiösen Dichtung ist, darzutun, daß Gott den Frommen bisweilen mit Leiden heimsucht, um seine Standhaftigkeit und sein Gottvertrauen zu erproben und aller Welt ein Beispiel der wahren Frömmigkeit zu geben. Die Leiden des Frommen sind nicht als Strafleiden, sondern als Prüfungs- und Läuterungsleiden zur Ehre Gottes zur Verherrlichung des Frommen zu betrachten. Die Entwicklung des Problems und die Art seiner Lösung ist folgende: 1. Der Streit der Freunde mit Hiob über den Grund seiner Leiden. Er st er Redezyklus c. 4—14. 0) Eliphas verweist Hiob, der über seine schweren Leiden in bittere Klagen ausbricht und den Tag seiner Geburt verflucht auf die Art, wie er früher die Leidenden zu trösten und zu stärken wußte, und fragt ihn, ob denn nicht seine Frömmigkeit ihm ein Grund der Hoffnung und des Vertrauens sei. Er gibt ihm zu bedenken, daß Gott einen frommen, redlichen Menschen nie umkommen läßt, vielmehr nach seiner Erfahrung, verfallen die Gottlosen einem plötzlichen Untergänge. Aber eine nächtliche Offenbarung lehrte ihn, daß der Mensch überhaupt nicht rein und gerecht vor Gott sein kann, folglich ist der Unmut über ein Leiden nicht nur unberechtigt, sondern töricht, sündhaft und strafwürdig; nur der Tor lehnt sich murrend gegen Gott auf, aber nur zu seinem eigenen Schaden, denn die Erfahrung lehrt, daß Gott die Horen oft plötzlich vernichtet. Er erteilt Hiob daher den Rat, sich vertrauensvoll an Gott, den gewaltig und unerforschlich Wirkenden zu wenden, der mit überlegener Macht und Weisheit jeden Ucbermut, jede menschliche Klugheit zuschanden macht und der unterdrückten Unschuld zu ihrem Rechte vcrhilft. Glücklich ist der, welchen der Ewige züchtigt, denn den, der sich züchtigen läßt, wird er wieder heilen und ihm aus allen Nöten wunderbar befreien, im Leben ihn beglücken und eines glücklichen Todes sterben lassen. Hiob rechtfertigt seine bitteren Klagen durch das Uebermaß seiner Leiden und schilt die Unbarmherzigkeit seiner Freunde, die statt des gehofften Trostes nur strafende Worte für ihn haben. Er beteuert seine Unschuld mit den Worten: ״Nie habe ich die Worte des Heiligen verleugnet," weshalb es ihm auch unmöglich sei, die Schwere seiner Leiden ohne Klage zu ertragen. Mühsalvoll ist das Menschenleben überhaupt und das seinige insbesondere! Er bittet daher wehmütig Gott, sich seiner zu erbarmen, che sein Leben dahin sei. Warum komme Gott über einen Menschen, der nur ein geringes Geschöpf ist, und verfolge ihn bis zum Tode? Im Grunde genommen sei doch der Mensch zu unbcdeutend, als daß ihn Gott als Zielscheibe machen sollte. ״Sollte ich auch gesündigt haben, was habe ich damit gegen Dich ausgerichtct, D» Menschenbildner'?" Warum hast Tu mich immer zur Zielscheibe Deiner Vrrsolguiige» gemacht, so das, ich mir nun selbst zur Last geworden bin?" Am Leben liege ihm nicht, jedoch Ruhe inöchre er diese kurze Frist habe», die das Lebe» dauert. b) Bildad ist derselbe» Ueberzeugung wie Eliphas. Er fordert den Hiob aus, seinen stürmischen Rede» ei» Ende zu machen, Gott handelt nie ungerecht, straft nie einen ganz Unschuldige», sonder» führt vielmehr den Lauteren und Geraden in erhöhtes Glück zurück. Er beruft sich aus die Erfahrung früherer Geschlechter, daß es mit dem Frevler, sobald ihm Gott seine Gnade entziehe, ein böses Ende nehme. Hiob müsse selbst wegen seiner Frevcltateu sein Leide» heraufbeschworen haben: Gott sei erhaben, um »»gerecht zu fein, er suche nur den Gottlosen heim. Hiob gibt die Erhabenheit Gottes und seine eigene Nichtigkeit zu aber er behauptet, daß die Allmacht nicht im Dienste der Gerechtigkeit, sondern in! Tienste einer schrankenlosen Willkür flehe, die den Frommen lvie den Bösen schlägt und der gegenüber der Mensch ans jede Selbstverteidigung verzichten muß. Gegen Gott kann keiner sein Recht geltend machen, selbst wenn er es durchsetzen könnte, daß Gott ihm zum Rechtsireit sich stellte, so würde er ihm doch durch seine lieber,nacht erdrücken, so daß er vor Furcht kein Wort fände. . Unbekümmert um alle Folgen schleudert er Gott die Behauptung seiner Unschuld entgegen und erklärt offen und frei, daß Gott die Menschen nicht nach Recht behandle, und daß Schuldige und Schuldlose dem glcichen Verderben verfallen. Er fordert von Gonihn nicht widerrechtlich zu behandeln und ihn nicht mit seiner furchtgebictcndcn Majestät abzuschrecken. Er hält ferner Gott den Widerspruch entgegen, daß er ihn geschaffen, um ihn wieder zu verderben, schließt dann mit der Bitte, Gott möge doch lieber den Menschen schonen, lieber wolle er das Nichts und die Vergangenheit als die gualvollen Strafen. (Fortsetzung folgt.) כשר Hötel* Restaurant Josef Guth,Wien II Stephani eatraase 14. Telephon 13702, Bestrenommierte Küche **am* u. vorzügliche Getränke. Hotel Stephanie. Hotel Stephanie. M. 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